Bobby Wood und der Müggelturm

Der Kurier zieht heute mal ein Zwischenfazit der bisherigen Vorbereitung und fasst aus eigener Sicht zusammen, welche Spieler wo zum Einsatz kommen könnten und wer diese erste Vorbereitung mit Sascha Lewandowski gut genutzt hat. Ich gehe mit den Einschätzungen (Daube, Schönheim, Korte drängen sich auf, ohne schon Spieler zu verdrängen) absolut mit und für mich ist das ein gutes Zeichen, dass sich mehr Spieler an die bisherige Stammelf heranarbeiten. Im Tor sieht der Kurier übrigens Haas vorne.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann das heute um 14 Uhr gegen den SV Babelsberg im Stadion an der Dörpfeldstraße in Adlershof machen.


Foto: Matze Koch

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Teve070 – 1.FC Union Berlin: Ein Fußballklub in der DDR

Die aktuelle Debatte um den dreijährigen Wehrdienst von Unions Präsidenten Dirk Zingler beim Wachregiment Felix Dserschinski des Ministeriums für Staatssicherheit haben wir zum Anlass für eine Sonderausgabe des Podcasts genommen. Gemeinsam mit Tino Czerwinski (aka TeeCee, Moderator des Fantreffens bei Union) und Jan diskutieren wir die These, dass das transportierte Image von Union als "Anti-DDR-Verein" dazu geführt hat, die Fallhöhe für die Medienrelevanz von Zinglers Biographie herzustellen. Wir versuchen herauszufinden, wie viel von diesem Image Legende und wie viel tatsächlich Schnittmenge mit der erlebten Realität in der DDR ist. Zum Schluss überlegen wir, wie eine in unseren Augen überfällige Auseinandersetzung mit der Geschichte von Union in der DDR aussehen könnte. Als Bonus gibt es ab 51:17 Min ein viertelstündiges Gespräch mit Andora, in dem er seine Sicht auf Unions Geschichte in der DDR schildert. Andora ist Popart-Künstler und Unionfan. Er wurde in der DDR zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und später freigekauft. Die Tonqualität ist etwas anders als sonst. Das liegt daran, dass wir in einem Café in Köpenick bzw. in Mitte aufgenommen haben.

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Kunstschuss.

Freunde sind Menschen, die man mit Kuchen besuchen geht, obwohl es für einen Kuchenbesuch weder Grund noch Anlass gibt. Ein einfaches “Ich bin grad in der Stadt” genügt, flugs sitzt man eingeladen von Andora ostermontags auf den ausladenden Sitzmöbeln der Eisernen Botschaft und begreift, dass Kunst und Fußball so nahe beieinander liegen, dass sie in derselben Hutschachtel Platz finden.

Die Eisernen Botschafter sind ein Union-Fanclub, und wie jeder anständige Fanclub behaupten sie von sich, “der etwas andere Fanclub” zu sein. Das ist nur folgerichtig, denn andernfalls hätte man sich einem bereits bestehenden Bündnis anschließen können. Es gab aber bislang keines, das sich “KULTUR!” auf seine bissigen Eckfahnen schreiben wollte; keines, das außerhalb des Stadions mit Mitteln der Kunst die frohe Kunde vom König Fußball unters Volk bringen mochte; keines, das neben der Kapitänsbinde von Steffen Baumgart, dem Trikot von Joachim Sigusch, der ersten Union-Trainingsjacke aller Zeiten und dem ersten Union-Ausgeh-Anzug aller Zeiten -beide von wahrhaft sehenswerter Scheußlichkeit- wunderschöne, farbenfrohe Skulpturen und Bilder bewahrt, die die Geschichte des 1.FC Union Berlin erzählen.

Die Eiserne Botschaft ist kein Clubraum im landläufigen Sinne. Sie ist Werkstatt, Ausstellungsraum, Versammlungs- und Begegnungsstätte in einem. “In einem” meint nicht nur, dass man dort werken, ausstellen, sich versammeln und wen treffen kann, sondern vor allem, dass das alles in ein und demselben Raum stattfindet. Später sollen es zwei werden.

