Auf höherem Niveau als Neven Subotic hat noch kein Unioner gespielt

Union hat gestern eine spektakuläre Verpflichtung eines Innenverteidigers bekannt gegeben – obwohl es immer noch nicht Marvin Friedrich war, sondern Neven Subotic, der vor dem Ostbahnhof stehend als Unioner vorgestellt wurde. Dass Friedrich nicht auch noch kommt, bedeutet das aber nicht.

Das ist ein Transfer der Sorte, die sofort einen relativ großen Hype auslöst. Und zwar zurecht. Denn Neven Subotic hat – als Stammspieler einer Meister-Mannschaft und eines Champions-League-Finalisten – nicht nur einmal auf einem höheren Niveau gespielt als so ziemlich jeder Spieler, der je für Union aufgelaufen. Er ist auch erst 30 Jahre alt (also noch mehr als die zwei Jahre Vertragslaufzeit davon entfernt, körperlich signifikant abzubauen) und hat in der letzten Saison für AS St. Etienne eine Stammspieler-Rolle innegehabt und sich dabei als Vierter der französischen Liga für die Champions League qualifiziert.(Warum er dort in der letzten Phase der Saison keine Rolle mehr gespielt hat, weiß ich ehrlich gesagt nicht.)

Dass Subotic immer noch auf einem sehr hohen Niveau spielt, zeigt auch diese statistische Betrachtung seiner Karriere an Hand des GoalImpact. Der zeigt, wie ein Spieler die Ergebnisse seiner Mannschaft beeinflusst, relativ zu deren sonstiger Leistung.

Die dicke rote Linie ist der aktuelle GoalImpact des Spielers. Die dünne rote Likie ist die aktuelle Vorhersage seines maximalen GoalImpact in der Zukunft. Die blaue Linie ist sein aktueller GoalImpact auf eine kürzere Zeitspanne bezogen.

Das heißt, Subotic war mal (als Dortmund krass die Erwartungen übertroffen hat) in dieser Sichtweise einer der wertvollsten Spieler der Welt, und ist immer noch unter den weltweiten Top-100, mit einem sehr, sehr guten Wert.

Dazu kommt noch, dass Neven Subotic nachweislich ein sehr sympathischer Mensch ist. Das zeigt nicht nur, wie beliebt er in Dortmund ist (im Gegensatz zu seinem damaligen Partner in der Innenverteidigung, der jetzt wieder dort spielt). Sondern zum Beispiel auch das Engagement seiner Stiftung, für die etwa die Wochenendrebellen Mirco und Jason Spenden sammeln.

Neven Subotic

Neven Subotic nach dem 5-2 Sieg gegen Bayern im Pokalfinale 2012, Photo: Matthias Koch

Der Transfer von Subotic bestimmt naturgemäß viele Schlagzeilen. Aber wir lernen auch, dass Florian Flecker einmal Langläufer war:

Subotic war aber nicht der einzige Neuzugang gestern. Auch der schon seit einer Weile im Raum stehende Transfer von Marius Bülter aus Magdeburg wurde offiziell verkündet. Dieser Wechsel ist aber interessanterweise eine Leihe ( Vereinsmitteilung): Bülter hat seinen Vertrag in Magdeburg verlängert, und wird für ein Jahr an Union ausgeliehen. Der Gedanke dahinter ist wohl, dass sich beide Vereine in einem Jahr über eine etwaige Ablösesumme besser einigen können als jetzt – und Magdeburg den Spieler zurück bekommt, falls die Saison nicht so läuft, dass Union Friedrich-sche Gefühle für ihn entwickelt. (Über die Modalitäten schreibt auch Matze Koch in der Bild, print).

Bülter ist zwar eigentlich Offensivspieler, legte bei Magderburg aber auch eine bemerkenswerte Polyvalenz an den Tag. Und er hat nicht nur auf defensiven Positionen gespielt, sondern auch insgesamt ganz ordentliche defensive Werte aufzuweisen – neben jeweils vier Toren und Vorlagen in der letzten Saison. Es könnte so durchaus sein, dass er als Option für die Position des Flügelverteidigers gedacht ist, also des Außenspielers neben einer Dreierkette, die in bestimmten Spielen zum Einsatz kommen könnte.

Bülter

Die Positionen, auf denen Bülter für den FCM gespielt hat, Screenshot: Whoscored

Was bedeuten diese Transfers nun im Kontext von Unions Kaderbau insgesamt? Zunächst, dass es immer mehr Zugänge und wenige Abgänge gibt (trotz der Bestätigung von Lennart Mosers Leihe nach Cottbus) und der Kader ziemlich groß wird.

Im Stadion dürfte in den nächsten Jahren und auch nach dem Ausbau der Platz zwar aus anderen Gründen knapp werden…

… aber zumindest der Bus auf der Fahrt ins Trainingslager in Österreich dürfte so voll werden, dass Union schon fast zu den Problemen mit over-Tourism beiträgt, die es dort gibt.

