Was hat sich mit zwei Niederlagen geändert?

The state of the Union is strong. Immer noch. Erst recht, wenn man Union mit der Union vergleicht, um die es in dem Satz eigentlich sonst geht.
Damit ‘Hallo’ von der Urlaubsvertretung. Bitte richtet Beschwerden nicht an Sebastian.

Redondo Christ Redeemer

Kenny Prince Redondo kann Union gegen Aue nicht erlösen. Photo: Tobi/unveu.de

Union ist wieder Verfolger

Sebastian Stier schreibt im Tagesspiegel, dass Union nach den letzten Ergebnissen zurück in der Verfolgungsrolle sei. Ich bin mir nicht sicher dass man aus den Spielen, in denen Union an die Tabellenspitze springen konnte und dort stand sowie der Leistung gegen Aue wirklich schlussfolgern kann, dass die Spieler sich “unwohl fühlen in der Rolle des Gejagten.” Denn für die Leistungen gibt es jeweils auch andere als psychologische Gründe. Und außerdem ist es durch die Anhäufung zweier negativer Ergebnisse rückblickend ebenso leicht, diese Leistungen schlechter zu sehen, als sie waren, wie die Siegesserie zuvor dazu führen konnte, sie zu überschätzen.

Umgekehrt erscheint es mir auch unklar, dass nicht mehr auf einem Aufstiegsplatz zu stehen dabei hilft, den Auftrag zu erfüllen, den Jens Keller am Mittwochabend sich und seiner Mannschaft gegeben hat: “Wir müssen die Leichtigkeit so schnell wie möglich wieder reinbekommen.”


Vielleicht sagt Jens Keller ja in der Pressekonferenz heute vor dem Spiel etwas genauer, wie dieses oxymoronisch anmutende Vorhaben umgesetzt werden soll. Naja. Vielleicht.

Zumindest statistisch stehen Unions Chancen auf einen der ersten drei Plätze jedenfalls weiter bei 50:50.

Auch noch in den Berliner Medien:

Update von 12.55: Die B.Z. berichtet von der Aussprache, die am eigentlich trainingsfrei vorgesehenen Donnerstag stattfand. Keller habe der Mannschaft dabei vermittelt, der Aufstieg sei keine Pflicht, Dennis Daube zeigte sich im Blick auf eine mögliche Vertragsverlängerung entspannt.

Daneben gibt es bei Turus einen Text zum Spiel gegen Aue, der sich auch mit der Perspektive der Erzgebirgler beschäftigt. Das ist richtig so, denn Aue spielt gut und mutig Fußball und hat das Spiel so sehr gewonnen wie Union es verloren hat.

Aus dem Tal der Ahnungslosen

Ansonsten machte rund um das Spiel gegen Aue eine Kuriosität die Runde: die Meldung, Union habe trotz der Niederlage die Meisterschaft gewonnen – in der DDR Oberliga.

In dieser Tabelle einer Liga, die es nicht gibt, werden solange irgendwelche Vereine aus verschiedenen Ligen aufgeführt, bis eine gewisse Anzahl erreicht ist, und nach realer Ligazugehörigkeit und den Ergebnissen untereinander platziert.

Screenshot DDR Oberliga

Es wird spannend sein zu sehen, ob sich dort bis zur nächsten Saison herumspricht, dass Chemnitz nicht mehr Karl-Marx-Stadt heißt; es merkwürdig ist, einen “Lesetipp für Männer” (Ingolf Pleil, Mielke, Macht und Meisterschaft. Dynamo Dresden im Visier der Stasi) und einen “für Frauen” zu haben (Gunnar Klehm, Der Fluthelfer. Nichts ist so spannend wie das wahre Leben); und das, naja, die DDR Oberliga nicht mehr existiert.

Sinnvollere Statistikspielereien

Sympathischer ist mir eine andere fiktive Tabelle, die kürzlich jemand auf Reddit gepostet hat. Hier werden die zweiten Ligen der fünf größten europäischen Fußballländer miteinander verglichen, um herauszufinden, welche denn nun wirklich die “stärkste aller Zeiten” oder Länder ist. Dazu werden jeweils die ELO-Werte der an der selben Tabellenposition stehenden Teams aus jeder Liga verglichen. Das ist ein Format, das ich mir auch für ein Turnier mit echtem Fußball schon seit langem einmal wünschen würde. Es gewinnt, wie eigentlich gerade sowieso immer im europäischen Klubfußball, Spanien.

ELO Vergleich

Mehr über die Methode und die Ergebnisse gibt es auf Reddit zu lesen

Auch wenn der Vergleich vom Elo-Zahlen bei Mannschaften, die nie gegen einander spielen, methodologisch ein bisschen fragwürdig ist, können alle, die sich noch über die Niederlagen gegen Hannover und Aue ärgern, sich darüber freuen, dass Union gegen die anderen Viertplatzierten Cádiz, Benevento und Troyes sowie Collin Quaner und Huddersfield gewinnen würde. Das gelingt aus der 2. Bundesliga sonst nur noch Nürnberg.

Fußball und Politik

Warum es eine der falscheren Phrasen ist, dass “Fußball mit Politik nichts zu tun haben soll,” zeigt aktuell sehr drastisch der Fall des früheren St. Pauli Spielers Deniz Naki, der gestern in der Türkei wegen angeblicher “Terrorpropaganda” zu einer Haftstrafe von einem Jahr, sechs Monaten und 22 Tagen verurteilt wurde, zur Bewährung für fünf Jahre ausgesetzt mit der Auflage, sich nicht mehr politisch zu äußern. Naki, der mittlerweile in Diyarbakir beim Drittligisten Amed S.K. spielt, sagte nach der Urteilsverkündung, sich immer nur gegen Krieg ausgesprochen zu haben.

Ebenfalls in dieser Kategorie: Ein lesenswertes Interview mit Michael Preetz über Herthas Umgang mit Nazis und Rassisten unter seinen Anhängern.

Demnächst ist Ostern

Und weil das alles nicht sehr schön ist und es hier bisher viel nerd nonsense gab, noch ein bisschen Tusche Content zum Schluss:

3 Gedanken zu „Was hat sich mit zwei Niederlagen geändert?

  1. Pingback: Jens Keller kann Interviewfragen gut beantworten | ***textilvergehen***

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