Kein Konzeptalbum.

Der Berliner Publizist Frank Willmann hat nach seinen fußballhistorischen Büchern mit „Zonenfußball“ jetzt eine Sammlung von Kurzgeschichten und Essays herausgegeben. Eine Vielzahl von Autoren, darunter namhafte Berliner Schriftsteller wie Torsten Schulz, Ahne, Andreas Gläser, Jochen Schmidt und Uli Hannemann bearbeitet den Fußball zwischen Greifswald und Aue. Der spielt in den Biografien der Protagonisten freiwillig oder unfreiwillig, geliebt oder verachtet, eine Schlüsselrolle. Manchmal entsteht dabei Literatur, manchmal nicht.

Der Berliner Autor Frank Willmann

Der Titel ist an Jana Hensels „Zonenkinder“ angelehnt. Etwas sperrig ist er geraten, und ohne Google- oder Geografiekenntnisse erschließt er sich nicht. Willmann hat, den ganzen Osten abdeckend, Autoren gesucht, die sich zu verschiedenen Facetten des Fußballs äußern. Anknüpfungspunkt aller Texte sollte „die Zone“ sein. Entstanden ist daraus ein Buch, welches zwar verschiedene Sichtweisen auf Fußball und ein breites Themenspektrum mit sich bringt. Das spezifisch ostdeutsche Moment bleibt dabei eher im Hintergrund. Die Texte sind keineswegs auf die Vorwendezeit fixiert und orientieren sich räumlich bis in die Ukraine. Zudem wird recht schnell deutlich, dass den FSV Zwickau und Rot-Weiss-Essen mehr verbindet als trennt und eine Auswärtsfahrt nach Dresden eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt, egal, ob man aus Berlin oder Braunschweig anreist.

Es ist die Verknüpfung von Fußball und Alltag, zumeist aus der Fan-Perspektive geschildert, die das Buch zusammenhält. Fußball ist dabei oft Mittel zum Zweck und Ausdruck eines Konflikts. Erwachsene Männer, die ihre einstigen Jugendidole kritisch beäugen. Jungs-Mädchen-Geschichten und Jungs-Jungs-Geschichten. Alkohol, Rebellion, Abgrenzung. Es sind solche stets wiederkehrenden gesellschaftlichen Muster, die den eigentlichen Schwerpunkt des Buches bilden. Besonders deutlich wird das, wenn Frank Willmann erklärt, wie die beiden Ultra-Texte in das Buch gelangt sind. „Es gibt unglaublich viele Leute, die gar nicht wissen, was es heißt, Ultra zu sein. Dass das letztlich eine Jugendkultur ist, die ihre Berechtigung hat, wie jede andere auch, steht für mich außer Frage. Deswegen finde ich es wichtig, dass man das erzählt und ein Angebot macht, es verstehen zu können. Dass in drei Jahren die meisten von ihnen Familienväter oder bei der Bundeswehr oder sonstwo sind – das war früher auch nicht anders. Die Fußballszene ist immer gleich geblieben.“

Die Vielfalt der Themen war ihm wichtig, betont Willmann. So wichtig, dass er Abstriche in der Qualität dafür hingenommen hat. So treffen denn fiktive Geschichten auf real Erlebtes, Konkretes auf Abstraktes, und sprachgewaltige Erzähler stehen Autoren gegenüber, die zwar eine gute Geschichte haben, sie aber kaum in Worte fassen können. Durchbrochen wird der Band von einer feuilletonistischen Betrachtung zur Geschichte des DDR-Fußballs. Er schließt mit einem Statistik-Teil. Der Leser findet sich nur mühsam darin zurecht, und einige Texte sind schwer lesbar. Andererseits sind echte Perlen enthalten, wie etwa Uli Hannemanns „Auswärtsspiel im Tal der Tränen“ oder Jochen Schmidts Gedanken zu Martin Pieckenhagen. Man dürfe das nicht linear lesen, meint Willmann. „Es ist eine Anthologie, kein Konzeptalbum.“

Das Buch „Zonenfußball“ von Frank Willmann ist beim Verlag Neues Leben in der Eulenspiegel Verlagsgruppe erschienen. Es kostet EUR 16,95. Die Termine für der Lesetour zum Buch werden auf www.eulenspiegel-verlag.de veröffentlicht.

