Ein Spiel zum Vergessen und eine Tabelle zum Verlieben

Es gibt so Spiele, da merkt man von Beginn an, dass der Wurm drin ist und nichts geht. Die Partie gegen Hoffenheim gestern, die mit 0:4 verloren ging, war so eine. Damit ist das Team von Dietmar Hopp die einzige Mannschaft gegen die Union in dieser Saison kein Tor erzielen konnte. Und als ob so ein 0:4 nicht reichen würde, so schickte mir gestern nach 20 Uhr Onefootball die Nachricht, es würde nun 0:5 stehen. Es ist halt für uns alle eine sehr lange Saison …

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Die DFL hatte wahrscheinlich keine andere Wahl, als Union eine Geldstrafe für die Klassenerhalts-Party aufzubrummen

Die DFL hat gestern eine Geldstrafe sowohl gegen den 1. FC Union als auch gegen Christopher Trimmel und Sheraldo Becker verhängt (DFL-Mitteilung). Ich glaube, dass die Begründung der DFL unstrittig ist: “Die Spieler hatten nach dem Bundesliga-Spiel gegen den SC Paderborn 07 offenkundig gegen allgemeine Hygiene- und Infektionsschutzstandards sowie insbesondere gegen das medizinisch-organisatorische Konzept der „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ der DFL verstoßen. Erkennbar ist dies auf Videoaufnahmen, die unter anderem in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden. Eine Geldstrafe gegen den 1. FC Union Berlin wurde zusätzlich aufgrund „Organisationsverschuldens“ verhängt.” Über die Höhe der Geldstrafe gibt die DFL keine Auskunft und auch nicht über die Verwendung des Geldes.

Fussball, Herren, Saison 2019/2020, 1. Bundesliga (32. Spieltag), 1. FC Union Berlin – SC Paderborn (1:0), spontane Feier von Fans und Spielern lange nach Spielschluss auf der Hauptstrafle vor dem bzw. der Einfahrt zum Stadion, mitten drin Christopher Trimmel (1. FC Union) im schwarzen Shirt, 16.06. 2020, Foto: Matthias Koch

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Für Keven Schlotterbeck bleibt die Tür bei Union offen und Dirk Zingler will Zuschauer zurück im Stadion

Es gab zwei große Themen nach dem Klassenerhalt von Union am Dienstagabend samt Party: die Zukunft von Innenverteidiger Keven Schlotterbeck und Dirk Zinglers Rede auf dem Parkplatz. Zuerst zum vom Freiburg ausgeliehenen Verteidiger. Manager Oliver Ruhnert sagte gestern in der Medienrunde, dass Schlotterbeck wie geplant zu Freiburg zurückkehren werde: “Er geht mit einem ganz großen weinenden Auge von uns weg. Aber das ist Part of the Deal. Die Kollegen in Freiburg und ich haben uns darauf verständigt.” (Kicker, RBB, Kurier, BZ).

Keven Schlotterbeck feiert den Klassenerhalt, Foto: Matze Koch

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Union hat rasiert und feiert die wohl dezentralste Klassenerhalts-Party überhaupt

“Komm Rob, erste Worte. Was fällt dir sofort ein?”, wurde Robert Andrich bei AFTV gefragt, als er noch eine Flasche Berliner am Hals hatte. “Bier!”, antwortete der Mittelfeldspieler, der beim 1:0 gegen Paderborn ohne Gelbe Karte vom Platz ging. Es war wahrscheinlich dezentralste Klassenerhaltsparty, die Union je gefeiert hat. Ich hatte das Gefühl, dass wir alle mit Abpfiff auf den Balkon oder auf die Terrasse gehen mussten, um gedanklich den Platz zu stürmen und gleichzeitig draußen ein paar Tränen der Freude die Wange herunterlaufen zu lassen. Dieses Video, das Union direkt nach Abpfiff gepostet hat war ein bisschen das, was sicher bei allen als Kopfkino lief.

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Der Klassenerhalt für Union mag sensationell sein, aber der Saisonverlauf ist noch sensationeller

Ich kann gar nicht in Worte fassen, was der Klassenerhalt für mich bedeutet, sollte Union den heute Abend im Heimspiel gegen Paderborn schaffen. Sportlich bin ich schon bei Urs Fischer, dass der so etwas wie eine Sensation wäre. Erst recht so zeitig, ganz ohne Zittern am letzten Spieltag. Stellt euch das vor, es wäre wirklich so gekommen, dass wir am 34. Spieltag gegen Düsseldorf darauf hätten hoffen müssen, dass uns Steven Skrzybski nicht in die Zweite Liga schießt. Da ist uns echt etwas erspart geblieben.

