Ursachenforschung: Warum Norbert Düwel gefeuert wurde

Wir sind zurück aus dem Urlaub und Union entlässt Norbert Düwel. Gestern musste ich zunächst Robert die Kekse wegnehmen und ihn wieder in den Maschinenraum des Textilvergehens einsperren. In der Zwischenzeit hat zuerst die Bild und danach alle anderen Medien (natürlich unabhängig von der Bild und nach eigenen Informationen) herausgefunden, dass Sascha Lewandowski der neue Trainer werden soll.

Ich habe gestern viel darüber gegrübelt, was die tatsächlichen Gründe für die Entlassung des Trainers sein könnten. Denn eigentlich sprachen die Ergebnisse der ersten Spiele zwar nicht sonderlich für den Trainer, aber auch nicht so massiv gegen ihn, dass er hätte gefeuert werden müssen.

Düwel polarisierte nicht nur innerhalb der Fanszene


Foto: Matze Koch

Wenn es allein um die sportlichen Ziele gegangen sein soll, wie es Berliner Zeitung vermutet, dann hätte die Vereinsführung aka Dirk Zingler auch noch ein paar Spieltage warten können. Mir erscheint viel plausibler, dass Norbert Düwel nicht mehr nur innerhalb der Fanszene (Düwel raus vs TeamDüwel) polarisierte, sondern auch innerhalb des Vereins. Diese Info muss man im Kommentar des Kuriers sich etwas zwischen den Zeilen zusammensuchen.

Direkter oder um es mal anders zu formulieren: Direkt auf die Fresse gibt es von der Bild, die ihren Text “Die wahren Gründe über Düwels Scheitern” aber hinter einer Bezahlschranke versteckt. Da die Bild in Berlin als Redaktion auch die BZ herausbringt, gibt es den Text dort auch so als “Darum scheiterte Norbert Düwel wirklich bei Union“.

Ich würde jetzt nicht jeden Fakt und jedes Wort so hoch hängen, wie es der Autor macht, aber letztlich zeichnet er ein Bild eines verbissenen und cholerischen Düwel. Sollte das hinkommen, dann ist der Trainer an einem Punkt gescheitert, an dem Union sehr sensibel ist und der auch ausschlaggebend für Uwe Neuhaus’ Entlassung war. Die Vereinsführung benötigt einen Trainer, der in zwei Richtungen teamfähig ist. Zum einen ist er verantwortlich für das Profiteam und soll die Spieler so einstellen und motivieren, dass sie ihre Leistungsgrenze erreichen.

Die letzten Spiele erreichte Union nicht die vielen Remis, weil die Spieler als Team taktisch überzeugten. Ganz im Gegenteil: Die Mängel im Spielaufbau und die Probleme bei eigenem Ballbesitz waren nicht zu übersehen. Es war in meinen Augen tatsächlich die individuelle Qualität einzelner Spieler, die dazu führte, dass viele Spiele nicht verloren gingen.

Teamfähigkeit ist keine Einbahnstraße

Aber im Anforderungsprofil an einen Union-Trainer viel entscheidender ist: Der Coach genießt mangels Sportdirektor bei Union durchaus eine andere Position im Verein und muss auch teamfähig gegenüber allen anderen Abteilungen sein. Gerade bei einem Klub wie Union. Doch wer Mitarbeiter wie den Nachwuchs-Leiter Herman Andreev in einer öffentlichen Pressekonferenz ohne ersichtlichen Grund so abwatscht wie es Norbert Düwel getan hat, lässt Zweifel an dieser Teamfähigkeit zu, die Union zu Beginn der Ära Düwel als “emotionalen Neustart” verkauft hat.

Ich gehe nach Nachdenken und Lesen voll mit der Einschätzung des Tagesspiegels mit, der schreibt: “Nun war bei Union der innere Druck offensichtlich größer als der äußere. Selbst im Falle eines Sieges gegen RB Leipzig (1:1) wäre Düwel wohl geflogen.”

