#391 – Gute Flanken, schlechte Flanken

Union gewinnt das erste Mal in der Bundesliga auswärts und Christopher Trimmel macht einen Assist-Hattrick mit drei Flanken. Doch gut war nicht alles im Spiel. Hinten heraus wurde es noch knapp. Außerdem reden wir noch über 30 Jahre Mauerfall.

Christopher Trimmel und Christopher Lenz jubeln mit den Fans in Mainz, Foto: Matze Koch

Links:

On Air:

avatar Stefanie Fiebrig Amazon Wishlist Icon
avatar Sebastian Fiebrig Paypal Icon Amazon Wishlist Icon
avatar Daniel Roßbach Eiserne Ketten PayPal Icon Amazon Wishlist Icon Flattr Icon
avatar Nadine Hornung
avatar Jana
Bewertet unseren Podcast oder schreibt Rezensionen bei iTunes oder auf Panoptikum.io

Ihr könnt den Textilvergehen-Podcast auch bei Spotify oder Deezer hören und abonnieren.

Keine Episode mehr verpassen!

Wie kann ein fairer Wettbewerb in der Bundesliga wieder garantiert werden?

“Auswärtssieg! Auswärtssieg! Auswärtssieg!” Das wäre heute eigentlich alles, was ich mir vom Auftritt beim 1. FSV Mainz 05 wünsche. Wieder ein erstes Mal. Der erste Auswärtssieg in der Bundesliga. Wobei mir gar nicht der historische Aspekt wichtig ist, sondern vor allem die 3 Punkte. Die würden dafür sorgen, dass Union zu Hause nicht so unter Druck ist, Punkte zu holen. Und sie wären ein perfekter Abschluss vor der Länderspielpause, in der ein letztes Mal Luft geholt wird vor Weihnachten.

Weiterlesen

Collin Quaner ist nicht der Stürmer-Ersatz für Sebastian Polter

Neuzugang Nummer 5 ist da. Collin Quaner (23) kommt ablösefrei vom abgestiegenen VfR Aalen und erhält einen Zweijahresvertrag (Mitteilung des Vereins). Mit dem 1,91 Meter großen Angreifer kommt Athletik in den Sturm von Union. Keine gute Nachricht dürfte diese Verpflichtung für Bajram Nebihi sein, der sich in dieser Saison nicht annähernd bei Union durchsetzen konnte.


Foto: Matze Koch

Quaner hat für sein Alter eine beachtliche Transferhistorie (Bielefeld, Ingolstadt, Leihe nach Rostock, Ingolstadt, Aalen). Andererseits hat er aber auch in der Rückrunde in Aalen bewiesen, dass er unter schwierigen Umständen in der Lage ist, Tore zu schießen und aufzulegen. Ich würde ihn gerne gemeinsam mit Sebastian Polter sehen.

Über den Transfer schreiben: Berliner Zeitung, BZ/Bild

Ein Prinz bei Nico Schäfer

Außerdem gestern bei Nico Schäfer: Kenny Prince Redondo (20) von der Spielvereinigung Unterhaching. Sicher keine Personalie, die sofort Richtung Stammplatz schielt, aber Druck im Kader aufbaut und sich entwickeln kann. Wir erinnern uns, dass Trainer Norbert Düwel davon sprach, dass der Kader nicht nur qualitativ, sondern auch in der Breite aufgestockt werden muss, will man die hohen Ziele tatsächlich erreichen.

Die Lektion hat man in dieser Spielzeit gelernt, als mit Fabian Schönheim, Maxi Thiel, Sören Brandy und Benny Köhler zeitweise vier Stammspieler gleichzeitig ausfielen und das Team spielerisch arg limitiert war. Leider war das eine Zeit, in der die Mannschaft vielleicht noch nach oben hätte vorstoßen können.

Ich bin geneigt zum Thema Sebastian Polter nichts mehr zu schreiben, wenn sich nichts ereignet. Ob Mainz-Manager Christian Heidel nun etwas öffentlich sagt (unter anderem im Tagesspiegel) oder nicht, ändert an den Fakten wenig. Warten wir ab, wie die Kaderplanung in Mainz voranschreitet und ob Sebastian Polter beim Trainer dort eine Rolle spielt. Es ist eben eine Geduldsfrage.

