Rafal Gikiewicz über Frust: “Wir müssen das aushalten.”

Ich kann mir förmlich vorstellen, wie Rafal Gikiewicz vor den Reportern stand und sich über die Niederlage in Leverkusen und auch die zuvor gegen Bremen echauffiert hat (Berliner Zeitung/Kurier). Vielleicht mit den Armen gestikulierend, wie wir das häufig nach Spielen sehen, wenn Torwarttrainer Michael Gspurning zum Keeper geht und sich nach Niederlagen erst einmal durch einen Schwall Wörter durchschwimmen muss, bis er beim Torhüter ankommt. Gikiewicz nervt das Hinterherlaufen, das Nicht-in-die-Zweikämpfe-kommen. Vor allem das hat uns ja beim Zuschauen in den ersten 20 bis 30 Minuten so sehr das Gefühl gegeben, Union hätte gar keine Chance. Bei allem Frust, der raus muss, finde ich vor allem den Punkt zur Frustrationstoleranz wichtig, über den Rafal Gikiewicz sagt: “Das ist das Lieblingswort von Freiburg-Trainer Christian Streich. Wir müssen das aushalten und weiter arbeiten, uns nicht runterziehen lassen.” Das gilt nicht nur für die Mannschaft. Das gilt für uns alle.

Torwart Rafal Gikiewicz redet nach dem Spiel auf Torwarttrainer Michael Gspurning ein, Foto: Matze Koch

Der Kurier berichtet noch von Fan-Protesten gegen den Videoassisten und die Bild (nicht online) nimmt noch einmal die Rote Karte gegen Sebastian Polter auf und sieht ihn doppelt bestraft, weil er so daran gehindert wird, sich im Konkurrenzkampf im Angriff durchzusetzen. Mein Lieblingstext heute ist der Kommentar aus der Morgenpost, der Union eine harte Saison in der Bundesliga prophezeit und eine Leistung wie in Leverkusen oder am ersten Spieltag gegen Leipzig nicht zum Klassenerhalt reicht. Das ist richtig, aber auch ein bisschen so wie die Behauptung, dass Regen nass sei. Ansonsten hat die Morgenpost aber auch dieses Zwischenfazit zu Union im Angebot.

Rund um Union

Die Spieltagsumfrage der Fan- und Mitgliederabteilung ist ein gutes Instrument, um herauszufinden, ob Sachen funktionieren oder nicht. Einzelfälle sind genauso interessant wie Dinge, die vielleicht systemisch nicht klappen. Nun wurden alle Ergebnisse der vergangenen Saison ausgewertet. Wenig überraschend wird die Anreise zu Heimspielen als ein Problem wahrgenommen, genauso wie Warten am Einlass oder die Toiletten-Situation. Aber es gibt auch Überraschendes, was in der Berichterstattung in traditionellen Medien und aber auch bei uns sicher zu kurz kommt, wenn es um Sicherheitskräfte (Polizei, Bahn-Security, Ordnungsamt) geht: “Zum Großteil beziehen sich die Antworten der Fans jedoch auf die Einsätze der Polizei, die vornehmlich als zurückhaltend und angenehm bewertet wurden. […] Bei den Auswärtsspielen der Eisernen gab es keine nennenswerten Probleme.” Das sind natürlich keine Geschichten, wenn etwas einfach funktioniert und bekommt deswegen auch keine mediale Beachtung. Gut finde ich auch, dass Feedback von Gästefans in die Auswertung einfließt, es also um das Stadionerlebnis aller geht. Da gab es nicht nur Zufriedenheit mit der Polizei.

Ich empfehle es durchaus, sich diese Auswertung durchzulesen, weil sie noch einmal sehr deutlich macht, welche Aspekte alles eine Rolle für ein Stadionerlebnis spielen. Das ist natürlich sehr unionisch geprägt, wenn bei Auswärtsspielen “ein hoher Eventcharakter” kritisiert wird. Meldungen zu rassistischen Ausfällen tauchen in der Umfrage genauso auf wie die Feststellung: “Die beste Bewertung eines Auswärtsspiels (in St. Pauli, 2,33) lag noch hinter der schlechtesten Heimspielbewertung.”

Union in Podcasts

Im Radioeins-Podcast “Union am Ball” geht es noch einmal um den vergangenen Spieltag. Darin ist auch Pressesprecher Christian Arbeit zu hören, wie er seine Version des Themas “Frustrationstoleranz” erzählt und davon, dass Grischa Prömel sehr wahrscheinlich nicht schon am Freitag gegen Eintracht Frankfurt zur Verfügung stehen wird.

Beim gestern angekündigten Podcast “Kicker meets Dazn” war Neven Subotic zu Gast, der unter anderem davon erzählt, wie er sich für Union entschieden hat. Nur aus dem finanziellen Aspekt wohl nicht: “Geld ist irgendwo ganz unten bei mir.”

Und da wir gerade bei Podcasts sind, muss ich ganz dringend richtigstellen, dass das Aufstiegstor nicht auf dem Stadiongelände hinter der Gegengerade eingegraben wurde, wie ich das in unserer letzten Episode behauptet habe. Das Tor befindet sich längs der Trainingsplätze, wenn man den Weg zum Eingang Stadiondenkmal geht und schaut von dort über den Zaun auf die Trainingsplätze. Wenn ihr also einmal das Tor vor dem Spiel anfassen wollt, müsst ihr einen kleinen Umweg über die Hämmerlingstraße nehmen.

Und niemals vergessen

Eigentlich wäre diese Episode, an die mich gestern ein Tweet erinnerte, ja auch etwas für unseren Geschichts-Podcast “Und niemals vergessen”. Denn 2002 versteigerte Union in einer heute beim Verein kaum möglichen Aktion einen Platz auf der Trainerbank während des Spiels gegen die Eintracht. Den ersteigerten Frankfurt-Anhänger für den strippenden Eintracht-Fan Manfred Adelmann. Die DFL fand das weniger witzig und wies auf die Durchführungsbestimmungen hin (Tagesspiegel von 2002). Dafür zog er trotzdem vor dem Gästeblock blank. Hier gibt es ein schönes Video, in dem wir die Zweitliga-Atmosphäre bei Union vor 17 Jahren sehen und auch den damaligen Stadionsprecher André Rolle.

Immer Unioner

Und zum Abschluss noch ein Bild, das auf das Thema Frustrationstoleranz vom Anfang des heutigen Textes noch einmal Bezug nimmt. Nicht runterziehen lässt sich nämlich ganz offensichtlich Steffen Baumgart. Ist aber auch schwer bei dem Anblick.

3 Gedanken zu „Rafal Gikiewicz über Frust: “Wir müssen das aushalten.”

  1. An der Stelle mal ein Hinweis zum Comeback des Jahres und dem aktuellen Meisterwerk vom letzten Wochenende: fcub.de

  2. @Phil Die Teilnahmen an der Umfrage schwanken relativ stark. Es gibt Auswärtsspiele, bei denen wir nur knapp 20-30 Rückläufer bekommen, dann gibt es aber auch Spiele, bei denen wir über 600 Antworten enthalten.

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