Author Archive for Stefanie Fiebrig

Directors Cut: “Trainer!”

Er habe gerade einen Film über Fußballtrainer gedreht, erzählte mir Aljoscha Pause schon im Frühjahr am Rande des 11mm-Festivals. Ein Beruf in der Öffentlichkeit sei das wie kaum ein anderer. Trotzdem wisse man eigentlich nichts darüber. Das hat ihn interessiert. “Eine ganz banale Fragestellung”, sagte er. “Was müssen die bewältigen, und wie setzt sich das zusammen?” Sein Film “Trainer!” ist der Versuch einer Annäherung an eine unnahbare Welt.

trainer

Eine Saison lang hat Aljoscha Pause die Trainer André Schubert (FC St.Pauli), Frank Schmidt (1.FC Heidenheim) und Stephan Schmidt (SC Paderborn) durch drei sehr unterschiedliche Saisonverläufe begleitet. Während Schubert schon zu Saisonbeginn, Stephan Schmidt erst zu Saisonende entlassen wurde, steuerte Frank Schmidt auf einen Aufstiegsplatz zu. Die Fragen, die dabei auftauchen, werden auch mit anderen Trainern besprochen. Jürgen Klopp, Armin Veh, Hans Meyer, Peter Neururer, Michael Oenning, Thomas Schaaf und Mirko Slomka kommentieren, wie sie mit bestimmten Situationen in ihrem Berufsleben umgegangen sind. Das hat dramatische, aber auch komische Höhepunkte, wenn etwa Jürgen Klopp über das Grimassieren nachdenkt oder Hans Meyer über Phasen der Arbeitslosigkeit. Parallel dazu hat Aljoscha Pause immer wieder mit Frank Wormuth gesprochen, der die Fußballlehrerausbildung des DFB leitet. Daraus ist ein zweiter Erzählstrang geworden, der einen Einblick in den Trainerlehrgang erlaubt. Überhaupt ist Frank Wormuth der heimliche Star des Films. Die Stimme der Vernunft, die alles zusammen hält. Ruhig und besonnen.

Einige Bilder tauchen im Verlauf des Films immer wieder auf. Zum einen wird viel Auto gefahren. Interviews werden dabei geführt, vor allem aber entstehen sehr konzentrierte Nahaufnahmen. Das zweite sind Außenaufnahmen, die Jahreszeiten zeigen und so eine zeitliche Dimension in den Film bringen. Das erzeugt einen Rhythmus in der Bildfolge und hilft, die Informationen zu ordnen.

Nebenher sind dem Regisseur einfach drei sehr schöne, weil detailreiche Porträts gelungen. Denn das ist seine große Stärke: Menschen. Gerne auch Menschen in extremen Situationen. Aljoscha Pause ist einer, der genau zuhört, verdichtet, aber nie jemanden bloß stellt dabei.

Bei Stephan Schmidt in Paderborn etwa wäre das ganz leicht gewesen. Dem möchte man die ganze Zeit zurufen: Ein so dermaßen gesundes Selbstbewusstsein ist der erste Schritt zum Größenwahn! Andererseits gehört Größe dazu, einen Misserfolg vor laufender Kamera zu besprechen und seine Enttäuschung öffentlich zu verarbeiten. Mit Blick auf den Vorgängerfilm “Tom meets Zizou” hat Aljoscha Pause das einmal erklärt. “Da wird nicht einfach nur jemand blind abgefeiert, als Hero oder als Vollkatastrophe, sondern es wird ein Mensch mit mehreren Wahrheiten, mehreren Facetten gezeigt, der sich nicht zu schade ist, sich auch mal in einer beschissenen Situation oder in der Krise zu zeigen.” Gemeint war dabei Thomas Broich, es ist aber wohl generell die Arbeitsweise von Aljoscha Pause, der seine Protagonisten nicht auflaufen lässt, sondern immer respektvoll behandelt. André Schubert taut von Drehtag zu Drehtag mehr auf, und am Ende weinen alle Zuschauer ein bißchen mit Heidenheim um den vergeigten Aufstieg. Auch die, die gar nicht wissen, wo Heidenheim liegt. Ich, zum Beispiel.

Ich bin froh, die lange Fassung abgewartet zu haben. 135 Minuten, nach denen ich wieder etwas klüger war. Danke, Aljoscha Pause!

Ein Knopfloch voller Tränen.

