Blog State of the Union

Nico Schlotterbecks Ausfall ist schade für Unions Offensivbemühungen

Das vom Kicker Montag genannte Interesse Unions an einem Innenverteidiger mit Fähigkeiten zum Außenverteidiger bewahrheitete sich gestern am letzten Tag der Transferperiode nicht. Stattdessen gab Union drei Spieler ab, die im Kader für sich selbst keine Chance mehr sahen.

Joshua Mees wechselt nach Kiel in die Zweite Liga, um wieder mehr spielen zu können (Vereinsmitteilung). Sowohl die stärkere Konkurrenz als auch sein sportlicher Status nach mehreren Verletzungen in der vergangenen Saison dürften den Ausschlag gegeben haben. Die Berliner Zeitung merkt an, dass Union für Joshu Mees vor 2 Jahren noch eine Ablöse gezahlt und er jetzt ablösefrei wechseln würde.

Das liegt zum Teil an den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf den Transfermarkt, auch wenn in der Zweiten Liga wirklich nicht so häufig Ablösen gezahlt werden. Für Union dürfte es am Ende eher darum gegangen sein, kein Gehalt mehr zu zahlen, statt noch eine Ablöse zu erzielen. Das ist dann eine Abwägung, wie sie am letzten Tag der Transferperiode getroffen wird.

Mit Berkan Taz (zu Drittligist SC Verl) und Lars Dietz (zu Zweitligist Würzburger Kickers) verlassen zwei Spieler Union, die eigentlich keine Chance im Kader von Union hatten. Dafür wechselten sie zu Clubs, wo sie ebenfalls die Chance haben, im Profibereich konstant auf ihre Spiele zu kommen. Ich verstehe einerseits diejenigen, die sich darüber beschweren, dass die Spieler abgegeben wurden und nicht mit Kaufoption verliehen. Aber bei Lichte betrachtet wäre das nicht fair den Spielern gegenüber, die sich im Bundesligakader nicht behaupten konnten und wie Taz und Dietz bereits in der vergangenen Saison verliehen waren.

In den Berliner Medien wird das als quantitative Ausdünnung des Kaders betrachtet:

Wenn ich mir die durch Leih-Enden etwas aufgeblähte Transferbilanz der Zugänge und Abgänge bei Union bei Transfermarkt so anschaue, dann war da einiges los und ich würde auf jeden Fall daran scheitern, jeden einzelnen Spieler aufzuzählen. Respekt, dass Oliver Ruhnert da den Überblick behalten und gleichzeitig in dieser schwierigen Transferperiode solche Wechsel hinbekommen hat.

Nico Schlotterbeck fällt länger aus

Nach seiner Oberschenkelverletzung im Spiel gegen Mainz fällt Nico Schlotterbeck nun länger aus. Wie lange? Darüber wird sich in der Vereinsmitteilung ausgeschwiegen. Dort ist nur von den “kommenden Wochen” die Rede.

Das klingt bei einem Ausfall eines Innenverteidigers vielleicht etwas blöd, aber damit wird Urs Fischers Team tatsächlich einer guten Offensivoption beraubt und ich hoffe, dass vielleicht ein anderer Spieler diese Läufe nach vorne machen kann in den nächsten Bundesligaspielen. Denn Nico Schlotterbeck hatte nicht nur Zug zum Tor bei Standards, sondern schaltete sich auch so in Offensivaktionen ein, was den Entscheidungsdruck auf die Defensive des Gegners erhöhte. Schlotterbecks Gegenspieler mussten sich entscheiden, ob sie den Verteidiger ziehen lassen oder mitgehen.

Nico Schlotterbeck verlässt humpeln mit bandagiertem Oberschenkel den Rasen, Foto: Matze Koch

Apropos Spiel gegen Mainz: Im Rasenfunk wird vor allem das schnelle Direktspiel Unions gelobt und angemerkt, dass Union damit vielleicht auch das Risiko von Ballverlusten im letzten Drittel eingeht, aber sich so schneller und überraschender in die gefährlichen Räume kombinieren kann.

Hans-Martin veröffentlicht auf Twitter übrigens wieder sein Klassenerhaltsbarometer, das den Abstand zum Relegationsplatz 16 in Punkten und Platzierungen misst. Je höher die Zahl, desto besser für unser aller Wohlbefinden.

