Liebe Mama

Ich kann mich nicht erinnern, wann die Luxusprobleme beim 1. FC Union Berlin je so zahlreich gewesen wären. Vor allem im Tor hatten wir seit den Zeiten von Sven Beuckert und Robert Wulnikowski wohl nie zwei Torhüter, die so nahe beieinander in Sachen Nummer 1 waren wie zur Zeit.

Mit der Verpflichtung von Daniel Haas, der vom Verein explizit als Nummer 1 geholt wurde, fand sich Jan Glinker zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre im direkten Konkurrenzkampf um die Vorherrschaft zwischen den Pfosten bei Union. Die Weichen, die der Verein, nicht nur aber nicht zuletzt auch mit der Verpflichtung von Haas, stellt, führen klar in Richtung erste Liga und Jan Glinker steht bei Uwe Neuhaus klar in den Top 5 der Spieler, die sich immer wieder beweisen müssen, ob sie diesen Weg mitgehen können.

In den Herzen seiner Fans ist Glinker sowieso gesetzt und die symbolische Vergabe der Nummer 1 an Daniel Haas ist für sie mehr als eine nüchterne Umstrukturierung. Wer mich kennt, weiß, dass ich all diesen Dingen eher nüchtern gegenüber stehe und die Vergabe von Rückennummern reichlich unaufgeregt hinnehme. Ich bin in erster Linie Unionfan, und auch wenn ich Namen wie Teixera, Beuckert, Baumgart und Vidolov nicht ungerührt hören kann, sind sie doch immer in erster Linie mit Union verbunden und nicht als Einzelspielerübermenschen in meine Erinnerungen gebrannt.

Und dann gibt es sie doch. Diese Momente, in denen selbst ein zynischer “Kein Spieler ist größer als der Verein”-Idealist wie ich milde lächelnd vor dem reinsten aller Fanboy-Bilder sitzt und sich freut, dass es da draußen Menschen gibt, die in Jan Glinker eben mehr sehen als den besten Uniontorhüter seit langem. Und das ist ok.

Jannes Arnold, 7 Jahre

Und wenn wir schon dabei sind, uns verfrühte Weihnachtsgeschenke zu wünschen: Ich hätte gerne eine problemlose, schnelle Genesung von Daniel Haas und eine Saison voll fruchtbarem Konkurrenzkampf im Uniontor zwischen Jan Glinker Fußballgott und Daniel Haas “Fußballgott to be”. Nur bitte keine Torwartrotation, ok Uwe?

Blasenquatschen für den Weltfrieden

Nunja. Nicht ganz. Den Nahost-Konflikt können wir mit dem Inhalt unserer Phrasenschweine noch nicht kitten. Aber der Unionjugend können wir ihn zukommen lassen. Dieses Jahr ist es sogar ein wenig mehr geworden als letztes Jahr – alleine deswegen hat es sich also schon gelohnt, Gero dazuzuholen. Die notariell beaufsichtigte Auszählung seht Ihr im folgenden Video, die insgesamt 80€ übergeben wir vor dem nächsten Saisonstart Susanne Kopplin von der Nachwuchsabteilung, die schon die 50€ letztes Jahr bekam.

9, in Worten: Neun Tore.

Zum letzten Heimspiel der Saison haben wir nochmal die grüne Matte ausgepackt. Alle neun Tore des Spiels gegen Hansa in FullHD – was sonst im Bezahlfernsehen Unsummen kostet, hier für lau:

“Ich denke immer positiv!” – Ein fiktives Gespräch in schweren Zeiten

Hinweis: Dieses fiktive Gespräch hat nichts, aber überhaupt gar nichts mit der Realität zu tun.

Liebe Pressevertreter, ich wende mich nach der Freude von Mainz sowie der Enttäuschung gegen Wolfsburg an Sie. Aus diesem Satz sind viele Worte nebensächlich. Wichtig, sehr, sehr wichtig, sind genau drei: Enttäuschung, Pressevertreter, nebensächlich!

Foto: Koch

Pressearbeit ist unser Leben. Meines seit nunmehr 16 Minuten in voller Intensität.