Der Neue

Falls ihr schon etwas zu Sascha Lewandowski lesen wollt, dann könnt ihr das hier machen. Ich genieße den Luxus, mich zu solchen News erst zu äußern, wenn die Verpflichtung offiziell ist 😀:

  • Ex-Bayer-Coach Sascha Lewandowski folgt auf Norbert Düwel (Berliner Zeitung)
  • 1. FC Union entscheidet sich für Lewandowski (Morgenpost)
  • Neuer Cheftrainer für Union (Bild/BZ)
  • Unions Neuer: Sascha Lewandowski (Kurier)

11 Gedanken zu „Ursachenforschung: Warum Norbert Düwel gefeuert wurde

  1. Hat Union denn überhaupt Geld für
    1. nen Erstligatrainer
    2. die Lohnfortzahlungen für Düwels restliche Vertragslaufzeit?

    Ich glaub wir müssen uns wohl eher mit ner längeren Interrimsphase begnügen und dann kommt eher ne Rettungskraft. Hoffentlich wirds nicht so schlimm wie beim *schauder* HSV. Platz 1-6 und Top 20 in den nächsten 5 Jahren rücken wohl nicht näher. Aber who knows. Irgendwie wirds ja weitergehen müssen.

  2. Zitat aus der PM von Union: “Die Entscheidung über die Neubesetzung des Cheftrainerpostens wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben.”

    Zumal ich auch nicht glaube, dass es unter Zingler zu ner Hängepartie kommen würde. Spätestens zum Spiel gegen den KSC sitzt da jemand fest auf der Bank. Und wenns Böni mit nem neuen Vertrag sein sollte. Außerdem ist der Zeitpunkt zur Pause sicherlich mit Bedacht gewählt. Mit dem angesetzten Trainingslager, das nach wie vor stattfinden soll, spricht einiges dafür, dass der Neue schon in Kienbaum am Start sein wird.

    Das Geld könnte natürlich zum Problem werden, vorausgesetzt die Polterkohle ist schon ausgegeben. Nach ein paar Wochen unter Düwel kam zudem das Gerücht auf, er habe keinen “echten” Dreijahresvertrag erhalten, sondern die drei Jahre kämen nur beim Ziehen aller Optionen zustande.
    Matze Koch hatte das mal auf ner PK angesprochen, wenn ich mich richtig erinnere. Hat aber natürlich keine Antwort erhalten.

    Wenn das Experiment “emotionaler Neustart” (unternehmerisch) korrekt angegangen wurde, war man auch auf den Fall des Scheiterns eingestellt. Wir sind hier ja eben nicht beim HSV. Und wenn ich einem zutraue, das alles bedacht zu haben und immer ne Exitstrategie in der Schublade parat zu haben, dann Dirk Zingler.

    Ist natürlich alles nur Spekulation und nur wenige wissen, wie es wirklich aussieht. Allerdings sprechen die o.g. Anhaltspunkte schon eher dafür, dass alles halb so wild wird und evtl. auch ein Coup à la Lewandowski klappen könnte.

  3. Pingback: Was von Spieltag 5 bleibt | rotebrauseblogger

  4. Texte mit der Überschrift “Die wahren Gründe über Düwels Scheitern” kann ich nicht ernst nehmen, wenn im zweiten Absatz der Scoop mit der Armband-Uhr erwähnt wird (eines der Worte in diesem Satz ist ironisch gemeint).

    Gruß aus dem Maschinenraum.

  5. @sebastian Gewöhnlich schließt Union Trainerverträge mit festen Abfindungen ab. Gerade bei einer Verpflichtung eines unbekannten Trainers gehe ich davon aus, dass das stattgefunden hat.

    @robert Lass mal Überschrift, die Uhr und so weg und lass den Rest auf Dich wirken. Das haut schon so hin. Auch wenn Dir die Verpackung nicht gefällt. Der Inhalt stinkt hier nicht.

  6. Klingt natürlich logisch.
    Als Unioner ist man solche Debatten ja kaum gewöhnt. Zumindest aus der ersten Liga gibt es ja oft ganz andere Geschichten. Gegangene Trainer die noch ihr volles Gehalt für die Zeit kriegen oder zur Not auch einklagen. Siehe Slomka beim bereits erwähnten HSV. Aber ja #inzinglerwetrust

  7. Jetzt hat der Kicker es auch aus “Kicker Informationen” bestätigt. Lewandowski also.

  8. Kann nicht jemand die entscheidenden Textpassagen aus der Bild zitieren? Ich will die nicht anklicken, aber jetzt frisst mich die Neugier auf. :-)

  9. Pingback: #Link11: Kauf mich! | Fokus Fussball

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