Sebastian Polter spricht vor allem über seine eigenen Interessen und will Union verlassen

Sebastian Polter hat der Morgenpost ein Interview gegeben, in dem er sich über fehlende Einsatzzeiten, Wertschätzung im Verein und gut dotierte Perspektiven beklagt. Polter sagt, dass er seine Leistungen und Fähigkeiten für so gut hält, dass er zumindest die Chance bekommen sollte, einige Spiele von Beginn zu machen, und dass er nachdem das in dieser Saison nicht geschehen wird Unions Angebot, über einen wie er sagt stärker leistungsbezogenen Vertrag zu verhandeln, nicht annehmen und Union im Sommer verlassen wird.

Wahr ist, dass Sebastian Polter in dieser Saison nur sehr wenig (271 Minuten) gespielt hat. Und auch, dass er in diesen wenigen Minuten durchaus einiges abgeliefert hat (das zeigt sich auch in einigen Statistiken, die durchaus für Polter sprechen, bei denen aber natürlich nicht klar ist, wie sie sich bei mehr Spielzeit entwickeln würden). Trotzdem ist es in dieser Saison eben sehr schwer, Gründe dafür zu finden, Sebastian Andersson nicht spielen zu lassen. Und das umso mehr, als dabei nicht nur die beiden Sebastians und ihre Fähigkeiten direkt miteinander verglichen werden müssen, sondern selbstverständlich auch, wie sie in die Mannschaft eingebunden sind und was sie anderen Spielern ermöglichen. Gerade in diesem Aspekt hat Sebastian Andersson in dieser Saison sehr gut funktioniert.

Abseits von der sportlichen Bewertung ist es natürlich eine ganz andere Angelegenheit, dass Polter mit seiner Unzufriedenheit in dieser Direktheit an die Öffentlichkeit geht – und dabei in seinen Aussagen und seinem Handeln sich und seine eigenen Interessen in den Mittelpunkt stellt. Auch wenn Polter dabei sagt, dass er unzufrieden damit ist, nicht die Gelegenheit zu bekommen, der Mannschaft zu helfen und sich für den Verein zu “zerreißen”.

Und natürlich ist Sebastian Polter nicht der einzige Spieler in Unions Kader, für den die Saison individuell unbefriedigend ist. Da kann man zum Beispiel bei Felix Kroos, Manuel Schmiedebach und Joshua Mees nachfragen, die alle weniger gespielt haben als Polter. Aber es war eben vor der Saison klar, dass es nicht genug Spielzeit für alle gibt, insbesondere nicht für alle, die eine wichtige Rolle in der Aufstiegsmannschaft hatten.

Sebastian Polter

Sebastian Polter hat für seinen Geschmack viel zu wenig gespielt. Foto: Stefanie Fiebrig

Die Chance, die Unions sportliche Leitung diesen Spielern geboten hat, war, im Bundesligakader zu stehen und die Möglichkeit zu haben, dort zu Einsätzen und zu Momenten zu kommen. Und mit Szenen wie seiner Vorlage für Marius Bülter am Wochenende, dem Elfmetertor gegen Bayern und natürlich vor allem dem gegen Hertha hatte Polter solche hervorstechenden Augenblicke auch in dieser Saison.

Damit, dass Polter sich nun öffentlich über seine Lage beschwert, Urs Fischer auch relativ direkt kritisiert und seine eigenen Fehler höchstens darin sieht, diese Ansprüche intern nicht lauter vorgebracht zu haben, weil er keine Unruhe in die Mannschaft bringen wollte, tut er sich insgesamt keinen Gefallen. Gerade weil er sich dabei auch viel und eher einseitig mit der Vergangenheit beschäftigt: Ja, Polter hat wohl im Vergleich zu seinem Vertrag in England auf Geld verzichtet, als er von QPR zurück zu Union gekommen ist. Aber er war im Kontext von Union auch einer der Topverdiener und hat vor allem die Chance bekommen, nach einer zähen Zeit in der Championship seine Karriere zu reaktivieren.

Polters Interview greifen natürlich auch die anderen Berliner Medien auf (Kurier, Bild/BZ, RBB, Tagesspiegel, Kicker). In der Berliner Zeitung gibt es einen Text im Stil von Bild-Kolumnist F.J. Wagner an Polter.

Abgesehen von Sebastian Polter geht es bei Bild/BZ um Robert Andrich, dessen Entwicklung sein Onkel Frieder lobt, der für Vorwärts Frankfurt in der Oberliga gespielt hat. Und Andreas Baingo sieht in seiner Kolumne die Niederlage gegen Leverkusen als charakterbildend an.