Fans, das ist die Macht, die uns antreibt. Auch wenn dieser Satz grammatikalisch abenteuerlich ist, sind uns die Einnahmen aus Ostkurve, Haupt- und Gegengerade bis hin zum Marathontor wichtig.

Bundesliga, das ist unsere Spielklasse… jedenfalls zunächst noch. Mein festes, unser festes Ziel für die kommende Saison ist, neben der Anschaffung einer Deutschen Grammatik, ist weiterhin die gute Zusammenarbeit mit der Presse für kommende Saison, ganz egal, wie schwer die Lage momentan ist.

Ja, die Gesprächsbereitschaft nach dem Spiel gegen Wolfsburg war ein herber Rückschlag. Vor allem, weil die phasenweise toll formulierten Plattitüden und Durchhalteparolen, die ich mir zurechtgelegt hatte, ungenutzt blieben und am Ende in Ihren Augen ein bitteres, dem Geschehen vollkommen gerecht werdendes Ergebnis, aufleuchtete.

Aber genau deswegen will ich Ihnen, liebe Pressevertreter, die brennendsten Fragen nach dem 28. Spieltag beantworten – jedenfalls das, was ich dafür halte. Weil ich sie mir selbst stelle, und auch beantworte, werde ich nichts von Ihren Rückfragen spüren und kann weiterhin für unsere Hertha kämpfen.

Die Medienvertreter fragen (…glaube ich zumindest):

Ist Hertha jetzt schon abgestiegen, wie gehen Sie mir dieser Situation um?

Ich danke mir selbst, dass ich mein Interview mit dieser Frage beginne, denn so sind die Durchhalteparolen und leeren Versprechungen, die ich mir bereits nach dem unglücklichen Eigentor zurechtgelegt hatte, doch nicht für die Katz gewesen.

„Hertha BSC, unser Verein, ist noch lange nicht abgestiegen! Wir haben noch sechs Partien und somit noch mindestens 18 Punkte zu holen … Wir sind auf dem richtigen Weg, Pech im Abschluss, guter Trainer…“ – bitte vervollständigen Sie selbst den Rest, sie machen diesen Unsinn schließlich schon länger als ich … Wenn Sie eventuell noch etwas von „nicht beirren lassen“ hier einfügen würden, dann muss ich mich nicht darum kümmern.

Reden Sie sich die Hoffnung nicht nur ein? Der Trend ist doch ganz deutlich und führt direkt in die Zweite Liga?

Diese Unterstellung weise ich entschieden zurück, auch wenn ich sie mir selbst ausgedacht habe. Otto Rehhagel, Rene Tretschok und Ante Covic haben die mentale und kämpferische Trendwende geschafft. Zumindest steht dieser Satz so in dem Buch „Wie rede ich mir meine eigenen Entscheidungen schön? Tausendundein hilfreicher Tipp für mittelständige Abteilungsleiter“, welches ich mir kurz nach dem Spiel gegen Wolfsburg auf meinen Kindle lud. Diese Kindlegeschichte wird sich durchsetzen und in Sachen Lesen das Glück zurückerobern. Davon bin ich überzeugt.

Wie können Sie verhindern, dass die Mannschaft sich aufgibt?

Lassen Sie mich diese selbstausgedachte Frage mit ebenso selbstausgedachter Küchentischphilosophie beantworten. Nachdem wir durch eigene Dummheit und spielerischer Überlegenheit des Gegners gegen Wolfsburg 1:2 zurücklagen, habe ich eine Mannschaft gesehen, die sich Chance um Chance erspielte und die sich niemals aufgab. Das im gleichen Spiel noch Hertha mitspielte, können Sie mir nun wirklich nicht zum Vorwurf machen – Fragen, die den Spielplan betreffen, beantwortet ausschließlich die DFL.

Gibt es Konsequenzen nach der Niederlage gegen Wolfsburg? Die Trainer haben Montag frei gegeben…

Nein. Wir werden weiterhin die gleiche offene und faire Kommunikationsstrategie mit den Vertretern der Presse und unseren Fans an den Tag legen, die wir auch vor dem Spiel zu hundert Prozent verfolgt haben. Nach dem Verlauf der Pressekonferenz waren Sie total enttäuscht. Deshalb war es richtig von mir, dass ich die Hoheit über Ihre Arbeit zunächst an mich nahm und Ihnen den Montag quasi freigegeben habe. Sie sollen diese Enttäuschung verarbeiten und die mentale Frische zurückbekommen, die ab Dienstag eine voll und ganz unkritische Berichterstattung erlaubt.

