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Was Union zum Ende des Jahres ausgemacht hat: Krisen-Gelassenheit

Es ist der 23. Dezember. Das Datum, das seit 20 Jahren mit dem Weihnachtssingen das Ende des Unionjahres markiert. Und vielleicht bringt Union einmal einen Weihnachtskalender mit 23 Türchen heraus, um diese sehr eigene vorweihnachtliche Zeitrechnung unseres Vereins klarzumachen. Ich wäre dabei.

Wenn 23. Dezember, dann Weihnachtssingen, Foto: Stefanie Fiebrig
Wenn 23. Dezember, dann Weihnachtssingen, Foto: Stefanie Fiebrig

 

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, dieses Ende der Vorweihnachtszeit zu verbringen. Entweder wir werfen uns mit rot-weißer Mütze voll in den geschmückten Baum, damit es richtig whamt und schreiben über das Weihnachtssingen. Oder wir nutzen die besinnliche Zeit für einen Jahresrückblick. Oder noch besser: wir machen beides, weil uns die Berliner Medien ein reichhaltiges Menü kredenzt haben.

Noch keine Transfer-News

Fangen wir kurz mit den Nachrichten an, die sich mit dem Thema Transfermarkt beschäftigen: Es wird weiter über einen Abschied von Leonardo Bonucci geschrieben (Kicker). Die Bild (Bezahlartikel) hatte mich kurz erschreckt, weil ich erst die Überschrift „Die Winter-Streichliste des 1. FC Union“ gelesen hatte. Korrekterweise ist es die Winterstreichliste der Bild für den Kader des 1. FC Union Berlin. Es muss sich also niemand fürchten, dass Oli Ruhnert eine Kaderstreichliste in den Papierkorb geworfen hat, der dann … na, ihr wisst schon, was ich meine.

Vielleicht ist dieses Foto bald nur noch eine Erinnerung: Leonardo Bonucci im Union-Trikot, Foto: Matthias Koch

Wobei ich aber mitgehe bei den Namen, die von der Bild gedroppt werden: sie haben sportlich enttäuscht, wobei das wahrscheinlich für die gesamte Mannschaft gilt, die eine entäuschende Runde spielt. Bei der Intensität der Enttäuschung würde ich deshalb nicht bei jedem Namen mitgehen. Und auch nicht bei der Konsequenz. Nur weil Christopher Trimmel momentan nicht bei Nenad Bjelica gesetzt ist, sehe ich darin nicht gleich den Grund, den Verein im Winter zu verlassen.

Aber das Überangebot im zentralen Mittelfeld wird sicher genauso bearbeitet, wie der Bedarf an Flügelstürmern. Dazu kommt die Kompensation von möglichen Abgängen im Angriff oder in der Abwehr. Das ganze Thema können wir uns für die erste Januarwoche auf Wiedervorlage legen. Dann öffnet der Transfermarkt offiziell. Vorher wird es keine fundierten Nachrichten geben.

Ab Januar sind wir wieder bereit für Medizin-Check-Fotos von der Charité, Foto: Matthias Koch

Beim Blick zurück vielleicht nicht nur auf die Zahlen schauen

Kommen wir kurz zu den Jahresrückblicken: Die Berliner Zeitung sammelt Zahlen aus dieser Saison und verbindet sie mit Geschichten. In den vergangenen Spielzeiten waren da wirklich gute Rekorde dabei, bei denen es mir warm ums Herz wurde. Diesmal sind es eher Zahlen, die mich runterziehen würden, wenn ich nicht wüsste, dass man sie selbst ändern könnte. Wenn ihr also wissen wollt, wie viele Tore Sheraldo Becker in dieser Hinrunde in der Bundesliga geschossen hat, wie viele Minuten hintereinander der Mannschaft kein Treffer gelang und wie die Bilanz im Angriff und in der Verteidigung im Vergleich zu den bisherigen Bundesliga-Spielzeiten ausfällt, dann schaut rein. Wir sind gefestigt genug, um das zu verkraften.

