Es gibt tatsächlich eine Verlosung der Tickets – aber warum nur von 5500 Karten?

Dass die Tickets für das Spiel gegen Dortmund unter den Mitgliedern ohne Dauerkarte verlost werden, hat der Verein nun gestern auch offiziell kommuniziert. Ein Los ‘ziehen’ kann man im online-Zeughaus zwischen Freitagmorgen und Montagabend.

Tickets 1. FC Union ausverkauft

Dieses Bild wird man in dieser Saison wahrscheinlich oft oder sogar immer sehen, Foto: Matze Koch

Das erklärte Ziel dieser Vorgehensweise ist, den Ablauf des Ticketkaufs nicht auf den Moment zuzuspitzen, an dem dieser startet, und so die Last auf den Servern und den Termindruck auf die Unionerinnnen und Unioner zu mindern. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn diese Last nicht in den Stoßzeiten zu Beginn und Ende der Zeit zur Registrierung ebenfalls entsteht.

Ansonsten haben wir hier gestern schon geschrieben, dass der ‘Vorteil’ dieser Lösung ist, niemanden bevorzugt und in einer Mangelsituation quasi alle gleich ungerecht zu behandeln. Allerdings bedeutet dieses Verfahren auch, dass selbst diejenigen, die Glück mit der Verlosung haben, keine uneingeschränkt positive Erfahrung damit machen. Zum einen, weil es bis zum Donnerstag dem 22. August dauert, bis man das Ergebnis kennt …

… zum anderen, weil sich Dinge wie der Platz im Stadion und mit wem man dorthin gehen kann, noch stärker der eigenen Kontrolle entziehen. Aber das sind eben auch Probleme, die letztlich nur ein größeres Stadion lösen kann.

Interessant ist aber noch, wie viele Tickets eigentlich zur Verfügung stehen. Zumindest da entsteht durch die Verlosung ein bisschen Transparenz: Von den 22012 Plätzen im Stadion entfallen 11500 auf Dauerkarten und 2500 auf das Gäste-Kontingent (100 davon Sitzplätze auf der Haupttribüne). In die Verlosung gehen 5100 Stehplatz- und 400 Sitzplatzkarten ein. Was ist also mit den anderen 2500 Plätzen? Die sind, vor allem auf der Tribüne, für Hospitality, Ehrengäste, aktive Spielerinnen und Spieler sowie Mitarbeiter des Vereins, Schiedsrichter und Sponsoren reserviert.

Das Wuhlesyndikat erklärt noch etwas mehr

Nachdem in den letzten Tagen viel über den Aufruf zu einem Stimmungsboykott der organisierten Fanszene gesprochen und geschrieben wurde, hat sich das Wuhlesyndikat gestern mit einem weiteren Statement noch einmal selbst an dieser Diskussion beteiligt. Darin wird die Position, mit der der Stimmungsboykott begründet wird, noch einmal ziemlich schlüssig dargelegt:

Genau die Tatsache, dass wir nun unser erstes Bundesligaheimspiel begehen werden und gleichzeitig gegen einen der größten Feinde unserer Werte protestieren, unterstreicht noch einmal die Dringlichkeit dieser Angelegenheit, die beim besten Willen nicht irgendeiner „Ultrà-Laune“ entwachsen ist! Es schmerzt, das erste Bundesligaspiel unseres Vereins in einem solchen Rahmen begehen zu müssen und doch liegt hier die große Chance, zu beweisen, dass wir genau deshalb ein Gewinn für die Bundesliga sind – weil wir bereit sind, für unsere Werte und unsere Art der Vereinskultur zu kämpfen und Opfer zu bringen.

Mit den beiden Fan-und-Stadion-Themen Stimmungsbokott und Ticketsituation beschäftigen sich auch die Berliner Medien vor allem:

In der Bild darf Christian Beeck noch sagen, warum er den Stimmungsboykott nicht gut findet und meint, dass Raba Leipzig Respekt verdient. Außerdem wird dort (Bezahllink) kurz geschrieben, wie der Übergang von der Ehrung der Unionerinnen und Unioner zum Stimmungsboykott am Anfang des Spiels vonstatten gehen soll. Zur Ehrung sollen die Schals nicht gehoben werden, wie das sonst bei der Hymne üblich ist.