14 Gedanken zu „Sebastian Polter spricht vor allem über seine eigenen Interessen und will Union verlassen

  1. Ich hab den Satz

    und dass er nachdem das in dieser Saison nicht geschehen wird Unions Angebot, über einen wie er sagt stärker leistungsbezogenen Vertrag zu verhandeln, nicht annehmen und Union im Sommer verlassen wird.

    Mehrmals gelesen und irgendwas fehlt da.

    Den Sinn verstehe ich ja, aber die Grammatik verwirrt.
    Ansonsten kann ich zwar seine Unzufriedemheit nachvollziehen, nicht aber den Weg über die Presse und vorallem die fehlende Wertschätzigkeit. Er soll ja schon der Spitzenverdiener im Kader sein und dann noch meckern? Dann soll er nach Augsburg oder zum Buddy Leistner nach Köln gehen wenn er meint dort Stammspieler zu sein.
    Ja, Andersson trifft momentan nicht, ist aber sehr wertvoll für die Mannschaft.

    Als Trainer würde ich Polter wg.der Art und Weise erstmal auf die Tribüne setzen, aber Urs trennt das eigentlich sehr gut und wird ihn auch nach FFT mitnehmen.

    Das soll keine Kritik an Fischer sein.

  2. Die Leverkusener Pyro wurde schön in den Polterartikel eingebettet.

    Kann der gemeine Leverkusener also doch die Pyro ordentlich in der Hand halten.

    Nicht so schlecht gemacht.

  3. Ich denke, dass nicht nur Polter mehr oder minder Grund zur Unzufriedenheit hat. Auch andere Spieler die vor der Saison gekommen sind zbs Kade oder Flecker dürften nur bedingt zufrieden sein. Allerdings verstehe ich auch teils den Trainer nicht. Ich will nicht glauben daß wir vier so schlechte Rechtsaußen haben, dass nen Malli Rechtsaußen besser aufgehoben ist als auf der 10er Position. Dann hätte man sich auch im Winter von Flecker, Becker und Abdullahi trennen können. Selbiges gilt für Polter, wenn man ihn (offensichtlich) nicht braucht oder will, hätte man ihn verkaufen können. Was Anderson angeht bin ich zwiegespalten. 8 Tore in 22 Spielen scheint nicht soooo viel. allerdings gibt Unions Spielanlage auch nicht viel mehr her. Er rackert wie nen irrer auch im Mittelfeld, dabei kommt seine Hauptaufgabe zu kurz und er scheint vorn oft allein gelassen. Aber trotzdem…8 Treffer, davon die Hälfte nach Standarts ist für nen Mittelstürmer nicht viel. Nur meine bescheidene Meinung

  4. Der Kader wurde für Liga 1+2 zusammengestellt. Einige der neuen Spieler sowie erfolgreiche aktuelle Spieler würden sicher wechseln im Falle eines Abstiegs. Das ist durchaus legitim, so zu planen, auch wenn es einige negativ trifft, in Abhängigkeit von der Ligazugehörigkeit.
    Polter ist ein Spitzenverdiener, aber schön länger nicht mehr Leistungsspitze. Ihn 3 Spiele durchspielen zu lassen, würde ich für fahrlässig halten. Auch wenn Statistiken nicht unbedingt gegen ihn sprechen, die Spielwirksamkeit war oft nicht da. Manchmal habe ich bis auf Fehlpässe nichts von ihm gesehen.
    Ich finde die Art und Weise, damit umzugehen, jetzt nicht gut. Das ist Leistungssport und anscheinend geht’s auch um einen dicken Vertrag, der wenig abhängig von Leistungen ist. Hat Trimmel nicht auch erst einen stark leistungsabhängigen Vertrag erhalten und sich darüber positiv geäußert?

    @Daniel Ich mag deinen sachlichen Stil. Weiter so!

  5. Naja ein stark leistungsabhängiger Vertrag unterzeichnet sich sicher leichter wenn man immer in der Startelf steht.

  6. Polti mehr Einsatzzeit zu geben, wäre sinnvoll gewesen. Ich erinnere daran, wie es immer hieß, Seb Andersson müsse Entlastung erhalten. Gleichzeitig denke ich daran wie das Doppelseb Duo miteinander harmonierte. Ich sehe es so, daß Polti bei mehr Einsatzzeit auch seine Klasse auf den Platz gebracht hätte. Nungut, hoffen wir, daß er im Sommer einen Club findet, in dem er auf dem Platz zeigen darf, was er kann. Jedenfalls ist er einer der prägenden Fußballgötter in unseren Reihen, wird immer in unseren Herzen bleiben. Einmal Unioner immer Unioner u.n.v.E.U. 🏐