Ich bin ein Gewohnheitstier. Ich empfinde Schmerz, wenn Spieler gehen, die ich als zu meiner Mannschaft gehörig identifiziert habe. Deshalb ist der letzte Heimspieltag einer Saison für mich immer etwas mehr wehmütig als versöhnlich. Am letzten Heimspieltag werden die Spieler verabschiedet, die den Verein zur Sommerpause verlassen. Die Tradition des Verabschiedens gibt es bei Union noch nicht so lange. Gerade lange genug, um sie Tradition nennen zu dürfen. Es ist feierlich, es ist würdevoll, es ist zum Heulen. Ich werde noch sehr lange Ausschau halten nach Daniel Göhlert, Christoph Menz und Kilian Pruschke und einen Blick darauf haben, wo Patrick Zoundi, Marcel Höttecke, Stefan Gill mir künftig begegnen.

“Weil wir eine gute Mannschaft sind”

Das Saisonende mache sich bemerkbar, sagte Michael Parensen gestern nach dem 0:0 gegen Dresden. Auch körperlich. Das beschreibt das Spiel, erklärt aber nicht die Unzufriedenheit im Publikum. Die Erwartungen waren hoch, dahinter konnte jede Bemühung nur zurückbleiben. Ein Torfestival wie die Partie gegen den FC St.Pauli, oder einfach mal ein unverschämter hoher Sieg zu Hause – das war es, was wir sehen wollten. Wer es schafft, das auszublenden, blickt versöhnlicher auf das Spiel. Boone zum Beispiel. Der lobte die gute Abwehrarbeit der Dresdner. Wie gut die Viererkette funktioniert hat. Das Verschieben. “Tore”, meinte er, “entstehen ja meistens aus Fehlern. Beide Mannschaften haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten ohne Fehler gespielt.” Ich wusste darauf nichts zu sagen und knurrte nur “Aber das hatte doch keinen Unterhaltungswert!” Dafür ernte ich einen kritischen Blick von der Seite. “Ach, Du wolltest ein Event, und dann war´s aber bloß ein normales Fußballspiel?” Das ist eine Haltung, die ich auch gerne einnehmen möchte. Heute aber noch nicht. Heute ärgere ich mich noch über gestern. Vielleicht kann ich morgen sogar Michael Parensen verstehen, der sich keine Sorgen macht. “Weil wir eine gute Mannschaft sind.”

Der Spieler als Visitenkarte seines Beraters.

Am Sonntag waren Schalkes Keeper Timo Hildebrand und sein Berater Jörg Neblung bei 11mm. Anlass war der Dokumentarfilm “Spielerberater” von Klaus Stern. Das von Andreas Leimbach-Niaz moderierte Gespräch im Anschluss beschränkte sich aber nicht darauf. Herzlichen Dank den Organisatoren des Festivals für die hochkarätige Besetzung auf der Bühne, insbesondere aber für die Möglichkeit, aus dem Publikum heraus Fragen zu stellen. Vielen Dank nicht zuletzt an Jörg Neblung und Timo Hildebrand für ihre klaren und offenen Worte.

Wenn man ihn fragt, was er beruflich macht, antwortet Jörg Neblung gerne: Menschenhändler. Die Leute zucken dann zusammen, erzählt er. Einige gehen darüber hinweg, weil ihnen das Thema unbehaglich ist. Andere fragen weiter. Gelegentlich sagt er dann, er sei Agent. Das ist vielschichtiger und schließt Betätigungsfelder ein, die mit der Spielervermittlung nichts zu tun haben, wie etwa Sponsoring und PR. Dass seine Branche keinen guten Ruf genießt, ist ihm bewusst. Damit lebt er. “Ich habe immer die Wahl, ich kann ja auch irgendwas anderes machen.” Der schlechte Leumund der Spielerberater kommt nicht von ungefähr. “Es sind die großen, die viel Unfug machen und unsere Branche dann auch oftmals in Verruf bringen. Die Kleinen sind die, die sehr früh an Talente herangehen und oftmals mit wilden Versprechungen aufwarten.” Was “sehr früh” bedeutet, führt er näher aus. “Wenn wir an einen 15jährigen herantreten und dann hören, er hat schon seit 2 Jahren einen Beratervertrag.” Dass Außenstehende zusammenzucken, wenn sie hören “Der Vater hat seinen Sohn verkauft”, versteht Neblung. “Ich weiß nicht, ob es Geldkoffer gibt, aber es gibt tatsächlich so einen Obulus, wenn man seinen Jungen zuführt. Das ist natürlich schwierig, wenn es um Dienstleistung geht. Ich soll eine Beratungsleistung erbringen und dafür erstmal noch Geld zahlen – da sträubt sich mir doch einiges.” Er habe das bisher nicht gemacht und sei glücklich damit. “Ich möchte, dass mein Klientel meine Referenz ist. Dass man anhand der Spieler, die ich vertrete, erkennt, wie meine Dienstleistung aussieht. Ich glaube auch, dass das Klientel so eine Art Visitenkarte ist, die jeder Berater hat.”