Ein Botschaftsbesuch ist eine Entdeckungsreise, keine Museumsbesichtigung. Klingt das wie ein sozialpädagogisches Kunstprojekt? Vielleicht ist es eins. Devotionaliensammlung? Durchaus. Eine Verneigung vor dem Fußball? Unbedingt. Eine Ode an den 1.FC Wundervoll? Aber sowas von!

Man liest überall im Raum deutlich Andoras Handschrift, spürt seinen Gestaltungswillen. Er sagt selbst, dass er viel Inspiration und Schaffenskraft aus der Beschäftigung mit Fußball und dem Verein zieht. “Alles, was bei Union passiert, hat mich im Leben weitergebracht.”

Es ist trotzdem keine Andora-Ausstellung geworden. Andoras Kunst ist der Rahmen, der die Dinge zusammenhält. Ein dominanter Rahmen zwar, aber er wirkt dem Sammelsuriumscharakter, den fußballrelevante Erinnerungsstücke gern annehmen, entgegen. Die Eisernen Menschen von Georg Krause werden hier ebenso ihren Platz finden wie der Grüne-Hölle-Film.

Weil uns alle diese Ideen nicht ganz fremd sind, weil uns über Fußball hinaus auch Fußballkultur interessiert, weil wir Andora und Matti Michalke, die Väter des guten Gedankens, furchtbar gern haben und “bunt” überdies unsere Lieblingsfarbe ist, hat sich das ***textilvergehen*** den Eisernen Botschaftern angeschlossen. Wir glauben bei aller Rivalität an das verbindende Moment des Fußballs. Wir sind uns einigermaßen sicher, dass Kunst solche Verbindungen sichtbar machen kann, und damit ist keineswegs der Doppelschal mit den Wappen zweier Vereine gemeint.

Ein Fußballblog zu betreiben, heisst für uns nicht nur, den aktuellen Spieltag mittels therapeutischer Gespräche (wir nennen es Podcast) zu verarbeiten. Ein Fußballblog soll gefälligst auch Sportpolitik betrachten, Filme besprechen, über Bücher nachdenken, Fußballgeschichten erzählen, Menschen ins Theater schicken, Medien schelten, selten loben und Panini-Bilder sammeln, finden wir. Ein Fußballblog darf das machen, wofür in der Tagespresse kein Platz ist: Unverschämt lange Texte zu abseitigen Themen veröffentlichen. Nötigenfalls auch in Versform. Eines dieser Themen ist für uns die Verankerung von Fußball in der Alltagskultur.

Möglicherweise sind wir Idealisten.

Mehr Fotos aus der Eisernen Botschaft gibts in der Galerie. Wer sich das Ganze in Wirklich und von Nahem ansehen möchte, der Sammlung Fundstücke hinzufügen oder ein Kunstobjekt erwerben will, eine gute Idee hat und die teilen mag, schickt eine E-Mail an andora(at)andoraworld(punkt)com und verabredet einen Termin.

Teve017 – Fußball und Religion

Fußball und Geisteswissenschaft. Das ging lange nicht zusammen. Aber das hat sich geändert. Gunter Gebauer von der Freien Universität forschte zum Beispiel zum Thema Fankult. Nun auch die Theologie.

Aufgehängt wird der Vergleich von Fußball und Religion fast immer am Wort “Fußballgott”. So auch bei der Veranstaltung “FUSSBALL?! Soziale Kreativität oder Wirklichkeitsflucht? Alles eine Frage des Glaubens!” an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität. Die fand im Rahmen eines Projekttutoriums statt und hatte eine illustre Gästeliste zu bieten: Gregor Bellin (Stadionpfarrer im Olympiastadion), Donato Melillo (Fanbeauftragter von Hertha BSC), Andora, Thorsten Leißer (Referent für Menschenrechte und Migration bei der Evang. Kirche) und Wolfgang Matthies.

fussball_religion

Während sich die Diskussion am Anfang noch mit dem Vergleich von Fußball und Religion auseinandersetzte und ausgeführt wurde, dass Fußball an sich nach soziologischen Kategorien als Religion gelten könnte, verschob sich der Blickpunkt dann immer mehr in die Richtung, wo die Grenzen liegen würden. Als Diskussionsrunde war das interessant zu sehen, wenn auch der wissenschaftliche Erkenntniswert der Veranstaltung begrenzt blieb.

