1000 Tage Uwe Neuhaus

Uwe Neuhaus trainiert die erste Mannschaft des 1. FC Wundervoll mittlerweile 1.000 Tage. Aus diesem Anlass hat Mathias Bunkus ein langes und lesenswertes Interview geführt, das dankenswerter in voller Länge auf der Website des Berliner Kuriers nachzulesen ist.

Das Gespräch macht bestimmte Positionen des Trainers zum Beispiel bei der Informationspolitik klarer und erläutert auch die Beweggründe hinter solchen Entscheidungen:

Berliner Kurier: Man sagt Ihnen ja einen gewissen Kontrollwahn nach. Sind Sie zu Hause auch so ein Mensch?
Uwe Neuhaus: Kontrollwahn? Gegenfrage: Was wird denn hier so kontrolliert, dass es wahnsinnig erscheint?
Berliner Kurier: Womit wir ganz geschickt den Bogen weg vom privaten Bereich gekriegt haben … (Gelächter beidseitig) … Respekt!
Uwe Neuhaus: Okay, ne Frage beantwortet man nicht mit einer Gegenfrage, ich sage einfach, ich habe keinen Kontrollwahn. Ich empfinde es als normal, dass man gewisse Dinge regelt. Wir haben Spielregeln, wie man das auch in der Zusammenarbeit mit der Mannschaft vorgibt. Der eine ist da ein bisschen lockerer, andere sehen das strenger. Ich glaube schon, dass ich irgendwo in der Mitte liege. Ich bin davon überzeugt, dass die Dinge, die ich versuche zu kontrollieren, auch kontrolliert werden müssen. Wenn ich Spieler habe wie Mosquera, wie Glinker, die ein bisschen sensibel sind, das hinterlässt schon Spuren wenn auf einmal private Geschichten drin stehen. Oder nehmen wir Benyamina, als die angebliche Geschichte mit der algerischen Nationalelf aufkam. Wenn man dann die Zeiträume nach solchen Veröffentlichungen sieht, da vergehen Wochen bis bei denen wieder Normalform herrscht. Die sind mit ihren Gedanken völlig woanders. Da muss ich versuchen, das zu verhindern, diese Auswüchse zu kontrollieren. Das sind Gefahren, die Journalisten nicht sehen, nicht sehen können, vielleicht sogar sehen aber nicht beachten können, die als Trainer für mich aber schon eine Rolle spielen.

Das Gespräch behandelt Fragen nach der persönlichen Entwicklung des Trainers und seiner Zukunft, geht der Neugestaltung der Mannschaft auf den Grund und kommt am Ende zu einem Punkt, der seit Sonnabend wohl aktueller denn je ist: Dem Verhältnis zu Hertha BSC und einem kommenden Stadtderby.

Berliner Kurier: Sie haben jetzt den Ortsrivalen schon angesprochen. Glauben Sie es würde die Situation in der Stadt beleben, wenn es nächste Saison Derbys gibt? Derzeit deutet ja vieles daraufhin.
Uwe Neuhaus: Man kann das Thema ja schlecht ausklammern. Ich meine, ich wünsche niemandem einen Abstieg. Ich kann und werde da auch gar keine Häme entwickeln. Das ist nicht meine Art. Wenn es einer sportlich nicht geschafft hat, dann muss er halt den bitteren Gang in die Liga drunter gehen. Und ich bin überzeugt, wir haben es ja an den Zahlen gesehen, dass Hertha mit 42, Union mit 12 bis 13 Millionen, uns weit voraus ist. Und trotzdem, rein sportlich gesehen, dieses Derby alleine, diese Vorstellung, das hat ja schon was. Da wären Emotionen drin, das würde die ganze Stadt in Bewegung setzen, vom 2-Jährigen bis zum 98-Jährigen jeden faszinieren. Das wären sicherlich zwei ganz interessante Spiele.

11 Gedanken zu „1000 Tage Uwe Neuhaus

  1. @Sohle das musste mal dem bunki direkt sagen, da freut der sich wie hulle. wenns was zu bemängeln gibt, wird ihm das immer umgehend mitgeteilt – bei belobigungen ist das eher nicht der fall.

  2. Ich sehe ja einiges von Bunki eher kritisch, sage ich dann ja auch. Für das Interview einfach nur danke! Gibt es ja eher – mhh – selten. In dem Sinne, ein fröhlichen Resttag.

  3. @bunki Nicht, dass das falsch rüber kommt. Mit “Gibt es ja eher – mhh – selten.” meine ich nicht deine Interviews. Damit meine ich ausführliche, längere Statements vom Verein. Gute Nacht dann liebe Leute!

  4. Ich fand es gut, dass ich das Gespräch, dass ich sehr anregend fand, publizieren konnte. Problem dabei für mich: Natürlich kann ich im Netz alles veröffentlichen. ABER: ich kann doch meinem Leser der Printausgabe, der dafür Geld ausgibt, nicht sagen, dass er den Mehrwert nicht im Gedruckten findet, sondern im kostenlosen Internet.

    Deswegen hatte ich Bauchschmerzen. Fand aber den Inhalt so okay, dass ich ihn nicht verschweigen wollte. Denn ich glaube, dass man aus dem gesamten Interview viel mehr ziehen kann, als aus meinem Exerpt in der gedruckten Ausgabe.

    Was uns zu dem allgemeinen Zielkonflikt bringt: Das eine ernährt mich, dass andere ist nur Zubrot.

    Weil leider keiner bereit ist für Content im Netz zu bezahlen. Leider

  5. @bunki stimmt gar nicht! hat bloß noch keiner ein vernüftiges system zum bezahlen von kleinstbeträgen und zur eigenständigen artikelzusammenstellung entwickelt, soweit ich sehe.

    konkret: meine zeit ist knapp, ich möchte das, was ich lese, frei wählen können. ich hätte gerne den sportteil vom kurier in kombination mit der sonntags-faz und den taz-kolumnen von sarah schmidt und blogbeiträgen von jens weinreich. und klar bezahl ichs, ich will´s ja haben! mich interessiert allerdings selten eine komplette zeitung, meist ist es nur ein einzelner beitrag. deswegen ist ein abo ungeeignet.

    es hat sich, glaube ich, noch niemand überlegt, wieviel man sinnvollerweise für einen artikel verlangen kann – gemessen am preis einer kompletten zeitung – und wie man das so anonym abrechnen kann, dass es einem zeitungskauf am kiosk entspricht.

    das ist es, was aus meiner sicht zwischen dir und einer großen karriere im internet steht.

  6. @steffi

    Du hast ja so recht, was das Mikropayment angeht. Da wäre eine Zukunft für alle Verlage drin und damit auch für ihre Autoren, so sie denn selber “Markenartikel” sind.

  7. Für Geld würden viele leute mehr schreiben, aber das wäre nicht mehr dasselbe. Und besser wirds nicht!!!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.