Getestet: Sportsfreund

Nach einem Hinweis von Kai Pahl von allesaussersport.de wurde ich neugierig auf die neue Zeitschrift “Sportsfreund“, deren erste Ausgabe in den Zeitschriftenläden ausliegt. Sie kostet 4,50 Euro und kommt sehr aufgeräumt daher. Der Titel ist in schwarz und weiß gehalten und macht gleich klar, dass es mal nicht nur um Fußball geht. Vom Foto schaut ein nachdenklicher Michael Schumacher an mir vorbei.

Ähnlich wie andere Magazine bringt der Sportsfreund auf den ersten Seiten doppelseitige Bilder, die besondere Augenblicke zeigen sollen. Bei 11Freunde sind diese Bilder häufig ein Höhepunkt im Heft. Doch die hier gebrachten Bilder sind zwar keine alltäglichen Sportbilder, wie sie uns täglich von den Sportfoto-Agenturen um die Ohren gehauen werden. Doch ihnen fehlt das besondere an Bildqualität (oder ist es beim ersten Bild vom Baseballmatch zwischen den Phillies und den Cardinals die Druckqualität, die die Konturen verlaufen lässt?). Auch der besondere Augenblick, der mit dem Gewohnten bricht, ist nicht zu sehen beim Wimbledon-Match oder der Vorstellung von Cesc Fabregas.

Der erste Eindruck beim Durchblättern, es würde sich um ein professionell gemachtes Magazin handeln, bestätigt sich auch beim Lesen. Das unterscheidet den Sportsfreund wohltuend von dem Sport-Tag, der sich als Sport-Tageszeitung etablieren wollte. Die Struktur ist klar, Beiträge zu den einzelnen Sportarten werden gruppiert. Das eigentliche Problem des Sportsfreund besteht eher darin, dass die Texte zu brav sind. Das Interview mit Sportschau-Moderator kommt harmlos daher wie ein Beitrag von einer Nachrichtenagentur. Nur niemandem weh tun. Und vielleicht ist das Interview auch von dort, da ein Autorenname fehlt.

Das Problem mit den braven Beiträgen zieht sich durch das gesamte Heft. Selbst die Titelgeschichte von den Sportler-Comebacks, die spannend sein könnte, kommt seltsam farblos daher. Erst die Zusatzgeschichten über die Schwimmerin Antje Buschulte und den Skispringer Sven Hannwald leben auf. Hier wird spürbar, dass sich die Autoren tatsächlich mit den Sportlern getroffen haben. Klippen werden aber weiterhin umschifft. Dabei könnte gerade Hannawald von seinem Schicksal sprechen.

Der Fußballteil startet mit einem Beitrag, in dem ein Designer die Logos der 18 Bundesligavereine bewertet. Kommt bekannt vor oder? Gab es vom gleichen Designer bereits vor fünf Jahren. Spannung verspricht der Text über den A-Jugendlichen Baris Gündüzer, der bei Hertha in der U19-Bundesliga spielt. Der Autor interessiert sich vor allem für Integration und das Problem, sich für eine Nationalmannschaft (in dem Fall die deutsche oder türkische) entscheiden zu müssen. Das ist okay. Auch wenn ich etwas anderes erwartet hatte, weil angekündigt wurde, Gündüzer sei einen Tag lang begleitet worden. Besonders ärgerlich im Lesefluss sind Schreibfehler. Ärgerlich, weil sie vermeidbar sind. So wie der: “Es ist ein Thema, über die Baris nicht gerne spricht.” Besonders ärgerlich, weil da auch kein Rechtschreibprogramm hilft.

Viele Bilder, die die Texte begleiten, sind gut. Aber nichts besonderes. Da bin ich etwas von Sports Illustrated und 11Freunde verwöhnt. So wie ich mich im aktuellen 11Freunde-Sonderheft “Die Nuller Jahre” darüber geärgert habe, dass die Hertha-Gang um die Boatengs nicht ordentlich beschriftet wurde, ärgere ich mich hier, dass offensichtlich jedes Bild eine Bildunterschrift bekommt. Sei sie auch noch so nichtssagend.

Hinten heraus schwächelt der Sportsfreund. Der Beitrag über den blinden Golfer ist gelungen. Aber das “Reise-Spezial” hinter den zwei Golf-Artikeln wirkt doch arg plaziert, um es mal diplomatisch auszudrücken. Die Rauswerfer über den Baufortschritt in London für Olympia im nächsten Jahr und der Text über EA Sports wirken lieblos. Wie Lückenfüller. Denn sie passen nicht in die ansonsten durchgehaltene ordentliche Strukturierung des Heftes. Dafür hat mir der Schlussbeitrag über den Läufer Nils Schumann gefallen. Auch wenn die Rubrik mit “Was macht eigentlich” sehr kickeresk wirkt. Aber wenigstens werden hier keine Scheinwerfer gedreht.

Im großen und ganzen ein gut gemachtes Sportmagazin. Allerdings eins ohne die wirklich große Geschichte. Und das ist für mich ein echter Aufhänger. Es wirkt redaktionell professionell. Aber eben nicht leidenschaftlich. Würde ich in einem Jahr nach der Ausgabe gefragt werden, wüsste ich nicht, ob ich mich noch an einen Beitrag erinnern würde. Nicht einmal zu Widerspruch regen die Texte an. Aber das kann ja noch werden. Eine iPad-App soll es ab Oktober geben. Wenn der Sportsfreund ein Profil gewinnt, sehe ich tatsächliche einen Markt für solch eine Zeitschrift. Momentan sind aber die Spartenzeitschriften inhaltlich weit voraus.

Update:

23.09. Kai Pahl hat bei allesaussersport.de auch eine Rezension geschrieben: “Stets bemüht: Der Sportsfreund”

25.09. Der freie Journalist Jonathan Sachse äußert Bedenken beim Magazin und hat mit dem Chefredakteur gesprochen: Sportsfreund: Themenvielfalt mit einer Prise Bauchschmerzen.

6 Gedanken zu „Getestet: Sportsfreund

  1. Danke dafür. Für mich wäre noch interessant, über welchen Verlag der “Sportsfreund” denn erscheint.

    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass da noch ein richtiges Konzept fehlt, was bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis nach dieser Rezension eher ein Grund für mich wäre, da erst gar nicht reinzuschauen.

    Zu den Fotografien im Heft: Meiner Meinung nach, übertreiben es die 11Freunde damit. Persönlich lese ich viel lieber, als 30sec. ein Bild zu bestaunen, das man problemlos meist auch noch aus dem Netz in der Art herbekommt und welches sich oft nicht mal einprägt.

  2. @ilja Der Verlag ist der Sportsfreund-Verlag. Scheint nach der Meldung von DWDL kein größerer Verlag dahinterzustehen.

    Ein Konzept erkenne ich. Aber es hapert wie gesagt am redaktionellen Profil. Das mit den Bildern ist Geschmackssache. Ich persönlich stehe auf gute Photos. Gerade weil sie so selten genommen werden.

  3. Ich bin mir unschlüssig: Ist “ejdes Bild” jetzt eine besonders raffinierte Weise noch einmal auf die mangelhafte Rechtschreibprüfung hinzuweisen oder ist es einfach nur flasch?

  4. Pingback: SPORTSFREUND: Themenvielfalt mit einer Prise Bauchschmerzen | Jonathan Sachse

  5. Danke für die Verlinkung! Habe deinen Eintrag leider erst jetzt gelesen, stehst aber jetzt ebenfalls verlinkt im Blogbeitrag ;)

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