Im Kurier notiert Andreas Baingo noch eine nette historische Begebenheit: Nicht nur, dass Union noch nie aus der Bundesliga abgestiegen ist (ach nee). Sondern auch, dass Union in der DDR-Oberliga zwar eine Fahrstuhl-Mannschaft war, aber, um im Bild zu bleiben, immer wenigstens eine Runde auf dem oberen Flur gedreht hat und nie als Aufsteiger direkt wieder die Spielklasse nach unten gewechselt hat.

Und Mathias Bunkus schreibt ebenfalls im Kurier über die Stadionbauer der “Alten Försterei 2”, die für das erste Bundesligaspiel nach langer Zeit mal wieder nach Berlin kommen.

Die Berliner Zeitung besucht in ihrer Bundesliga-Serie Paderborn und Steffen Baumgart.

Noch eine Verlosung

Und nun zwischendurch zu einer weniger wichtigen Verlosung: Die Verteilung von drei 11Freunde-Saison-Heften, die wir hier vor einer kurzen Weile angekündigt haben, und die jetzt hoffentlich noch einigermaßen pünktlich zum Saisonstart ankommen.

Die Hefte gehen an Renate, Ewald und Christian – ihr bekommt heute Vormittag E-Mails dazu.

Apropos 11Freunde: In einer Umfrage des Magazins kommt das Stadion an der Alten Försterei auf Platz 2 der beliebtesten Auswärts-Destinationen.

Mal sehen, ob das so bleibt, nachdem ein paar Bundesligisten und ihre Fans tatsächlich einmal da waren, und vielleicht/hoffentlich ein paar Niederlagen (und die Einlas-Situation) erlebt haben.

Zum Sport

Wisst ihr noch, wie Sebastian uns in der letzten Podcast-Episode übermäßigen Pessimus vorgeworfen hat, weil wir nur von einem knappen Klassenerhalt für Union ausgegangen sind? Stellt sich raus: In Wahrheit ist seine Prognose Platz 13 viel zu niedrig.

Zumindest, wenn man dem Statistik-Modell GoalImpact vertraut. Das funktioniert, in dem für jeden Spieler oder jede Spielerin in dem Modell ein Wert berechnet wird, der ausdrückt, ob der- oder diejenige ihr Team besser macht. Aus den zusammengenommenen Werten für eine Mannschaft kann man dann auch Vorhersagen für Spiele und ganze Ligen ableiten. Und da hat Union zwar nur eine 0,3%-Chance auf die Meisterschaft, hat aber auch mit dem Abstieg eher wenig zu tun (genau wie Paderborn, aber anders als Hertha), und landet am wahrscheinlichsten irgendwo im Mittelfeld.

Der Vollständigkeit halber sei aber auch erwähnt, dass ein anderes Prognose-Modell, nämlich von FiveThirtyEight, sehr viel zurückhaltender mit Unions Chancen umgeht. Hier ist Union Vorletzter, mit einer Abstiegs-Wahrscheinlichkeit von knapp 40%. Dass da aber Paderborn und Union die selben Werte für Offensiv- und Defensivwerte zugeschrieben werden, lässt das Modell auch nicht viel vertrauenswürdiger wirken.

Der Aufstieg zum Lesen

Zu Unions Aufstieg gibt es ein Buch von Reporter Matze Koch. Das will auch Rafal Gikiewicz lesen:

Und einige Leute haben die Gelegenheit genutzt, diesen Witz zu machen:

Und sonst so

Allen, die noch Übung im Ausfüllen ihrer Union-Bulishit-Bingos brauchen, sei dieser RTL-Beitrag empfohlen:

14 Gedanken zu „Es gibt tatsächlich eine Verlosung der Tickets – aber warum nur von 5500 Karten?

  1. @Daniel: In dem Pressesegment fehlt leider der sehr „lustige“ Kommentar aus dem Tagesspiegel: https://m.tagesspiegel.de/sport/bundesliga-debuet-des-1-fc-union-das-ossi-gehabe-der-unioner-nervt/24886400.html
    Ich musste über die Naivität und Zusammenhangslosigkeit der Argumente sehr schmunzeln, dass jedoch solch ein Werk öffentlich gemacht werden darf erzeugte eher Stirnrunzeln.