Und was, wenn der Abstieg trotzdem passiert?

Darauf werde ich keine Antwort geben – auch wenn ich mir die Frage selbst gestellt habe. Für Hertha, für unsere Fans, für Ehre, das Vaterland… wie war die Frage nochmal?

Lassen Sie mich am Abschluss bitte noch meine Mutti grüßen. Hallo Mutti, ich bin im Internet!

Unions neue Kompetenz-Kompetenz

Der neue Mann an der Seite von Uwe Neuhaus heisst Nico Schäfer. Der 42-jährige, der zum 1.7. seine neue Rolle als „kaufmännisch-organisatorischer Leiter der Lizenzabteilung“; ein Titel, der jede Visitenkarte sprengt; antritt, beerbt damit offiziell Christian Beeck. Soweit die nüchternen Fakten.

Als Fan frage ich natürlich bei solchen, nach aussen hin, recht abrupt kommunizierten Wechseln, nach der Notwendigkeit und den Ursachen. Beides versuchte Dirk Zingler auf der heutigen Pressekonferenz zu beantworten.

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Nie geht man so ganz

Haben wir im letzten Podcast noch spekuliert, wer uns denn zur Sommerpause, neben den bereits feststehenden Abgängen, noch verlassen wird, hat der Verein heute neben viele der von uns gemunkelten Namen einen Punkt gesetzt. Neben Karim Benyamina, Dominik Peitz und dem bereits aussortierten Kenan Sahin werden leider auch die Verträge von Bernd Rauw, Paul Thomik, Björn Brunnemann, Christoph Haker und Macchambes Younga-Mouhani nicht verlängert.

Damit wird die Lücke in der Mannschaft noch einmal größer, denn vor allem mit Rauw und Thomik gehen nochmal zwei Spieler, die für uns 18 bzw. 21 Spiele in der 2. Bundesliga gespielt haben und dies in meinen Augen besonders im Fall Thomik mit einer klaren Tendenz zum Leistungsträger. Schade drum – es wird also eine spannende Sommerpause. Für alle, die den Jungs noch ein letztes Mal ein wohlverdientes “Fußballgott!” zubrüllen wollen, gibt es den offiziellen Abschied vor dem Spiel gegen Cottbus: 1. FC Union Berlin verabschiedet Spieler (Vereinshomepage).

Bochum gegen Union live

Zur Feier des Tages wagen wir heute mal ein Experiment. In ein paar Stunden breche ich auf nach Bochum zm Spiel des VFLs gegen den 1.FCU. In der Hoffnung, dass der iPhone-Akku, das Vodafone-Netz und mein Technik-Karma mich nicht im Stich lassen, werde ich das Spiel live aus dem Stadion bloggen. Ich habe keine Ahnung, ob das alles so klappen wird, aber einen Versuch ist es allemal wert.

Startzeit: Irgendwas um 18 Uhr (sobald wir im Stadion sind).

P.S.: Falls hier nach 18 Uhr nix passiert, dann ist der Handyempfang im Bochumer Stadion ähnlich gut wie an der Alten Försterei. Dafür entschuldige ich mich pro forma schonmal im Voraus. Aber seien wir mal optimistisch.

Das war das Live-Blog:

#KomischeBrillenEvent

Als Avatar 2009 in die Kinos kam, galt er als Vorreiter eines neuartigen Filmerlebnisses. Das 3D-Kino war neu auferstanden. Neu war die Idee nicht, doch mit Avatar zum ersten Mal gut genug umgesetzt. Kein Film eines großen Studios kann es sich seitdem erlauben, nicht zumindest mit einer 3D-Version auf den Markt zu kommen.

