Der Fußball trifft nicht selbst Entscheidungen zum Umgang mit dem Coronavirus

Zum Umgang der Bundesliga mit dem Sars-CoV-2 Virus hat die DFL gestern ein Statement abgegeben, in dem nichts konkretes steht – außer, dass der Spielplan zunächst eingehalten werden soll und die Entscheidung über die Anwesenheit von Fans dabei den örtlichen Behörden obliegt. Auch Union und Hertha äußern sich nicht zu möglichen Szenarien. DFL-Sprecher Seifert nennt es aber “nicht realistisch”, dass die Spiele am Wochenende mit Publikum stattfinden. In Bayern könnten Großveranstaltungen insgesamt untersagt werden (Augsburger Allgemeine).

Zur Covid-19 Situation ist außerdem zu sagen: Mehrere Dinge, die einen unterschiedlichen Eindruck erwecken, können gleichzeitig wahr sein. Ja, für viele Menschen, die das Glück haben, jung, fit und gesund zu sein, verläuft die Erkrankung undramatisch. Aber auch: Ja, für ältere Menschen ist sie zu einem relativ hohen Anteil lebensbedrohlich, insbesondere, wenn mehr Krankheitsfälle gleichzeitig auftreten, als selbst das Gesundheitssystem eines reichen Landes wie Deutschland behandeln kann (wir verweisen da gerne nochmal auf die Folge des NDR-Podcasts von Montag).

Und: Ja, Fußball ist schön und Union ist uns wichtig. Aber auch ja, es gibt elementarere Dinge im Leben und die Notwendigkeit, solidarisch zu sein.

Nun gibt es ein paar Argumente, die gegen Vorsichtsmaßnahmen wie den Ausschluss von Publikum bei Bundesliga-Spielen vorgebracht werden. Eine Reihe davon beginnt ungefähr so: “Ok, aber was machen wir dann wenn…” und hat zur Antwort, dass man sich das eben überlegen muss, wenn der jeweilige Fall eintritt, und es bis dahin vernünftig ist, die Zahl der Ansteckungen zu minimieren (was nicht bedeutet, sie auf Null zu bringen, weil das faktisch unmöglich ist). Ein anderes Argument ist: Wenn Leute nicht in Stadien dürfen, schauen sie die Spiele ebenso dicht gedrängt in Kneipen. Die Antwort darauf ist, dass man sehr volle Kneipen dann eben auch meiden sollte. Und schließlich wird die potentielle Gefahr des Virus immer noch gern heruntergespielt, aber das ist falsch, auch wenn die Krankheit für viele nur eine schwere Erkältung ist. Einige Gründe dafür nennt dieser Blogpost.

Um den Umgang mit dem Coronavirus geht es auch bei Union am Ball.

Zu den eher nicht so wichtigen – aber deshalb nicht völlig uninteressanten – Aspekten des Themas gehört, wie sich Spiele ohne Publikum auf den Sport selbst auswirken.

Oder auch, dass sie vielleicht ein gutes Versuchslabor für Studien über den Heimvorteil abgeben.

Zum Sport

Union hat in Freiburg nicht gut gespielt und in den kommenden Wochen – wie auch immer – zwei wichtige Spiele. Allzu beunruhigend finde ich den Trend aber trotzdem nicht.

Denn in Freiburg war zu sehen, dass nicht etwas systematisch in Unions Spiel gefehlt hat, sondern die Umsetzung der eigenen Linie nicht so gut funktioniert hat, wie das in der Bundesliga für Union notwendig ist. Das ist etwas, was man unter der Kategorie ‘Tagesform’ verbuchen kann. Und es gibt ausreichend Spiele in den letzten Wochen (Bremen, beide Leverkusen), in denen die Form der Mannschaft gestimmt hat.

Das schreiben heute die Berliner Medien über Union.

Einmal Unioner, Immer Unioner

Während Damir Kreilach in der MLS für Salt Lake City weiter Tore schießt …

… kommen Uwe Neuhaus und Marcel Hartel mit Bielefeld dem Aufstieg immer näher. Im Kicker gibt es ein Interview mit Hartel, in dem er auch noch einmal seinen Wechsel weg von Union erklärt.

Und auch für die VSG Altglienicke mit den Unionern Karsten Heine und Torsten Mattuschka als Trainern und unter anderen Berk Inaler und Christopher Quiring auf dem Platz ist der Aufstieg weiter möglich. Die Berliner Zeitung beschäftigt sich mit der schwierigen Stadionfrage für Altglienicke besonders im Fall eines Aufstiegs in die dritte Liga. Auch das Stadion an der Alten Försterei wird dabei vage erwähnt.

Bei Altglienicke spielt mit Michael Czyborra ein weiterer Unioner. Sein Bruder Lennart-Marten ist übrigens in diesem Winter nach Bergamo gewechselt und dort nun zwar an einem historischen Hoch von Atalanta mit einer großen Chance auf das Champions League-Viertelfinale beteiligt, aber in Norditalien natürlich auch von den Auswirkungen der Coronavirus-Welle betroffen (Lausitzer Rundschau).

