Die Familien-Mitgliedschaft für Kinder als Antwort auf die Regeln zum Dauerkartenverkauf ab nächster Saison

Heute Abend um 19 Uhr ist die Mitgliederversammlung von Union, die mal wieder in der Ballspielhalle statt in der Haupttribüne stattfindet. Vom Verein gibt es den Hinweis, es lieber nicht mit dem Auto zu versuchen, da keine Parkplätze zur Verfügung stehen. Ich tue mich schwer, wirklich strategisch wichtige Themen zu finden, die heute diskutiert oder entschieden werden. Das wichtigste für den Verein ist klar: Das sportliche Ziel Bundesliga-Aufstieg soll erreicht werden und mit dem Bau des Nachwuchsleistungszentrums, des Clubhauses und des Stadionausbaus sind strategische Entscheidungen getroffen wurden, die Union für die nächsten 10 Jahre entscheidend prägen werden.

Irritierenderweise nimmt die Berliner Zeitung/Kurier das Thema der de-facto-Kopplung der Mitgliedschaft an die Dauerkartenvergabe ab der nächsten Saison auf, obwohl das erstens weder neu ist und zweitens ausgiebig und emotional im Sommer diskutiert wurde. Für viel Irritierung hatte damals gesorgt, dass das auch für Dauerkarten für Kinder gelten soll. Und genau hier setzt ein Antrag für die Änderung der Beitragsordnung an: Es soll eine Familienmitgliedschaft für Kinder von 0-12 Jahren geben, so dass Kinder nicht mehr den üblichen Monatsbeitrag von 5 Euro (6-17 Jahre) oder 3,50 Euro (0-5 Jahre) zahlen, sondern stattdessen 1 Euro pro Monat.

Screenshot: Antrag auf Änderung der Beitragsordnung

Ich finde schon das eine Erleichterung. Aber schon die bisherige Beitragsordnung bietet und wird auch in Zukunft Erleichterungen für diejenigen bieten, die sich den Beitrag von 10 Euro/Monat nicht leisten können. Zum einen gibt es weiter die Ermäßigung (Monatsbeitrag von 5 Euro) für folgende Gruppe: Arbeitslose, Rentner, Schüler, Auszubildende, Studenten und Schwerbehinderte.

Und dann gibt es einen schon seit langem einen Absatz, der sich denjenigen widmet, für die selbst dieser Beitrag zu viel ist und sich besonderen Härten widmet, die uns allen einmal widerfahren können:

Arbeitslose, Rentner, Schüler (ab 13 Jahre), Auszubildende, Studenten und Schwerbehinderte dürfen ihren Mitgliedsbeitrag auch in Form von gemeinnütziger
Arbeit für den Verein erbringen. Über die Art und den Umfang der gemeinnützigen Vereinsarbeit entscheidet das Präsidium des 1. FC Union Berlin e. V. auf Antrag. Die
Erbringung von Mitgliedsbeiträgen in Form von gemeinnütziger Vereinsarbeit ist aufein Geschäftsjahr begrenzt.

Dass es in Zeiten begrenzter Kapazitäten irgendeine Lösung des Vereins für die Kartenvergabe geben musste, ist völlig klar. Und dass Dirk Zingler zum (auch wirtschaftlichen) Wohle des Vereins entscheidet und den Rabatt streicht und einen weiteren Anreiz für die Mitgliedschaft (und damit auch für Mehreinnahmen des Vereins) setzt, ist nachvollziehbar. Dass das so dargestellt wird, als würden per se Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen oder Familien abgedrängt, stimmt nicht und ich hoffe, dass ich das hier darlegen konnte. All das erwähnen Berliner Zeitung/Kurier nicht, weshalb das bei mir wie billige Stimmungsmache ankommt.