Jörg Neblung war auch der Berater von Robert Enke. Es bleibt nicht aus, dass er auf Enkes Tod angesprochen wird, verbunden mit der Frage, ob sich die Arbeitsweise der Berater dadurch messbar verändert habe. “Es hat sich sehr, sehr viel getan. Man muss sich nur die Mühe machen hinzugucken. Wir haben das Thema Depression deutlich enttabuisiert.” Das wirkt sich mittelbar auf die Arbeit eines Beraters aus, der Gespür und Verständnis dafür haben sollte, dass ein Spieler manchmal überraschend den Rückzug antreten muss.

Dem Berufszweig der Spielervermittler wird immer wieder mangelnde Transparenz vorgeworfen. Neblung legt Wert auf Transparenz und geht in dem Film von Klaus Stern sehr offensiv mit der Frage nach seinen Interessen und seiner Beteiligung um. “Das ist ein gewisser Selbstschutz. Wenn ich meine Provision transparent gestalte, kann nicht irgendwann mal ein Sportdirektor kommen und sagen, der hat aber soviel bekommen. Das hätte dein Anteil sein können.” Dann zeichnet er in Gedanken eine Tortengrafik. “Wenn du ohne Berater kommst, wird dem Spieler gesagt, ist das deine Torte. Wenn du mit Berater kommst, nehme ich dir so ein Stückchen raus.” Was auf den ersten Blick verheißungsvoll aussieht, übervorteilt häufig den Spieler. “Wir sind die Interessenvertretung der Spieler, nicht der Vereine.”

Timo Hildebrand hatte mit 15 die ersten, großen Anfragen. Einen Berater hatte er zu der Zeit noch nicht. Nach Stuttgart ist er dann mit seiner gesamten Sippschaft gereist, mit Onkels und Tanten, die ihren Segen dazu gegeben haben. “Das war sehr ungewöhnlich für die Verantwortlichen vom VfB.” Ein Familiennetzwerk hat in der Regel keine Kenntnisse und keine Vernetzung auf dem Markt und “kann nicht mal eben bei Schalke 04, bei Borussia Dortmund, beim VfL Bochum anrufen und fragen, wie findet ihr denn meinen Sohn?”, sagt Jörg Neblung. “Da können wir dann schon helfen und versuchen, das eher subjektiv geprägte Bild des Vaters zu korrigieren. Das ist manchmal ein massiv schwerer Auftrag, den wir haben. Viel Aufklärungsbedarf, zum Teil.”

Natürlich sind es die Berater, die auf Spieler zugehen. Dazu Timo Hildebrand: “Extrem war es in der Zeit, als ich keinen Verein hatte. Da ist alle paar Tage ein anderer Berater gekommen, mit dem ich mich getroffen hab.” Alle hatten sie Angebote für ihn. Wie aber überzeugt ein Berater den Spieler von einer Zusammenarbeit? “Verstell dich nicht”, rät Jörg Neblung. Das sagt er auch seinen Spielern. “Sei authentisch in dem, was du machst. Versuch nicht, irgendeine Rolle zu spielen. Das merkt jeder Fan, die Presse merkt´s sowieso. Und genauso gehe ich auch in so ein Gespräch.” Die Spieler, die bei Neblung sind, müssen Kritik vertragen. “Das machen die weniger etablierten Kollegen, die sagen, du bist einfach der Beste, und du musst irgend woanders hin, und du musst auch unbedingt den Verein wechseln – denn erst dann bekomme ich meine Provision.” Häufige Wechsel, mehr Geld für den Berater? “Wir werden heute bezahlt nach dem Verbleib des Spielers beim Verein.” Dass für einen Dreijahresvertrag mit einem Mal bezahlt wurde, war vor seiner Zeit. “Dann waren wir aufgefordert, nächstes Jahr wieder den nächsten Transfer zu machen, wenn´s irgendwie geht. Heute bekomme ich eine Provision, wenn Timo noch ein Jahr auf Schalke bleibt.” Hildebrand fügt hinzu: “Ich glaube, dass es brutal schwer ist, für junge Spieler. Die sind 16, 19, 20. Da kommen viele Menschen auf einen zu, gerade im Erfolgsfall.” Dass man da Fehler macht und nicht genau weiß, wie es in der Branche läuft, liegt für ihn auf der Hand. Die Bundesliga hat ihn in vielerlei Hinsicht verändert, glaubt Timo Hildebrand. “Als ich angefangen habe in der Bundesliga, war ich ein Hemd, würde ich sagen. Aber dann hatte ich irgendwann mal Felix Magath als Trainer …” Er kommt nicht dazu, den Satz zuende zu sprechen, großes Gelächter unterbricht ihn. “Das war wirklich ein Stahlbad, danach kann nix Schlimmeres mehr kommen.”

