“Das ist kein Mainstream.”

Robert Müller von Vultejus von UFA Sports stand nach der offiziellen Pressekonferenz Sebastian Fiebrig (Textilvergehen) und Mathias Bunkus (Berliner Kurier) für einige Nachfragen zur Verfügung.

Sie haben mehrfach auf die Wichtgkeit der langfristigen Vereinbarung zur Stundung der Darlehen zwischen Kölmel und Union hingewiesen. Sind solche Deals aus Vermarktersicht nicht lukrativ?

Das sind Einmaleffekte, die es mal gegeben hat. Sei es die bei Borussia Dortmund mit den 50 Millionen Euro, Hertha oder beim HSV die Finanzierung des Stadions. Da schafft man sich in der Sekunde aus Vermarktungssicht zwar einen Wert, weil man da einen Gegenwert in Form eines 10-Jahresvertrag bekommt. Aber am Ende ist es ja so, dass der Verein ja auch das Netto braucht, um am Ende sportlich wettbewerbsfähig zu werden. Und das ist natürlich immer schwierig, wenn ich mit diesen Altlasten zu kämpfen habe. Da ist Kölmel kein Einzelfall und Union kein Einzelbeispiel. Da gab es viele verschiedene Fälle. Und ich glaube, dass die Vereine, die daraus gelernt haben und sich vielleicht ein bißchen langsamer dafür aber kontinuierlicher entwickeln als andere, wettbewerbsfähiger sind. Siehe Bayern München. Die haben diese Fehler nie in dem Maße begangen. Und von daher glauben wir auch, dass diese Partnerschaft mit Union auf extrem gesunden Füßen steht, weil jeder weiß, was er von dem anderen erwarten kann und erwarten muss. Und das basiert eben nicht auf einer Finanzierungsform wie in der Vergangenheit.

Wenn die Finanzierung des Stadions wider Erwarten nicht klappt, wäre die UFA Sports bereit, da Entsprechendes in die Wege zu leiten?

Das sind Dinge, die wir nie diskutiert haben, weil uns der Verein glaubhaft versichert hat, das alleine stemmen zu können.Von daher gehen wir auch davon aus, dass die Haupttribüne innerhalb der nächsten zwei bis drei Saisons steht.

Bei wievielen Vereinen außer St. Pauli und Union sind sie bisher in der Vermarktung engagiert?

Das war es. Wir arbeiten noch mit anderen Vereinen und Verbänden zusammen. Aber das eher international für die Vermarktung der Europa League und von Qualifikationsspielen. Wir haben ein Büro in Bratislava, wo wir den gesamten slowakischen Fußball vermarkten. Die sind jetzt auch WM-Teilnehmer. Das sind TV-Rechte, Marketing von Liga und auch Nationalmannschaft.
Aber wir streben nicht nach Größe der Größe wegen sondern weil wir auch Spaß an den Themen haben. Zum Beispiel unser Engagement beim FC St. Pauli. Das ist für uns jeden Tag wieder Spaß.

Union und St. Pauli sind aber auch Vereine, bei denen die Vermarktung einfacher ist, weil sie als Marke etabliert sind.

Sie ist anders. Ich weiß nicht, ob sie einfacher ist. Das ist kein Mainstream, was man hier verkauft. Es gibt bestimmte Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. Also Vattenfall zum FC St. Pauli zu bringen zum Beispiel [Anmerkung: Vattenfall betreibt zwei Kernkraftwerke in Norddeutschland]. Das würden wir nicht einmal versuchen, weil das nicht funktionieren würde. Das wäre für Vattenfall der falsche Klub. Aber das wäre auch für St. Pauli der falsche Partner. Dafür gibt es andere Marken, die dann richtig gut passen und sowohl für den Verein als auch für das Unternehmen die Ziele erreichen lassen. Das sehen wir beim FC St. Pauli einfach jeden Tag.
Man muss sich einmal diese Erlebniswelt anschauen. Die ist an den Spieltagen durchaus vergleichbar. Jeder Kunde, auch Hospitality-Kunde, den man einmal hier mit zum Heimspiel bringt, der geht danach nicht nach Hause und sagt: “Das hat mich nicht berührt” oder “Das war mir egal.” Das ist schon ein Thema, mit dem man die Leute begeistern kann.
Man stelle sich tatsächlich mal vor, Hertha schafft es nicht und steigt ab. Dann hat man eben auch das Problem Olympiastadion mit den vielen Plätzen. Ein Heimspiel gegen Ahlen. Und dann frage ich mich: “Will ich dazu meine Kunden einladen? Ist das für die ein toller Samstag- oder Sonntagnachmittag, an dem sie auch mit einem tollen Gefühl nach Hause gehen?” Das kann ich hier immer bieten. Und zwar ligaunabhängig.