In dem Zusammenhang: Mein Vater gehört übrigens zu der Sorte Menschen, die mir in dem Moment, in dem Union bekannt gibt, dass ein Spiel ausverkauft ist, sagen: “Ich gehe übrigens zum Spiel gegen Darmstadt. Holst du mir bitte eine Karte?” Als ob diese ganze Diskussion um den Ticketverkauf und die mittlerweile lange Vorausplanung eines Spielbesuches nie stattgefunden hätte! Er möchte jedenfalls am Freitag mit mir zum Spiel gegen Darmstadt gehen. Und dank Ticketzweitmarkt (man muss halt die Nerven bewahren und darauf setzen, dass die Leute ein paar Tage vor einem Spiel merken, dass sie nicht gehen können) konnte ich ihm gestern eine Karte kaufen.

Das System läuft aus meiner Sicht sehr reibungslos (auch wenn Tickets als noch verfügbar dargestellt werden, wenn sie jemand schon in den Warenkorb gelegt, aber noch nicht bezahlt hat). Aber insgesamt tut es genau das, was es soll: Tickets, die nicht wahrgenommen werden können, denjenigen zur Verfügung stellen, ohne dass sich Drittplattformen, die nichts mit der Veranstaltung und den kosten ihrer Durchführung zu tun haben, daran bereichern können.

Und was ist sportlich so los bei Union?

Dazu gibt es um 13.30 Uhr die Pressekonferenz vor der Partie gegen Darmstadt (live auf AFTV).

Vielleicht lässt Jens Keller blicken, ob Atsuto Uchida wirklich eine Option für den Kader ist, wie die BZ anhand seines Trainingseinsatzes vermutet. Die Bild schreibt über Marcel Hartel, dessen Karriere einen unglaublichen Schub in den letzten Monaten erhalten hat.

Beim Gegner ist totale Depression angesagt. Ich habe mir die letzte Episode des Hoch-und-weit-Podcasts über die Niederlage gegen Sandhausen angehört, die ungefähr 1 Stunde ein Wehklagen gepaart mit Galgenhumor und Trainerdiskussion war. Als sie dann ihre Tipps für die Partie am Freitag bei Union abgaben, war es nur noch Verzweiflung pur. Hört mal selbst ab hier rein.

Wenn ihr lieber etwas über Darmstadt lesen und nicht hören wollt, dann empfehle ich euch den Kickschuh-Blog, der ebenso verzweifelt klingt. Außerdem hat Hans-Martin aus unserem Podcast-Team ein paar Fragen zu Union beantwortet.

Vom Fahrsicherheitstraining am Montag gibt es ein kurzes 360-Grad-Video, bei dem ich am witzigsten fand, wie Cihan Kahraman zugab, dass er keine Ahnung hatte, wie das mit den Instagram-Storys funktioniert.

14 Gedanken zu „Die Familien-Mitgliedschaft für Kinder als Antwort auf die Regeln zum Dauerkartenverkauf ab nächster Saison

  1. Themen, die man auf der MV diskutieren könnte, wären z.B. die zukünftig extrem steigende Schuldenquote von Union, die Personalie Lorenz, entfernt sich Union immer weiter von seinem “Markenkern”, ist das geplante Stadion nicht deutlich zu groß usw….

  2. Das Thema Ticket-Zweitmarkt ist zunächst aus meiner Sicht ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung (auch gg. den Schwarzmarkt). Denn wenn gesagt wird, man könne dort sein Ticket anbieten, falls man es selbst nicht ins Stadion schafft, ist das nicht ganz richtig. Man kann nur seine DK anbieten!
    Mitglieder sind teilweise – wie oben gut beschrieben – schon sehr früh gezwungen sich eine Karte zu kaufen, weil sie sonst ggf. leer ausgehen, obwohl manchmal (Bsp.: Dresden) nicht einmal feststeht wann eine Partie ausgetragen wird. Nun stehst du da mit deinem Mitglieder-Ticket und musst es verkaufen, wenn der Termin nicht passt. Im Zweifel sogar an ein Nichtmitglied, welches mit der Karte theoretisch nicht einmal ins Stadion dürfte. Soweit ich weiß kann ich mein Mitgliederticket nicht upgraden. Hier wünsche ich mir mehr Flexibilität.

