Die Identität der Mannschaft hängt nicht nur an der Startelf

Der 1. FC Union hat gestern eine Liste mit Auswärtsspielen veröffentlicht, zu denen der Eiserne VIRUS einen Sonderzug organisiert (Plätz darin können jetzt beim VIRUS gebucht werden). Das wird nicht ganz zu jedem Auswärtsspiel klappen, aber bemerkenswert nahe daran heran reichen. Das sind gute Nachrichten für alle, die sich vorgenommen haben, eine Saison in der Bundesliga zur Alles-Fahrende-Saison zu machen.

Update von 10:15 Uhr: Der Verein hat außerdem eine spezielle Aktion zum Saisonstart angekündigt. Zu diesem Spiel sollen Unioner und Unionerinnen, die Union in der Bundesliga nicht mehr selbst sehen können, in Form von Bannern anwesend sein sollen. Das wird sicher emotionale Momente schaffen.

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Sonnenschein auf meiner Sonnenbrille.

Kurz vor Beginn der neuen Spielzeit treffen sich Berliner Pressevertreter und Verein alljährlich einmal “im Guten”. Beim traditionellen Medien Kick Off gibt es üblicher Weise einen Ausblick auf die kommende Saison. Während in den Vorjahren auch schon einmal das Gefühl aufkam, ich stünde am Flughafen und erfahre beim Check-in, dass sich die Regeln für´s Handgepäck geändert haben, war ich dieses Jahr auf Veränderungen im Mediencontainer vorbereitet.

Die Bekanntgabe des Saisonziels, ein Fazit der Vorbereitung und der Ausblick auf den Punktspielstart standen auf dem Zettel. Als Gesprächspartner waren Dirk Zingler, Uwe Neuhaus und Nico Schäfer an Bord der Helgard.

“Wir fangen an zu bauen, wenn wir uns stabil genug fühlen, sportlich wie wirtschaftlich”, leitete ein mit der bisUherigen Entwicklung sichtlich zufriedener Dirk Zingler die Gesprächsrunde ein. Zugleich stellte er klar, dass die Erlöse aus den Transfers nicht in den Tribünenbau fließen. Der war ohne diese Zusatzeinnahmen geplant, und dabei bleibt es. Union rechnet mit einem Zuschauerschnitt von 15.000. Das ist weniger als im vergangenen Jahr. Dennoch wird der Etat von insgesamt 18 Millionen Euro in allen Bereichen erhöht. 8 Millionen darf die Lizenzspielermannschaft kosten. Der Nachwuchs bekommt 1,25. Möglich wird dies durch erhebliche gesteigerte Sponsorenzuwendungen, aber auch durch einen Zuwachs der Mitgliederzahlen. Und tatsächlich benennt Dirk Zingler das Saisonziel. Platz 5 bis 7 ist angestrebt. Verfestigen. Verbessern. Und irgendwann aufsteigen. “Das kann zwei, drei oder fünf Jahre dauern. Oder ein Jahr.”

Uwe Neuhaus blickt ebenfalls sehr erwartungsfroh in die Zukunft. “Realistisch, aber anspruchsvoll” nennt er das Saisonziel. Seine Startelf steht für Neuhaus auf acht Positionen fest. Den Mannschaftsrat, bestehend aus dem alten und neuen Kapitän Torsten Mattuschka, Patrick Kohlmann, Michael Parensen und Markus Karl hat er persönlich ausgewählt. Die Neuzugänge hätten sich menschlich-charakterlich einwandfrei integriert, die Verletzungen von Daniel Haas und Björn Kopplin bedauert er zwar, aber so etwas sei in der Vorbereitung “leider fast normal”. Großes Kopfzerbrechen bereiten sie ihm nicht.

Ob ein neuer Spieler kommt? Nico Schäfer bestätigt. Es ist ein klares Ja, keines mit Fragezeichen. Weil mehrere Optionen offen stünden, werde der Name erst zum Ende der Woche bekannt gegeben. “Das Geld für Chine geben wir dafür aber nicht aus”, dämpft Dirk Zingler allzu überzogene Erwartungen.

Natürlich bleiben auch die Fragen nach Hertha und dem Derby nicht aus. “Wir spielen mit einem Drittel des Etats von Hertha in der selben Liga”, wirft Dirk Zingler ein. “Hertha hat die besseren Voraussetzungen und Strukturen, aber sportlich können wir uns messen”, meint Uwe Neuhaus, der gerne Stadtmeister bliebe und nichts dagegen hätte, beide Spiele zu gewinnen. Dass Hertha das größere Berliner Wirtschaftsunternehmen ist, entlockt niemandem auch nur ein Schulterzucken. Hier sieht man sich nicht im Wettbewerb. Uwe Neuhaus betrachtet Hertha überdies als Aufstiegskandidaten.

Durch den Tribünenneubau entfällt ein Teil der Pressearbeitsplätze – das war abzusehen. Dass ab dem Herthaspiel ein provisorischer Arbeitsbereich für die schreibenden Journalisten zur Verfügung stehen soll, überrascht dagegen schon. Die Fernsehkameras werden nur während des Braunschweig-Spiels Richtung neue Tribüne schauen, danach ziehen sie ebenfalls um. Die Fotografen dagegen bleiben, wo sie immer waren. Keine neuen Regeln, kein neues Handgepäck. Glück gehabt. Danke!