  7. Ich kann polti komplett verstehen…. Da ich die Beweggründe von urs null nachvollziehen kann ujah den vorzug zu polti zu geben…. Klar ist ujah etwas schneller aber er kann den ball nicht so behaupten wie polter…. Haut sich im Strafraum nicht so rein wie polter und aus meiner sicht wäre es für unions spiel besser wenn die sebs im Angriff zusammen spielen würden…. immer nur auf anderson den ball hoch und lang kennt der gegner… 2 stürmer die diese verteilen, verteidigen und verarbeiten können ist aus meiner Sicht sinnvoller… Und sind wir mal ehrlich…. anderson wird am ende des sommers nicht mehr bei uns sein, evt bülter auch nicht mehr…. und dann, wen haben wir dann noch im sturm🤔…. Ich werde ihn und seine art fussball zu spielen und zu kämpfen sehr vermissen… Da es davon leider zu wenige Spieler gibt…. Und denkt dran…. Welche hoffnung und welche stimmung kommt auf wenn “holterdiepolter” kommt…. Schade das das vorbei sein soll…. Eisern ❤️ ⚪ ⚽

  8. Guter, ausgewogener Artikel! Ich finde, man sollte Polter wegen des Interviews nicht zu sehr kritisieren. Zugegebenermaßen wäre es schlecht, wenn jeder, der wenig Spielzeit erhält, seinen Unmut öffentlich äußert. Aber andererseits ist Polter eben ein Typ, der sein Herz auf der Zunge trägt und seiner Enttäuschung einfach Luft machen musste. Der Frust ist bei ihm ja auch deswegen so groß, weil er sich viel stärker mit dem Verein identifiziert als das bei Spielern üblich ist. Ich hoffe, dass man das jetzt mal sacken lässt, Polter genug Gelegenheiten erhalten wird, für uns was zu reißen und beide Seiten trotz der bevorstehenden Trennung wieder zu einem guten Verhältnis finden, sprich eine eiserne Union bilden!

  9. Also dieses Interview gärt noch arg dolle den Tag über….
    Nicht falsch verstehen, Poltis Argumentation kann ich irgendwie verstehen. Er haut sich voll rein und spielt seine Stärken gut aus. Trotzdem ist der „andere Anderson“ nun mal einen Tick weit besser und variabler was die Ballverteilung angeht.
    Was mir daneben ziemlich auf die Wurst geht ist, dass sich Polti so erhöht. Müsste er für jedes „ich“, „mein“ und „mir“ im Interview 5,-€ zahlen, dann wäre jetzt ein groooooßes Loch in seiner Kasse.
    Dann seine Aussage zum Derbysieg, wo er sich selber zum Derbyhelden kürt. ALTER, Derbyheld sind alle, vom Wasserträger über Taktiktrainer bis hin zu jedem einzelnen Spieler.
    Das perfideste finde ich aber, die bewusste Einteilung in „Lager“. Er spielt hier Verein und Fans gegeneinander aus, hier die Guten dort die Bösen. Das finde ich sehr uncool.
    Ich könnte ewig so weitermachen, aber im Endeffekt wünsche ich mir nur, dass Polti sich trotzdem auf seine Stärken besinnt und sich das FUSSBALLGOTT verdient und nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen (Liebe Grüße zum Beispiel an Markus Karl)!

  10. Mit Polter geht einer, der sich immer reingehauen hat. Dortmund, Kiel, St Pauli, Hertha, das wird mir in Erinnerung bleiben. Immer “volle Pulle”, niemals “lauwarm” Passt einfach gut zu Union ……

    Und: Das Ganze hat sich doch abgezeichnet; mich jedenfalls – und ich denke auch niemanden in der Mannschaft oder dem Trainerstab – überrascht das jetzt wirklich. Gar nicht spielen, oder ab und zu in der 82. Eingewechselt zu werden, ist auch schwer verdaulich …. Und das er seinen Frust dann so rausläßt passt eben auch zu ihm … Irgendwie doch verständlich, Form hin oder her …

    Und ja, ich finde, dass er zu wenig gespielt hat für seine Möglichkeiten .. Ein Stürmer braucht eine gewisse Einsatzzeit; sonst verliert er schlicht Bindung und Sicherheit und ist nicht mehr effizient

    … schade, das er geht ist ein Verlust ..

  11. Ich kann jedes Argument von Polti nur unterstreichen. Schade dass sich unser Verein so rausmogelt. Aber warum hatte er keine Chance bei Urs und Oliver? An seiner Leistung und Fähigkeiten kann es wohl nicht gelegen haben.
    Und bis jetzt noch keine Reaktion auf unserer Hompage. Etwas enttäuschend.
    Schade, schade…

  12. Polti ist in der Abwehr unersetzlich, das vergessen viele die immer nur seine Tore in Erinnerung haben, außerdem spielt er in der Spitze uneigennützig und reißt Räume für einen zweiten Stürmer…
    Andersson ackert wie blöde aber er ist halt nicht so robust und eine richtige Spitze sehe ich nicht neben Polter!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.