Unions Ausfälle: Welche Spieler können gegen Wolfsburg zurückkehren?

Bei Union hat sich trotz des großen Kaders unmerklich eine ganze Reihe von angeschlagenen Spielern und Ausfällen angesammelt. Ich bin weit davon entfernt, von einer Verletzungsmisere zu sprechen. Aber vor dem Auswärtsspiel am Sonntag gibt es so einige Fragezeichen im Kader. Am besten wir gehen die Spieler einzeln durch:

  • Christopher Lenz: Der Linksverteidiger hatte sich in Leverkusen am Hüftbeuger verletzt und trainierte gestern laut Tagesspiegel individuell in der Kabine und nachmittags mit dem Team. Wenn er die nächsten Trainingseinheiten komplett mitmacht, kann er es bestimmt in den Kader schaffen. Aber ob er dann auch spielt, ist die andere Frage. Sein Konkurrent Ken Reichel hat jedenfalls keine unruhige Nacht wegen der Konkurrenzsituation (BZ, Berliner Zeitung).

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Carlos Mané trainiert wieder. Aber bisher nur individuell.

Union veröffentlichte gestern ein Video, das Carlos Mané beim Training zeigt und titelte dazu bei Twitter: “Zurück im Training @CMane36 👊!” Doch ganz so einfach ist es nicht. Natürlich ist es eine gute Nachricht, dass der Leihspieler aus Lissabon zurück ist und sich die Schulterverletzung als nicht so gravierend herausgestellt hat (auch wenn wir nicht erfahren, was er nun hat oder hatte). Aber dazu gehört auch, dass er gestern nur, wie auf dem Video auch zu sehen ist, individuell mit Reha-Trainer Christopher Busse trainierte. Für die Partie am Freitag stünde aber schon wie beim Spiel gegen Ingolstadt auch Suleiman Abdullahi zur Verfügung, schreibt der Kurier, der heute einmal ganz grundsätzlich wird und sich fragt, welcher der beiden Leihspieler wohl am Ende der Saison bleibt. Bei Abdullahi stünden die Zeichen dafür wohl auf Grün.

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Sebastian Polter gewinnt bei eisigen Temperaturen den André-Hofschneider-Award

Es klingt erst einmal ziemlich harsch, wenn einem Spieler die Freigabe gegeben wird, ihm also keine Steine in den Weg gelegt werden für einen Wechsel. Aber im Fall von Marc Torrejon ist das ehrlich (Bild/BZ, noch nicht online, und Morgenpost berichten). Der Spanier, der diese Saison wegen langwieriger Muskelverletzungen noch nicht ein Pflichtspiel bestreiten konnte, hat sportlich kaum eine Chance, an Florian Hübner und Marvin Friedrich vorbeizukommen. Dazu wurde mit Nicolai Rapp noch ein weiterer junger Innenverteidiger verpflichtet. Und vielleicht gibt es für Torrejon trotz seiner Verletzungsanfälligkeit im Winter bessere Optionen als im Sommer.

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Das Knie: Michael Parensen verletzt sich im Training

Michael Parensen hat sich gestern beim Training am Knie verletzt. Das ist DAS Thema der Berliner Medien und ich würde lügen, wenn mir diese Geschichte nicht auch nahe ginge. Denn der Abwehrspieler ist mehr als nur ein Fußballspieler. Er symbolisiert all das, was Union in den vergangenen zehn Jahren erreicht hat. Als er kam, war der Stadionbau noch nicht fertig. Damals ging es mit dem Neubau der Stehplatztraversen darum, den Fußball-Standort Alte Försterei überhaupt zu erhalten. Jetzt geht es beim Stadionausbau darum, die Kapazität nahezu zu verdoppeln. Damals ging es um den Aufstieg in die Zweite Liga. Heute klopft Union an die Tür zur Bundesliga. Michael Parensen war immer dabei. Und zwar nie mit weniger als hundert Prozent. Ich wünsche ihm, dass die Knieverletzung nicht so langwierig ist, wie befürchtet wird.

