Nein, ich heule nicht

Am Montag wurde Steffen “Schuldig” Menze als Trainer bei den Offenbacher Kickers entlassen. Heute Abend spielt Schalke an der Bremer Brücke in Osnabrück. Zwangsläufig kommt die Erinnerung an die Relegationsspiele 2000 wieder hoch. Und dieses verdammte Elfmeterschießen, in dem am Ende sogar die Torhüter gegeneinander antreten mussten (Video1 und Video2).

Eine richtig gute Saison in der Regionalliga Nordost endete auf Platz 1. Trotzdem musste Union gegen Osnabrück aus der Regionalliga Nord den Aufsteiger in die zweite Liga ausspielen. Schon allein diese Ungerechtigkeit ließ mich zu Hause vor dem Fernseher unruhig werden. Die Tabellenersten der der beiden südlichen Regionalligen stiegen schließlich direkt auf. Immer wieder dieser Satz: “Die wollen uns nicht in der zweiten Liga haben.”

Hinspiel in Berlin 1:1. Rückspiel in Osnabrück nach 120 Minuten auch 1:1. Elfmeterschießen. Der zehnte Osnabrücker verschießt. Nun muss nur noch Steffen Menze treffen und alles wird gut. Steffen Menze von dem es heißt:

Mit seiner staksigen Art nicht immer schön anzuschauen, schien er gerade dadurch den Gegner zu verwirren. Nie wäre man auf die Idee gekommen, es als “Kabinettstückchen” oder auch nur als “Trick” zu bezeichnen, wenn er wieder mal an einem Gegenspieler vorbeistolperte, bei dem man dann oft den Verdacht hatte, nur ein plötzlicher Lachanfall ließe ihn diesen Zweikampf verlieren.

www.immerunioner.de

Der Reporter ruft: “Steffen Menze. 13 Tore in der Regionalliga. Ist das hier sein wichtigstes?” Es war Steffen Menzes wichtigstes Nichttor. Dass danach der Osnabrücker Keeper traf und danach den Schuss unseres Torhüters hielt – Nebensache. Steffen Menzes Nichttor nahm mir den Glauben an den Aufstieg. Überhaupt an die Möglichkeit des Aufstieges.

– “Union wird niemals aufsteigen!”
– “Sag mal, weinst Du?”
– “Nein, ich heule nicht!”

Danach Aufstiegsrunde gegen Pfullendorf und Ahlen. Und noch ein Jahr Regionalliga…

6 Gedanken zu „Nein, ich heule nicht

  1. Ich hatte mit damals, auf der Rückfahrt, nach den “Heulkrämpfen” an der Bremer Brücke, geschworen: “Da fährst Du nie wieder hin!”
    Sag niemals NIE!

  2. Aber es war ein tolles Spiel in einem schönen Stadion und mit fairen und überwiegend freundlichen Heimfans.
    Das eigentliche Trauma bleibt für mich Ahlen, wo wir in brüllender Hitze in diesen Eckkäfig gesperrt wurden und im Stadion alle verachtenswerten Elemente der “Fußballkultur” der Jahrtausendwende praktiziert wurden.
    Und außerdem haben die Guten das Spiel unfassbar dämlich verkackt.

  3. Oh ja, dieses Spiel hat auch bei mir ein echtes Trauma hinterlassen. Nach Ahlen und Pfullendorf bin ich dann – trotz Möglichkeit dazu – gar nicht mehr gefahren, so deprimiert war ich damals. Und ja, es war mein einzigstes Unionspiel bei dem ich den Tränen verdammt nahe war.

  4. €Steffi- eine gute Erinnerungshilfe, ich hab dieses Spiel in einer Kneipe mit zwei RWEssen-Fans geguckt, wir waren für Union und ich wußte, wie wichtig dieses Spiel für meinen Kumpel Blümchen war, der nachts ohne Stimme aus Osnabrück zurückkam.
    Da habe ich zu ihm gesagt, daß ich so ne Scheiße nie wieder im Fernsehn gucke (ich hatte mir ein paar Haare gerauft), schaute mir das Grauen gegen am Ende neun Pfullendorfer in der AF an und fuhr dann mit nach Ahlen.
    Der Zug zurück war gerammelt voller Unioner, die sangen nach ner halben Stunde Schweigen “Wir steigen niemals auf, tscha lala lala” und bei mir war der Virus nach zwanzigjähriger Inkubationszeit ausgebrochen.
    Ich bin dann in der darauffolgenden Saison aufgestiegen und sagte zu meinem Kumpel ” Siehste Blümchen, so wird das gemacht”

  5. @keano Wie soll man das erklären? Auf eine denkbar schlimme Art gegen Osnabrück verloren und doch keinen Groll gegenüber den Osnasen. Ich glaube, dass alle die Ungerechtigkeit dieses Spieles wahrgenommen hatten. Eine Saison auf dem ersten Tabellenplatz abschließen und doch nciht direkt aufsteigen dürfen. Das war eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit.
    Pfullendorf habe ich noch in Berlin gesehen. Das Ergebnis von Ahlen habe ich ein oder zwei Tage später in Amsterdam mitbekommen, als ich dort die nach deutschen Zeitungen suchte und darin eine Zeile über das Spiel. Die Meldung bestand nur aus ein oder zwei Sätzen. Aber den Glauben an den Aufstieg habe ich nach dem Elfmeter von Menze verloren. Daher ein großes Dankeschön an Milan für die Unterstützung in der Spielzeit darauf.

  6. Hatte ich doch @Steffi geschrieben anstatt @Sebastian.
    Ach so @Sebastian- Nichts zu danken, gern geschehen. Dem Schritt nach vorn folgten zwei zurück. Den Aufstieg laß ich mir ja ankreiden, aber mit den Abstiegen hatte ich nichts zu tun, auch wenn ich damls oft hinter Votavas Trainerbank gesehen wurde.

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