Wir verlosen das Rezensionsexemplar. Einfach bis 10. September 20 Uhr hier und/oder bei Facebook einen Kommentar hinterlassen. Danach wird ausgelost. Rechtswege gibt es bei uns natürlich nicht.

18 Gedanken zu „Kein Konzeptalbum.

  1. Zu gerne möchte ich natürlich wissen, was den FSV Zwickau und Rot-Weiss-Essen verbindet. Aber, das muß nicht sofort sein. Vielleicht ja ein Buch für den Wunschzettel.

  2. @Uwe Auf die Gefahr hin, Dich fürchterlich zu enttäuschen: Rot-Weiss Essen kommt in dem Buch nicht vor, das war ein von mir gewähltes Vergleichsbeispiel (eben, weil es nicht vorkommt und aber müsste). Zusammengetragen werden Fußballgeschichten, von denen viele die Fankultur in den unteren Ligen betreffen. “Untere Ligen” meine ich gar nicht despektierlich, sondern als Gegenstück zu den Premiumprodukten und dem Fernsehfußball. Es war ganz sicher nicht die Absicht des Herausgebers, aber ich sehe auf einem bestimmten fußballerischen Niveau einen angenehmen Ost-West-Gleichklang, der es mir ermöglicht, auch in hessischen Dörfern an Zäunen zu lehnen, die Fußballfelder begrenzen.

  3. Das wäre für nen Neu-Unioner und Alt-Wessi wie mich natürlich schon interessant. So quasi zur Vervollständigung des inzwischen durch persönliche Gespräche angesammelten “(Halb-)Wissens”. ;)

  4. Pingback: Brandenburger Blogs im Wikio-Ranking September 2011 – Von Stefan Stahlbaum

  5. Freilich wird jeder das Buch aus seiner Perspektive lesen. Wer, wie ich, ab 1979 praktisch abgeschnitten war vom “Zonenfussball”, wird einiges neues entdecken koennen, ebenso mein Vorredner. Dass die literarische Qualitaet einiger Texte eher zu wuenschen uebrig laesst, sollte man bei vorhandener Authentizitaet verschmerzen koennen.
    Man muss immer wieder den deutschen Buchmarkt bewundern, was da alles auch an Randthemen beackert wird, ist bemerkenswert. Die Leute lesen, und das ist auch gut so.