Michael Parensen verletzte sich beim Training am Knie, Foto: Matze Koch

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Wie Jens Keller die Schwächephase des Teams nach der Halbzeit bekämpfen möchte

Bild und Kurier berichten vom “Psychotrick” von Jens Keller, mit dem er seine Mannschaft etwas mehr Fokus beim Start in die 2. Hälfte einer Partie geben möchte. Ursache ist, dass festgestellt wurde, dass Union in den Minuten 46 bis 60  von allen Teams der Zweiten Liga am meisten Torschüsse zulässt. Ich mag solche Datenanalysen, bei denen sich ein Fakt herauskristallisiert und man dann versuchen muss, eine Antwort darauf zu finden. Denn die Ursache dafür geben die Daten nicht her. Es gilt also: Vermutungen anstellen und diese testen. Das Trainerteam muss Dinge ausprobieren und auf ihre Tauglichkeit überprüfen. Ein Versuch: Die Spieler kommen zeitiger aus der Kabine wie gegen Prag und machen ein paar Sprints, um Adrenalin auszuschütten.

Jens Keller im Gespräch mit seinem Trainerteam, Foto: Matze Koch

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Warum sich einige Leute unter Sascha Lewandowski jetzt noch älter fühlen

Vom ersten Training unter Sascha Lewandowski gestern gibt es zu sagen, dass es viele Premieren für den neuen Coach gab. Die Bild zählte insgesamt acht Stück. Eine Knobelaufgabe gibt es für Lewandowski schon: Wer spielt nach Schönheims Verletzung eigentlich Linksverteidiger (Kurier)?

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Küstennebel.

Die Mannschaft bereitet sich auf das Spiel gegen Rostock vor. “Derby” nennt es Patrick Kohlmann im Eifer. Er habe keine Angst, dort zu spielen. Natürlich wissen Trainer und Spieler um die Ereignisse des vergangenen Wochenendes in Rostock. Ihre Arbeit beeinflusst das indes nicht. “Wir bereiten uns auf ein Fußballspiel vor, genau wie jede Woche auch, und ich erwarte da überhaupt keine Probleme” sagt Uwe Neuhaus. “Dass da eine heiße Stimmung sein wird, dass die Mannschaft von Rostock brennen wird, ist doch klar. Drittletzter. Da wird uns ein heißer Tanz erwarten.”
Daniel Göhlert ist wieder im Mannschaftstraining. Ob er in Rostock auf der Bank sitzen wird? Sein Trainer will das von der Trainingsleistung im Laufe der Woche abhängig machen. Heißt auf Deutsch: Kein Kommentar.

Wir sind alle Stürmer! (und auch Innenverteidiger)

Morgens halb zehn in Deutschland. An der Alten Försterei laufen sich zwölf Feldspieler und die beiden Torhüter Jan Glinker und Kilian Pruschke warm. Länderspielpause. Bei Bundesligisten sieht es in der Zeit auf dem Trainingsplatz ähnlich aus. Dort wird dann laut über Länderspielabstimmungen lamentiert. Bei Union nicht! Hier ist das Glas noch halbvoll. Auch wenn mit Daniel Göhlert und Halil Savran jeweils nur ein Innenverteidiger und ein Stürmer mittrainieren konnten.

Auf dem Programm stand heute Vormittag Torschusstraining. Von der Mittellinie starteten die Spieler mit Sprints und schlossen aus knapp 20 Meter Entfernung sofort ab. “Tempo hochhalten und beim Torschuss mitnehmen”, rief Uwe Neuhaus hinterher. Gerade in einer Zeit, in der die Stürmer reihenweise ausfallen, müssen eben andere übernehmen. Daniel Göhlert allerdings nicht. Der musste bei der Übung passen und das Training abbrechen. Langsam verließ der letzte gelernte Innenverteidiger den Platz. “Daniel ging es schon vor dem Training nicht gut”, erläuterte der Trainer. Da sei wohl ein Muskel fest. Nichts, was einen Einsatz beim Punktspiel in einer Woche gefährden würde.

Marcel Höttecke und John Jairo Mosquera fehlten beim Training. Doch die waren nur bei einer sportärztlichen Untersuchung. “Beide waren in letzter Zeit muskulär anfällig und sollen deshalb untersucht werden”, so Neuhaus. Positiv immerhin, dass keiner vom Placzek getragen werden musste.

