Fanprotest und die Angst vor 4 Gelbsperren auf einmal

Es wird ruhig heute im Stadion werden. Allerdings nur in der ersten Halbzeit, wenn geschwiegen wird aus Protest. Gegen die Montagsspiele und für fangerechte Anstoßzeiten. Warum die angekündigte Abschaffung der ohnehin nur 5 Montagsspiele in der Bundesliga ab der Saison 2021nicht dazu führt, dass der Protest eingestellt wird, wird unter anderem hier beim Wuhlesyndikat erklärt:

Fanprotest am 7. Spieltag, Foto: Michael Hundt/Matze Koch

“Keine Montagsspiele in der Bundesliga ab der Saison 2021/2022”, so titelten die Zeitungen in der letzten Woche. Kurz zuvor veröffentlichten wir, als Fanszenen Deutschlands, unsere Protestpläne bezüglich des Spieltags vom 30.11. bis zum 03.12., bei welchem wir ein deutliches Zeichen gegen die Spieltagszerstückelung und insbesondere gegen Montagsspiele setzen wollen.

Und nun? Ist doch alles gut, Ziel erreicht, weitersingen, danke.

Pustekuchen!

Klar ist: Diese, bisher nicht verbindliche, Aussage, die wohl aus einem Stimmungsbild der Erstligisten hervorgegangen ist, ist ein großer Erfolg! Dieser Erfolg ist zurückzuführen auf den jahrelangen Protest gegen Spieltagszerstückelung und insbesondere auf den Protest seit der Einführung der Montagsspiele in der 1. Bundesliga. Dieses Stimmungsbild zeigt, was wir als Fans erreichen können, wenn wir gemeinsam starke und aussagekräftige Zeichen für unsere Rechte und Interessen setzen. Es zeigt auch, dass die Vereine eine entscheidende Rolle in der Vermarktungsspirale innehaben. Diese Rolle müssen die Vereine nutzen, um neben ihren berechtigten Kapitalinteressen auch unsere Interessen und Forderungen zu berücksichtigen und sie in der DFL zu vertreten.

Klar ist aber auch: Dieser Schritt kann nur der Anfang sein! Der Protest, der in den letzten beiden Jahren erheblich an Fahrt aufgenommen hat, war nur deshalb so stark und öffentlichkeitswirksam, weil er solidarisch von der ersten bis zur fünften Liga mitgetragen wurde. Diese Solidarität müssen wir auch weiterhin an den Tag legen! Wir freuen uns darüber, dass die Vereine der 1. Bundesliga Montagsspiele abschaffen wollen. Das reicht uns aber nicht! Wir wollen Montagsspiele generell abschaffen – in jeder Liga! Deshalb werden wir unseren Protest genauso in die Stadien tragen, wie vor dieser Meldung.
Gerade in der zweiten Bundesliga laufen vergleichbare Befragungen und Gespräche, wie in der ersten Liga. Diese Gespräche werden in der Woche nach dem Protestspieltag fortgeführt. Setzen wir durch unseren 45-minütigen Boykott ein konkretes starkes Zeichen dafür, dass sich die Zweitligisten der Entscheidung der Erstligisten anschließen. Zeigen wir darüber hinaus, dass wir Montagsspiele konsequent und generell ablehnen.

Das geht nur gemeinsam, die Zeit ist reif:
Holen wir uns den Fußball zurück – von der ersten bis zur letzten Liga!

Wie weit diese Form des stillen Protestes noch getrieben werden kann, weiß ich nicht. Was kommt denn als nächstes: Ganzes Spiel schweigen? Dann nicht mehr hingehen? Und dann? Mir wäre es lieb, wenn es irgendeine Institutionalisierung von Fan-Interessen gäbe. und da rede ich nicht von einem Arbeitskreis oder so, sondern von wirklicher Repräsentation mit Stimmrecht in den Gremien.