28 Gedanken zu „Der Fußball trifft nicht selbst Entscheidungen zum Umgang mit dem Coronavirus

  1. Danke für die Worte zu Corona. Leider sehen das viele Unioner auf FB anders.
    Und: Atlanta hat die Chance aufs Viertelfinale…

  2. @Atalanta:
    Gab da im zdf in der Sportreportage am Sonntag einen Bericht über den dt./niederländ. Spieler
    Robin Gosens und Atalanta Bergamo!
    Alle in Deutschland unbekannt, da sie keine Sportförderung oder Spitzenklubs in D. durchlaufen haben!
    u.n.v.e.u.

  3. Sollte der Fall eintreten das Spiele ohne Zuschauer stattfinden müssen, wäre es vielleicht sinnvoll, Fußballspiele im öffentlichen TV zu zeigen. Dann wäre auch die Sorge um die Ausbreitung von Corona in Fußballkneipen vom Tisch.
    Nur so als Idee ;-)

  4. @To guter Vorschlag. Könnte Besucher, die kein Risiko laufen möchten mit Stadionbesuch, eine realistische Alternative geben. Und bei Geisterspiele wäre so eine Maßnahme ohnehin angebracht, um mehr Akzeptanz für die Geisterspiele an sich zu schaffen

  5. auch von mir Danke für die klaren Worte zu Corona, ich verstehe schon dass es für jeden von uns ein Problem wäre die Mannschaft nicht in der AF unterstützen zu können, NUR überwiegt bei mir das Verständnis dafür dass Gesundheit und deren Schutz (übrigens auch für Mannschaft, Trainer, Betreuer, Personal welches im Stadion arbeitet! Personal der S-Bahn, BVG, Polizisten, Security) vorrangig sind, ich habe Freunde in Italien die gerade erleben müssen was passiert wenn man die Lage nicht schnell in den Griff bekommt. Was mich besonders aufregt sind jene die sagen “was solls ich kann ja selbst entscheiden ob ich gefährdet bin und andere anstecke”, EBEN NICHT! Gerade das Problem dass man auch Andere anstecken kann wenn man selbst nicht oder nur leicht erkältet ist ist nicht zu unterschätzen. Südkorea hat auch deshalb so viele Fälle gemeldet weil sie massenhaft Leute auf der Straße, an Parkplätzen usw. überprüfen. Und bei uns sieht man ja was passiert wenn man in ein Büro geht (mit Erkältung) oder mehrere Termine in Einrichtungen wie Verwaltung und Schulen wahrnimmt (Neustadt/Dosse) oder gar einen Club besucht (Club Trompete)

  6. Im übrigen ist mit Tugay Uzan einer der besten Stürmer der Regio Nordost auch einer mit Union-Vergangenheit.

    Und nett im Sinne von Service wäre es, wenn du Links mit Bezahlschranke vorher als solche kennzeichnest.

    @To Damit würdest du aber quasi die Pay-TV-Sender und Streamingplattformen um ihre Rechte bringen.

  7. in bayern werden großveranstaltungen abgesagt.
    die gästefans kommen aus bayern.
    hallo?!

  8. Wenn in Bayern bildlich gesprochen alle aus dem Fenster springen, müssen deshalb in Berlin auch alle aus dem Fenster springen?
    hallo?!

    Bitte Ruhe bewahren!!!

  9. Ganz schön anmaßend: „Lassen uns nicht von Spahn empfehlen…“(schon mal über den Wortsinn von Empfehlung nachgedacht?), „werden unserer unternehmerischen Grundlage beraubt“. Die beiden Toten in Deutschland und die anderswo wurden ihrer Lebensgrundlage beraubt. Für immer.
    Solche Arroganz ist hier unangebracht. Dicke Hose ist hier unangebracht. Natürlich geh auch ich gern hin. Aber solche Sprüche sollte er lassen.

  10. Naja über die Wortwahl kann man streiten, aber unter dem Strich hat er recht.
    Union würden ein oder mehrere Geisterspiele wahrscheinlich wirtschaftlich überproportional treffen. Sauberste Lösung wäre den ganzen Spieltag abzusagen und später nachzuholen, aber das steht natürlich anderen größeren wirtschaftlichen Interessen (Champions League, EM) im Wege.

  11. @uli49
    “Solche Arroganz ist hier unangebracht. Dicke Hose ist hier unangebracht. Natürlich geh auch ich gern hin. Aber solche Sprüche sollte er lassen.” !!ELF!1!

    Das ist erstens keine Arroganz (hast Du sein Statement überhaupt gelesen) und zweitens verkörpert er beispielhaft ost-erfahrene Unioner, die sich nicht so leicht in Panik versetzen lassen. Sachlichkeit und genaues Hinsehen haben wir sehr gut gelernt (manche vielleicht auch nicht, aber die kenne ich nicht).

