Graue Mäuse sind auch was feines.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag am 15.Mai in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen.

Mathias Bunkus (Berliner Kurier) verfolgt Union seit 1999.

Es ist schwer, etwas nach einem so packenden Derby gegen Cottbus zu sagen, das im Prinzip vieles von dem  übertüncht hat, was in dieser Saison dürftig war. Wenn man den Verein als im unteren finanziellen Drittel angesiedelt betrachtet, dann muss man sagen: Klasse gehalten am 31. Spieltag, einen Spieltag früher als im Vorjahr – sehr zufriedenstellend. Wenn man die ganzen Verletzten sieht und deshalb nie, wie Team-Manager Beeck auch sagte, sechs Wochen am Stück mit der kompletten Mannschaft arbeiten konnte, dann muss man sagen: À la bonne heure.

Wenn man allerdings sieht, wie statisch die Mannschaft teilweise spielt und wie der sichere Ball nach hinten gespielt wird, anstatt schnell nach vorne zu spielen, dann fehlt etwas, das den modernen Fußball ausmacht. Die Mannschaft hat sich stabilisiert. Eine Weiterentwicklung, die der Verein sieht, sehe ich nicht. Der Verjüngungsversuch ist zum Teil gelungen, aber eben nicht ganz. Mit Menz wurde ein Youngster eingebaut, der sich wirklich gut entwickelt hat. Außerdem haben wir Christopher Quiring gesehen, der wahrscheinlich selbst nicht weiß, wie schnell er ist. Da sage ich: Geil, das brauchen wir! Das erklärt auch, warum Thomik auf der Position das Nachsehen hatte. Beide haben ein ähnliches Spiel. Aber Quiring ist einfach billiger.

Ich sehe viele Ansätze, aber auch viele Baustellen. Nächste Saison wird die zweite Liga noch enger. Das wird noch einmal so ein Jahr, wo Union kämpfen und hängen wird. Vielleicht darf man einfach nicht zuviel erwarten. Grundsätzlich kann man aber zufrieden sein. Union hatte seine Highlights, ist Stadtmeister und auch Spreemeister geworden, weil ja mit Hertha und Cottbus, sämtliche Vereine, die an der Spree liegen in den direkten Duellen nicht siegen konnten. Aber ich kann auch die unsäglichen Spiele wie in Paderborn oder Düsseldorf nicht vergessen. Positiv ist aber, dass der Verein am Anfang der Saison nicht in Hektik oder gar Panik verfallen ist, als man kurzzeitig unter dem Strich stand.

Ich weiß, dass Union auch in der nächsten Saison ein schweres Jahr haben wird und man zufrieden sein muss, dass der Verein in dieser 2.Liga ist. Ich selber träume aber davon, dass Union mal aus Versehen aufsteigt und wir ein Jahr das Abenteuer Bundesliga erleben dürfen. Aber im Ernst: Eine Weiterentwicklung wäre es, wenn Union für die zweite Liga den Status einer grauen Maus erlangen würde. Das ist nicht abwertend gemeint. Union sollte ein Synonym für die zweite Liga werden. Das ist für mich in der Sportstadt Berlin auch kein Problem, weil Union konkurrenzlos ist. Union ist eine Marke für sich. Und wer Fußball pur erleben möchte, der kann eben nur zu Union gehen.

10 Gedanken zu „Graue Mäuse sind auch was feines.

  1. nicht zu viel erwarten, ist gut. Es ist in den letzten zwei Jahren ja auch nix passiert, daß die Erwartungshaltung erhöhen könnte. Selbst die “Stabilisierung der Manschaft” nenne ich einen optimistischen Ausfallschritt. Das eingespielte Team gibts nicht mehr, der Kader ist extrem ausgedünnt, die Löcher müssen gestopft werden.
    Die gute Nachricht einer am Boden lümmelnden Erwartungshaltung liegt in den Möglichkeiten, die als Überraschung auftauchen.

    und @Bunki – Menz als Beispiel für einen Verjüngungsversuch zu erwähnen, spricht schon von viel Mühe auf der Suche nach erhobenen Daumen. Das Spiel von Menz ist mir mittlerweile so vertraut, wie Benjamina, mit Menz rede ich von einem alten und erfahrenen Hasen.

  2. @Milan ich bin nicht sicher, aber es kommt bestimmt auch noch ein kollege, der das alles ganz anders als bunki sieht. allerdings einer, der menz als “alten hasen” bezeichnet, ist wohl nicht dabei :)

  3. ich weiß ja @Steffi und ich weiß auch, daß alle Perspektiven gerechtfertigt sind. Das ist schön und spannend.
    Gefühlt kenne ich Menz seit vier Jahren, also hab ich nachgeschaut.
    Und tatsächlich hatte er 2007 seinen ersten Einsatz in der Ersten.
    Stammspieler ist er erst in dieser Saison aber in den Jahren davor sicher über 50 Einsätze.

  4. @Milan

    Du siehst natürlich wieder nur die postiven Aspekte, die ich auch herausgehoben habe, alter Bärbeißer du. Den Rest ignorierst du geflissentlich ;-)

  5. Nee@Bunki-Ignorieren ist was anderes als nicht drüber sprechen.Spräche ich drüber, müßt ich mir mehr Mühe machen. Die Kommentare brauchen aber nicht länger werden, als die Beiträge. Ich staune schon, wie kurz du dich gefasst hast für ein Saisonfazit. Das spricht der Profi, sehr angenehm.

  6. Soll heißen ” DA spricht der Profi” mir klarem Bezug auf dich. Was so ein kleines s anrichten kann-Hilfe…

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