In der 3. Liga haben die Vereine ihr ganz eigenes Hühnchen mit dem Liga-Veranstalter DFB zu rupfen. Erst verdarb der machtpolitische Proporzgedanke die Reform der Regionalligen, so dass das unwürdige Ausspielen von Aufsteigern unter Meistern und Meisterschaftszweiten weiter Bestand hat. Die Regionalverbände sahen sich nicht in der Lage, mindestens eine Regionalliga abzuschaffen. Dafür kam dann der Vorschlag einer zweigleisigen 3. Liga. Und das obwohl die Drittligisten als Zeichen guten Willens schon von vorneherein auf 4 Absteiger umgestellt haben. Nun ist den Klubs der Kragen geplatzt und zusätzlich zu den Fanprotesten verweigern die Mannschaften nach Anpfiff in der ersten Minute das Spiel. Die 3. Liga will zurück zu 3 Absteigern, wenn es von Seiten des DFB und der Regionalverbände keinen Veränderungswillen im Sinne des Sports gibt. Mehr dazu im Kicker hier und hier.

Wenn die DFL nicht ihre eigenen Probleme hätte, würde ich sagen, dass das spätestens der Zeitpunkt ist, an dem sie nicht nur Schiedsrichter, sondern auch die 3. Liga unter ihre Fittiche nehmen sollte. Der DFB scheint als Verband der Regionalfürsten zu sinnvollen Reformen nicht in der Lage.

Zum Sport

Kommen wir zum Spiel gegen Darmstadt, dass an sich keinen Leckerbissen verspricht. Aber dafür gehen wir auch nicht zum Fußball. Vom Angstgegner ist in den Medien die Rede. Vom Ergebnis her stimmt das, allerdings sind mir das bisher zu wenig Spiele gegen 98 gewesen, um darin einzustimmen. Ich bin tatsächlich gespannt, ob Urs Fischer wieder mit 3 Angreifern oder nur mit 2 anfängt. Ich habe so ein bisschen das Gefühl, dass das Spiel mit 2 Angreifern eher dazu führt, dass hinten heraus gespielt wird, während das mit 3 Angreifern dazu führt, dass die langen Bälle gesucht werden. Aber dafür wird Daniel mich dafür gleich in den Kommentaren filetieren, weil das eine mit dem anderen nicht so viel zu tun hat. Ich sehe einfach einen Tick mehr Anspielstationen im 4-4-2 und so die Möglichkeit, kompakte Darmstädter Abwehrreihen auseinanderzuziehen.

Der Kurier sieht die Gelbe Gefahr und zwar in Form eine fünften Gelben Karte. Die droht in der Tat vor allem der Achse aus Grischa Prömel, Manuel Schmiedebach und Florian Hübner. Dazu ist auch Kapitän Christopher Trimmel gelbgefährdet. Ich fürchte mich da ehrlich gesagt nicht davor. Dann spielt halt im nächsten Spiel Felix Kroos auf der 6, Marcel Hartel auf der 8, Michael Parensen in der Innenverteidigung und Julian Ryerson auf rechts in der Viererkette. Das ist für die Zweite Liga ja ebenso eine individuell starke Besetzung.

Hier die Vorberichte der anderen Berliner Medien:

Auf den anderen Plätzen

Für die U19 kommt es zur Zeit knüppelhart. Die Ergebnisse stimmen nicht (7 Niederlagen in Folge in der Liga) und nach dem Tabellenführer FC St. Pauli in der vergangenen Woche geht es heute gegen den Zweiten VfL Wolfsburg. Anstoß ist 14 Uhr am Bruno-Bürgel-Weg. Bereits um 11 Uhr spielen dort die B-Junioren gegen Tennis Borussia.

Morgen geht es für das erste Frauen-Team in der Regionalliga nach Leipzig zu Rasenballsport. Anpfiff ist 13 Uhr. Schon um 12 Uhr spielt am Sonntag das zweite Team gegen Lichtenberg 47. Gespielt wird auf dem Kunstrasenplatz an der Hämmerlingstraße.

Und sonst so?