Als Hildebrand nach seinem Versuch, ohne Berater den Verein zu wechseln, gefragt wird, ergreift statt seiner direkt Jörg Neblung das Wort. “Es geht darum, den Markt transparent zu gestalten und Klinken zu putzen. Anzurufen und zu gucken, ist erstens ein Bedarf da? Zweitens, könnte Timo reinpassen? Drittens, geht das überhaupt von den Gehaltsvorstellungen? Wenn ein Verein ein Interesse an einem Spieler hat, hat er ja seinen Wunschkandidaten. Dann ist es leichter, das mit einem unerfahrenen Elternteil oder mit dem Spieler selber auszuhandeln. Außer mit Frau Illgner. Die hat massiv hart verhandelt. Aber wir sind Makler. Wir sind Vermittler. Wir leben von Vermittlungsprovisionen.” Timo Hildebrand erklärt, in welcher Situation er sich zu der Zeit befand. Hoffenheim hat seinen Vertrag geändert. “Ich hatte einen schweren Stand, weil sich auch jeder gefragt hat, warum verlängert Hoffenheim den Vertrag nicht? Dann habe ich versucht, einen Verein zu finden, ohne Berater. Das hat überhaupt gar nicht funktioniert, weil dann jeder Berater beim Verein anruft und den Spieler anbietet. Das ist unseriös. Ich war auch nicht in der komfortablen Situation, dass mich der Verein kontaktiert hat. Das wäre am einfachsten gewesen.” In der Zeit hat er Neblung kennen gelernt und ist mit ihm nach Lissabon gewechselt.

Gelegentlich trennen sich die Wege von Spieler und Berater. Mal sind es der Spieler und/oder sein Vater, die gehen, wenn die Vorstellungen von dem, wo ein Spieler hingehört, nicht deckungsgleich sind. “Dann verliert man auch mal einen Spieler, weil wir dann zu wenig geleistet haben”, sagt Jörg Neblung. Auch der umgekehrte Fall kommt vor. “Es gibt Spieler, die sich nicht mehr weiter entwickeln, weil die Prioritäten bei den Mädels liegen und nicht auf dem Platz. Oder die einfach eine super Karriere als Türsteher bei einer Diskothek machen könnten.” Wenn er einem Spieler sagen muss “Es tut mir leid, ich habe es nicht geschafft, dich auf dieses Level zu bringen”, klingt das Bewusstsein für seinen Teil der Verantwortung an der Karriere des Spielers durch. “Irgendwann übergeben wir den Staffelstab an den Spieler, da muss er funktionieren. Dann kommen wir hoffentlich in die glückliche Situation, einen besseren Vertrag verhandeln zu dürfen als den vorherigen. Das gelingt uns aber nicht immer.”

Ist ein Spielerberater auch Lebensberater? Timo Hildebrand wurde unlängst über Facebook verbal angegangen. Wie wichtig ist der Berater bei dem angemessenen Umgang mit solchen Situationen? “Man gibt durch Facebook, durch dieses soziale Netzwerk, die Möglichkeit, mit den Fans zu kommunizieren. Das wird von vielen genutzt, aber solche Kommentare haben selbst da nichts zu suchen. Ich habe das kommentiert, ohne vorher mit Jörg darüber zu sprechen und gesagt, das geht nicht”, so Hildebrand. “Natürlich gibt es auch viele Sachen, die wir zusammen besprechen. Aber solche Sachen …?” Jörg Neblung bestärkt ihn darin. “Das ist öffentlich. Ich habe ganz klar gesagt: Gegenfeuer. Dass man das auch öffentlich thematisiert. Dass man den Nutzer sperren lässt. Es war keine private Nachricht, jeder konnte das sehen. Von daher hat Timo auch das Recht, das öffentlich zu kommentieren. Er hat sehr viel toleriert. Wenn man sich in sozialen Netzwerken bewegt, dann ist man öffentlich und muss mit den Konsequenzen leben, aber alles nur bis zu einem gewissen Level. Der war einfach überschritten.”

Spielerberater.