 

Vereine können sich DFB-Strafen nicht einfach von Fans erstatten lassen

Kurz zur spannenden Frage, ob ein Verein sich Geldstrafen vom Verband von ausfindig gemachten Fans wiederholen kann. Das Landgericht Hannover hat das gestern (Hannoversche Allgemeine Zeitung) verneint. Die Begründung ist so deutlich, dass ich da von einer Ohrfeige für DFB und Verein sprechen würde.

Zum einen sei die Urteilsbegründung des DFB mangelhaft. Dann sei der Fan nicht an allen Vorfällen für die die Strafe ausgesprochen wurde, beteiligt gewesen. Außerdem sei die Geldstrafe an der Leistungsfähigkeit des Vereins und nicht des einzelnen Fans bemessen worden. Zudem sei eine parallele Gerichtsbarkeit des Verbandes zur allgemeinen in Deutschland gültigen Gerichtsbarkeit nicht zulässig. Und da der Fan sich die Karte beim VfL Wolfsburg gekauft habe, hätte es auch kein Vertragsverhältnis zwischen Hannover und dem Fan gegeben.

Über das Fehlverhalten des Fans wurde in einem separaten Strafverfahren entschieden. Das war eindeutig und gab 14 Monate auf Bewährung.

Abschied von den Björns und Mainz liest entspannt die SMS von Polter

Der letzte Spieltag hat immer etwas vom letzten Schultag vor den Ferien. Eigentlich ist alles erledigt, aber trotzdem kommen noch einmal alle zusammen. So auch bei Union. Die Partie am Sonntag gegen Braunschweig ist das einzige Spiel, das nichts mit Auf- oder Abstieg zu tun hat. Aber es gibt allen die Möglichkeit, sich noch einmal richtig zu verabschieden. Vor allem von Spielern, die gar nicht mehr oder nur in einem anderen Trikot an die Alte Försterei zurückkommen.

 

Mit Sicherheit sind das Valmir Sulejmani, David Hollwitz, Martin Kobylanski, Mario Eggimann, Björn Kopplin und Björn Jopek (Vereinsmeldung und BZ). Ich verstehe jeden, der enttäuscht ist, dass die beiden Björns gehen müssen. Aber sportlich und finanziell (in solchen Fällen wird gerne vom Gesamtpaket gesprochen) passte es nicht mehr.

Jemand, der auch nicht mehr zu Union passte, spielt mittlerweile mit David Villa zusammen …

 

Ein Denkmal reißt sich selbst ein

Und jemand, der sich nicht mehr bei Union gebraucht gefühlt hat, spricht in der Bild über die Saison von Union: Torsten Mattuschka. Ich bin vom Inhalt nicht überwältigt und der Meinung, dass sich der ehemalige Kapitän mit jedem Interview dieser Art ein Stück selbst demontiert. Mir fehlt irgendwie die Antwort auf die Frage, ob er die Mannschaft in einer sehr zerbrechlichen Situation im Stich gelassen hat, weil ihm sein persönliches Wohl wichtiger war, anstatt sich durchzubeißen.

Mir wäre es sehr lieb, ihn als den Tusche, der neun Jahre bei Union war, im Kopf zu behalten und nicht als grumpy Ex-Spieler, der aus der brandenburgischen Provinz ein- bis zweimal im Jahr seinen Senf zum Verein abgibt.

 

Mainz wie es simst und entspannt

Um wieder auf den Abschied zurückzukommen: Sebastian Polter wird nicht verabschiedet. In Mainz hat Manager Christian Heidel laut Allgemeiner Zeitung sehr entspannt auf die mediale Offensive des Angreifers reagiert. Verständlich. Denn erstens hat Mainz einen gültigen Vertrag mit dem Stürmer und außerdem kann der Mainzer Manager die mediale Klaviatur mindestens genauso gut spielen wie Sebastian Polter.