Und sonst so?

Grüße an alle, die bereits gestern die DVD “Dit is Union, verstehste” erhalten haben und dann sehen konnten. Ich hole mir mein Exemplar heute aus einer Postfiliale ab, weil mein Stamm-Zusteller wohl Urlaub hatte und seine Vertretung nicht die Rentner kannte, bei denen wir im Haus alle unsere Päckchen abholen. Das bisherige Feedback verleiht dem Film auf jeden Fall das Prädikat Erpelpelle.

Das kann ich auch für den Text von Jacob Sweetman versprechen, der die Veränderung des jungen Stevies zum Profi Steven Skrzybski anhand mehrerer Treffen nachvollzieht und seinen Weg zum FC Schalke. Und gleichzeitig ist es auch eine kleine Geschichte der Veränderungen Berlins und wie ein Rand-Berliner wie Steven Skrzybski die Stadt für sich entdeckt und wahrnimmt.

Ich habe den Text mit sehr viel Gewinn gelesen, auch weil er die Geschichte rund um Skrzybskis Meuterei gegen Jens Keller noch einmal aufrollt (wir erinnern uns, dass Keller mit Felix Kroos und Steven Skrzybski dann Kapitän und Vizekapitän auf die Bank setzte).

Keine zwei Wochen vor seiner Entlassung setzte Jens Keller Kapitän Felix Kroos und Vizekapitän Steven Skrzybski auf die Bank, Foto: Matze Koch

Leider haben wir es zeitlich nicht geschafft, den Text auch auf Deutsch zu übersetzen. Falls jemand das übernehmen möchte, veröffentlichen wir auch gerne die deutsche Version. Schickt uns die Übersetzung im Zweifel an redaktion@textilvergehen.de.

11 Kommentare zu “Nico Schlotterbecks Ausfall ist schade für Unions Offensivbemühungen

  1. Andi der Kroate

    Was die Übersetzung angeht, dann empfehle ich deepl (https://www.deepl.com/translator). Die Texte sind dann wirklich lesbar und müssen kaum überarbeitet werden.

  2. Musiclover

    Kann ich auch nur empfehlen.

  3. Grummelgrinch

    Zum Thema Transfers… Es waren, wenn ich nicht verzählt habe, inkl. Leihende, Vertragsende oder Karriereende 21 Abgänge. Außer für Anderson wurde wohl kaum Ablöse generiert. Es ärgert mich etwas, dass Union scheinbar nicht die Struktur oder Infrastruktur hat, junge Spieler Bundesligareif zu entwickeln. Kommende Saison wird der Umbruch wohl ähnlich groß. Die Leihspieler gehen, Gentner Karriereende, Trimmel…wer weiß, Goggia wird wohl gehen, Moser vielleicht schon in der Winterpause. Wir haben noch 23 Feldspieler, davon theoretisch 4 Stürmer. Das ist nicht sehr viel Tiefe im Kader, und Breite schon gar nicht. Ich glaube die Saison 21/22 könnte sehr sehr teuer werden … Oder wir werden zum Söldner und Leihverein.

    • Olaf Forner

      Fußballvereine, wie Union Berlin, die über ihrem eigentlichen Finanziellen Niveau spielen, sind Söldner und Leihvereine.
      Die so angeblich nützlichen U 23 nutzen in der Realität nur finanziell starken Vereinen.
      Und vor allem sie Kosten erst ein Mal viel Geld in Gehälter und Infrastruktur.
      Wenn das NLZ fertig und wir finanziell in einer höheren Fernsehstufe sind, gibt es dann die Perspektive Spieler bis an Das Bundesliga-Niveau heranzuführen.
      Stand jetzt ist kein weggeganger Union Spieler auf einem uns helfenden Sportlichen Niveau
      Obwohl er genügend Einsatzzeiten hatte.

    • @olaf, viele Vereine ohne U23 haben ein grosses Problem den eigenen Nachwuchs bis in die BL-Mannschaft zu befördern, auch Union. Ein NLZ-Abgang hat noch einen sehr weiten Weg bis in die Bundesliga vor sich. Da ist ein Profiteam auf dem Niveau der 3. oder 4. Liga schon ein weit besserer Übergang, der ein Talent auch weiter an den Verein bindet.