Das 11mm-Festival hat sich gestern eines eher sperrigen und unbequemen Themas angenommen: Die Welt der Spielerberater. Zwei Dokumentationen mit beinahe identischen Titeln waren zu sehen.

Themenabend Spielerberater beim 11mm-Festival

Festivalleiter Andreas Leimbach-Niaz mit Regisseur Klaus Stern

Patrick Halatsch: “Spielerberater – Strippenzieher im Millionengeschäft Fußball” (2013)

Patrick Halatsch nähert sich dem Spektrum der Spielerberatertätigkeit von zwei Seiten. Am sonnigen Ende des Regenbogens steht die international agierende ROGON Sportmanagement GmbH & Co. KG mit Roger Wittmann an ihrer Spitze. Als Kontrast dazu wird der im Nebenberuf als Spielerberater tätige Benjamin Bertram und mit ihm die regennasse Provinz gezeigt. Die Ausgangssituation erinnert an Hans-Christian Andersens Märchen vom großen und vom kleinen Klaus und ist wohl auch so gemeint. Der Film beleuchtet die unterschiedlichen Arbeitswelten von Wittmann und Bertram, aber auch ihre persönliche Auffassung von Beratertätigkeit. Continue reading ‘Spielerberater.’

Finnische Bescheidenheit.

Kein einziger finnischer Sportler sei ihr jemals sympathisch gewesen, schreibt Maria. Zu schweigsam, formuliert sie sinngemäß, und niemals, niemals lächeln sie. Als der völlig unbekannte, junge finnische Fußballspieler Jari Litmanen 1992 nach Amsterdam wechselte, dachten seine holländischen Kollegen ganz ähnlich über ihn. Sagt nichts, trainiert fleißiger als alle anderen und ist völlig frei von Humor. Aber, und das halten sich seine Mitspieler zugute, sie haben ihm einiges beigebracht in Amsterdam. “Ich esse meine Pommes seitdem nicht mehr mit Ketchup, sondern mit Mayonaise” erzählt Litmanen, gefragt, was er an den Niederlanden vermisst, und grinst.

Finnischer Filmabend beim 11mm-Festival 2013 mit Jari Litmanen

Das Rasenstück vor dem Kino Babylon, das dort statt eines roten Teppichs liegt, ist nicht allzu lang. Trotzdem dauert es seine Zeit, bis Jari Litmanen endlich im Foyer steht, zur Deutschlandpremiere seiner verfilmten Biografie “Kuningas Litmanen”. Er schreibt Autogramme, lässt sich mit Fans fotografieren, vor ihm läuft eine Filmkamera, Mobiltelefone zeigen sein Gesicht im Display. Litmanen ist geduldig, freundlich und signiert, was signiert werden soll. Derweil herrscht gespanntes Stühlescharren im oberen Oval, wo er zur Pressekonferenz erwartet wird. Nach drei knappen Sätzen heißt es plötzlich “… und jetzt ohne weitere Vorrede Ihre Fragen.” Große Stille. Vorn sitzt Jari Litmanen, blickt erwartungsvoll ins Rund und ist durchaus auskunftswillig, aber niemand traut sich, die erste Frage zu stellen. “Vielen danke”, sagt er. Befreites Auflachen im Pressebereich, das Eis ist gebrochen.

Finnischer Filmabend beim 11mm-Festival 2013 mit Jari Litmanen

Wer ihn als exzellenten Fußballspieler entdeckt habe, möchte jemand wissen. Wann aufgefallen sei, dass er außergewöhnlich gut spielen könne? “Kann ich das?”, fragt er zurück und lächelt. Dann erzählt von seinen Trainern. An erster Stelle steht da sein Vater, der selbst finnischer Nationalspieler war. Louis Van Gaal beschreibt er als jemanden, dem er viel verdankt und den er nach wie vor sehr schätzt. Mitspieler, an denen er sich orientiert hat. Ohne, dass es auffällt lenkt Litmanen das Gespräch um, weg von sich, hin zu denen, die er bewundert. Das ist elegant und bescheiden.

Litmanen hat den Inhalt von “Kuningas Litmanen” ganz maßgeblich mitbestimmt. Überlegt, wer diejenigen waren, die ihn geprägt haben. Zwei Jahre haben die Arbeiten an dem Film gedauert, abgebildet werden 25 Jahre seines Lebens. Dieser Blick zurück war seltsam, gibt er zu. Ehemalige Mitspieler oder gar die eigenen Eltern zu sehen, wie sie über ihn reden. Seine eigene Geschichte auf der großen Leinwand. Wie das für ihn war? “Leicht, weil ich die Geschichte ja kannte. Ich war mehr oder weniger Teil der Geschichte.” Anfangs konnte er sich kaum vorstellen, wie aus dem vielen Filmmaterial, den zahlreichen Interviews und Spielszenen ein Film von anderthalb Stunden Länge werden soll. Eine gute, kompakte Geschichte ist am Ende herausgekommen, findet er und lobt wiederum nicht sich selbst, sondern den Regisseur, der das Puzzle zusammen gesetzt hat.

