Die verschollene Presseschau – Finale

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Das Flugzeug brummte vor sich hin, während es durch die Dämmerung in Richtung Nürnberg flog. Ich saß auf einem billigen Last-Minute Platz und ging alles noch einmal in Ruhe durch.

Endlich hatte ich alle Puzzle-Stücke in der Hand. Ich wusste, was ich von den zurückliegenden Tagen zu halten hatte. Die DVD, die ich im Keller gefunden hatte, enthielt alles, was ich brauchte: Rechnungen, Verträge, Pläne.

Ich hatte sie mir auf Johns altertümlichen Rechner angesehen, der bemerkenswerterweise ein DVD Laufwerk enthielt. Es dauerte nicht lange, bis ich erkannte, welches Spiel hier gespielt wurde: Die Entführung, die ich beauftragt war aufzuklären, war keine echte Entführung.

Um genau zu sein, war nichtmal das Entführungsopfer ein echtes Entführungsopfer. Den Star-Autoren der Presseschauen auf dem Blog meiner Auftraggeberin gab es nicht. Man könnte sogar sagen, dass es das Blog gar nicht richtig gab.
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Die verschollene Presseschau – Teil 5

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Mir war klar, dass ich hier nur genau eine Chance hatte. Solange ich die Überraschung auf meiner Seite hatte, war noch nicht alles verloren. Ich lag so ruhig, wie es mir möglich war. Die Stimmen kamen näher und ich fühlte, wie vier Hände nach mir griffen. Ich ließ sie meinen „bewusstlosen“ Körper hochheben, in der Hoffnung, dass sie mir die Fesseln abnehmen würden.

Mit ein paar unsanften Bewegungen setzten sie mich auf einen Stuhl und nahmen mir den Sack vom Kopf. Ich konnte das erste Mal meine Augen einen winzigen Spalt breit öffnen und sah zwei meiner Angreifer aus dem Café vor mir stehen. Sie leerten zwei Fässer Bier in den Abfluss in der Ecke und ich brauchte nicht viel Phantasie, um mir vorzustellen, wer anstelle des Bieres in den Fässern landen sollte.

Von meiner Auftraggeberin und dem dritten meiner Café-Angreifer war weit und breit keine Spur – ich vermutete, dass sie meinen unbekannten Zellengenossen auf seinen Aufenthalt im Bierfass vorbereiteten. Wie falsch ich damit lag, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
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Die verschollene Presseschau – Teil 4

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Als ich zu mir kam, empfing mich der Gestank von Terpentin und Schweiß. Der Sack, den man mir über den Kopf gezogen hatte, ließ nur bruchstückhaft Licht an meine Augen und die Fesseln, die meine Hände hinter dem Rücken zusammenhielten, waren eng geschnürt.

Ich orientierte mich so gut es ging und nach einiger Panik wurde mir bewusst, dass ich auf dem harten Boden eines Raumes mit tiefen Decken lag. In einiger Entfernung konnte ich dumpfe Stimmen wahrnehmen. Ein Radio übertönte sie blechern, so dass ich nicht verstehen konnte, was sie sagten.

Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass ich mich in einem Kellerraum befand – der modrige Geruch und der harte Boden waren unverkennbar. Nach der ersten Orientierung versuchte ich meine Fesseln zu lockern, doch alles Zerren führte nur dazu, dass der Kabelbinder noch tiefer in meine Gelenke schnitt als vorher. Ich neige selten zum Jammern doch diese Situation brachte mich dann doch dazu, mit meinen Entscheidungen zu hadern.
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Die verschollene Presseschau – Teil 3

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Es wurde Zeit, meine bisherigen Ergebnisse mit meiner Auftraggeberin zu teilen. Ich leistete mir ein Taxi und fuhr in den Norden der Stadt. In Gedanken versunken ging ich meine Notizen durch und starrte auf den Ausdruck des Fotos aus New York. Das Fluchen des Taxifahrers über jede rote Ampel nahm ich nur ganz entfernt war.

Auch wenn ich mich an nicht viele Prinzipien im Leben bisher gehalten habe, so war die völlige Offenheit meinen Klienten gegenüber doch bisher immer so etwas wie heilig. Diesmal jedoch überlegte ich genau, was ich ihr gegenüber äußern sollte. So aufgelöst, wie sie zu mir gekommen war, könnte diese New York Geschichte sie doch wieder nur unnötig wütend machen.