  6. .. „Einmal Unioner, …….immer Unioner!“
    ( Erinnerungen an alte Zeiten !! )
    Der Krieg ist aus! 1945 war endlich dieser grausame 2.Weltkrieg zu Ende! Jeder fragte sich was nun?
    Keiner wusste was kommt! Wie es weitergehen sollte, aber es ging weiter ! Kinder wie die Zeit vergeht… oder heißt es vielleicht besser: Kinder wie schnell ist meine Zeit (meine Fußball-Zeit) vergangen ?
    Ich habe nämlich mit dem „ BVB -Meister-Trainer Jürgen Klopp an einem Tag Geburtstag, bloß „Kloppi“
    ist 31 Jahre jünger als ich! Ach so. und nicht nur neben bei bemerkt Jürgen! Zur Deutschen Meisterschaft 2011 mit dem BVB erst einmal„ meinen herzlichsten Glückwunsch“ ! Aber beginnen wir von vorne!
    Gleich nach dem Kriegsende 1945 haben die amerikanischen Besatzungssoldaten irgendwo in Berlin angefangen „Soccer“ zu spielen. Ich glaube auf dem Maifeld war’s? Ein Nebenplatz im Olympia-Stadion. Der Fußball lebte also wieder, trotzdem Berlin durch die Bombardierung nur noch ein Trümmerhaufen war !
    Uns Deutschen waren ja Versammlungen jeder Art und Vereinsbildungen erst einmal verboten worden!
    Erst im Herbst 1946 wurde in Berlin die STADTLIGA 1946/47 gegründet ,u.a. mit der
    SG Charlottenburg (Te-Be), SG Gesundbrunnen (Hertha) , SG Reinickendorf (Wack04) usw.
    Die Oberschöneweider musste eine Klasse tiefer ( 1.Klasse) als SG Oberschöneweide anfangen.
    Dort putzten sie aber fast unbemerkt die halbe „Liga“ im laufenden Pokal-Wettbewerb weg
    und zogen sogar ins Finale des Berliner„Rias-Pokal-Endspiel“ ein .
    ( RIAS: das war damals der „Rundfunk im amerikanischen Sektor“ !)
    Ich machte damals gerade meine „ersten Schritte“ in einer richtigen Fußball-Mannschaft“ .
    Ich war 10 Jahre alt und meldete mich in der Schüler-Mannschaft des damaligen
    ASV Weißensee unter der Leitung des unvergessenen Sportfreundes Alfred Genthe an.
    Dort begann übrigens auch später die Karriere das Unioner‘s „Kalle“Korn , einem linker Verteidiger der Extraklasse. Leider wurde seine Laufbahn schon 1970 bei Union beendet! Durch die Aussagen einiger BFC-Spieler der damalige Stasi-Truppe ,( „Kalle“ sollte angeblich einen BFC-Spieler auf dem Weg in die Kabine als Stasi-Schwein betitelt haben ) vom damaligen DFV auf „Lebenszeit vom Fussball-Leistungsport gesperrt „!
    Was das damals so alles gab? Gott sei Dank ist das historisch! Aber vergessen werde ich es nie !!
    Wir „Weißenseer“ gingen damals fast alle zu „Hertha BSC“, die an der „Plumpe“ in der Grünberger Str.
    am S-Bhf. Gesundbrunnen spielten. Bis zu dem damaligen Berliner Pokalendspiel am 09. Febr.1947
    SG Oberschöneweide gegen die SG Wilmersdorf
    auf eben diesem Hertha-Platz ! Man war das ein Spiel ! 3:0 für die „Störche“ aus Wilmersdorf.
    zur Halbzeit , dann aber doch noch ein verdientes 3:3 nach Ende der regulären Spielzeit erzwungen!!
    Und Endstand?… 4:3 nach Verlängerung für die „Wuhlheider“ aus Oberschöneweide ! Für unsere Wuhlheider !! Wir hatten diese Schlosserjungs, damals noch in „Blau“ spielend, ab sofort in unsere Herzen geschlossen. “Jupp“ Zöllner, Walter Sowade, “Hardy“ Strehlow, Herbert Raddatz und „Emmes“ Wax etc. hießen ab so fort unsere neuen Fussballgötter und Pokalhelden,….die gleichzeitig auch unsere neuen „Vorbilder „ wurden!! Unseren „Wuhlheidern „ gelang dann gleich im 1.Jahr fast unbemerkt, der Staffelsieg und der damit verbundene Aufstieg in die Berliner STADT-LIGA!!
    In der Saison 1947/48 holten die „Wuhlheider“ dann sogar die Berliner Meisterschaft und den Pokal !
    Sie wurden nicht nur mit 35:9 Punkten und 68.:21 Toren „Berliner Fussball-Meister“ „
    sondern sie erzwangen auch durch ein 2:2 im Pokal-Endspiel gegen
    die „Charlottenburger“ ein Wiederholungs-Pokal-Endspiel !
    Am 25..04.1948 wurde dann die SG Charlottenburg ( Te-Be ) in jenem tollen Wiederholungsspiel
    mit 3:1 (0:0 ) aus dem damaligen Post-Stadion „gefegt“ ! Meister und Pokal-Sieger 1948!
    Im Juni 1948 erlaubten uns dann die „Besatzungsmächte“ wieder in Berlin “Fußball-Vereine“zu gründen.
    Es wurde endlich wieder von „UNION“ gesprochen, von der „SG Union-Oberschöneweide“!
    Von da an zog’s mich nur noch zu „Union“ in die „Alte Försterei“ an der Wuhlheide !!
    Da ich das Glück hatte ab 1951 eine 3 ½ jährige Lehrzeit als Masch.-Schlosser zu absolvieren, und unsere Berufsschule in der Wattstr. in Oberschöneweide lag , war ich an fast allen Berufsschul-Tagen, natürlich erst nach Schulschluss, fast immer in der Alten Försterei beim Training der Unioner zu finden !
    1965 zog ich dann sogar nach Köpenick , dichter ging’s also wirklich nicht mehr !
    Unser Verein hatte im laufe der Zeit viele Namen: Motor Oberschöneweide ,.TSC-Berlin ,usw. Erst im Jahr 1966 wurde dann der 1.FC Union Berlin als Fussball-Leistungs-Club der DDR gegründet !
    Aber wir gingen immer nur zu „unsere Unioner „ in die „Alte Försterei „
    Einmal Unioner .. Immer Unioner ! Euer Pinguin