Fassen wir also zusammen: Sebastian Polter hat vor zehn Tagen eine Nachricht an Christian Heidel (Der Tagesspiegel schreibt von 14 Tagen) geschrieben. Der hatte aber noch keine Zeit, zu antworten. Die Transferperiode dauert bis Ende August.

Oh man, ich hoffe, dass wir jetzt nicht zwei Monate lang nur Wasserstandsmeldungen lesen werden.

Berliner Pokal-Finale und ein Nicht-Wunschgegner

Was ich auch nicht hoffe: Dass der BFC (gestern mit 1:0 Pokalsieger über Tasmania) in der ersten Runde Union oder Hertha zugelost wird. Heidenheim wäre doch auch ein prima Gegner für den Oberligisten Regionalligisten aus Hohenschönhausen.

Sebastian Polter will bei Union bleiben

Was wir bisher wissen:

  • Sebastian Polter möchte bei Union bleiben und nicht mehr zu Mainz zurück
  • Der Stürmer hat noch einen Vertrag in Mainz bis 2017
  • Die Blumen zur Verabschiedung von Sebastian Polter am Sonntag wurden abbestellt

Sebastian Polter legt sich fest

Als gestern Abend das BZ-Interview mit Sebastian Polter durch das Netz ging, in dem der Angreifer sagte, dass er gerne bei Union bleiben würde, habe ich nicht nur bei mir dieses Kribbeln gespürt.

https://twitter.com/perk1n/status/600776247371821058

Was war passiert? Mit einer Breitsalve an Interviews in Bild/BZ und Kicker hat der Stürmer deutlich gemacht, dass er in der nächsten Saison nicht mehr bei Mainz spielen möchte. Und zwar so laut, dass 05-Manager Christian Heidel das unmöglich überhören kann (was wohl auch Ziel der Aktion war).

Dabei bediente Sebastian Polter sich einer Klarheit, die bei Profis in der Öffentlichkeit kaum noch zu finden ist:

Seit einem Jahr warte ich auf eine SMS, es gab keine einzige Rückmeldung. Das ist enttäuschend. Ich habe dreizehn Tore geschossen, sieben vorgelegt – alles, was sich Mainz und ich von der Ausleihe erhoffen konnten. Da fehlt mir der Rückhalt. Das sind für mich klare Signale, dass Mainz mich nicht möchte und deshalb will ich auch nicht zurück. (BZ)

Bei dieser Aussage sollte der Fakt, dass er vertraglich bis 2017 bei Mainz gebunden ist, allerdings nicht vergessen werden.

 

Wenn Zweite Liga, dann Union

Und allein für dieses Statement dürfte sich Sebastian Polter der Unterstützung am Sonntag gegen Braunschweig sicher sein:

Zu Union zu gehen, war das Beste, was ich machen konnte. Hier bekomme ich die Wertschätzung, die ich mir immer erhofft habe. Vom Präsidium, dem Trainer, der Mannschaft, den Fans. Union ist genau der Verein, der den Fußball verkörpert, für den ich stehe und den ich auf den Platz kriegen möchte. Genau so, wie Union Fußball lebt, stelle ich mir das vor.

Wenn ich in der 2. Liga spiele, dann nur bei Union. (Kicker)

Auf der Klaviatur unserer Fangefühle kann der Stürmer genauso gut spielen wie auf dem Rasen an der Alten Försterei.

Während Norbert Düwel sich in der Frage Sebastian Polter öffentlich immer in Optimismus übte, habe ich mich in Zurückhaltung geübt. Einfach weil die Fakten so stark gegen Union gesprochen haben. Und selbst jetzt haben sie sich noch nicht geändert. Mainz ist und bleibt der entscheidende Punkt.

 

Manager Christian Heidel hatte für Polter einen Vierjahresvertrag ausgehandelt und über eine Million Euro bezahlt. Es ist klar, dass dort irgendwo auch die Grenze liegt, die der Verein für Polter aufrufen wird. Ebenso klar ist für mich, dass Union sich diese Summe wohl kaum wird leisten können und Mainz vielleicht auf irgendeine Weise in Zukunft an der Leistung des Stürmers beteiligt sein wird (Beteiligung an zukünftiger Ablöse, Beteiligung bei Erfolgen wie Aufstieg oder Torschützenkönig, etc.). Gesetzt dem Fall, dass Mainz nicht einen Klub anbringt, der deutlich mehr zu zahlen bereit ist und Polter eine ordentliche Perspektive in der Bundesliga oder Premier League gibt.