      Unabhängig davon ist es natürlich eine Diskussion wert, ob und wie die zweite Mannschaft eines 1. oder 2. Ligavereins in der 3. Liga spielen sollte, oder ob da auch nur “erste” Mannschaftan spielen sollten.

      PS: Ziemlich alle Vereine ohne sehr erfolgreiche krumme Geschäfte (damit beziehe ich auch die legalen 50+1 Aushebelungen der “traditionellen” Konzernvereine ein), jahrzehntelangen Schwarzgeldkassen, korrumpierter Funktionäre usw. navigieren quasi ständig auf der Rasierklinge zwischen Überschuldung und Abstiegsgefahr bzw Verfehlen der finanziell zwingend nötigen Wettbewerbe (die bei Erreichen aber auch das Hamsterrad weiterdrehen und das Risiko weiter erhöhen) – und somit sind die alle ständig in einer Situation wo aus halbwegs-kontrollierter Überschuldung ein Ruin entstehen kann.

      Union sorgt also mit den meisten anderen BL-Vereinen brav dafür, dass die Krösusclubs ihre Fussballprivatisierung auf Kosten der Basis weiterbetreiben können und die Spirale weiterdrehen – das ist echt heldenhaft! ;-)

  4. söldner und leihverein 😆
    mir ist ein neuer der alles gibt
    (gentner, trimmel, andrich)
    bei dem einsatz und einstellung stimmen
    gesagtes (möglichst wenig öffentlich) und gezeigtes identisch sind
    tausendmal lieber
    als ein spieler der sich aufeinmal erinnert in schalke bettwäsche geschlafen zu haben oder
    gott bewahre
    #cq2 quiring keine leistung außer in der abseitsfalle
    oder unser super stürmer polter der solange in der presse erzählt wie union er ist bis es hoffentlich auch alle anderen glauben

  5. Was wird denn jetzt aus Moser? Wir haben doch aktuell vier Torhüter mit Luthe, Karius, Busk und eben Lennart Moser. Er scheint ja bei Cottbus und in Belgien eine wirklich gute Figur gemacht zu haben. Es wäre ja ein kleines Drama, wenn er nun bei uns “versuaert” – oder habe ich da eine Meldung verpasst?

    • Würde mich nicht wundern, wenn da noch vor dem Winter der Vertrag aufgelöst wird.

  6. Ich habe durchaus Einsatzchancen für Dietz gesehen. Wir haben nur 4 IV und spielen mit Dreierkette. Im ZM sehe ich uns ebenfalls dünn besetzt. Kommt zu den Verletzungen von Gentner und Schlotti noch jemand dazu, stellt sich die Defensive fast von alleine auf und wir werden taktischer Möglichkeiten beraubt und können im Zweifel nicht wechseln.

  7. Naja Olaf, ohne Anderssons Tore wären wir nicht aufgestiegen und im ersten Jahr auch dringeblieben. Ebenso war Rafal sehr wichtig für una gewesen die letzten 2 Jahre. Da finde ich dein Urteil über die Abgänge etwas unfair.

  8. Grummelgrinch

    @ rd und Olaf. Ich hoffe natürlich auch dass aus dem neuen nlz auch das ein oder andere zählbare, gern auch bleibende, herausspringt. Unbestritten können uns die jüngeren Jahrgänge der Abgänge diese Saison noch nicht helfen. Trotzdem haben Dietz, Taz und Moser eine positive Entwicklung gezeigt die es sicher wert gewesen wäre zu unterstützen. Ich wünsche mir halt wieder ein oder zwei langjährige Identifikationsfigur eben auch für die Zeit nach Trimmel. Ob das nun Ego Heinis sind oder was auch immer ist wurscht…und ja, Leistung müssen diese natürlich auch bringen. ich möchte halt nicht das Union nur Parkplatz oder Sprungbrett für anderswo gescheiterte Talente wird oder zur Jahrmarktsattraktion für Profis im Herbst ihrer Karriere…so nach dem Motto ” da musst du mal gespielt haben”

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