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Union in der Rückrunde: Hoffen auf weniger Pech oder arbeiten an Qualität?

Union hat am Samstag zum ersten Mal in diesem Jahr (damit auch von mir hier einmal: Frohes Neues!) auf dem Platz gestanden, in einem Freundschaftsspiel gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld. Die Mannschaft hat diesen Test 2-0 gewonnen. Aber wie eigentlich immer bei solchen Partien ist es schwierig, besonders belastbare Erkenntnisse aus so einem Spiel mitzunehmen.

Chistopher Trimmel im Testspiel gegen Bielefeld. Photo: Matze Koch.

Denn dazu fallen mir immer zu viele unbekannte Variablen ein: Wie ist das Niveau des Testgegners? Wie ernst haben beide Mannschaften das Spiel genommen und wie haben sie es in die Trainingssteuerung eingebaut? Haben die Trainer dabei bestimmte Schwerpunkte gelegt, die sie unabhängig vom gesamten Spielfluss oder gar dem Ergebnis bewerten? Was wollten sie von einzelnen Spielern sehen?

All das kann ich für dieses Spiel nicht so recht sagen, und deshalb auch die Leistung von Union oder den Trainingswert des Spiels schlecht bewerten. Was ich sagen kann: Es war spielerisch nicht überragend, von guten Ansätzen hier und da abgesehen. Aber Union hat mit einem schönen Flugball von Leonardo Bonucci und einem coolen Abschluss von Brenden Aaronson und einem glücklichen, aber ganz gut herausgespieltem Abschluss von Jannik Haberer zwei Tore geschossen.

Leonardo Bonucci winkt nach dem Testspiel, vielleicht zum letzten Mal, Foto: Matthias Koch

Das Problem an der fehlenden Aussagekraft dieses Tests ist natürlich, dass es der einzige in der Winterpause ist. Wir werden also nicht viel mehr Anhaltspunkte als diesen bekommen, bevor in einer Woche in Freiburg die Saison im Ernst weiter geht. Aber immerhin wird Trainer Nenad Bjelica mehr daraus mitgenommen haben.

Unions Aussichten in der Rückrunde

Damit es ab dem Auswärtsspiel in Freiburg besser läuft, muss Union natürlich besser spielen als in etlichen Partien in der Hinrunde. Die Mannschaft muss aber auch wieder – man suche sich eine Perspektive aus – effizienter sein oder mehr Glück bzw. weniger Pech haben.

Während die Ergebnisse in den vergangenen Jahren oft etwas besser als die (jedoch meist auch sehr guten) Leistungsdaten waren, fallen sie in dieser Saison dahinter zurück: Nach der Bilanz von expected Goals, also den erspielten und zugelassenen Torchancen, ist Union immerhin 11. in der Bundesliga. Aber: mit einer (etwas naiven) Rechnung von Spiel zu Spiel mit den jeweiligen expected Goals-Werten und den ‚erwartbaren‘ Ergebnissen, die aus ihnen folgen, komme ich auch nur auf 16 Punkte aus den 15 Spielen bisher, also nur einer unwesentlich besseren Bilanz als der tatsächlichen.

Am Anfang der Saison traf Kevin Behrens noch, zum Beispiel gegen Mainz drei Mal, Foto: Matthias Koch

Ein wichtiger Faktor für die schwachen Ergebnisse lässt sich aber auch aus den Statistiken der Hinrunde ablesen: Eben Unions Ineffzienz im Abschluss. So stehen unter 439 Spielern in der Liga einige von Unions wichtigsten Offensivspielern auf hinteren Plätzen wenn es darum geht, aus ihren Chancen angemessen viele Tore zu machen: David Datro Fofana auf #433, Kevin Behrens auf #413 und Sheraldo Becker auf #395. Was auch immer die Mischung von Form und Pech ist, die dazu beiträgt – sie sollte in der Rückrunde besser werden.

Transfernews

Über das Wochenende hat Union zwei Personalien vermeldet: Zum einen geht Keita Endo, der sich bei Union nie durchsetzen konnte, nach dem Ende seiner Leihe nach Braunschweig zurück nach Japan. Er wird zunächst an den FC Tokio ausgeliehen, aber in Unions Mitteilung zu dem Wechsel spricht Oliver Ruhnert schon von „einem wahrscheinlichen Übergang in eine komplette Rückkehr nach Japan“. Die Leihe sei dabei für Union eine „sehr gute wirtschaftliche und sportliche Option“.

Etwa mehr mit Unions aktueller Mannschaft und hoffentlich der Zukunft hat eine weitere Leihe zu tun: Die von Aljoscha Kemlein an den Zweiten der Zweiten Liga, den FC St. Pauli. Mit ein paar Einsatzminuten in Pflichtspielen war Kemlein der Mannschaft schon näher als die allermeisten anderen Nachwuchsspieler bei Union in den vergangenen Jahren, sich in der ersten Mannschaft zu etablieren ist ihm dann in dieser Saison aber doch noch nicht gelungen.

Natürlich hoffen wir, dass sich das mittel- oder langfristig ändert (einen weiteren jungen Spieler, der dazu keine Gelegenheit hatte, haben wir mit Leo Oppermann im Testspiel bei Gegner Bielefeld im Tor gesehen). Die Leihe nach St. Pauli kann dazu ein guter Schritt sein, wenn er dort spielt und sich weiterentwickelt. Sie kann aber natürlich auch ein Schritt weg von einer Progression bei Union sein. Einen Blick aus St. Pauli Perspektive auf den Wechsel mit etwas Input von Sebastian gibt es beim Millernton.

Presseschau

Mit weiteren Personal-Spekulationen zu David Fofana und Leonardo Bonucci und der mäßigen Leistung im Testspiel beschäftigen sich die Berliner Medien:

1 Kommentar zu “Union in der Rückrunde: Hoffen auf weniger Pech oder arbeiten an Qualität?

  1. Kurzes ‚Umm, actually‘ zu den xG: Da geht es nicht um Torchancen, sondern um Torabschlüsse.

    Wenn Behre oder Fofana fünf Zentimeter an einem Querpass in den Fünfer vorbeirauschen, dann ist das zwar eine riesige Torchance, aber exakt 0,0 xG, da formell kein Abschluss.

    Daher kommen übrigens auch unsere teils guten xG-Werte zum Beispiel gegen Wolfsburg und Heidenheim: Da haben wir halt einfach oft und viel geschossen. Richtig gefährlich war’s aber trotzdem selten, weil sich der Gegner ja auch darauf einstellen kann.

    Ich wunschte ja, die hätten den Stat ‚Shot Quality‘ oder so genannt. Aber jetzt müssen wir halt damit umgehen. :D

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