Ich bin ein Freund von Perspektivwechseln, weil sie helfen verschiedene Sichten zu verstehen. Selbst wenn man sie nicht teilt. Eurosport-Moderator Jan Henkel beispielsweise nimmt im Interview mit FUMS die Sicht des Rechteverwerters ein, wenn es um die Montagsspiele in der Bundesliga geht und die frühzeitige Bekanntmachung ihrer Abschaffung. Aber das ist nur ein kleiner Aspekt.

Es geht auch um den Widerspruch zwischen der Balla-Balla-Präsentation des Fußballs bei Sky, in der fachliche Themen gar keine Rolle mehr zu spielen scheinen. Und da geht es nicht darum, die Präsentation zu einem fest für Fußballnerds zu machen, sondern Jan Henkel sagt das, was ich auch denke: Fachliche Beiträge und Unterhaltung schließen sich nicht aus. Manchmal glaube ich, dass in Deutschland Unterhaltung grundsätzlich verächtlich gemacht wird, weil sie als seicht und anspruchslos angesehen wird. Dabei bietet sie doch die Chance, Inhalte so zu präsentieren, so dass Leute sie gerne schauen oder hören. Wer Jan Henkel und Matthias Sammer mal im Interview länger reden hören möchte, dem empfehle ich die diese Podcast-Episode des Rasenfunks aus dem April dieses Jahres.

5 Gedanken zu „Fanprotest und die Angst vor 4 Gelbsperren auf einmal

  1. Dazu muss ich sagen, dass mir die zweite Liga Zusammenfassung auf Sky Sport News ganz gut gefällt, mit interessanten Gästen und Statistiken. Ein Fortschritt gegenüber Hattrick.

  2. Wenn du schon darum bittest Sebastian: Ob man mit zwei oder drei Stürmern spielt hat schon was damit zu tun, wie stark man lange Bälle fokussiert. Aber eigentlich korreliert das andersrum: 433 ist eher ein Kurzpasssystem, 442 öfter mit long Ball merchants verbunden. Das hat dann aber wirklich nur indirekt mit den Stürmern zu tun und hängt eher mit dem Mittelfeld zusammen. Das interessante an Union ist, wie sie die Räume um Polter besetzen. Im 442 wäre das ja der Job des zweiten Stürmers. Bei Union schiebt aber der Zehner nach vorne um das zu machen. Das ist ja, was man mit ‚die letzte Linie überladen‘ meint. Die Außenstürmer sind dann frei, um den Raum zwischen Polter und dem Tor zu attackieren. Das kann man aber im 442 exakt genauso machen. Es ist also gar keine Frage des Systems, sondern davon, wie man die Rollen verteilt. Union spielt quasi gleichzeitig mit einem, zwei, drei und vier Stürmern.

  3. Bleibt uns ja nur der Aufstieg um den Montagsspielen zu entgehen. :-)

    Aber das heute mit dem 45min schweigen bleibt bitte eine Ausnahme.
    Ist zwar schön das ich somit mal den gegnerischen TW hörte aber das ist nicht Sinn der Sache.
    Auch wenn es weh tut, beraubt man sich so einer Stärke bei Union. Wir können für heute froh sein das die Lilien harmlos waren.

  4. Diese grundsätzlichen Proteste sind aus meiner Sicht Mimimi von pubertierenden Nicht-Vätern.
    Jeder, der Familie und Kinder hat, findet Heimspiele an Nicht-Wochenendtagen entlastend. Keine Ausreden, keine Diskussionen. Einfach nur Zeit für die Familie.
    Deshalb: Auch hier, wie überall, bitte differenzierten Protest. Danke. Setzen. Weitermachen.

  5. „Jeder, der Familie und Kinder hat, findet Heimspiele an Nicht-Wochenendtagen entlastend“ kann ich absolut nicht bestätigen. Das mag daran liegen, dass meine Familie mit im Stadion steht, Urlaubstage begrenzt und die Kinder schulpflichtig sind.

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