Steven Skrzybski wird nach seinem Tor von einem Ordner umarmt.

2018 schoss Steven Skrzybski Union zum Klassenerhalt in der Zweiten Liga. Dieses Jahr kann er keinen Einfluss auf Unions Platzierung nehmen. Foto: Stefanie Fiebrig

Jetzt würde ich mir wünschen, dass Union ebenso konzentriert wie in Köln auch gegen Paderborn zu Werke geht. Nicht dabei sein wird Christopher Lenz, der weiter individuell trainiert. Aber Sheraldo Becker konnte das Spielersatztraining mitmachen, so dass durchaus eine Chance besteht, dass er in den Kader kommt, sagte Urs Fischer in der Pressekonferenz vor dem Spiel (AFTV).

Wer übrigens verstehen möchte, warum sensationell genau das richtige Wort für Unions Saison ist, sollte sich einfach diesen Verlauf anschauen. Am 1. Spieltag war Union auf einem direkten Abstiegsplatz. Danach nie wieder. Und nur am 7. Spieltag einmal auf dem Relegationsplatz. Das ist sensationell.

Das sind die Vorberichte der Berliner Medien:

Fans vor dem Stadion

Das große Thema neben dem Spiel ist tatsächlich, ob sich Fans vor dem Stadion treffen werden oder nicht (Morgenpost, Kurier, Bild/BZ). Ich kann dazu nur sagen, dass es dieses Mal nicht ganz so notwendig erscheint wie beim Schalkespiel. Und es ist angesichts der Regeln der DFL für die Geisterspiele durchaus sinnvoll, nicht zum Stadion zu kommen, damit das Spiel wirklich durchgeführt wird. Zumal es im Ernstfall wirklich ein leichtes für die Polizei ist, den Waldweg abzusperren.

Wichtiger wäre mir, dass wir einen guten (und sicheren) Weg finden, nach dem letzten Spieltag mit der ganzen Mannschaft den Klassenerhalt zu feiern und Spieler zu verabschieden, die ihren Anteil am sportlichen Erfolg der vergangenen zwei Jahre hatten. Das darf gerne mit etwas zeitlichem Abstand zum Düsseldorfspiel passieren, denn ich möchte auf gar keinen Fall, dass die Fortuna irgendeine Möglichkeit bekommt, ein wie auch immer geartetes sportliches Ergebnis anzufechten.

Podcast über die Eiserne Hilfe

Sehr ausführlich über die Eiserne Hilfe erzählen Anwalt Dirk Gräning und Andreas Lattemann, Vereinsvorsitzender, in der aktuellen Episode des Podcasts Wir – Union vereint. Erstmals habe ich da gehört, wie viele Personen überhaupt Mitglied sind, nämlich 458 Unionerinnen und Unioner. Sehr genau erzählen die beiden, wie fehlgeleitet die Annahme ist, immer die gleichen Personen würden in Konflikt mit Polizei und Staatsanwaltschaft kommen und wie solidarisch die Eiserne Hilfe funktionieren würde.

Da geht es darum, bestimmte Einstellungen von Verfahren so hinzubekommen, dass sie nicht als einschlägige Vorstrafe herangezogen werden können bei späteren Konflikten. Es geht schlicht und einfach darum, dass Unionerinnen und Unioner die Möglichkeit bekommen, sich mit den Mitteln des Rechts zu wehren, die sie vielleicht sonst aus Kostenängsten nicht wahrnehmen können. Aber die Eiserne Hilfe arbeitet auch präventiv, was ich ebenso wichtig finde, weil das allen Kosten und Nerven sparen kann.

Das war sehr interessant und ich hätte den beiden noch viel länger zuhören können. Mitglied bei der Eisernen Hilfe könnt ihr mit nur 3 Euro im Monat werden. Hier geht es zum Mitgliedsantrag.

Ebenfalls gerade noch rechtzeitig vor dem Spiel heute kam gestern die aktuelle Episode von Union am Ball heraus, in der es vor allem um die Frage ging, wie sicher der Klassenerhalt nun sei. Stand jetzt können wir das klar beantworten: Noch nicht sicher.

Und sonst so?

