Union muss nach dieser Saison eine wichtige Frage beantworten

Es gibt auch einen Vorteil, dass bei Union vor dem Spiel weder Spieler noch Trainer (André Hofschneider muss allerdings bei der Pressekonferenz am Donnerstag auftreten) reden wollen und geheime Trainings veranstalten. So bekommen wir nämlich Geschichten, die sich auch mit dem Drumherum bei Union befassen, die normalerweise nicht so beleuchtet werden. So berichten Bild/BZ heute davon, dass der gerade erst zu dieser Saison verpflichtete Chef-Scout Oliver Ruhnert vielleicht schon wieder vor dem Abgang steht. Keine Ahnung, was da dran ist. Aber sollte das so sein, wirft das erneut kein gutes Bild auf die sportliche Leitung. Sicher gibt es bei Wolfsburg mehr Geld und andere Ressourcen und dafür können weder Sportgeschäftsführer Lutz Munack noch Helmut Schulte als Leiter der Lizenzspielerabteilung etwas.

Präsident Dirk Zingler und Sportgeschäftsführer Lutz Munack beim Training am 03.04. 2018, Foto: Matze Koch

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Kein Konzeptalbum.

Der Berliner Publizist Frank Willmann hat nach seinen fußballhistorischen Büchern mit „Zonenfußball“ jetzt eine Sammlung von Kurzgeschichten und Essays herausgegeben. Eine Vielzahl von Autoren, darunter namhafte Berliner Schriftsteller wie Torsten Schulz, Ahne, Andreas Gläser, Jochen Schmidt und Uli Hannemann bearbeitet den Fußball zwischen Greifswald und Aue. Der spielt in den Biografien der Protagonisten freiwillig oder unfreiwillig, geliebt oder verachtet, eine Schlüsselrolle. Manchmal entsteht dabei Literatur, manchmal nicht.

Der Berliner Autor Frank Willmann

Der Titel ist an Jana Hensels „Zonenkinder“ angelehnt. Etwas sperrig ist er geraten, und ohne Google- oder Geografiekenntnisse erschließt er sich nicht. Willmann hat, den ganzen Osten abdeckend, Autoren gesucht, die sich zu verschiedenen Facetten des Fußballs äußern. Anknüpfungspunkt aller Texte sollte „die Zone“ sein. Entstanden ist daraus ein Buch, welches zwar verschiedene Sichtweisen auf Fußball und ein breites Themenspektrum mit sich bringt. Das spezifisch ostdeutsche Moment bleibt dabei eher im Hintergrund. Die Texte sind keineswegs auf die Vorwendezeit fixiert und orientieren sich räumlich bis in die Ukraine. Zudem wird recht schnell deutlich, dass den FSV Zwickau und Rot-Weiss-Essen mehr verbindet als trennt und eine Auswärtsfahrt nach Dresden eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt, egal, ob man aus Berlin oder Braunschweig anreist.

Es ist die Verknüpfung von Fußball und Alltag, zumeist aus der Fan-Perspektive geschildert, die das Buch zusammenhält. Fußball ist dabei oft Mittel zum Zweck und Ausdruck eines Konflikts. Erwachsene Männer, die ihre einstigen Jugendidole kritisch beäugen. Jungs-Mädchen-Geschichten und Jungs-Jungs-Geschichten. Alkohol, Rebellion, Abgrenzung. Es sind solche stets wiederkehrenden gesellschaftlichen Muster, die den eigentlichen Schwerpunkt des Buches bilden. Besonders deutlich wird das, wenn Frank Willmann erklärt, wie die beiden Ultra-Texte in das Buch gelangt sind. „Es gibt unglaublich viele Leute, die gar nicht wissen, was es heißt, Ultra zu sein. Dass das letztlich eine Jugendkultur ist, die ihre Berechtigung hat, wie jede andere auch, steht für mich außer Frage. Deswegen finde ich es wichtig, dass man das erzählt und ein Angebot macht, es verstehen zu können. Dass in drei Jahren die meisten von ihnen Familienväter oder bei der Bundeswehr oder sonstwo sind – das war früher auch nicht anders. Die Fußballszene ist immer gleich geblieben.“

