Blog State of the Union

Rani Khedira kommt und verbreitert den Union-Kader auf zwei Positionen

Wirklich überraschend kam die gestrige Meldung nicht mehr: Rani Khedira wechselt zur neuen Saison ablösefrei von Augsburg zu Union. Damit ist der Transfer, über den wir vor etwa zwei Wochen schon einmal ausführlich berichtet hatten, realisiert worden. Wirklich viel Neues gibt es dazu allerdings auch nicht zu sagen.

Oliver Ruhnert kommentierte die Neuverpflichtung folgendermaßen:

​„Rani Khedira ist ein sehr erfahrener Bundesligaprofi im besten Fußballalter. Wir sind von seinen fußballerischen Fähigkeiten ebenso überzeugt wie von seiner Persönlichkeit. Einen Spieler dieser Qualität ablösefrei verpflichten zu können, ist für uns von großem Wert.“

Aus sportlicher Sicht wird es interessant zu sehen sein, ob Khedira sein durchaus vorhandenes Potenzial wieder mehr abruft als er das  mit den spielerisch selten überzeugenden Augsburgern in dieser Saison getan hat. Hinzu kommen natürlich die Auswirkungen auf den restlichen Union-Kader. Mit Khedira hätte Union und wenn alle anderen Spieler bleiben, nun fünf Stammplatz-Kandidaten für das zentrale Mittelfeld (außerdem: Gentner, Prömel, Andrich und auch Ingvartsen) sowie eine sehr verlässliche Alternative in Sebastian Griesbeck.

Update: Es kommt leider natürlich nicht überraschend, aber der Premier-League-Aufsteiger Norwich City beschäftigt sich mit Robert Andrich.

Anderseits könnte Khedira auch eine Innenverteidiger-Position in einer Dreierkette/Fünferkette übernehmen.

Die Situation im Union-Sturm

Zwar gibt es wie mittlerweile üblich noch keine offizielle Mitteilung zur Verletzung von Cedric Teuchert, aber es wäre schon sehr verwunderlich, wenn er in dieser Saison nochmal auflaufen könnte. Dagegen könnte Taiwo Awoniyi vielleicht beim nächsten Spiel in elf Tagen (8.Mai) in den Kader zurückkehren, wie die BZ schreibt. Darüber hinaus wird im Artikel noch einmal erwähnt, dass Union an einer Weiterverpflichtung Awoniyis interessiert sei.

Haben sowohl im Spiel als auch beim Jubeln gut miteinander harmoniert: Petar Musa und Joel Pohjanpalo, Foto: Matze Koch

Da Awoniyi jedoch vermutlich wenn überhaupt nur von der Bank kommen dürfte, könnten Joel Pohjanpalo und Petar Musa wie schon in der sehr erfolgreichen zweiten Halbzeit gegen Bremen das Sturmduo für die finalen Spielen bilden. Wenn ihr nochmal eine ausführliche Taktikanalyse zum Spiel vom Samstag lesen wollt, sei euch der Beitrag von Tobias Escher in der Deichstube empfohlen.

Anlässlich des Spiels gegen Werder Bremen hat der Weserkurier (vom Samstag) ein Interview mit Torsten Mattuschka geführt, in dem es aber vor allem um Werder und deren Situation geht.

Reaktion auf Dirk Zinglers Gastbeitrag über die Champions-League-Reform

Der von Union-Präsident in dessen Gastbeitrag in der Berliner Zeitung direkt kritisierte DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat sich zur Champions-League-Reform zu Wort gemeldet und viele Kritikpunkte zurückgewiesen. Unter anderem verteidigte er die Mehreinnahmen auch damit, dass so der Jugendfußball, der Frauenfußball, soziale Projekte und kleinere Nationalverbände durch die UEFA besser unterstützt werden könnten. Für mich bedient diese Argumentation die Mär von der Trickle-down-Theorie, wonach der Wohlstand der Reichsten auch positive Effekte für die schwächer Gestellten (innerhalb einer Gesellschaft/eines Systems) hätte und klingt für mich immer wie eine Ausrede, anstatt sich direkt für eine nachhaltigere und faire Umverteilung einzusetzen.

