Brasilien trainiert bei Union und fast niemand hat es gesehen

Gestern trainierte die brasilianische Nationalmannschaft fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Stadion an der Alten Försterei (ausführlicher Bericht bei Bild). Zumindest die Sicherheitsvorkehrungen waren weltmeisterlich. Fotos gibt es unter anderem hier:

Weiterlesen

“Hoffnung zu haben ist der Grund, noch Filme zu machen”

Gestern haben wir an dieser Stelle über einen Film berichtet, der Menschen zeigt, die in scheinbar aussichtsloser Lage dennoch – im Fußball Hoffnung schöpfen. Dieser Satz könnte auch die abstrakte Zusammenfassung eines weiteren Beitrags in der politischen Reihe von 11mm sein, ‘Yesil Kirmizi’ (Rot Grün) von Ersin Kana. Anders als in ‘The Workers Cup’ geht es hier um professionelle Fußballer, aber beide Filme sind ähnlich bedrückend. Die Farben im Titel des Films sind die des Klubs Amed SK aus Diyarbakir im kurdischen Gebiet in der Türkei, das der Filmemacher vor zwei Jahren während und nach einem spektakulären Lauf im türkischen Pokal (der wie die Champions League strukturiert ist) begleitet.

Weiterlesen

Fußball und Macht beim 11mm Fußballfilm-Festival 2018

Am Donnerstag beginnt das 11mm-Fussballfilmfestival im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz! Weil das praktisch schon überübermorgen ist, schreibe ich euch kurz auf, was ihr wissen müsst, und wir treffen uns dann im Kino, ok?

Weiterlesen

“Mesi hat seine Sache sehr, sehr gut gemacht”

Jens Keller hätte die Torwartpersonalie gestern am liebsten in einem Nebensatz abgefrühstückt, das war ihm in der Pressekonferenz anzumerken (gibt es hier auf AFTV). “Das habe ich schon verkündet”, antwortete er gestern auf die Frage, wann er die Entscheidung Jakob Busk und Daniel Mesenhöler mitteilen werde. Und auf Nachfrage sagte er: “Wir werden nichts ändern.”

Screenshopt: AFTV

Weiterlesen

Das 11 mm-Festival wird erwachsen

Vom 30.3.-3.4.2017 läuft im Kino Babylon das 11-mm-Fußballfilmfestival. Die inzwischen 14.Ausgabe präsentiert sich selbstbewusst, aber ohne echten Themenschwerpunkt. Gäbe es ihn, müsste er “Einfach gute Fußballfilme” heißen.

Als ich 14 wurde, hatte ich Jugendweihe, und meine Lehrer mussten danach Sie zu mir sagen. 11mm ist auch gerade 14 geworden, und die Festivalleitung schwärmt von der diesjährigen Filmauswahl mit Worten, die nur den Schluss zulassen, dass das Festival inzwischen zu den Großen gehört, zu den Etablierten, zu denen, die man ernst nimmt. Es hat dabei glücklicher Weise nichts von seiner Liebenswürdigkeit eingebüßt. Die Filme, die zur Sichtung vorlagen, seien durchgehend von sehr hoher Qualität gewesen, sagt Andreas Leimbach-Niaz beinahe ein bißchen überrascht bei der Festivaleröffnung. Vielleicht hat sich einfach inzwischen herumgesprochen, dass Fußballfilm etwas Anspruchsvolles sein kann. Und so ist es denn in diesem Jahr vor allem das geworden: Eine gut sortierte Auswahl der besten aktuellen Fußballfilme.

Weiterlesen

Refugee Eleven bei 11mm 2017

Ich habe mir schon sehr lange gewünscht, dass das Fußballfilmfestival 11mm wieder ein bißchen mehr Union dabei hat. Das wird dieses Jahr der Fall sein, aber ganz anders als gedacht. Kürzer, ernsthafter und vor allem mit Blick auf das junge, das sehr junge Publikum.

Weiterlesen

Auswärts ist das neue Zuhause.

Ich wohne in Berlin und gehe zu Union. Das ist klar, einfach und logisch. Ich wohne in Berlin und gehe zu Fortuna Düsseldorf, dem VfB Stuttgart, Borussia Mönchengladbach, dem SC Freiburg, Arminia Bielefeld, dem VfL Bochum, dem 1.FC Kaiserslautern und dem 1.FC Nürnberg ist wesentlich komplizierter. So richtig ermessen kann ich die Schwierigkeit eines Exilfanlebens aber erst, seit ich “Ferne Liebe” von Martin Zeising gesehen habe.