Der Spiegel (Bezahlartikel) schaut zurück auf die Trainerwechsel von Bo Svensson in Mainz, Steffen Baumgart in Köln und Urs Fischer bei Union. Er sieht in diesen Wechseln etwas Besonderes, nämlich dass die jeweiligen Trainer es geschafft hätten, in Würde zu gehen und auf eine gewisse Art auch selbstbestimmt. Ich glaube, dass sich diese Trainer damit tatsächlich ihren Platz bei den Klubs auf eine gewisse Art erhalten haben. Das ist wirklich etwas Besonderes.

Eine Kunst: So gehen, dass man für immer bleibt. Urs Fischer und Markus Hoffmann ist es gelungen, Foto: Matthias Koch

Das Weihnachtssingen und Unions Krisen-Gelassenheit

So, und jetzt kommen wir zum Weihnachtssingen. Bei 11Freunde (Bezahlartikel) gibt es ein launiges Interview mit Torsten Eisenbeiser, dem Begründer des Weihnachtssingens. Vielleicht liegt es daran, dass es Gunnar Leue geführt hat, der uns fußballmusikalisch schon so lange begleitet und dieses Jahr mit einem tollen Buch beglückt hat. Ich hatte jedenfalls viel Spaß beim Lesen, weil es auch ein bisschen darum ging, ob man das Weihnachtssingen während des Stadionumbaus (wann immer der wirklich stattfindet) auch im Olympiastadion abhalten würde und wie Weihnachtssingen-Veranstaltungen an anderen Orten stattfinden.

Mir war nicht klar, dass sich im Prinzip niemand an den 23. Dezember traut. Dabei macht genau das Datum aus meiner Sicht sehr viel aus. Wir verabschieden uns voneinander bis zum nächsten Jahr.

Weihnachtssingen-Erfinder Torsten Eisenbeiser beim Weihnachtssingen 2018, Foto: Matthias Koch

Was ich aber wirklich gut finde, ist die Gelassenheit, die Torsten Eisenbeiser angesichts der aktuellen sportlichen Krise ausstrahlt. So wie Norddeutsche sagen: „Sturm ist erst, wenn das Schaf keine Locken mehr hat“, so spricht er über die Misserfolgsserie von Unions Männerteam zum Ende des Jahres 2024. Denn wer mehr als 20 Jahre zu Union geht, hat Krisen erlebt, die den Verein in seinen Grundfesten erschüttert haben. Im ersten Jahr des Weihnachtssingens 2003 war ja nicht nur Abstiegskampf, sondern Kirch-Krise, Finanzdesaster bei Union, dann Abberufung des Präsidenten und bis weit ins nächste Jahr Machtkampf im Verein, dazu noch Zittern um die Lizenz.

Vielleicht ist es diese lange und tiefe Krisen-Erfahrung gepaart mit dem Wissen, dass wir unabhängig von der Ligazugehörigkeit immer zu Union gehen würden, was dieses Durchleben der sportlichen Krise bis jetzt ausgemacht hat. Für mich persönlich ist das mehr wert als ein Highlight-Spiel gegen Real Madrid. Das habe ich genossen, keine Frage. Aber dieser Umgang mit Misserfolg, der uns nicht umwirft, der macht für mich Union aus. Wir sind hoffentlich wie Homer Simpson beim Boxkampf. Wir stecken ein, fallen aber nicht um.

FC Union, du sollst leuchten ..., Foto: Stefanie Fiebrig
FC Union, du sollst leuchten …, Foto: Stefanie Fiebrig

Das sind die anderen Berichte zum Weihnachtssingen:

Heute Abend ab 19 Uhr könnt ihr das Weihnachtssingen auch im Stream bei AFTV erleben. Wer ins Stadion geht, bitte rechtzeitig erscheinen (Vereinsmitteilung).

Zum Schluss möchte ich euch nicht nur ein frohes Fest wünschen, sondern auch dieses Weihnachtspulli-Ranking vom Spiegel ans Herz legen. Union landet dort auf einem souveränen 5. Platz. Ich trage seit Jahren denselben Union-Pulli zur Weihnachtsfeier. Leider ist mittlerweile die Batterie der LED alle. Aber er erfüllt den Zweck und passt zu meiner Weihnachtsfeier-Regel, nach der ich entweder sehr schick hingehe oder im hässlichen Weihnachtspulli.

