Ein letztes Mal in dieser Saison: Kopf aus. Herz an. Alles kann. Nichts muss.

Abtauchen. Kopf abschalten. Das war alles, was ich nach dem 2:2 in Stuttgart gemacht habe. In der Zeit zwischen zwei wichtigen Spielen fahren die Gedanken Karussell und springen zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit hin und her. Dem wollte ich mich nicht aussetzen und habe stattdessen mit meinem Bruder ein paar Bäume gefällt, gegrillt und den Vögeln beim Musizieren zugehört. Dass unser kleines brandenburgisches Dorf nicht nur ohne Internet, sondern auch komplett ohne Mobilfunkempfang mitten im Wald liegt, habe ich dieses Mal als pure Erholung empfunden. Auch wenn der Ohrwurm vom Donnerstag Abend noch immer in meinem Kopf war: “Union, du wirst siegen, glaub an dich und es wird wahr, die erste Bundesliga ist für uns zum Greifen nah …”

Was heute Abend passiert, wenn Kapitän Marvin Friedrich das Team auf den Platz führt? Ich weiß es nicht. Für jeden Fall habe ich auch ein paar Taschentücher dabei, falls eines der Kinder (oder ich) mit dem Ergebnis des Abends nicht zurecht kommt. Was ich weiß: Es wird krass werden. Und laut. Und legendär.

Und vielleicht auch komisch, sollte Christopher Trimmel das wahr werden lassen, was er auf Instagram schrieb: “Ich bin so unfassbar stolz und glücklich, den morgigen Tag miterleben zu dürfen. Unabhängig davon wie es ausgeht und dem Fakt, dass ich das Spiel nur im Ritter Keule Kostüm mitverfolgen kann (ich muss bei meiner Mannschaft sein😫), bin ich dankbar für die bisherige Reise und mein Team. Alles kann, nichts muss. EISERN!”

Die Berliner Medien haben zurecht das Große und Ganze im Blick, auch wenn ich mich lieber nur um das Spiel kümmere und den Rest ausblende:

Ich habe mich beim Durchblättern des Programmheftes dabei erwischt, wie ich wieder mitgesummt habe. Weil Trainer Urs Fischer in seinem Vorwort geschrieben hat: “Gib niemals auf und glaub an dich!”

Ganz ehrlich: Was für ein verrückter Saisonabschluss. Egal wie das heute Abend ausgeht. Danke an das Team für den Kampf, auch wenn wir manchmal in den Wellenbrecher beißen wollten angesichts der Chancen, die uns die Konkurrenz bot. Aber aufgegeben hat sich die Mannschaft nie.

Auf den anderen Plätzen

Das 1. Frauen-Team hat im Relegations-Hinspiel 1:1 gegen Andernach gespielt. Einen Spielbericht und Fotos von Daniel findet ihr hier.

Der RBB war auch vor Ort und hat die Fans gefragt, was sie mit Blick auf das Spiel der Männer erwarten. Ich wünschte, ich könnte vor so einem Alles-oder-nichts-Spiel mit so einem Ruhepuls wie Daniel über Union sprechen. Aber deshalb steht er ja beim Spiel der Frauen am Rand während ich im Wald kleine Bäume umhaue.

Die B-Junioren der Männer haben 1:3 gegen Tabellenführer Wolfsburg verloren und bleiben trotzdem vor dem letzten Spieltag auf Platz 7 der Bundesliga.

Und sonst so?