Wer noch einmal eine sehr umfangreiche Analyse zur gescheiterten Super League lesen will, in der die Motive, aber auch finanziellen Parameter der beteiligten Klubs ausführlich dargelegt werden, sollte sich folgenden Thread anschauen:

Und sonst so

Ein Thema, welches auch beim letzten Heimspiel durch ein Transpi auf der Gegengerade präsent war, beschäftigt natürlich auch den Berliner Fußballverband und dessen Präsidenten.

Tapete beim Spiel gegen Werder Bremen, Foto: Matze Koch

Bernd Schultz blickt angesichts der anhaltenden pandemischen Lage und der daraus resultierenden Einschränkungen mit Sorge auf den Amateur- und Jugendfußball.

 

9 Kommentare zu “Rani Khedira kommt und verbreitert den Union-Kader auf zwei Positionen

  1. Waschweib*r

    Kann mich der Verarsche des Herrn Koch nur anschließen. Solle er doch mal belegen wie der Amateursport bisher gefördert wurde und werden soll. Wie gehabt oder auch endlich eine Reform ( lt. Wiki eine planmäßige systematische Umstellung)!
    Ich kann nur nach dem Beschluss der UEFA entnehmen das ein da Verein 100 Mille mehr bekommt und der Rest von 100 Vereinen mit 1 Mille zufrieden sein muss. Kann natürlich eine gerechte Verteilung sein. Wichtig von welcher Seite man es betrachtet.

  2. Erstens: willkommen Rani!

    Zweitens: Trickle-Down Economics funktioniert nicht, dies wurde öfters auch wissenschaftlich mit Studien belegt

    Drittens: Fußball ist einer der sehr wenigen Wirtschaftszweige, wo einige kontinuierlich mit roten Zahlen das operationelle Geschäftsjahr angehen. Es ist auch einer der wenigen (der einzige?) wo Transfererlöse eine solch große Rolle spielen. Beide sind nicht nachhaltig. Wie man es löst, sollte eine Aufgabe für die EU sein

  3. Der Sepp

    Das wird jetzt natürlich ein bisschen politisch, aber in einem rein kapitalistischen System – und den Profifußball würde ich als sowas einstufen – dienen die Einnahmen denen, die sie “oben” einnehmen. Möglicherweise kommen auch “unten” davon ein paar Prozente an, aber diese gleichen nicht den Ertrag aus, welcher denen “da unten” aufgrund des Vorsprungs von denen “da oben” entgeht.
    Oder anders gesagt: Die Schere zwischen “oben” und “unten” wird größer und das Gefälle dazwischen dauerhaft zementiert.
    Wer Analogien zur “echten Welt” findet, darf diese sehr gerne verwenden. ;-)

    • Jo, genau und wie in der “echten Welt” ist niemand in der Lage oder Willens regulatorisch einzugreifen. Also kommt es wie es kommen muß, irgendwann platzt die Blase mit einem lauten Knall.

    • das “rein kapitalistische” System wird hier aber unterlaufen von einem Ligasystem mit Auf- und Abstiegen bzw den notwendigerweise zu erreichenden Tabellenplätzen für die Qualifikation zum jeweiligen Europapokal. Das ist eigentlich total unpassend für das durchexektuieren eines Wirtschaftsplans.