Auch an Orten, wo man sonst nicht hin kommt, öffneten sich dem Filmteam bereitwillig Türen. Es ist der Name Jari Litmanen, der sie öffnet. Von Anfang an ein Team Player ist er überall geschätzt worden, wo er gespielt hat. Geradezu liebevoll erzählen Spielerkollegen, Trainer, Manager und Betreuer über seine Marotten. Die Sauna-Gänge. Die Extra-Runden auf dem Trainingsplatz. Die Schuhe, die immer wieder repariert werden mussten. Stretching, stretching, stretching. Als einen gelassenen Mann beschreiben sie ihn. Dieser gelassene Mann nimmt wohl zur Kenntnis, dass sie ihn gelegentlich mindestens eigenartig finden, lässt sich davon aber nicht irritieren. Ist doch gut, wenn gelacht wird, meint er. Ähnlich gleichmütig reagiert er auf dem Spielfeld auf Provokationen. Eine einzige rote Karte für ein Foulspiel hat er in 25 Jahren kassiert. Und so ist das Lob, das er am zweithäufigsten hört: Fairness.

Es bleibt der Eindruck, dass Jari Litmanen vielleicht mehr als andere verinnerlicht hat, dass Fußball eine Mannschaftssportart ist. Sein anderes Team, die finnische Nationalmannschaft, hat ihn immer wieder geerdet. Als Nationalspieler mit 137 Einsätzen und 32 Toren hat er nicht ein einziges Mal an einem großen Turnier teilgenommen. “Wenn sich die Kollegen von Ajax Amsterdam, Barcelona oder Liverpool auf Europa- oder Weltmeisterschaft vorbereiteten, dachte ich, ja gut, ich fahre jetzt in den Sommerurlaub und werfe den Grill an.” Eine Eishockey-Nation eben, auch wenn Litmanen kräftig daran gerüttelt hat. “Ich war immer stolz, Finne zu sein, aber nicht immer stolz, ein finnischer Fußballspieler zu sein. Aber so ist es eben, ich kann es nicht ändern.”

Er hat noch immer nicht abgeschlossen mit dem Fußball. Von der letzten Knieoperation hat er sich erholt und kann nicht mehr sagen, ob es eigentlich das rechte oder das linke Knie war. Eineinhalb Jahre liegt sein letztes Spiel zurück. In der Zwischenzeit hat er trainiert, nur für sich, “doing some stretching”. Er sei fit, meint er. Aber nach 25 Jahren habe das aber nun wirklich keine Eile. Eine Trainerkarriere? Es gibt so vieles im Fußball, was man machen könnte. “Ein paar Leute haben gesagt, es gäbe ein Leben außerhalb des Fußballs, aber ich weiß nicht …” Das glauben sie ihm nicht, im Kino Babylon, und lachen schon wieder. Nein, extrovertiert ist Jari Litmanen sicherlich nicht. Aber doch einer, den die meisten instinktiv mögen, von Anfang an. Er macht es einem nicht besonders schwer.

Finnland, Fußball & Film.

Finnischer Filmabend beim 11mm: Die Komödie “Kulman Pojat” und der Dokumentarfilm “Kuningas Litmanen” feierten jeweils ihre Deutschlandpremieren. Zwei Filme, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie eint, dass sie der größten Fußballlegende Finnlands, Jari Litmanen, ihren Tribut zollen. Addiert man sie, kommt Finnland dabei raus.

Kulman Pojat

Kulman Pojat nimmt dabei die Perspektive der Fans ein. Erzählt wird die Geschichte von Petri, der Verkäufer in einem Sportfachgeschäft ist und dort jeden, der nach Eishockeyausrüstung oder Skates fragt, zu den Fußballschuhen schickt. Sein Lebensinhalt ist der örtliche Fußballverein, sein Held heißt Jari Litmanen. Jari heißt, und das ist kein Zufall, auch der Sohn seines besten Freundes. Der ist gerade fünf und soll in Litmanens Fußstapfen treten. Weil sein Vater keine Zeit hat, den kleinen Jari zu seinem ersten Fußballtraining zu bringen, übernimmt Petri das und verliebt sich Hals über Kopf in Jaris Fußballtrainerin Emmi. Hier könnte der Film enden, denn alles ist perfekt. Endlich eine Frau, die Fußball genauso im Herzen trägt wie er!