Er ist selber einer. Er weiß, wovon er spricht. Für alle Berliner Fußballfans, die das Glück haben, einem Berliner Verein anzuhängen, tut sich dagegen ein Paralleluniversum auf. Klar sind mir die vielen Fußballkneipen auch schon aufgefallen, in denen andere als rot- oder blau-weiße Schals hängen. Die Schwalbe haben wir uns mit Kölnern geteilt, eine Ecke weiter hatten die Kaiserslauternfans ein Zuhause, und das Rösslequiz kennt ganz Berlin. Hier zu wohnen, aber sein Fußballherz woanders gelassen zu haben, bedeutet Warten auf das eine Auswärtsspiel im Olympiastadion oder der Alten Försterei. Es bedeutet, an jedem Wochenende auswärts zu fahren, wenn man ins Stadion möchte. Oder eben in die Fankneipe gehen. Ich bin nicht sicher, ob ich das aushalten würde. Aber die Frauen und Männer, mit denen Martin Zeising und seine Kollegen unterwegs waren, die machen das.

Als Ausgleich haben sie etwas, das “richtigen” Heimfans oft nicht vergönnt ist. Sie pflegen guten Umgang untereinander. Das können sie, weil sie alle im selben Boot sitzen. Ihr jährliches Kickerturnier ist Sinnbild für Fankultur, wie ich sie mir wünsche. Vielleicht gibt es so etwas nur in Ausnahmesituationen. Ich bin dankbar für diesen Film, der eine Fußballwelt aufmacht, die ich bis dahin nicht kannte. Auch wenn er ein paar Längen hat: Für alle, die an Fankultur interessiert sind, lohnt sich der Besuch.

Den Trailer könnt ihr bei youtube sehen. Der Film wird am Montag, 21.3.2016 um 19:45 noch einmal im Kino Babylon gezeigt.

Cristian Fiél: Herzfußball

Es war Liebe” heißt das Filmporträt über Cristian Fiél, das gestern bei 11mm seine Berlin-Premiere feierte. Cristian Fiél wurde in Aachen, Berlin und Dresden gleichermaßen große Wertschätzung entgegen gebracht, die weit über die Zeit hinaus reichte, in der er jeweils bei den Vereinen gespielt hat. Das gelingt nicht vielen Spielern. Wer sich den Film ansieht, versteht, warum Fielo einer ist, auf den sich alle verständigen können. Ich habe ausgewachsene, bärtige Männer weinen sehen, als er 2015 sein Karriereende als Spieler bekannt gab.

Die Filmemacher Henry Buschmann, Jan Franke und Steffen Kuttner sind das Team hinter DynamoTV, den Vereinskanal von Dynamo Dresden. Es sollte eine Art Abschiedsgeschenk für einen großen Spieler ihres Vereins werden. Statt dessen ist es ein abendfüllender Dokumentarfilm geworden, der genau wie Cristian Fiél selbst über die Vereinsgrenzen hinaus großartig ist. Obwohl aus Dresdner Sicht erzählt, weil die Geschichte des Films sich unvermeidlich um das letzte Spiel für Dynamo rankt, kommen die anderen Spielstationen weder zu kurz noch schlecht weg. Nicht einmal Bochum.

“Herzfußball” hat Unions Pressesprecher Christian Arbeit über Fiéls Spielweise gesagt. Es ist wahrscheinlich der treffendste Begriff dafür. “Die Emotionen der Leute, das ist das Geilste was es gibt” beschreibt Fiél selbst, was ihn angetrieben hat. “Das Leben als Profifußballer ist einfach das schönste, was man sich vorstellen kann.” Lauter Superlative. Er hat den einen Beruf gefunden, der für ihn der richtige ist, der ihn beflügelt hat. Zuletzt eben in Dresden. “Ich bin hier, um aufzusteigen. Ich hab keinen Bock auf diese Dritte Liga. Und der liebe Gott hat gesagt: Arbeite hart, und du kriegst es.” Die Mischung aus Talent, Fleiß, Selbstvertrauen und Zuversicht zeichnet ihn bis heute aus. Gerade arbeitet er daran, Trainer zu werden. Er hat fest vor, es auch dabei weit zu bringen.