  7. Mensch hätt ick ja bald vejessen !Natürlich hätt ick dit Buch
    janz jerne !!
    u.n.v.e.u Euer Pinguin

  8. Jonny – wirklich schön geschrieben. Danke.

    Steffi, danke für den wie immer interessanten Blick aus unserm Wohnzimmer hinaus.

  9. tönt interessant…is immer geil in der geschichte des fussballs zu schmökern…unter anderem vorallem weil sie ned ausm gleichen land is… u.n.v.e.u. …
    gruss, ein union sympathisant, aus der schweiz

  10. @Steffi: Natürlich bin ich nicht enttäuscht und kann die Intention gut nachvollziehen (das freut mich besonders, da ich manchmal nur “Bahnhof” verstehe). Unterklassiger Fußball und seine Strukturen sind in Sachen Erleben und Herzblut wirklich oftmals über jede Grenze hinweg
    identisch. Und da es bis Weihnachten noch weit hin ist, und ein Wunschzettel noch lange keine Garantie auf Erfüllung beinhaltet, gebe ich hiermit meine Teilnahme an dem Gewinnspiel bekannt.

    Und dann war da noch der Kommentar von Jonny Liske. Allein dafür hat sich ja schon die Rezension gelohnt ;-)

  11. Nun denn.Herr Willmann einmal mehr.Etwas Neugier ist von meiner Seite nicht zu leugnen.In der Hoffnung,noch bisher unbekannte Sichtweisen auf den “Zonenfußball” zu entdecken,würde ich auch gern ein kostenminimiertes Exemplar inkaufnehmen;-)um mit diesem,meinen “Neuunionern” aus dem Wedding und auch Düsseldorf bei Kerzenschein eine hoffentlich informative Lesestunde zu verleben.

  12. aha, ahne und gläser…
    ich hätte das buch gern ohne diese beiden weinroten autoren.
    kann man die seiten bitte vorher feinsäuberlich raustrennen oder schwärzen?

  13. @honeypie nicht so voreilig! gerade die beiden haben erstaunlicher Weise nicht über den hohenschönhausener verein geschrieben.

  14. egal, da ich quasi die farben ihrer unterhosen erahnen kann… :-)
    und irgendwo ist da garantiert das “russen-D” versteckt ;-)

  15. Pingback: Und “Zonenfußball” geht an … at ***textilvergehen***

  16. Pingback: Brandenburger Blogs im Wikio-Ranking Oktober 2011 – Von Stefan Stahlbaum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.