Früher als gedacht, nämlich am letzten Wochenende, zog diese 3D Technologie nun auch in die Wohnzimmer der Fußballfans Deutschlands ein. Sky und Liga Total übertrugen das erste Fußballspiel in der dritten Dimension und, entsprechendes Equipment vorausgesetzt, jeder Abonnent konnte das “Fernsehen der Zukunft” schon jetzt zu Hause erleben. Soweit die Theorie. Hans-Martin und ich waren von der Telekom am Sonntag ins Berliner Hotel “Andels” eingeladen, um uns selbst ein Bild davon zu machen, wie das Ganze in der Praxis aussieht.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich war enttäuscht. Nicht so sehr von der Technik – die hielt was sie versprach. Bei 600Hz Fernsehern und reichlich futuristisch anmutenden 3D-Shutterbrillen eigentlich aber auch kein Wunder. Meine Enttäuschung liegt eher in der Erfahrung. Sicherlich wirken die 3D-Bilder beeindruckend. Die Tiefe, mit der die Bilder hier künstlich versehen wurden, wirkte plastisch und alles, was man aus dem Kino kennt, geht jetzt, ca. 2.500€ Materialeinsatz vorausgesetzt, auch zu Hause.

(Trommelwirbel für das unvermeidliche “Aber”….)

Aber leider ist genau diese Tiefe ziemlich nutzlos, wenn, wie bei einer Fußballübertragung üblich, die Mehrheit aller Einstellungen eine Totale des Fußballfelds ist. Das hatte wohl auch die Regie der Übertragung des Spiels Kaiserslautern gegen Köln gedacht und spielte auffallend oft Nahaufnahmen von den Seitenlinien bzw. der Hintertorkamera. So gut gemeint das sicherlich auch war, so bescheiden war der Effekt, der damit erzielt wurde. Nicht nur brach die Regie damit mit der gewohnten TV-Fußballerfahrung, wir verpassten als Zuschauer auch entscheidende Dinge, da zu unmöglichen Zeiten wie z.B. einer Ecke in diese Nahaufnahmen geschaltet wurde, um die Spieler in 3D in relativer Ruhe zeigen zu können.

Neben diesen Problemchen, die sich sämtlichst auf die Übertragung beziehen, ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor an dieser ganzen Geschichte sicherlich die 3D-Brille an sich. Als Brillenträger, der seit seinem siebten Lebensjahr mit einer Brille durch die Welt läuft, hätte ich nie für möglich gehalten, wie arg eingeschränkt ich mich durch eine Brille fühlen würde. Die leichte Abdunklung, bedingt durch die Shuttertechnologie und der doch ziemlich wuchtige Rahmen führten zu einer Art Tunnelblick, der sämtliche Interaktion mit den Umsitzenden unmöglich macht. Und sind wir mal ehrlich: Wer schaut schon Fußball alleine? Ein signifikanter Anteil daran, Fußball im Fernsehen zu gucken, ist es doch, dies mit Freunden zusammen zu tun.

Als es vor ca. einem Jahr hieß, dass die 3D-Technologie den Weg aus dem Kino, wo ich persönlich sie schon sehr kritisch sehe, ins Wohnzimmer finden sollte, gab es für mich nur drei wirklich sinnvolle Anwendungsgebiete: Sport, Spiele und Pornos. Leider war die Premiere von 3D-Sport für mich gespickt mit all den Dingen, die mich den 3D-Wahn im Kino mit so tiefer Inbrunst hassen lassen: Unnötige Kameraeinstellungen, die nur für den 3D Effekt existieren, teils unwirklich wirkende Tiefe und eine Abschottung von meinen Mitmenschen. Spätestens Avatar sollte doch eigentlich gezeigt haben, dass all die schöne Blendtechnik nichts bringt, wenn der Inhalt nicht stimmt. Bis 3D ohne Brille funktioniert und eine normale Sportübertragung mit den bewährten Kameraperspektiven in 3D möglich ist, muss ich Sport wohl von meiner Liste streichen. Bleibt zu hoffen, dass sich wenigstens Spiele und Pornos in 3D im heimischen Wohnzimmer bewähren.

Bis dahin schaue ich mir meinen 3D Fußball lieber im Stadion an.

Wer mehr zu den technischen Details wissen möchte, liest drüben bei www.allesaussersport.de weiter!