Wenn die Vermarktung nicht einfacher ist, was ist dann daran schwieriger?

Es ist natürlich so, dass jeder Verein, der Ecken und Kanten hat, auch polarisiert. Es gibt bestimmte Unternehmen, die sagen: “Das deckt sich nicht mit meinen Werten und ist dadurch für mich nicht relevant.” Wenn ich einen Verein biete, der sich an die Masse wendet. Und dem Unternehmen geht es nur um die Aufmerksamkeit, um die Fernsehzahlen, dann ist das vielleicht eher ein Engagement für die. Von daher muss man ein bisschen genauer hinschauen und ein bisschen genauer suchen. Aber wenn man dann den richtigen Partner gefunden hat, dann glaube ich eben auch, dass man langfristige und tolle Engagements findet, die beiden Seiten Spaß machen.

Sich vermarkten lassen

Die Einladung zur Pressekonferenz von Präsident Dirk Zingler und geladenen aber nicht näher benannten Gästen hätte auch die Checkliste des Vereins sein können. Auf dem Zettel mit den zu erledigenden Dingen steht: “Der Bau der Haupttribüne, die Weiterentwicklung der Infrastruktur der Sportanlage An der Alten Försterei und die schrittweise Erhöhung des Etats mit dem Ziel, den Verein dauerhaft im DFL-Bereich zu etablieren.” Da der Präsident dem Verkauf von Vermarktungsrechten auf der letzten Mitgliederversammlung eine eindeutige Absage erteilt hatte, blieb nur etwas übrig, was man als Unioner bereits kennt: Bauen.

Groß war die Überraschung, als Dirk Zingler die UFA SPORTS GmbH als exklusiven Vermarktungspartner des 1. FC Wundervoll vorstellte. Der Vertrag wird bis 2020 laufen. Zunächst kamen Erinnerungen hoch an die Vorstellung einer strategischen Partnerschaft mit einer Firma, der der Verein mittlerweile nur noch vor Gericht begegnet. Danach Gedanken an Hertha BSC, der sich für eine Vorauszahlung sämtliche Vermarktungsrechte bis 2018 von Sportfive hat abkaufen lassen.

Die Verbindung zu Hertha bestätigt Robert Müller von Vultejus, Managing Director von UFA Sports, als er kurz die Geschichte der Firma erläutert. Vom ehemaligen Präsidenten von Hertha BSC, Bernd Schiphorst, wurde 1988 die UFA Film und Fernsehen GmbH als hunderprozentige Tochter der Bertlesmann Gruppe gegründet, die seit 1994 im Bereich der Sportrechtevermarktung tätig ist. Erster Verein, der sich der Gesamtvermarktung der UFA hingab, war Hertha. Die Firma konvertierte zu Sportfive und wechselte in den letzten Jahren mehrfach den Besitzer. Müller von Vultejus und Philip Cordes, der ebenfalls auf der Pressekonferenz anwesend war, verließen 2007 mit einigen Mitarbeitern Sportfive und gründeten 2008 mit dem erneuten Gesellschafter Bertelsmann Gruppe die UFA Sports GmbH, die mit mittlerweile 25 Mitarbeitern an vier verschiedenen Standorten aktiv ist.

Präsident Zingler steht weiterhin zu seinem Statement gegen eine Zentralvermarktung und will vielmehr mit der Vermarktungspartnerschaft “die Basis dafür legen, dass wir uns dauerhaft im DFL-Bereich etablieren.” Die Frage, die sich die Vereinsführung gestellt habe, sei gewesen, ob man die Wachstumsziele selbst aus dem Verein heraus schaffen kann oder dafür externe Hilfe in Anspruch nimmt. Seit mehreren Monaten seien Gespräche mit verschiedenen Vermarktern geführt worden. Diese seien nicht immer einfach verlaufen, da der Verein seine eigenen Vorstellungen nicht aufgeben wollte. Die eigenen Vorstellungen sind konkret zu benennen: Kein Gesamtverkauf von Vermarktungsrechten, Unveräußerlichkeit des Stadionnamens oder Einflußnahme auf Gestaltung des Stadionheftes. UFA Sports hat sich, wie das auf Marketingdeutsch heißt, zu diesen Vorstellungen bekannt.