Treuer Begleiter seit einigen Jahren: der Union-Weihnachtspulli, Foto: Sebastian Fiebrig
Treuer Begleiter seit einigen Jahren: der Union-Weihnachtspulli, Foto: Sebastian Fiebrig

Wir wünschen euch ein frohes Fest mit euren Lieben und lesen uns nach den Feiertagen wieder. Dann gibt es auch von uns verschiedene Rückblicke.

13 Kommentare zu “Was Union zum Ende des Jahres ausgemacht hat: Krisen-Gelassenheit

  1. Frohe Weihnachten ans TVG Team! Danke für eure Gedanken, Meinungen und Analysen. Ihr habt euch die Pause genauso verdient wie der ganze Verein nach diesem unfassbar intensiven Ritt durch die Stadien Europas!
    Heute Abend nochmal alle umarmen und das Glück und Glitzern in den Augen derjenigen zu sehen, für die Union Familie ist.
    @Sebastian: ich wünschte, ich hätte den Mut, nicht nur so ein edles Oberteil zu tragen sondern diesen Moment auch für die Nachwelt festzuhalten! Respekt dafür an eure Kids ;-)

  2. crucialtommy

    An das komplette Team
    Frohe Weihnachten und gemütliche Feiertage mit euren lieben gewünscht.

  3. Musiclover

    Allen ein frohes Weihnachtsfest gewünscht, genießt die Tage und schaltet mal ab. War ein stressiges Jahr. Auf wieder bessere Zeiten.

    Eisern

  4. Oh Gott, dieses Foto! Danke fürs Teilen, Sebastian, es ist immer schön, ein wenig am Familienleben der Fiebrigs teilhaben zu können :-)
    Ich wünsche Euch, den TeVe-Kollegen und der gesamten Bezugsgruppe ein friedvolles und frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr! Habt großen Dank für Eure informativen, lustigen, klugen Podcasts und Texte, die mich seit vielen Jahren durch mein Union-Leben begleiten und die ich absolut nicht missen möchte!

  5. Liebe Textilvergeh:is,
    vielen Dank für die tollen Texte, diese unermüdliche Ausdauer und die Kreativität!
    Ihr seid ein toller Baustein in einer so diversen Union Szene!

    Frohe Weihnachten und bis nächstes Jahr,
    Eisern!

  6. Mega Idee. Frohes Fest, liebes TeVe-Team!

  7. Vielen Dank auch von mir und eine schöne Weihnachtszeit. Ihr macht das alles großartig.

  8. Ihr Lieben, herzlichen Dank für eure Mühe.
    Viele schöne Stunden habt ihr mir auch in diesem Jahr geschenkt. Immer mit der angemessenen Sachlichkeit sowie Gelassenheit und mit dem nötigen Galgenhumor in diesen turbulenten Zeiten.
    Ihr macht das wirklich toll. Ein großes Dankeschön an alle im Team. LG aus dem Barnim

  9. 1000 Dank an das TeVe Team, ihr seid genial :)
    Gaaaanz schöne Feiertage allen ,einen feucht fröhlichen Rutsch und ein gutes Eisernes 2024 !
    Sebastian…ich überlege jedes Jahr, aber fürs nächste Weihnachten hole ich mir definitiv so’n schicken Pullover! Der Kracher:)))

  10. Liebes Textilvergehen Team,

    euch und euren Lieben wünsche ich schöne Feiertage. Bleibt Gesund, habt Glück und genießt die Zeit.

    @Sebastian: bei uns auf Arbeit können professionell Nähte aufgetrennt und vielleicht auch Bakterien gewechselt werden. Wenn es dir ein Versuch wert ist, melde dich bei mir.

    Liebe Grüße J

  11. ErfolgsFan^^

    Frohe Weihnachten an die Crew vom Textilvergehen und allen Lesern hier. ?

  12. Dem Team ein “ Frohes Fest „!
    Danke für die Bekleidung durch das Jahr 2023!
    Ein „Gesundes 2024“!
    Grüße aus Köpenick
    Euer Jöhei

  13. Danke für das beständige Fenster in den Unionkosmos, mit besten Grüßen und Wünschen aus
    dem niederösterreichischen Exil. Stefan

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