Blog State of the Union

Urs Fischer wagt sich aus der Deckung und spricht ganz offen von Europa: “Wenn du die Möglichkeit hast, dann musst du sie versuchen zu nutzen.”

Vielleicht heißt es in 50 Jahren beim Intro der Vereinshymne: „Es war an einem goldenen Abend im Mai, so erzählen es die Geschichtsbücher…“ Morgen wird der VfB Stuttgart erstmalig seit diesem 27. Mai 2019 wieder an der Alten Försterei zu Gast sein. Und auch wenn wir nicht ins Stadion können, sind die Erinnerungen natürlich gerade wieder sehr präsent. Vor allem wenn Union auf auf Twitter dazu aufruft, Bilder dieser Nacht zu teilen.

„Ich tippe 0:0. Das reicht ja heute“, sagte jemand nach den letzten Klängen der Hymne, aber noch vor dem Anpfiff. Gute zwei Stunden später als die – natürlich viel zu lange – Nachspielzeit vom vierten Offiziellen angezeigt wird, habe ich diese Worte wieder im Kopf. Gleichzeitig haben wir glaube ich in diesen Momente etwas Paradoxes erlebt. Alle haben gemeinsam jeden Ballgewinn, jede Grätsche, jeden Befreiungsschlag gefeiert wie es selbst an der Alten Försterei selten vorkommt.

Hat nicht nur ein äußerst legendären Anruf getätigt, sondern auch den letzten Stuttgarter Angriffsversuch vereitelt: Manuel Schmiedebach, Foto: Matze Koch

Wir waren eine eng verschworene Masse, die sich extrem nah war. Trotzdem war jede/r wohl auch mit sich selbst beschäftigt, war jede/r wohl etwas für sich und allein. Während der eine oder die andere wohl physisch als auch gedanklich auf den eigenen Fingernägeln kaute, waren meine Gedanken zugegebenermaßen noch ziemlich skeptisch. Nicht, dass ich es diesem Team nicht zugetraut hätte. Aber dit is halt Union. Eigentlich musste noch ein Tor auf der falschen Seite fallen. Eigentlich konnte es doch nicht wahr werden. Eigentlich musste es doch noch irgendwie schiefgehen. Ging es aber nicht.

Stattdessen bewahrheitete sich der für mich absolut tollkühne Tipp aus dem Off der Waldseite: 0:0. Aufstieg. In die erste fucking Bundesliga. Platzsturm. Weniger werdender Rasen, unzähliges Pyro-Rot, rundum glückliche Gesichter. Verschwommene Erinnerungen. „Die Zeit war nun gekommen…“

Vor knapp zwei Jahren ging es um viel. Um ganz viel. Zwar wird das Spiel morgen noch nicht entscheidend sein. Jedoch ist es schon richtungsweisend, da Stuttgart nur einen Punkt hinter Union liegt. Die Zeit könnte also gewissermaßen wieder gekommen sein, wenn man Urs Fischer auf der gestrigen Pressekonferenz gehört hat. Unions Trainer hat sich nämlich überraschend aus der Deckung gewagt und ganz offen von Europa gesprochen.

„Wir stehen dort oben und wollen so viele Punkte wie möglich holen, um dort oben zu bleiben. Dann ist es ja logisch, dass du entsprechend die Plätze angreifen willst, die zum internationalen Geschäft führen.“

Auch wenn meine Euphorie in Hinsicht auf Europa wie erwähnt noch ausbaufähig ist halte ich es mit Sebastians Reiseplänen und natürlich auch mit Urs Fischer, der gestern noch sagte:

„Wenn du die Möglichkeit hast, dann musst du sie versuchen zu nutzen.“

Ganz nebenbei wäre es aber auch mal die Zeit gekommen, den VfB Stuttgart erstmalig richtig zu besiegen. Denn auch wenn die zwei Unentschieden aus dem Mai 2019 für Unions bisher wohl größten Sieg der Vereinsgeschichte sorgten, hat Union noch nie gegen Stuttgart (vier Unentschieden, eine Niederlage) gewinnen können.

Oliver Ruhnert bei Vorgelegt

Auch Oliver Ruhnert hat gemeinsam mit Christian Arbeit noch einmal in Erinnerungen an diesen Mai-Abend geschwelgt und gleichzeitig die veränderten Rahmenbedingungen angesprochen:

„Trotzdem wird man am Samstag nochmal den Unterschied ganz krass sehen, wenn man die leere AF sieht. Im Vergleich was damals hier los war. Das war Gänsehaut pur. Unvergessen.“

Außerdem hat er bei “Vorgelegt” mit einem Augenzwinkern erklärt, dass er sein Hauptbetätigungsfeld weder als Politiker noch als Bundesligamanager sieht und für ihn der Schiedsrichter-Job seine primäre Tätigkeit ist. Da er diese jedoch gerade nicht wie sonst nachgehen könne, habe er nun glücklicherweise mehr Zeit sich intensiver mit Union und den Planungen für die kommende Saison zu beschäftigen.