Während der Fragen durch die Pressevertreter ging Präsident Dirk Zingler auch auf die Frage nach dem Neubau der Haupttribüne ein. Er hoffe, dass die Gespräche über die Finanzierung in den nächsten Monaten abgeschlossen werden würden. UFA Sports sei daran nicht beteiligt. Sollte die Finanzierung nicht zustande kommen, werde man sich eventuell mit dem Vermarkter zusammensetzen, um eine andere Finanzierung zu realisieren. Alle diese Aussagen sind zwar Balsam auf der Seele der rot-weißen Anhänger, aber wenig konkret. Und vor allem hilft der Seelenbalsam nicht, den Etat nennenswert zu erhöhen.

Die auf zehn Jahre für alle Ligen und unabhängig vom weiteren Stadionausbau angelegte Vermarktungspartnerschaft wird so aussehen, dass die bisher in der Vermarktung tätigen Mitarbeiter der Geschäftsstelle sowie Mitarbeiter von UFA Sports gemeinsam als Firma für den Verein tätig sein werden. Der Sitz wird im Forsthaus in Köpenick sein. Der Vorteil der kurzen Wege liegt auf der Hand und ist eine interessante Strategie für einen Vermarkter, der passend zum Verein Sponsoren akquirieren möchte. Geld soll entsprechend der Tätigkeit als Dienstleister für den Verein mit Provisionen verdient werden, über deren Höhe sich allerdings ausgeschwiegen wurde. Präsident Dirk Zingler betonte auf Nachfrage, ob bereits Geld geflossen sei: “Es wurden keine Rechte verkauft oder auf zukünftige Erträge Einnahmen generiert.” Wie das Commitment von UFA Sports zum 1. FC Union, welches die beiden Vertreter des Vermarkters betonten, genauer aussieht, blieb im Unklaren. Den Verantwortlichen des Vereins ging es vielmehr darum, den Grund der Partnerschaft als den konkreten Inhalt zu vermitteln. So glaubt Zingler, mit UFA Sports schneller und vor allem überregional wachsen zu können. Schaut man sich im Stadion um und liest sich die einzelnen Werbebanden durch, fällt auf, was die Vereinsverantwortlichen umtreibt, wenn sie sagen, dass sie regional gut verwurzelt sind. Es sind die fehlenden überregionalen Sponsoren. Und genau dort wird UFA Sports wohl auch als erstes ansetzen.

Eine Sicherung vor der Verselbständigung der Vermarktung wurde eingebaut, indem die Vermarktungshoheit weiterhin beim Verein bleiben soll. Das bedeutet, dass die jeweiligen Verträge mit zukünftigen Partnern vom Verein unterzeichnet werden und dieser diese Verträge bzw. die darin aufgeführten Preise und Dienstleistungen auch ablehnen kann. Ob der vom Präsidenten angestrebte Transfer von Know-How von der Vermarktungsfirma in den Verein hinein stattfinden wird, wenn alle mit dem Thema befassten Mitarbeiter nicht mehr beim Verein angestellt sind, wird sich zeigen.

Für die Anhänger wird sich mit Sicherheit bis auf einige Werbebanden zunächst gar nicht soviel ändern. Im Gegensatz zur Präsentation der ISP im letzten Jahr wurde dieses Mal viel Wert darauf gelegt, zu vermitteln, worum es geht und was nicht betroffen sein wird. Außerdem wurde ein Partner gesucht, der durch Seriosität und Erfahrung glänzt. Zwar ist die UFA Sports ein junges Unternehmen, dass gerade einmal 18 Monate existiert, doch haben sie bereits Erfolge vorzuweisen. Eine ähnliche Vermarktungspartnerschaft wie jetzt mit dem 1. FC Wundervoll wurde vorher mit dem FC St. Pauli beschlossen. Dort sitzen ebenfalls die Vermarkter direkt vor Ort. Außerdem vermarktet die Firma bis 2011 die Medien- und Fernsehrechte der deutschen U21, besitzt eine Vermarktungspartnerschaft mit dem Deutschen Basketballbund und vermarktet die slowakische Fußballnationalmannschaft.

Mit der jetzt endgültigen Absage an ein schnelles Wachstum des Vereins durch fremde Mittel wird es sicherlich einfacher werden, die Anhänger des Vereins auf der Gratwanderung zwischen Kommerz und Tradition mitzunehmen. Was die Partnerschaft aber tatsächlich in Zahlen für den Verein bringt, wird man erst später bewerten können.

der Bau der Haupttribüne, die Weiterentwicklung der Infrastruktur der Sportanlage An der Alten Försterei und die schrittweise Erhöhung des Etats mit dem Ziel, den Verein dauerhaft im DFL-Bereich zu etablieren.