Die Fans wollen auch mal oben kratzen.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag am 15.Mai in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen. Bereits zu Wort gekommen sind Mathias Bunkus (Berliner Kurier), Sebastian Stier (Tagesspiegel), Jürgen Schulz (BZ/Taz), Matze Koch (freier Journalist und Fotograf) und Klaus-Dieter Vollrath (Bild).

Matthias Wolf (freier Autor für die Berliner Zeitung) verfolgt Union seit 1996.

Ich bin der Ansicht, dass man diese Saison das Ziel hatte, sich spielerisch weiterzuentwickeln. Das ist nicht gelungen. Der Verein hat 20 Prozent mehr Geld in die Mannschaft gesteckt, aber nicht 20 Prozent mehr Leistung bekommen. Jetzt reagiert Union. Man trennt sich von acht Spielern, darunter Mitläufer aber auch Karim Benyamina, ein Publikumsliebling. Das ist schmerzhaft für die Fans. Aber als neutraler Beobachter kann man das nachvollziehen, weil Karim Benyamina an seiner Obergrenze gespielt hat und spielerisch der Mannschaft keine neuen Impulse geben konnte. Es ist ein Risiko, das der Verein fährt. Aber aus meiner Sicht ist es einen Versuch wert.

Man sagt ja jedes Jahr, dass die zweite Liga stärker wird. Mir ist das egal. Aber die zweite Liga hat einen großen Vorteil für Vereine wie Union: Sie hat nur zwei Absteiger. Früher waren es noch vier. Ich mache mir deswegen keine Sorgen um den Verein. Union wird auch nächstes Jahr auf jeden Fall die Klasse halten. Die interessante Frage ist: Wann kommen wir an dem Punkt, wo es den Menschen hier bei Union, die sehr genügsam und mit wenig zufrieden sind, nicht mehr reicht? Ich glaube, dass wir nächste Saison an diesen Punkt kommen, wo sich keiner mehr nur über den Klassenerhalt freut. Die Leute wollen perspektivisch auch mal oben kratzen.

Man darf immerhin nicht vergessen, was Christian Beeck auch vor kurzem gesagt hat. Er hatte eigentlich diesen Dreijahresplan, nach dem man im dritten Jahr oben mitspielen wollte. Davon hat man sich getrennt. Das ist sehr schade. Ich denke, dass die Fans über kurz oder lang zumindest oben mitspielen wollen. Das liegt auch nicht nur am Etat. Erstaunlicherweise hat Energie Cottbus dieses Jahr einen Etat von rund 13 Millionen Euro und hat diese Saison oben mitgespielt. Man sollte sich mal fragen, woran das liegt. Ich kann die Frage nicht beantworten, da ich nicht weiß, wie die Ausgabenseite in Cottbus im Vergleich zu der bei Union ist. Aber ich glaube, dass es auch in der Vergangenheit immer wieder Vereine gab, die mit wenig Geld oben mitgespielt haben, mit Leidenschaft und Begeisterung. So wie in dieser Saison das Beispiel Erzgebirge Aue gezeigt hat. Warum nicht? Man muss “nur” richtig einkaufen und man muss hier bei dem einen oder anderen, der schon etwas länger im Verein ist, wieder das Feuer der Leidenschaft wecken.

7 Gedanken zu „Die Fans wollen auch mal oben kratzen.

  1. Auch wenn ich wieder ungern den Artikel in den Hintergrund dränge, wollte ich euch darauf hinweisen, dass der Presseschau-Link von heute zwar funktioniert, aber auf die Presseschau von gestern verweist. Viele Grüße.

  2. Gefällt mir von allen Artikeln bisher am besten, weil er objektiv gesehen den Nagel auf den Kopf trifft.
    Ich muss zwar nicht in den nächsten 2-3 Jahren oben mitspielen, aber gerade was die Entwicklung angeht habe ich in der letzten Saison eher eine Stagnation erlebt. Allerdings verlief der “Umbruch” in der letzten Saison eher schüchtern, während man dieses Jahr wirklich völlig neu denkt.

    Ich hoffe wir werden dabei, auch in Erinnerung an den wunderbaren Podcast, die Jungs aus der A-Jugend und Union Zwee nicht vergessen. Menz war für mich neben Tusche und, leider erfolglos, Peitz die wichtigste Vertragsverlängerung. Quiring ist auf einem guten Weg. Wichtig ist, dass man nun auch Leute wie Skrzybski oder, bei richtigem Benehmen, Boné in die Mannschaft setzt und aufbaut. Dabei rede ich aber nicht von einer Einwechslung in der 89. Minute, sondern von wirklich Chancen, die man ihnen gibt, sich zu etablieren.
    ________________________________________________________________

    Liebe Textiler, schön wäre in naher Zukunft mal ein Podcastinterview zum Thema Scouting bei Union. Wie wird gescoutet, wo wird gescoutet, wo aus welchen Gründen nicht. Und welche Schwierigkeiten ergeben sich dann, weswegen Verpflichtungen scheitern. Das wäre denke ich mal interessant.

  3. @Sohle ich glaube, Sebastian hat´s grade per Hand repariert. Facebook hat Macken, die mal größer, mal kleiner sind. Im Moment sind´se wieder größer. Der Link wird automatisch erzeugt. Ob er funktioniert, weiß man immer erst hinterher. Danke für den Hinweis!

    @Pitti zum Podcastthema: danke für die Anregung! Interessant ist das allemal. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass sich das schwer bis gar nicht verwirklichen lässt, weil sich da niemand in die Karten schauen lassen will. Das heißt andererseits nicht, dass wir es nicht wenigstens versuchen können.

  4. @steffi Gerne.
    @Pitti Tolle Idee. Wäre tatsächlich sehr interessant. Aber der Einwand von @steffi wird wohl leider war sein.

  5. was @Steffi sagt. Der Name des Chefscouts ist mit Horst Quade zwar bekannt. Aber wo er was,wannn und mit wem als Unterstützer macht, das wird Union niemals rauslassen.

  6. Pingback: Die Neuverpflichtungen werden spannend. at ***textilvergehen***

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.