Schön war, und das passte sehr gut zum Thema, wie alle Beteiligten häufig ihr Leiden am Fußball zum Thema machten.

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Nachtschicht

Auch die schönste Baustelle der Welt will beschützt sein. Und wenn Steffi und Andora einladen, eine Nachtwache im Stadion an der Alten Försterei zu machen, sollte man die Gelegenheit beim Schopfe packen. Eine Nachtwache dauert von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens. Es sollte also viel Zeit bleiben, den beiden zuzuhören. Protokoll einer Nacht.

  • 18.00 h Die roten Dachträger strahlen in der Abendsonne. Andora überreicht mir zwei große Schlüsselbünde. Daneben steht Zinni, der mir den wichtigsten Schlüssel erklärt: “Der verbogene ist für das Häuschen mit der Anzeigetafel.” Zinni kennt mich oder auch nicht. Genau kann ich das nicht feststellen. “Ich stehe immer da hinten.” Er deutet in die entgegengesetzte Ecke des Stadions. Steffi kommt mit der Verpflegung und wird von Zinni begrüßt: “Du bist doch die mit der Website.” Ich habe Zinni noch nie vorher gesehen, werde ihn aber nicht mehr vergessen.
  • 19.06 h Das Kabuff, das unser Nachtquartier werden wird, musste erst einmal durchgelüftet werden. Tradition kann manchmal ganz schön muffig sein. Die Zahlentafeln stehen in der Ecke. Eine Acht und eine Null fehlen. Das Telefon klingelt. “Ist jemand vom Baubüro da?” Alle schon weg. Soll ich etwas ausrichten? “Sag einfach: Uschi, der Schweißer, hätte angerufen.” Uschi also. Ist notiert.
  • 19.55 h Wir haben eine lange Stadionrunde gemacht. Andora erzählt. Und wenn Andora erzählt, möchte man sich jeden Satz merken. Ich möchte mal ein Buch über Union lesen, dass den Titel hat: “Andora erzählt.” Er läuft und rudert mit den Armen. Zeigt auf die Stahlträger, die heute montiert wurden, setzt den Rasensprenger um. Andora ist immer in Bewegung. Dabei ist jetzt auch Gerrit: Ein Roter aus Hannover.
  • 20.40 h Die Tore sind verschlossen. Noch einige Jugendspieler sind in den Umkleiden. Wir sitzen vor dem Tor, durch das jemand einen langen Gummischlauch gezogen hat, auf dass dort steht: “Eisern Union!” Dirk Zingler (Präsident) und Sylvia Weisheit (Projektleiterin Stadionbau) kommen vorbei, um sich das Stadion anzusehen. Andora kaspert vor dem Wagen des Präsidenten. Gerrit hat derweil einen Beleuchtungsballon aufgebaut und versorgt uns mit einem schönen aus fünf Metern Höhe.
  • 21.05 h Dirk Zingler und Sylvia Weisheit sind wieder weg. Andora kommt mit Taschenlampen und wir mit dem Essen zurück zum Tor. Der Ballon ist mittlerweile unser Privatmond. Steffi hat soviel Essen vorbereitet, dass man alle Stadiobauer davon satt bekommen hätte. Andora erzählt. Von Vom letzten Saisonspiel gegen Vorwärts Stralsund, für dass er die Schule geschwänzt hatte. Union hatte damals den Aufstieg verpasst und Andora beim Fahnenappell, der exklusiv für ihn veranstaltet wurde, eine von seinem Direktor verpasst bekommen. Andora erzählt von Potti und springt von Geschichte zu Geschichte. Mal ist es die Geschichte von Union und mal die von Andora. Genau kann man das gar nicht auseinanderhalten.
  • 23.20 h Wir machen eine letzte gemeinsame Stadionrunde zu viert. Es ist dunkel und sehr still. Am Trainingsplatz finden wir eine tote Ente. Ist wohl in der Dunkelheit gegen den Pfosten des Ballfangnetzes geflogen.
  • 01.10 h Andora klopft an die Tür. Alles ist in Ordnung. Er hat den Rasensprenger ausgestellt. Wir verabreden uns für kurz nach vier.
  • 03.50 h Etwas geschlafen. Nun betrachte ich die Bäume und Sträucher. Steht da jemand oder nicht? Die Vögel haben bereits mit ihrem Gezwitscher begonnen. Wird Zeit, dass die Nacht vorbei geht.
  • 04.35 h Die Kaffeekannen und Tassen werden abgewaschen. Der Kaffee für die Stadionbauer muss gekocht werden. Es ist sehr kalt geworden. Während der Kaffee durchläuft, geht die Sonne über dem Stadion auf.
  • 05.50 h Steffi öffnet das Tor. Sylvia Weisheit ist bereits wieder da. Wir trinken eine Tasse Kaffee und ich verderbe mir daran erneut den Magen. Wir verabschieden uns von Gerrit. Andora möchte sich schlafen legen. Ob er das neben dem Baulärm schafft?
  • 06.20 h Nach Hause.