      Ohne diesen tatsächlich noch (mindestens zu Teilen) existierenden sportlichen Wettbewerb, der hier und da noch kleine Überraschungen erlaubt, wäre das Management von Profifussball fast dasselbe wie der Kampf der führenden Limo-Hersteller um die Marktanteile im Getränkeregal.
      (Wenn im Kapitalismus von “Wettbewerb” geredet wird, geht es ja meistens darum, dass die Ressourcen, die zur Mehrwerterbringung benötigt werden, auf Geld verzichten oder billiger werden damit die Besitzer/Bezahler dieser Ressourcen mehr Profit machen und ihre Machtposition derartig absichern, dass ein “Wettbewerb” gar nicht verloren gehen kann – wir haben also Wettbewerb und “Wettbewerb” zu unterscheiden ;-)

      Insofern ist der Profifussball eine etwas ulkige Chimäre zwischen der Sportphilosphie des 19 Jahrhunderts und dem radikalen Neoliberalismus des 21 Jahrhunderts. Die Fallhöhe birgt noch allerlei unterhaltsames – zumindest bis sich der “Wettbewerb” gänzlich durchgesetzt hat ;-)

  4. silberhacke

    ohne konsequent reformiertes denken und handeln des zuschauers/fans/kunden wird es keine wirkliche reform des profifußballs geben. es gibt schlicht keinerlei notwendigkeit, das system zu ändern, solange sich das produkt verkaufen lässt. wenn “unten” den stream kappt, sitzt “oben” auf dem trockenen. leere stadien sind scheinbar zu kompensieren, aber wenn keiner einschaltet, ist ende. eigentlich ganz simpel. man muss es nur auch machen, wenn die liebe zum sport nicht nur leeres gerede sein soll.

  5. honeypie

    Ein rein kapitalistisches System wäre es eigentlich wenn man betrachtet wieviel die Produktion eines Punktes bzw. Tabellenplatzes kostet – Kosten/Nutzen. Das Kernprodukt ist der Fußball – wenn ich mit weniger Investitionskosten mehr und besseres produziere als andere, hab ich theoretisch einen Wettbewerbsvorteil.
    Wir haben aber ein finanzkapitalistisches System – heißt ich kann die Blase nur aufrechterhalten in dem ich mit viel Geld immer mehr heiße Luft produziere und hineinblase damit diese nicht zusammenfällt. Und damit keiner ne Frage stellt wird die Mär verbreitet diese Blase wäre der Fußball den es zu erhalten gilt.
    Bei Schalke ist gerade die Luft raus. Und sie werden merken diese Blase kann man ohne weiteres mit einer Handpumpe füllen und auch dieser Ball rollt.

  6. Nur son’ Gedanke: Wer den Übergang vom Nachwuchs zu den Profis aus Kostengründen kappt, letztlich nur um mit den Großen spielen zu dürfen, ist meiner Meinung nach mental schon voll und ganz im so kritisierten Wettbewerb angekommen (-;

    Eisern!

  7. Martin Behnke

    Wird die (reaktionäre) Formel 1 dadurch attraktiver, dass nen Hamilton 20 % seines Einkommens an indische Boliden-Amazonen abführt ?

    Bei Olympia kann man irgendwie manchmal alles gucken… gehört sich so… Segeln, Bogenschützen… etc… dadurch aber nen Recht ableiten zu wollen, an Millionengagen zu kommen ? Ich kenn einen, der kann verdammt gut scrabbeln… hat aber das Pech, dass das nicht olympisch ist… kann der dann auf die Solidarität anderer hoffen ?

    Ich frage mich echt, ob es ein heutiger Fussballfan überhaupt wollen kann, dass es hier Reformen gibt.

    Konsquenz 1: Abspaltungstendenzen… Konsequenz II: Mittelabfluss an Pflichtzusubventionierende Sparten ?

    Hab ich als Zuschauer (oder eben für gewöhnlich “nicht-zuschauer”) auch nur einen von denen gezwungen, das zu tun was er tut ? Alter… ich will künftig mein Hobby als Arbeit bezahlt wissen ! Interessiert niemanden ? scheissegal ! Ich sortiere Briefmarken wie kein Zweiter (tu ich nicht, aber wärs so, dann würds doch niemanden interessieren)! Her mit der Kohle !

    Khedira… cool… fehlt noch der grosse Bruder zu Gentner-Konditionen ! (mehr geht nicht)… Ruhnert hatte das Hauptstadt-Bruderduell ja ausgeschlossen.

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