    Naja, ich probier mal mein Glück an Ritter Keules Lostrommel, in der Hoffnung keine Ticket-Niete zu ziehen ;-)

  2. Uwe: War die Anzahl der Sonderkarten (Aktive, VIP etc.) in der letzten Saison nicht auf 1000 begrenzt?

  3. @Robert Der Tagesspiegel-Text fehlt nicht, der war schon am Wochenende drin. Sprich: is‘ alt. Der Tagesspiegel hat ihn aber gestern noch einmal überall gepostet, so dass auch ich mich direkt ein zweites Mal ärgern wollte, weil ich dachte, die haben den Union-Rant-Beauftragen jetzt fest angestellt.

  4. @Steffi: Alles klar, habe ihn erst gestern finden dürfen!
    Dann hat der „Beauftragte“ leider das journalistische Minimalziel des argumentativen Roten Fadens mehr als verfehlt!

  5. Ich finde eine Bestellfrist mit anschließender Kartenverteilung bzw Verlosung unter den eingegangenen Bestellungen sehr viel besser als online mit “wer zuerst kommt..” für viel Stress und Unmut zu sorgen. Mit einer Bestellfrist pro Spiel kann man Wochen vorher Kartenwünsche abgeben und erfährt normalerweise rechtzeitig genug ob eine Bestellung geklappt hat oder nicht.

  6. Naja, nun versteht man wenigstens die 8000 Sitzplatz Vorgabe der DFL, die Hälfte davon wird dann wohl schon von der Bundesliga-Entourage belegt werden :-)

  7. Warum nur 5.500 Tickets in der Verlosung sind wird auch in diesem Artikel nicht restlos geklärt.

    Rechnen wir durch (gerundet): 22.000 stehen zu Verfügung. minus 11.500 DK, minus 2.500 Dortmund. Rest 8.000. 5.500 werden verlost.

    Wo bleiben also 2.500 Tickets?

    Mal ehrlich, die Zahlen für Schiedsrichter, Aktive, Ehrengäste usw. sind alle gedeckelt und in Summe maximal 250. Presse ist auch gedeckelt, zählt ja aber ohnehin nicht zu den “zahlenden Zuschauern”.

    Bleiben also Sponsoren und Hospitality, was ja letztlich auch verkappte (oder mögliche zukünftige) Sponsoren sind. Rund 2.250 nach meiner Rechnung für Sponsoren im weiteren Sinne. Mehr als 10% der Kapazität. Ist das nicht zuviel?

  8. Achso; die “Eiserncard”-Inhaber habe ich vergessen. 200 oder 300 Stück werden das noch sein. Ist immerhin auch schon >15 Jahre her, dass die verkauft wurde.

  9. PPS: ich hab seit mindestens 5 Jahren keine Sendung der RTL-Gruppe mehr gesehen; und der Beitrag über Urs Fuchs ähm Urs Klimaschewski ähm Urs Neuhaus ähm Urs Schwenzfeier … naja ihr wisst schon wen … bringt mich auch nicht zurück in deren Zuschauerreihen :-)))

  10. Im Union Outfit im Danceclub R.B.Wodka trinken,oder mit R.B.Dose in der Hand zum Stadion laufen,alles schon gesehen! Aber dann bei Unglücklich gewählten Fan Protesten mitmachen. Diese Doppelmoral kotzt mich an ! Ueberlassen wir den Brause Club nicht für eine Sekunde unser Wohnzimmer, um sich mal Gehör zu verschaffen. Zeigen wir ihnen und ganz Fußballdeutschlad, was Fußballfankultur ist ! Singen und feiern wir 90 Minuten durch, so das man denkt der Brause Club ist gar nicht da.Denn das ist unser Tag von der ersten bis zur letrten Sekunde! !! Übrings ; es zeugt vongewisser Größe ein Fehler zu zu geben und ihn zu korrigiren. Liebes Wuhlesyndikat!
    Und niemals vergessn Eisen Union
    🐝 Biene

  11. @Biene “…Singen und feiern wir 90 Minuten durch…” Wir verhalten uns also wie immer und drücken damit unseren Protest aus?!?…merkste selber oder? Und komm jetzt bitte nicht mit Transparenten.

  12. Wir haben wirklich von beiden Seiten schon genug Statements (die meisten mit Köpfchen) gehört!
    Der letzte war aber nun wirklich überflüssig!
    Freuen wir uns jetzt auf den Sonntag!
    u.n.v.e.u.

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