Dabei schaut Ruhnert mit sehr viel Realismus und Pragmatismus auf die nächste Spielzeit. Wieder soll ein Team auf die Beine gestellt werden, was es ermöglicht, auch ein viertes Jahr Bundesliga zu spielen. „Wir wollen immer eine Mannschaft zusammenstellen, die in jedem Spiel in der Lage ist, möglicherweise dieses Spiel zu gewinnen.“

Weitere Medienberichte über Union

Nach Union-Legende Tom Persich könnte eine Tribüne benannt werden

Nach einer Union-Abwehrlegende könnte eine Tribüne in Schöneiche benannt werden. Tom Persich, der über Jahre hinweg eine Konstante in der Union-Defensive war und vom erstmaligen Aufstieg in die Zweite Bundesliga über DFB-Pokalfinal,- als auch UEFA-Cup-Teilnahme bis hin zum Absturz in die vierte Liga alles mitgemacht hat, beendete seine Karriere beim SV Germania Schöneiche. Nun ist der Name des „Keilers“, der nach seiner aktiven Zeit auch noch Trainer bei Schöneiche war, unter den Vorschlägen für die neue, überdachte Tribüne.

Ein weiterer von insgesamt derzeit fünf konkreten Vorschlägen für die Tribüne ist der Name Max Dittrich. Dittrich lebte in Schöneiche und war zu NS-Zeiten ein Widerstandskämpfer, der mehrere Menschen vor deren bevorstehenden Deportationen warnte.

Und sonst so

Nach mehreren Corona-Fällen im Team von Hertha BSC muss nun die gesamte Mannschaft in eine vierzehntägige Quarantäne. Damit wird Hertha die anstehenden Partien (Mainz, Freiburg, Schalke) in der kommenden englischen Woche nicht bestreiten können. Auch wenn ich ansonsten Häme gegenüber den Charlottenburgern nicht unbedingt abgeneigt bin und gerne über einige Eskapaden lache, wäre es schon äußerst bitter und tragisch, wenn dies nun der Hauptgrund für den möglichen Abstieg sein sollte. So abzusteigen hat niemand verdient.

Die Gemengelage zeigt darüber hinaus aber auch ein weiteres Mal ganz deutlich, wie unwahrscheinlich ein reguläres Beenden der Saison mit planmäßigen Durchführen aller Spiele im straff getakteten Terminkalender von vornherein war. Es ist leider angesichts des Infektionsgeschehens nicht ganz unwahrscheinlich, dass es auch in der Bundesliga (in der zweiten Bundesliga gibt es ja schon einige mehr) zu weiteren Spielabsagen kommt.

Ich hatte vor kurzem schon einmal darüber berichtet, dass US-Investoren sich vorstellen können bei Bundesliga-Vereinen einzusteigen. Nun wird ein US-Investor im großen Stil beim FC Augsburg einsteigen. Die Fans sehen den Eigentümer-Wechsel wenig überraschend kritisch.

Im NDR2-Bundesligashow-Podcast geht es um Beschimpfungen und den Hass, dem Frauen im Fußball vor allem im Internet immer wieder ausgesetzt sind. Neben der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist auch Stephanie Bacyzk dabei, die oft über Union berichtet bzw. Spiele kommentiert.

Zwei völlig unterschiedliche Szenen, die zumindest mich sehr zum Lachen gebracht haben, möchte ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten.

Nachdem Robin Gosens von Atalanta Bergamo darüber berichtet hatte, dass Cristiano Ronaldo nicht sein Trikot mit ihm tauschen wollte, hat ihm sein Teamkollege Hans Hateboer ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Interessanterweise soll das Trikot wohl zudem nicht über offizielle Kanäle gekauft worden sein. Juventus bzw. Ronaldo dürften somit also kein Geld daran verdient haben.

Beim EM-Qualifikationsspiel der nordirischen Frauen mit der Ukraine (2:0) kam es zudem zu einer sehr klaren und auch amüsanten roten Karte.

Tippen nicht vergessen

 

5 Kommentare zu “Urs Fischer wagt sich aus der Deckung und spricht ganz offen von Europa: “Wenn du die Möglichkeit hast, dann musst du sie versuchen zu nutzen.”

  1. ExWuschel

    Was an der Augsburg-Causa noch extra brisant ist, wird im verlinkten Artikel erwähnt: Die Anteile wurden im Februar verkauft, und der Verein hat das bis heute nicht kommuniziert – das mussten Fans im Handelsregister nachschlagen! Das Gegenteil von vertrauenserweckend.

  2. […]Wieder soll ein Team auf die Beine gestellt werden, was es ermöglicht, auch ein viertes Jahr Bundesliga zu spielen.[…]
    Also so cool ein 4. Jahr auch wäre, wäre es nicht besser, erstmal für das 3. Jahr zu planen?! 🙃
    Oder werden Spieler jetzt per se für 2 Jahre verpflichtet und die Kristallkugel hat schon einen sicheren Klassenerhalt für nächste Saison vorhergesagt? 😉🤭

    Toller Blog übrigens. Und mit Podcasts habe ich jetzt auch begonnen. 😀

    • Felix Morgenstern

      Hallo Johanna, zunächst vielen Dank für das Lob! :)

      Oliver Ruhnert meinte, dass die Mannschaft so aufgestellt werden soll, dass sie auch in der kommenden Saison den Klassenerhalt schafft und damit auch ein viertes Jahr in Folge Bundesliga spielen kann.

  3. Achso. 🙂 Hab den Beitrag noch nicht gehört. Homeschooling und Homeoffice lassen erst am Wochenende mehr Zeit.
    Aber dann war das Augenzwinkern ja gar nicht so verkehrt gedacht. 😀
    Und das Vorhaben hört sich sinnvoll an. Gäbe ja auch mehr Planungssicherheit.
    ‘In Oli wie trust’ 🙂

  4. […] an der Alten Försterei gegen den VfB Stuttgart in die Bundesliga aufgestiegen. Und wie Felix hier gestern schon geschrieben hat, war das für alle Unioner:innen, die das Glück hatten, dabei im Stadion […]

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