  12. @stephan
    Stimmt, Du hast Recht. Im Osten haben ja auch die Atomkraftwerke nicht gestrahlt.
    Und Zingler istr Infektionsexperte

  13. @uli49

    Du hast es nicht gelesen oder nicht aufmerksam, aber erst einmal in die Tasten hauen! facepalm

  14. Die ausgesprochene Empfehlung von Bundesminister Spahn beinhaltet, dass alle Veranstaltungen bis 999 Zuschauern offiziell erlaubt sind.

  15. Auf jeden Fall hat sich DZ mit dem Interview keinen Gefallen getan, egal wie man zu dem Thema steht. Da werden jetzt einzelne Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen und enden in teils polemisierenden Kommentaren:
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-praevention-haelt-sich-berlin-fuer-immun-a-5ddb90fe-ef10-4957-a5fc-83baf0aecc01

    Man kann mit sehr guten Argumenten das Spiel zur Gefahrenprävention absagen, aber es stellt sich schon die Frage warum da eine Grenze bei 1.000 gezogen wird. Dann müsste man konsequenterweise sämtliche angeblich „volkswirtschaftlich nicht relevanten“ Veranstaltungen verbieten, die nur dem Vergnügen dienen: Restaurants, Clubs, Bars, Theaterbühnen, Konzerte aller Art etc egal welcher Größenordnung bei denen keine 2m Abstand zum Nachbarn sichergestellt sind. Klar sollte das eigentlich jeder aus gesellschaftlicher Verantwortung selber in Erwägung ziehen, aber glauben wir wirklich, dass an den kommenden Wochen(enden) in Berlin passiert ?!? Und die Gefahr, dass sich viele Menschen in einem kleinen geschlossenen Raum anstecken, dürfte ähnlich hoch sein wie die gleiche Anzahl bei einem Stadionbesuch. Wie gesagt, dann muss man bei der Absage solcher Veranstaltungen konsequent sein und alles untersagen. Aber dazu fehlt der notwendige (politische) Mut.

    Schon faszinierend wie das Thema Hopp/DFB/Fans durch die Spielabsagen/Geisterspiele komplett aus dem Fokus gerückt ist…

  16. Ich lese das Interview von Zingler im kicker (danke an Andreas für den Hinweis!) als Plädoyer des Präsidenten von Union Berlin, der seinen Verein mit seinen 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor finanziellem Schaden bewahren will. Und der – sollte es doch zu Absagen kommen, die seiner Meinung nach der Bezirk Köpenick aussprechen müsste – um Entschädigungen bittet. Sich also erstmal querstellt, um ggf. den Preis hochzutreiben.
    Keine ausgleichende, moderierende Ausage wie die neulich in der Welt zum DFB-Konflikt, sondern Interessenspolitik in eigener Sache.
    Insofern okay und akzeptabel.
    Auf einem anderen Blatt steht, ob dieser reine Blick aufs Finanzielle verantwortlich ist. Denn ich denke schon, dass es wahrscheinlich ist, dass sich auch im Stadion Menschen gegenseitig mit dem Virus anstecken und ihn weitertragen.
    Und vernünftiger wäre es wohl, auf einen Stadionbesuch zu verzichten. Die Gründe dafür hat Daniel ja dargestellt.
    Was ich mich frage ist, welche Perspektive es dabei gibt. Sollen dann, bis es einen Impfstoff gibt, alle Ligaspiele ohne Zuschauer stattfinden? Und auch alle anderen Großveranstaltungen unterbleiben?
    Bis dahin wäre es wohl tatsächlich auch vernüftiger, möglichst auf den ÖPNV zu verzichten. Ob das immer möglich ist, ist aber auch eine andere Frage.

  17. Wenn du in dieser Gesellschaft solidarisch und verantwortungsbewusst handelst ziehst du doch rechtlich und finanziell die Arschkarte.
    Kriegst zwar allerorten Beifall aber der zahlt kein Gehälter.
    Wenn Berlin oder Köpenick Zuschauer verbieten sieht das sofort anders aus.
    Wer maulen will soll sich mit den Ämtern befassen.

  18. seit ich zinglers worte gelesen habe, bin mir sehr sicher, dass unser spiel gegen die bazis nicht vor zuschauern stattfinden wird.

  19. Im Prinzip handelt sich Covid-19 um eine neuartige Virus-Infektion die regional unterschiedlich verläuft. Dort wo diese neue Grippeart stärker auftritt, wie China und Italien, sollten auch stärkere Maßnahmen ergriffen werden.
    Deutschland ist eine Bundesrepublik die aus 16 teilweise eigenständigen Ländern besteht. Länder wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern sind in Deutschland am stärksten betroffen.
    Im Land Berlin wird unterschieden zwischen Indoor und Outdoor Veranstaltungen.
    Indoorveranstaltungen sind stärker betroffen.
    Die Risikogruppe sind Menschen über 65 Jahre und Menschen mit Vorerkrankungen.

  20. Nun scheint es ja doch ohne uns stattfinden..
    Christian kann ja trotzdem alles wie immer über die Lautsprecher jagen und während des Spiels spielt er halt unsere Gesänge ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.