Weil eine Liebeskomödie aber ohne ein bißchen Drama unvorstellbar ist, erscheint Emmis Ex-Freund Tuukka auf der Bildfläche. Der ist zugleich ihr Mitbewohner, war finnischer Nationalspieler und kickt nun für den Lokalrivalen von Petris Herzensverein. Die Figur des Tuukka lehnt sich wenigstens ein Stück weit an die Biografie von Jari Litmanen an. Die Geschichte des Films ist solide erzählt. Wirklich umwerfend sind aber die Bilder. Zwischen derbe und poetisch ist alles dabei, und wenn in Finnland gesoffen wird, wird eben gesoffen. Wer danach verquer auf der Couch zu liegen kommt, sieht in der Regel nicht gut aus. Selbst wenn sie nur zu viert am Rande eines Fußballplatzes stehen, gelingen Petri und seinen Freunden sämtliche Rituale umfassender Fußballunterstützung: Flitzer, Platzsturm, Transparente, Bengalo, Gesang und Schlägerei. Das Verbot der lachhaften Bettszene kennt man wohl in Hollywood, nicht aber in Finnland. Denn wer über Liebe nicht lachen kann, hat den Ernst der Lage nicht begriffen. Ganz sparsam und zart werden dagegen Freundschaften beschrieben. Männer brauchen keine langen Dialoge, Männern genügt ein tiefsinniges Nicken. Ein bißchen erinnert das alles an die dänische Olsenbande: Es gibt keine ausweglosen Situationen. Ein schöner und ernster, vor allem aber ein unfassbar komischer Film!

Kuningas Litmanen

Der Dokumentarfilm “Kuningas Litmanen” – König Litmanen rekapituliert die wichtigsten Stationen der Karriere von Jari Litmanen mit Schwerpunkt auf seiner wohl erfolgreichsten Zeit bei Ajax Amsterdam. Charakterisiert wird er als “der Junge der spielen wollte”, und ein ungeheures Aufgebot an Stars lobt seine Qualitäten, die fußballerischen wie auch die menschlichen. Darunter der Trainer, dem er das meiste verdankt, wie er selbst glaubt: Louis van Gaal. Edwin van der Sar, Dennis Bergkamp, Xavi, Zlatan Ibrahimovic, Carles Puyol reihen sich ein und verneigen sich vor ihm.

Ganz klar liegt der Fokus des Films bei Litmanen, dem Sportler. Denn trotzdem auch seine Eltern, beide haben selbst Fußball gespielt, zu Wort kommen und Litmanen persönliche Verluste wie etwa den frühen Tod seines Cousins sehr bewegend schildert, kommt der Zuschauer der Person Jari Litmanen nur wenig näher. Er versteht aber auf Anhieb, was das Fußballpublikum der 90er Jahre an Jari Litmanen hatte: Ein feiner Sportsmann, der den Fußball eben so uneingeschränkt liebt wie die, die ihm dabei zusahen. Fast beiläufig werden aber auch die Schattenseiten des Profifußballs gestreift – Verletzungen, Folgen hinausgezögerter Operationen, die Einnahme von Schmerzmitteln. Nachrücken auf den Platz eines Spielers, der verletzt ist. Selbst verletzt und ersetzt werden. Sich zurück in das Team spielen. Funktionierende und nicht funktionierende Teams. Persönliche Siege, obwohl das Team verliert. Persönliche Niederlagen, während das Team gewinnt. Der Film lässt wenig aus und ist dabei doch völlig unsentimental. Als Litmanen nach der Vorführung auf der Bühne steht, ist klar, dass ihm nichts davon leid tut. Er würde das alles wieder genau so machen. Jedes Mal. Nichts daran ist romantisch. Der Film rückt vieles zurecht, was Fußballfans an Idealbildern mit sich herumtragen. Am Ende steht beruhigender Weise ein großes Trotzdem.

Football Landscapes

Während des gesamten Festivals wird in der oberen Etage die Ausstellung “Football Landscapes” der beiden finnischen Fotografen Harri Heinonen und Mikko Auerniitty gezeigt. Die machen einen großen Bogen um alles Große, Glänzende und suchen Spuren von Fußball im Alltag, im Wohngebiet, am Strand. Bezaubernd!

Alles Gute, 11mm! Herzlichen Glückwunsch, Bundesliga!