In der Kinovorstellung bei 11mm sind neben ihm noch Plätze frei. “Sitzt doch nicht alleine da am Rand, kommt doch her!” winkt er Christoph Gabler von der Festivalleitung und mich heran. Ein Herthaner und eine Unionerin sitzen wir da und denken: Was´n guter Typ, ey! Das denken wir beide nicht oft. Schon gar nicht über denselben Spieler.

Den Trailer zum Film findet ihr bei youtube, den ganzen Film könnt ihr im Fanshop von Dynamo Dresden kaufen. Dass ich das mal empfehlen würde, habe ich mir bis heute auch nicht vorstellen können.

Auf Wiedersehen, 11mm!

Auch das beste Festival geht mal zu Ende. Mit der Shortkicks-Gala sagt 11mm für dieses Jahr Auf Wiedersehen. Es war mir eine große Freude, dabei sein zu dürfen! Ich freue mich auf 2016.

Fußballfilme für die Ewigkeit.

Es gibt eine Handvoll Fußballfilme, die Fußballfan oder nicht, das Leben eines jeden Menschen bereichern. Weil sie klüger machen, und glücklicher auch. Zwei davon habe ich am Wochenende beim 11mm-Fußballfilmfestival gesehen, “Superjews” und “Next Goal Wins“.

11mm-programm

Berlin ist in diesem Jahr Austragungsort der europäischen jüdischen Sportwettkämpfe, der Maccabi Games. Deshalb hat 11mm den Schwerpunkt “Jüdische Fußballwelten” ins Programm genommen und eine Filmreihe gezeigt, die sich mit jüdischen und israelischen Fußballgeschichten beschäftigt. In dieser Reihe lief auch “Superjews” – ein Dokumentarfilm über die Fans von Ajax Amsterdam. Die aus Israel stammende Regisseurin Nirit Peled hat Israel verlassen. In Amsterdam findet sie die Symbole ihres Heimatlandes in einem ganz fremden Kontext wieder: Im Fußball. “Superjuden” nennen sich die Ajax-Fans, die zunächst als Juden beschimpft wurden und die Bezeichnung daraufhin für sich übernommen haben. Nirit Peled ist verwundert, erschrocken, irritiert – und dann fragt sie sich durch. Wie meinen die das?, möchte sie wissen. Und muss kulturelle Aneignung etwas negatives sein? Sie sammelt Standpunkte, lässt ihre Protagonisten ausreden und versucht, ihre eigene Position dabei zu finden. Zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, belehrt zu werden. Dennoch wissen am Ende alle Beteiligten etwas über die Kraft von Symbolen, das sie vorher nicht wussten.

Der zweite Film und mein Favorit des Festivals ist “Next Goal Wins”, der die Nationalmannschaft von Amerikanisch-Samoa bei dem Versuch begleitet, sich für die WM in Brasilien zu qualifizieren. Das Team war über Jahre hinweg das schlechteste der Welt. Dann übernahm Thomas Rongen das Traineramt und formt eine Mannschaft – und, was noch ein bißchen schöner ist: Die Mannschaft formt ihn. Ein weißer Atheist, der an gar nichts mehr glaubt, weil sein Kind gerade tödlich verunglückt ist, gerät in ein spirituelles, polynesisches Land. Ein Mann, der es gewohnt ist, Männerfußballteams zu trainieren, findet sich damit zurecht, dass in seinem Team eine Fa’afafine spielt, eine Transgender-Spielerin, die in der dortigen Gesellschaft komplett akzeptiert ist. Am Ende rettet sie den ersten Sieg des Teams, weil sie eben auch ein knallharter Innenverteidiger ist. Ein Torwart, der über die gesamte Dauer seiner Karriere hinweg niemals ein Spiel gewonnen hat, kehrt in die Mannschaft zurück und besiegt sein Trauma. Mit leichter Hand porträtiert der Film Spieler und Trainer und zeigt, wie leicht es sich lebt, wenn man nicht so viele Vorurteile durch die Gegend schleppt. Das gesamte Kino hat am Ende vor Glück geheult. Ein unfassbarer und ganz großartiger Film!

Wer heute Abend noch nichts vorhat: Es ist der letzte Abend des 11mm-Festivals, das traditionell mit einem Kurzfilmabend endet. Die “Short Kicks” sind etwas Besonderes, und ich habe die Ehre und das Vergnügen, Knut Kircher in der Jury zu vertreten und neben Torsten Mattuschka auf der Bühne zu stehen.