Aber dass Union zuerst Neuverpflichtungen bekannt gibt, und dann Spieler gehen, liegt auch in der Natur der Situation, in der sich der Verein befindet. Denn die Spieler, die Union jetzt noch verlassen werden, tun das eher zu Vereinen weiter unten in der Pyramide des Fußballs. Und für wen das nötig und möglich ist, zeigt sich eben erst, wenn der Bundesliga-Kader von Union Gestalt annimmt.

Ziemlich klar ist jetzt zum Beispiel, dass Lennard Maloney woanders Spielpraxis bekommen muss, um im Erwachsenen-Fußball anzukommen (dazu der Kurier).

Unions Trikot-Tease

Der Verein zeigt weiter Quadrat-Zentimeter-weise Ausschnitte des neuen Trikots – nun, wie der nicht ganz unumstrittene neue Hauptsponsor darauf aussieht.

https://twitter.com/fcunion/status/1146826030105190400/video/1

Das negiert zumindest die Sorge, die sehr belastet konnotierte Abkürzung SA im Firmennamen von Aroundtown könnte ein weiteres Ärgernis auf dem Trikot sein.

Was macht eigentlich Hertha?

Das fragt sich auch die WirtschaftsWoche, die eine sehr kritische Einordnung des neuen Investoren-Deals vornimmt. Während der erste Teil des Artikels darlegt, warum es sehr unwahrscheinlich ist, dass Hertha für die Aufstockung der Anteile des neuen Investors so viel Geld bekommen wird, wie mitunter kolportiert wird, zeigt der weitere, dass auch mit diesem Kapital Zuschuss Herthas sportliche und finanzielle Situation nicht schlagartig sehr viel besser wird.

11 Gedanken zu „Auf höherem Niveau als Neven Subotic hat noch kein Unioner gespielt

  1. Hat wegen Knieverletzung einen Monat pausieren müssen, Vertragsverlängerung wurde dann von Saint-Etienne offensichtlich frühzeitig ausgeschlossen.

    „Entre blessures et méforme physiques, le joueur de 30 ans ne s’est clairement pas montré au niveau. Sur la fin de saison, il s’est même fait doubler dans la hiérarchie par le jeune défenseur William Saliba.“

    https://www.butfootballclub.fr/ligue-1/saint-etienne/

  2. “(Warum er dort in der letzten Phase der Saison keine Rolle mehr gespielt hat, weiß ich ehrlich gesagt nicht.)”

    ich glaube den grund zu kennen: Sein Vertrag dort endete. Man konnte bereits im Frühjahr (März) Artikel in Medien lesen, wonach er wechselwillig war. D.h., er und St. Etienne waren sich quasi einig den Vertrag nicht zu verlängern. Dann hat St. Etienne bereits an den Lösungen für die Zeit nach Subotic angefangen zu arbeiten.

  3. Also zunächst finde ich den Transfer von Neven bockstark! Ich hoffe er reiht sich nicht ein in die Riege der alternden Innenverteidiger die wir in den letzten Jahren geholt haben (Pogatetz, Torrejon) und hilft uns auf Anhieb.
    Ich bin gespannt was sich in den nächsten Wochen hinsichtlich Abgängen entwickelt. Meine Überlegung: Mees, Hartel und Anderson werden die ersten Wechselkandidaten sein.
    Für das Spiel am Samstag vs. Brøndby bräuchten wir ja eigentlich 3 Halbzeiten damit jeder Spieler mindestens ne Halbzeit spielen kann.

  4. Die Innenverteidigung steht! Union meldet via Facebook Vollzug in Sachen #Freedrich!

  5. alter schwe…ähm…schwabe!!!

    dass christian gentner (zunächst für ein jahr) zu uns kommt, freut mich riesig – ein bärenstarker midfielder, der niemandem mehr etwas beweisen muss!
    ein spieler, der mit seiner abgezocktheit, übersicht, technischen beschlagenheit und robustheit sofort struktur und sicherheit in unser zentrum bringen wird.

    sehr, sehr geil…willkommen, chrisdtian!

  6. Ich finde ja die Transfers alle super. Ich dachte aber, dass wir uns nur punktuell verstärken. Hatte doch Ruhnert auch so angekündigt, oder? Bin mir nicht sicher, ob 12 neue Spieler nicht so viel sind. Die Mannschaft wird sich komplett verändern. Die Strategie Mannschaft komplett austauschen, hat doch im der Vergangenheit selten funktioniert.

  7. du hast ja recht @Timo, dass toll(st)e transfers den erfolg nicht garantieren.

    und es stimmt auch, dass einige – wahrscheinlich gar nicht so wenige – unserer aufstiegsakteure sich hinten anstellen oder gar auf vereinssuche gehen müssen.

    m.m.n. war unser kader aber auf dauer auf zu vielen positionen schlicht nicht bundesligatauglich besetzt.

    nach acht bis zehn bundesligaspielen werden wir eine einigermaßen aussagekräftige tendenz erkennen können, wohin die reise geht.

  8. Langsam wird’s mit den Transfers aber unheimlich!
    Wir haben jetzt nicht nur “zwei” Mannschaften sondern “drei”!?
    u.n.v.e.u.

  9. ick brauch unbedingt ooch’n rezept für dit haarwuchsmittel, wat seb andersson im urlaub verschrieben jekriegt hat! ;-)

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