Teve001 – Darf es etwas mehr sein?

Abends, kurz nach acht, stolpern wir mit Bunki zusammen in die “5Ziegen” rein. Drinnen sitzt Andora schon an Milans Tresen, von Matti noch keine Spur, aber ehe wir uns versehen, befinden wir uns mitten in einem Gespräch. Ich packe meine vorbereiteten Fragen erst aus und dann gleich wieder ein und lasse ab irgendwann einfach das Diktiergerät laufen.

Andora

Andora lobt das Textilvergehen, ich kichere die ganze Zeit wie die Hexe im Märchen, mööp sagt “ja” und “ja” oder auch mal “jaja”, und Bunki hat angeblich keine große Klappe. Wir reden über Groupies, Ottos Mutter und sonstige Frauen beim Fußball. Wir thematisieren Wismut Aue, Freundschaften und Feindschaften, gefühlte Niederlagen, Väter und Jimmy Hoge, Telefonanschlüsse im Osten, Patsche und das Kombinat Union, Mäckie Lauck, das Besondere bei Union und warum unsere Mannschaft augenblicklich so erfolgreich ist. Wir stellen fest, dass Hiddensee eine schöne Insel und Andora im Grunde Sozialpädagoge ist, Union das aus grafikdesignerischer Sicht zeitloseste und beste Logo aller Zeiten und Ligen hat, nämlich eines, das dynamisch ist, was man aber nicht sagen darf. Wir diskutieren die Verbindung zwischen Fußball und Kultur. Wir sprechen über Bulle Sigusch und Heckenscheren, die hohe Kunst des Scheiterns und darüber, warum “Schmetterling” Andora nicht Profifußballer geworden ist.

“Wir” stimmt aber nur so halb – eigentlich redet Andora. Zwischendurch telefoniert er auch mal, wir klappern währenddessen mit Flaschen, lassen Kronkorken ploppen und stellen gelegentlich eine Frage. Falls wir zu Wort kommen.

Am Ende des Abends schenkt mir Milan die schönste Kaffeetasse der Welt (tausend Dank!), und ich denke, dass es das viel öfter geben müsste: Leuten zuhören, die was erlebt haben.

[>>Teil 1 unserer Plauderei heute und hier, der zweite kommt morgen oder übermorgen. Und weil ich immer noch kein funktionierendes Plugin für einen mp3-Player gefunden habe, müsst ihr leider erst umständlich den Link anklicken und die mp3-Datei irgendwohin speichern, bevor ihr´s anhören könnt. Danke, Max!]

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