Die Vielfalt der Themen war ihm wichtig, betont Willmann. So wichtig, dass er Abstriche in der Qualität dafür hingenommen hat. So treffen denn fiktive Geschichten auf real Erlebtes, Konkretes auf Abstraktes, und sprachgewaltige Erzähler stehen Autoren gegenüber, die zwar eine gute Geschichte haben, sie aber kaum in Worte fassen können. Durchbrochen wird der Band von einer feuilletonistischen Betrachtung zur Geschichte des DDR-Fußballs. Er schließt mit einem Statistik-Teil. Der Leser findet sich nur mühsam darin zurecht, und einige Texte sind schwer lesbar. Andererseits sind echte Perlen enthalten, wie etwa Uli Hannemanns „Auswärtsspiel im Tal der Tränen“ oder Jochen Schmidts Gedanken zu Martin Pieckenhagen. Man dürfe das nicht linear lesen, meint Willmann. „Es ist eine Anthologie, kein Konzeptalbum.“

Das Buch „Zonenfußball“ von Frank Willmann ist beim Verlag Neues Leben in der Eulenspiegel Verlagsgruppe erschienen. Es kostet EUR 16,95. Die Termine für der Lesetour zum Buch werden auf www.eulenspiegel-verlag.de veröffentlicht.

Wir verlosen das Rezensionsexemplar. Einfach bis 10. September 20 Uhr hier und/oder bei Facebook einen Kommentar hinterlassen. Danach wird ausgelost. Rechtswege gibt es bei uns natürlich nicht.

“Weil er ein Verrückter ist.”

“Weil er ein Verrückter ist” ist eine bemerkenswerte Begründung dafür, warum jemand in einem Buch, das einen Ausschnitt aus der Berliner Sportgeschichte thematisiert, zu Wort kommt. Frank Willmann sagt das so, und zwar über seinen Journalistenkollegen Mathias Bunkus. Willmann hat zusammen mit Jörn Luther die Neuauflage des Union-Kompendiums “Eisern Union!” geschrieben, und beide lassen darin vor allem die Anhänger des Vereins zu Wort kommen, um ein vielschichtiges Bild des 1.FC Union Berlin und seiner Geschichte zu zeichnen, die auch ein gutes Stück weit Berliner Geschichte ist.

Willmann/Luther fassen den Begriff “Fan” dabei weit. Fans sind für sie auch, aber nicht nur die Frauen und Männer mit den Schals auf Gegengerade, Wuhleseite und Haupttribüne, sondern alle, die den Verein aus Überzeugung und mit Enthusiasmus begleiten. Weil das nicht an Ämter oder Berufe geknüpft ist, finden sich hier so unterschiedliche Gesprächspartner wie eben Mathias Bunkus (Sportjournalist), Dirk Zingler (Vereinspräsident), das Wuhlesyndikat (Ultragruppierung), Wolfgang Matthies (der ehemalige Torhüter trägt den Ehrentitel “Wertvollster Unionspieler aller Zeiten”) und Frieder Lau (Fan seit 1976, Vereinsmitglied seit 1993) sowie Texte des Schriftstellers Torsten Schulz. Fansein ist ferner nicht mit kritiklosem Bejubeln gleichzusetzen. Dadurch ist das Buch, anders als man erwarten könnte, eben kein Fanbuch geworden, sondern in der Hauptsache eine Dokumentation.

Seit der ersten Auflage sind inzwischen 10 Jahre vergangen. Der in der Zwischenzeit erfolgte Stadionumbau und der letzte Aufstieg in die zweite Bundesliga erleichtern einem Verlag die Entscheidungsfindung zugunsten eines Buches ganz erheblich, und so hat sich der Verlag BasisDruck gemeinsam mit den beiden Autoren auf eine Überarbeitung eingelassen. Über die beiden genannten Themen hinaus sind Fehler korrigiert und Schwerpunkte verändert worden, vor allem aber ist neues Bildmaterial hinzu gekommen.

Es ist den Autoren gelungen, ein sachliches, informatives und doch nie langweiliges Buch zu schreiben. Es wird dem eigenen Anspruch gerecht, “Union für jemanden verständlich zu machen, der das alles nur aus dem Radio oder Fernsehen kennt” (Chris Deutschländer, Autor des Vorworts, anlässlich der Buchvorstellung). Es ist darüber hinaus aber auch ein Nachschlagewerk für Unionfans und alle, die sich mit dem Berliner Fußball beschäftigen.

Das Buch ist heute im BasisDruckVerlag GmbH erschienen und kostet 24,80 EUR.