Zwei Jubiläen wurden gestern Abend im Kino Babylon gefeiert. Das 11mm-Fußballfilmfestival besteht seit nunmehr 10 Jahren, die alte Bundesliga wird 50. Das, so dachten sich die Gastgeber, lässt sich bestens miteinander verbinden, und Heribert Faßbender soll´s moderieren, bitteschön! Als Eröffnungsfilm gab es Geschichtsunterrricht in Sachen Bundesliga. Der Filmemacher Bernhard Dreiner hat für die ARD-Sportschau die Rubrik “Historie” gemacht – liebevolle Filmminiaturen über Spiele und Spieler seit 1963. Das ist Sportgeschichte, Gesellschaftskunde und Geografieunterricht zugleich. Daraus entstand eigens für das Festival ein 37minütiger Spielfilm mit großem Unterhaltungswert. Weil Feiern ohne Gäste kaum vorstellbar ist, kamen nicht nur die Fußballfilmfreunde der Stadt. Mit im Publikum saßen unter anderem Rudi Gutendorf, Klaus Fischer, Olaf Thon, Michael Preetz, Axel Kruse, Walter Eschweiler und Wolfgang Kleff.

Wer´s verpasst hat oder noch einmal sehen möchte: Der Eröffnungsfilm “11mm Special – 50 Jahre Bundesliga” wird am Dienstag, 19.3.2013 um 21:30 wiederholt.

 

Auf dem Sonnendeck.

Zum Training gehen ist schön, es sei denn, man trainiert. Während die Trainingskiebitze träge Richtung Sonne blinzelten, hat die Mannschaft auf dem Kleinfeld an ihrer Antrittsgeschwindigkeit und am schnellen Umschalten gearbeitet. Ich persönlich vermisse Kilian Pruschke, aber das will ja wieder keiner wissen.

Teve136 – Ditt Ziel sollte immer nach oben sein

2013 lässt sich gut an. Die Tribüne steht und kann besessen werden. Erstes Heimspiel: läuft. Neuverpflichtung: läuft. Tabellenplatz: traumhaft. Wir sind nur zu dritt, aber unser Überschwang reicht für die ganze Mannschaft. Robert, Gero und Steffi lassen ihm freien Lauf – durchaus in dem Bewusstsein, dass es am nächsten Spieltag ins Olympiastadion geht.

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Shownotes

Die neue Haupttribüne füllt sich mit Leben – Wir haben zugesehen und sind mehr als nur ein bißchen beeindruckt – Steht auf, wenn ihr Unioner seid! – Mehr Licht – Und jetzt nochmal mit Musik, bitte! – Das seltsame erste Tor: Michael Parensen war´s, und keiner hat´s gesehen – Gero ist trotzdem mit Simon Terodde zufrieden – Große Anerkennung für Adam Nemec´und Michael Parensens Laufleistung – Kein Spiel für Konterfußball – Gepflegtes Kurzpassspiel – Wir erinnern uns gegenseitig daran, dass Union inzwischen ein gestandener Zweitligist ist – Sandhausen: ein Trainingsspiel? – Kommunikation auf dem Platz – Wir verabschieden uns von Tijani Belaid und Markus Karl – Baris Özbek gibt uns vom feeling her ein gutes Gefühl – John-Jairo Mosquera und ein Markt, über den wir uns nie zuvor Gedanken gemacht haben – Wir besprechen “die gläserne Decke” – Wie weit reicht es bei Union? – Der Nachschuss im Berliner Kurier & wie man es auch sehen kann – Die Goldene Regel im Profifußball: Sei ehrgeizig! – Die Treue der Fans – Söldner vs. Profifußballer – Wir ruinieren Roberts Überleitung und blicken auf die Tabelle: Markus Karl hat nur zwei Punkte gut gemacht – Ist vom Aufstieg träumen doofer Scheiß? – Hertha vor der Brust, aber hoch hinaus wollen – Nach vorne orientieren muss, alles andere kann – Aufstieg wäre sinnvoll, wenn … ? – Chance & Gefahr – Dinge, die man nicht planen kann – Wir blicken weit zurück bis nach Falkensee-Finkenkrug und sind glücklich – Was hat sich durch die Professionalisierung geändert? – Bandenwerbung, die wir doof finden, aber hinnehmen – Spruchbänder zum Derby – Und, wie wird´s? – Wir trauen unserer Mannschaft viel zu

Es gibt den Podcast immer auch als Alternativdownload (96kbit/s – mono) für ganz schmale Bandbreiten (auch bekannt als üble Internetverbindung). Link ist unten unter den üblichen Downloadlinks.