(Klarstellung: Der Kalauer zum Schluss stammt nicht von mir, sondern aus wie gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen)

Bilder: Stefanie Lamm

Wipfelstürmer.

Mutter: Was ist denn hier los? Ich versteh nicht, was die ganzen Leute mit den Fotoapparaten hier machen.
Tochter: Na, fotografieren. Die Mannschaft.
Mutter: Was für´ne Mannschaft?
Tochter: Na, die da oben – die gehören alle zusammen. Union Berlin steht druff. Is´Fußball, glaub ich.
Mutter: Ach. Aber soviele Fotos?
Tochter: Na für die Zeitung. Und für´s Internet. Ey, ich bin auch im Internet! Auf youtube, hab ich erzählt? Also, neulich …

Auf der Mauer, auf der Lauer.

Die Trainingsfotos von gestern früh sehen aus wie die von vorgestern, übermorgen und in drei Wochen. Waldlauf in Köpenick bei Wetter in Köpenick. Immer fünf Grad kälter als im Rest von Berlin. Eine Gruppe von Spielern läuft durch den Wald. Gewohntes Bild für die Leute, die dort mit ihren Hunden spazierengehen.

Gestern fanden sich mehr Medienvertreter als üblich am Rande des Trainingsplatzes ein. Nachdem die Berliner Zeitung als erste darüber berichtete, dass Björn Brunnemann in den Wettskandal, der derzeit in Bochum untersucht wird, involviert sei, war das Thema in den Berliner Sportredaktionen unumgänglich. Zwar war durchaus allen Journalisten klar, dass sich in einem laufenden Verfahren niemand zur Sache äußern würde. Trotzdem hoffte man auf ein wie auch immer geartetes Statement durch den Verein. Oder darauf, dass sich jemand verplappert.

Das ist widersinnig und doch logisch. Logisch, weil ein öffentliches Interesse besteht. Man kann es an der Diskussion im Forum ablesen. Der Wunsch, den Namen des Spielers von Vorwürfen reingewaschen zu sehen, ist Ausdruck dieses Interesses. Der Widersinn liegt darin, dass eine solche entlastende Aussage gestern nicht möglich war. Wenn Ermittlungen laufen, weiß zu diesem Zeitpunkt nicht einmal die Staatsanwaltschaft selbst, ob Anklage erhoben wird. Es liegt nicht mehr als ein Verdacht vor. Ein Verdacht genügt, um zu diskreditieren. Ein Verdacht ist nicht ausreichend, um zu verurteilen. Das öffnet viel Raum für Meinung und Spekulation.

Als Uwe Neuhaus sich den Journalisten zuwandte, wusste er genau, was die ihn gleich fragen würden. Nichts mit Torhütern, leider, sondern die andere, unbeantwortbare Frage. Björn Brunnemann. Ein Trainer ersetzt nun einem Spieler vielleicht Mutter und Vater, selten aber den Rechtsbeistand. Weil das allen, die ihm gegenüber standen, bewusst war, mochte niemand derjenige sein, der die Sprache auf Brunnemann bringt. Man wird nicht gerne von des Trainers Zorn getroffen. Denn natürlich ist der Dialog “Was sagen Sie zur causa Brunnemann?” – “Dazu sage ich gar nichts.” Zeitverschwendung und für beide Seiten unbefriedigend. Und selbstverständlich wurde derjenige, der die Frage trotzdem stellte, augenblicklich von des Trainers Zorn getroffen. Ungerechter Weise insofern, als er nur formulierte, was ohnehin im Raum stand, und damit zum Blitzableiter für seine Kollegen wurde. Dass auch Journalisten hier ihrem Beruf nachgehen, kam offenbar niemandem in den Sinn. Die konnten zwischen zwei Übeln wählen. Ärger mit der Redaktion oder Ärger mit Uwe Neuhaus. Pest oder Cholera.

Die Situation ist ungemütlich für Verein und Presse, der Umgang miteinander belastet. Man steht sich gegenseitig auf den Füßen. Auch wenn Karim Benyamina anschließend entspannt in Badeschlappen zum Gespräch antrat -immerhin was für´s Auge- so macht Arbeit keinen Spaß.