So leid es mir für Dresden tut (weil ich finde, dass der Verein mindestens in die Zweite Liga gehört), so sehr habe ich mich für Arminia Bielefelds nahezu sicheren Aufstieg gefreut nach dem 4:0 gegen Dynamo im Nachholspiel. Ich freue mich für Uwe Neuhaus, der damit bewiesen hat, dass er als Trainer nicht darauf reduziert werden sollte, Mannschaften aus der 3. Liga in die Zweite Liga zu führen. Und ich freue mich für Marcel Hartel, der nun das zweite Mal in zwei Jahren in die Bundesliga aufsteigt und jetzt hoffentlich auch mit Erstligaspielen dafür belohnt wird.

Zum Saison-Finish bekommt Urs Fischer wieder mehr Optionen für die Offensive

Auf der Pressekonferenz am Donnerstag (AFTV), die weiter mit eingeschickten Fragen ohne die Möglichkeit von Nachfragen auskommen muss, sagte Urs Fischer über die Einsatz-Chancen von Christopher Lenz auf der linken Flügelverteidigerposition: “Ich glaube, es wird knapp. Er ist angeschlagen.” Es dürfte am Sonnabend gegen Köln also sehr wahrscheinlich sein, dass wir wieder Marius Bülter dort sehen werden (Kurier/Berliner Zeitung). Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Urs Fischer wieder mit 2 Stürmern spielen wird, denn Suleiman Abdullahi ist auf dem Flügel voll einsatzfähig. Aber eben auch im Sturmzentrum. Es gibt also neben Anthony Ujah und Sebastian Andersson, der von seiner 5. Gelben Karte bedroht ist, noch Optionen.

Trainer Urs Fischer und Pressesprecher Christian Arbeit beim Beantworten der Medienfragen, Screenshot: AFTV

Trainer Urs Fischer und Pressesprecher Christian Arbeit beim Beantworten der Medienfragen, Screenshot: AFTV

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Die DFL lockert das Hygienekonzept, das hat aber null Auswirkungen auf uns Fans

“DFL und DFB verkünden Lockerungen” liest sich erst einmal super als Überschrift beim Kicker. Aber am Ende hielt sie nicht, was sie versprach. Die ab sofort geltenden Lockerungen betreffen nur die Maskenpflicht bei Ersatzspielern und Vierten Offiziellen, sowie die Zahl der anwesenden unabhängigen Journalisten (also nicht von Rechte-Inhabern wie Sky, Dazn oder Amazon). Die steigt auf 26. Von Zuschauern ist weiter keine Rede. Wobei ich mir da auch wenig Illusionen mache für die Zukunft. Aber ganz ehrlich: Das wäre die einzige Lockerung, die mich interessiert, denn ich habe wahnsinnige Sehnsucht nach dem Stadion an der Alten Försterei.

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Anthony Ujah über das Thematisieren von Rassismus: “Es ist nicht zu viel!”

Wenn ich an das vergangene Wochenende denke, dann vor allem an die starke Balleroberung von Anthony Ujah und wie er mit der Hacke den Ball am Gegenspieler vorbei legt, um dann einen in jederlei Hinsicht perfekten Pass auf Robert Andrich zu spielen. Kein Wunder also, dass der Angreifer im medialen Fokus steht. Union als Verein ist das sicherlich auch recht, dass nicht über das Fehlen von Sebastian Polter, sondern über einen Angreifer auf dem Platz gesprochen wird.

Das Bild zum Spiel gegen Schalke, Instagram: @fhainkind

Das Bild zum Spiel gegen Schalke, Instagram: @fhainkind

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Dann müssen wir halt selbst für den Klassenerhalt sorgen

“Dann müssen wir halt selbst für den Klassenerhalt sorgen”, sagte Steffi gestern, als ich ihr die Bundesliga-Ergebnisse am Abend vorlas. Und ich finde, dass es genau diese Haltung sein kann, die uns und die Mannschaft durch diesen Abstiegskampf tragen kann. Kein Lamentieren. Kein hätte wenn und aber. Einfach durch und selbst dafür sorgen, dass das Thema erledigt wird. Es ist ein bisschen, als würden wir den Bundesliga-Ergebnissen entgegen rufen “Na watt denn!”