  3. @andy Man kann die Tickets aufwerten. Hier der Passus aus den Ticket-AGBs: “4.4 Aufwertung: Für die Weitergabe von ermäßigten Tickets gelten die Regelungen in Ziffer 9 mit der zusätzlichen Maßgabe, dass eine Weitergabe nur möglich ist, wenn der neue Ticketinhaber die Ermäßigungsvoraussetzungen des betroffenen Tickets ebenfalls erfüllt, es sei denn, der neue Ticketinhaber zahlt vor Zutritt zum Stadion als Aufpreis die Differenz zwischen dem ermäßigten Ticket und einem entsprechenden Tagesticket am jeweiligen Spieltag („Aufwertung“). Für die Aufwertung eines Tickets kann vom Club eine Bearbeitungsgebühr nach der jeweils gültigen Preisliste des Clubs erhoben werden.”

  4. Aha. Das wusste ich gar nicht. Danke Sebastian. Bedeutet am Ende ggf. Mehrkosten und Rennerei aber gut zu wissen. Man kann ja trotzdem über den Verkauf von (Mitglieder)Karten im Ticket-Zweitmarkt, welche keine DK sind, nachdenken oder? Ich weiß auch nicht, ob man bspw. PayPal sagen kann ziehe mir jetzt nur die Aufwertungsdifferenz vom Konto ab aber unter dem Strich wäre das viel weniger Aufwand auf Dauer für alle Beteiligten (Gruß an die Buchhälter ;o).

    Ich muss mich ja auch im Vorfeld entscheiden: finde ich ein Mitglied für meine Karte oder werte ich das Ticket auf und verkaufe es anschließend? Verspricht mir im zuvor oder am Ende auch keiner…

  5. @andy Ich würde die Aufwertung der Person überlassen, die das Ticket haben will. Die kann rechtzeitig vor dem Spiel zur Sonderkasse gehen und die Aufwertung unbürokratisch vornehmen. Keine extra Rennerei nötig.

  6. Ich wie mir wünschen, dass Seb nicht einfach Zeitungen in Sippenhaft nimmt – egal wie berechtigt – sondern Autoren in den Zeitungen. So viel müsste er differenziere können. Er hat da ja auch mal gearbeitet.

  7. @Bunkinho,

    wozu gibt es denn eine Chefredaktion bzw. einen Chefredakteur in einer Zeitung? Der Autor in einer Redaktion ist doch größtenteils weisungsgebunden, oder sehe ich das falsch?

  8. “Weisungsgebunden” ist vielleicht nicht ganz der richtige Begriff. Ich meinte, dass kein Artikel erscheint, der nicht durch die Zeitung/Chefredaktion getragen wird und damit nicht nur der Autor für die Zeilen verantwortlich ist. Außerdem vermute ich, dass es eine grobe Themenvorgabe für den Redakteur gibt.

  9. Ersetze Chefredaktion in den vorherigen Beiträgen durch Ressortleitung. Passt es dann besser?

  10. @musiclover Es ist schon alles etwas komplexer. Ein normaler Ablauf bei einer gedruckten Zeitung wäre folgendermaßen: Am Abend vorher oder spätestens am Morgen schicken die Reporter Themenvorschläge. Damit geht ein Ressortleiter in die Themenkonferenz, wo er erfährt, wie viel Platz er hat. Dann entscheidet er welche der vorgeschlagenen Geschichten wieviel Platz bekommt. Die Artikel werden geschrieben, gegengelesen und Überschriften dafür gemacht. Fertig. Dass es im Sport harte Geschichten gibt, die eine juristische Freigabe brauchen, kommt eher selten vor. Das wäre aber dann der Punkt, an dem sich die Chefredaktion dafür interessieren würde (Beispiel: Hertha-Lolita). Weil die überlegt, was vorne auf den Titel kommt. Online habe ich mal hier rausgelassen, weil das für deine Frage im Prinzip keine große Rolle spielt.

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