Es wurde dunkel als das Taxi vor ihrem Haus hielt. Ich warf dem Taxifahrer das Geld auf dem Beifahrersitz und er fuhr fluchend davon. Ein leichter Nieselregen hatte auf dem Weg hierher eingesetzt und ich verharrte ein paar Minuten vor dem Eingangstor, um meine Gedanken zu sammeln. In dieser Gegend sollte jemand wie ich nicht allzu lange vor Häusern herumstehen wenn ich nicht die Aufmerksamkeit wachsamer Nachbarn auf mich ziehen wollte. Tief einatmend drückte ich die Klingel.
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Die verschollene Presseschau – Teil 2

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Mein Kopf fühlte sich so leer an wie die Schachtel Zigaretten, die vor mir auf dem Schreibtisch lag. Es war lange her, dass ich das letzte Mal an meinem Schreibtisch eingeschlafen war. Draußen fuhr die Müllabfuhr gerade die kümmerlichen Überreste Zivilisation davon, als ich durch die Sonnenstrahlen geweckt wurde, die gerade so durch die schon viel zu lange nicht mehr geputzten Scheiben meines Büros drangen.

Ich wusch mein Gesicht im Waschbecken in der Ecke und zog das Hemd an, das ich für den Fall im Büro bereit gelegt hatte, dass ich mal zu einem Empfang eingeladen wurde. Nicht dass das je passieren würde, aber in diesem Moment war ich froh, diese Hoffnung irgendwann mal gehabt zu haben.

Als ich den letzten Knopf geschlossen hatte und mich einigermaßen erfrischt fühlte, fiel mein Blick auf den braunen Umschlag an der Tür. Kein Absender, keine Anschrift – meine Gedanken begannen zu kreisen. Es war lange her, seit ich anonyme Post bekommen hatte und auch dann immer nur Drohbriefe von Ehemännern, die verhindern wollten, dass ich „diese“ Fotos ihren Ehefrauen zeigte.
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Die verschollene Presseschau – Teil 1

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Schon an ihrem Klopfen hörte ich, dass dieser Fall etwas Besonderes sein würde. Genaugenommen erkannte ich es an der Tatsache, dass sie um diese Zeit an meiner Bürotür klopfte. Zu so später Stunde tummeln sich in diesem Gebäude maximal ein paar Ratten und vielleicht die eine oder andere Kakerlake. Aber ganz bestimmt keine Frau wie sie.

Aufgelöst stand sie vor mir. Ich hatte es mir gerade mit einem Bourbon bequem gemacht und versuchte den Ärger des späten Gegentores runterzuspülen. Eine kleine Unachtsamkeit und plötzlich hieß es Platz 5 in der Tabelle anstatt Platz 3. Noch völlig in Gedanken und Bourbon versunken, versuchte ich mich auf ihre Worte zu konzentrieren, die nach meinem halblauten „Herein…“ aus ihr herausbrachen.
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DFB-Pokal-Karten bei Union online kaufen – eine Manöverkritik

Screenshot: Union-Zeughaus

Dieses Bild werden viele von uns gestern Morgen gesehen haben, als sie sich online um Karten für das DFB Pokal Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund bemühen wollten.

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Herzlich Willkommen Sascha Lewandowski

Pressekonferenzen, auf denen neue Trainer vorgestellt werden, gestalten sich manchmal recht sperrig. Niemand will über den Trainer reden, der gerade erst entlassen wurde und der neue Trainer steht voller Tatendrang vor der versammelten Medienschar, kann aber noch nichts Substantielles zu seinem neuen Job sagen, da er erst seit ein paar Stunden wirklich im Verein ist.

Im Vergleich zu dieser Erwartungshaltung war die heutige Vorstellung von Sascha Lewandowski bei Union eine durchaus längliche und gelöste Veranstaltung. Die Vorschusslorbeeren, die Unions neuem Cheftrainer entgegengebracht wurden, waren fast greifbar und alle hatten irgendwie gute Laune.

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Foto: Robert Schmidl

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Alter Neuzugang

Die schönste Nachricht der letzten Tage hatte nichts mit dem zurückliegenden Spiel gegen 1860 oder dem kommenden Spiel gegen Leipzig zu tun. Die schönste Nachricht betraf Benjamin Köhler, der nach etwas über 200 Tagen nach der Diagnose “Lymphdrüsenkrebs” wieder ins Einzeltraining eingestiegen ist.

Nachdem bereits Lisa Görsdorf nach der erfolgreichen Therapie wieder ins Training einstieg, durfte Benny Köhler nach bestandenem Fitness-Test diesen Schritt nun ebenfalls vollziehen.

Der zehnte "Neuzugang". Benny #Köhler trainiert wieder beim #fcunion.

Ein von Matze Koch (@matzekoch_) gepostetes Foto am


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