Irgendwie den Arbeitstag herumbekommen. Irgendwie. Und dabei das Gequatsche der Kollegen ignorieren, die vielleicht von der Union sprechen, der sie die Bundesliga mal gönnen würden. Als ob es von ihrer Gönnung abhängig wäre …

Hervorragend die Zeit verkürzen könnt ihr euch mit der aktuellen Podcast-Episode von Collinas Erben, die fast 3 Stunden mit Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich gesprochen haben. Der ist bekannt dafür, dass er eher kein Blatt vor den Mund nimmt, erzählt aber auch, wie er sich einen Sportpsychologen genommen hat, um auf dem Platz die richtige Ansprache zu finden und sich nicht von Emotionen leiten zu lassen. Er erzählt nicht davon, wie er Babak Rafati nach dessen Suizidversuch gefunden hat, aber spricht über das Drumherum und vor allem kommt heraus, dass man mit ihm ordentlich eine Stadt abreißen kann. Ich habe mich wahnsinnig unterhalten gefühlt und noch eine Menge an Perspektiven auf das Fußball-Spiel durch die Augen eines Schiedsrichters dazubekommen.

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»Der Fußball hat mir geholfen, nach Rafatis Suizidversuch wieder zurückzukommen.« — Schon kurz nach unserer Podcast-Jubiläumsfolge haben wir wieder etwas ganz Besonderes anzubieten, nämlich ein ausführliches Interview mit Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich. Rund drei Stunden lang haben wir in den Räumlichkeiten des Fußballkreises Köln mit ihm gesprochen: über seinen Werdegang, seine hauptberufliche Tätigkeit, die Psyche des Schiedsrichters, den Reiz des Pfeifens, den Umgang mit Druck, Stress, Fehlern und Rückschlägen, die Erwartungen der Öffentlichkeit, Emotionen auf dem Feld, Handlungs- und Ermessensspielräume, Marotten und Rituale, Handspiele und Video-Assistenten, Weltklassevorteile und vieles mehr. Unser Gast hat uns außergewöhnliche, bemerkenswerte, nachdenkliche, überaus aufschlussreiche Einblicke und Reflexionen gewährt.

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7 Gedanken zu „Ein letztes Mal in dieser Saison: Kopf aus. Herz an. Alles kann. Nichts muss.

  1. Bäume fällen in der Brutzeit.
    Die Vögel haben gemeckert und nicht Musiziert.
    Scheiss egal Hauptsache Union gewinnt
    Axel

  2. @Axel: Auweia! *Kopfschüttel*
    Ich schätze unseren umsichtigen Saumselig schon so ein, dass er vorher checkt, ob da Vögel im Spiel sind…

    Als Kommentar zum heutigen State of the Union fällt mir eher ein: Danke für die geile Saison. Lasst es uns heute Abend gemeinsam schaffen:

    KOPF AUS. HERZ AN. ALLES KANN.

    “Was ich weiß: Es wird krass werden. Und laut. Und legendär.” –

    Habe jetzt schon Gänsehaut.

    #EisernUnion

  3. @axel Keine Sorge, das waren keine richtigen Bäume. Sondern nur für einen Städter wie mich. Ging darum, die Wildnis zu begradigen. Echte Bäume kann ich mangels Fähigkeit gar nicht fällen.

  4. Fanmarsch:
    Die Magdeburger sind wohl vor zwei Wochen am Alex gestartet!?
    Die Schwaben werden sich sicherlich am Kollwitzdenkmal treffen!? 🤣
    Gibt es schon Rückmeldungen?🙄

    Wie hält man es nur bis heute Abend aus???
    u.n.v.e.u.

  5. Ob bei Wumme heute „Du schreibst Geschichte“ von Madsen läuft? Schon prophetisch vorsetzen…
    Freu mich riesig. Bin von Herzen zuversichtlich.

  6. Ich bin durch irgendeinen Sonder-WM-Podcast mit den Mikrodelitanten vor Jahren auf euch gestoßen und höre seit dem relativ regelmäßig. Ich gucke Fußball eigentlich immer recht neutral, aber ihr habt mich zum Union-Sympathisanten gemacht. Das ging jetzt so weit, dass ich die letzten Minuten aufgeregt vor dem kriselligen Stream saß und mitgefiebert habe. Jetzt bin ich voller Freude und weiß nicht wohin damit. Ein ungewöhnliches Gefühl für mich im Rahmen des Fußballs.

    Ich freue mich wahnsinnig für euch!
    Danke.

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