Union kann eine Perspektive für Polter sein, aber mit Grenzen

Ich schätze an Polter, dass er ehrlich ist. Klar, fühlt er sich bei Union wohl. Aber Union ist eben Zweitligist und wird sich für ihn wohl so weit gestreckt haben, wie für keinen Spieler bisher in der Vereinsgeschichte. All das ist hinfällig mit einer Dauer-Spielperspektive eine Etage höher. Und das ist vielleicht auch merkwürdigerweise der Vorteil, den Union hat. Polter hat (familiär bedingt) keine Lust, weiter jedes Jahr umzuziehen und weiß, dass er nur spielend besser wird und sich präsentieren kann. Manche Spieler glänzen erst in der Zweiten Liga so deutlich, dass sie attraktiv werden (Daniel Ginczek, Ronny von Hertha, etc.).

Ich mache mir keine Illusionen. Selbst wenn Sebastian Polter bei Union bleibt und er nächste Saison weiter so spielt, wird er kaum noch ein drittes Jahr in Köpenick bleiben. Es sei denn Union steigt doch auf. Aber das Thema möchte ich hier nicht aufmachen … 😄

Wichtig an der Entscheidung ist, dass Spieler daran glauben, sich mit Union weiterentwickeln zu können, den Aufstieg für möglich halten und neben den finanziellen Aspekten Union auch mit weichen Aspekten punkten kann. Das ist vielleicht ein Unterschied zu der Situation mit Markus Karl vor zwei Jahren.

 

Für Union zudem wichtig: Sebastian Polter hat sich in nur einem Jahr mit gerade einmal 24 Jahren zu einer Führungsfigur entwickelt, die fast schon der unter Torsten Mattuschka ähnlich ist. Im Team, vor Journalisten und meiner Wahrnehmung nach auch beim Publikum. Das ist bemerkenswert, welch eine Identifikationsfigur ein Leihspieler werden kann. Das habe ich zuletzt bei Daniel Teixeira erlebt.

Und sonst so

Steffen Baumgart heuert als Trainer beim Berliner AK an (Kurier). Der Regionalliga-Klub scheint sich zu einer Anlaufstelle für Ex-Unioner zu entwickeln.

Zweimal Berlin, bitte!

Kommentar

Manchmal hat man die Wahl:

Das Leipziger Zentralstadion, das seit kurzem nicht mehr so heißt, sondern anders. Der Hallesche FC gegen den 1. FC Union Berlin.

Das Poststadion in Moabit. Auch so eines, das man eigentlich unter Naturschutz stellen möchte, sehen doch seine Stehplätze im oberen Bereich dem Großen Tropenhaus nicht ganz unähnlich. Berliner Athletik-Klub 07 gegen den FSV Mainz 05.

Ersteres versprach, die interessantere Partie zu sein, letzteres der reizvollere Austragungsort.

Poststadion Gegengerade

“Ach, nehm´ ick do´zweema Berlin – bleib ick hier, und Union jewinnt in Leipzich.” Das war, was ich wunschdachte. Ich denke ja im Heimatdialekt. Darüberhinaus: Möchte man bei einem Spiel zu Gast sein, dessen gastgebender Verein selbst keinen Gedanken an die Organisation verschwendet und das gesamte Sicherheitskonzept vertrauensvoll in die Hände der Polizei legt? Jan Glinker hätte darauf vermutlich eine klare Antwort.

Berlin also. Und siehe da – versehentlich war es auch das bessere der beiden Pokalspiele.

Zu beschützen gab es hier höchstens die Polizei, und möglicher Weise den BAK-Trainer. Vor seinen eigenen Leuten nämlich. “Trainer, ist gut jetzt, mach mal ganz ruhig” rief ihm denn auch besorgt sein Torwart zu und dirigierte dann seinerseits die Mannschaft.

Der Rest war Fußball. Und so gehört das auch.