"Gib niemals auf und glaub an dich!" Das T-Shirt zum Abstiegskampf, Foto: Daniel Roßbach

Das T-Shirt zum Abstiegskampf, Foto: Daniel Roßbach

Da ist es egal, in welcher Form der FC Schalke zu uns kommt. Da ist es egal, dass es Robert Andrichs Spiel zwischen zwei Sperren werden wird (gegen Mönchengladbach war er Gelb-Rot gesperrt und mit 9 Gelben Karten steht er vor einer erneuten Spielstrafe). Oder dass eventuell Christopher Lenz doch nicht ganz so fit ist (Kurier vom Freitag). Es ist einfach egal. Ich will sehen, wie die Schalke-Spieler genervt sind von Union. Ich will sehen, dass ihnen jegliche Lust am Spiel vergeht. Ich will einfach nur eine Mannschaft sehen, die sich auf ihre Stärken besinnt.

Das sind die Vorberichte der Berliner Medien:

Der Spiegel berichtet über den Sebastian-Polter-Fall

Es muss schon viel passieren, dass der Spiegel (Bezahl-Link) in seiner Heftausgabe über den 1. FC Union Berlin schreibt. Der Bruch mit Sebastian Polter rund um die Stundung und/oder den möglichen Verzicht auf einen Teil des Gehaltes nimmt das Magazin zum Anlass, um über ähnliche Fälle in der Corona-Krise zu berichten (Basketball, Eishockey), die schwache Vertretung von Spielern zu betrachten (das Fehlen einer starken Gewerkschaft als Ansprechpartnerin für solche Art von kollektiven Verzicht/Stundung und der Frage nach Gehaltsobergrenzen nachzugehen.

Ich sehe das als Anfang einer Debatte und bin gespannt, ob Spieler in Deutschland weiter lieber als Einzelkämpfer unterwegs sind und so mehr für sich herausholen können oder ob es demnächst doch mal grundsätzliche Vereinbarungen in Form einer Spielergewerkschaft für die Bundesliga und Zweite Liga geben wird. Das wäre aus meiner Sicht durchaus ein Weg, um das Beraterbusiness ein wenig auszutrocknen und dürfte damit auch im Sinne der Vereine sein.

Auch das aktuelle Stadionheft nimmt das Thema Reform des Fußballs auf. Es geht aber vor allem noch einmal um einen Abdruck der Vorschläge der Fanszenen Deutschlands.

Stadionheft zum Geisterspiel des 1. FC Union gegen den FC Schalke 04

Stadionheft zum Geisterspiel des 1. FC Union gegen den FC Schalke 04

Und sonst so?

Der Nordostdeutsche Fußballverband hat am Freitag nicht nur einfach die Regionalliga-Saison der Union-Frauen beendet, indem er die Meisterschaft abgebrochen hat, sondern auch die der Männer, wo nun nicht mit der VSG Altglienicke das erstplatzierte Team, sondern die dahinter stehende Mannschaft Lokomotive Leipzig die Relegation um den Drittliga-Aufstieg spielen wird. Quotientenregel heißt das dann. Oder um es mit Torsten Mattuschka, den Co-Trainer von Altglienicke, zu sagen: “Ich kann sowas nicht nachvollziehen. Die Leute, die sowas entscheiden, haben wahrscheinlich nie Fußball gespielt. Echt zum Kotzen, dass wir so ein Ding in die Fresse kriegen.” Alle Reaktionen gibt es beim RBB zum Nachlesen.

Sheraldo Becker auf Instagram

Sheraldo Becker auf Instagram

Die Spendenaktion für die Abseitsfalle nimmt richtig Fahrt auf

Die Spendenaktion für die Abseitsfalle hat gestern richtig Fahrt aufgenommen und steht mittlerweile bei über 3800 der anvisierten 5000 Euro. Das hat auch die Aufmerksamkeit der Bild/BZ auf sich gezogen, die heute darüber berichtet. Schwierig dürfte für Betreiber Michael Frank die eingeschränkte Öffnung sein. Denn ausgerechnet rund um Union-Heimspiele muss die Kneipe geschlossen bleiben. Aber zumindest Montag bis Freitag ab 16 Uhr kann man auch so mal vorbeigehen und etwas dort trinken. Für die Abseitsfalle gilt wie für jede eurer Lieblingskneipen oder Bars: Jeder Schluck hilft.

Inhaber Michael Frank vor der Union-Berlin-Fankneipe Abseitsfalle

Inhaber Michael Frank vor der Fankneipe Abseitsfalle, Foto: Matze Koch

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