Mehrere Abschiede und ein hochanständiges, letztes Spiel.

Ich mag die Tradition, sich am letzten Spieltag in aller Form zu verabschieden. Sie ist gut, sie ist richtig, sie ist angemessen. Auch wenn ich jedes Mal heulen muss. Damit ich nicht ganz so sehr traurig bin, habe ich etwas sehr Schönes geschenkt bekommen. Ein schwarzes Trikot mit einer 1 drauf. Ich ziehe das an, und ich behalte es an. Daniel Haas. Ich bin zu anhänglich für Fußball. Wie eine Unionbank ohne Detlef Schneeweiß aussieht, kann ich mir auch nicht vorstellen. “Ich bin doch noch hier!”, tröstet mich Detlef. Jedenfalls glaube ich, dass er das ist, meine Brille ist schon wieder so beschlagen. Hofi das letzte Mal auf der Trainerbank. Dann spielt Union ein überraschend gutes Spiel gegen den Zweitligameister Freiburg. Wir sehen ein letztes Mal, wie Bobby Wood eingewechselt wird. Und jetzt ist Pause. Ich weiß nicht, wie es euch geht: Ich brauche die.

Wenn die Zahlen dasselbe sagen wie´s Gefühl.

Union gewinnt 1:0 gegen Heidenheim, und zwar hübsch häßlich. Dafür wird mein subjektiver Eindruck, dass Michael Parensen einfach Gold ist, von denen bestätigt, die immer die Striche auf die Bierdeckel machen und das Spiel nachher in Zahlen präsentieren. 4 Torschussvorlagen, 83 Ballaktionen, 92% gewonnene Zweikämpfe bescheinigt ihm opta. Mich macht sowas glücklich.

Auswärts ist das neue Zuhause.

Ich wohne in Berlin und gehe zu Union. Das ist klar, einfach und logisch. Ich wohne in Berlin und gehe zu Fortuna Düsseldorf, dem VfB Stuttgart, Borussia Mönchengladbach, dem SC Freiburg, Arminia Bielefeld, dem VfL Bochum, dem 1.FC Kaiserslautern und dem 1.FC Nürnberg ist wesentlich komplizierter. So richtig ermessen kann ich die Schwierigkeit eines Exilfanlebens aber erst, seit ich “Ferne Liebe” von Martin Zeising gesehen habe.

Er ist selber einer. Er weiß, wovon er spricht. Für alle Berliner Fußballfans, die das Glück haben, einem Berliner Verein anzuhängen, tut sich dagegen ein Paralleluniversum auf. Klar sind mir die vielen Fußballkneipen auch schon aufgefallen, in denen andere als rot- oder blau-weiße Schals hängen. Die Schwalbe haben wir uns mit Kölnern geteilt, eine Ecke weiter hatten die Kaiserslauternfans ein Zuhause, und das Rösslequiz kennt ganz Berlin. Hier zu wohnen, aber sein Fußballherz woanders gelassen zu haben, bedeutet Warten auf das eine Auswärtsspiel im Olympiastadion oder der Alten Försterei. Es bedeutet, an jedem Wochenende auswärts zu fahren, wenn man ins Stadion möchte. Oder eben in die Fankneipe gehen. Ich bin nicht sicher, ob ich das aushalten würde. Aber die Frauen und Männer, mit denen Martin Zeising und seine Kollegen unterwegs waren, die machen das.

Als Ausgleich haben sie etwas, das “richtigen” Heimfans oft nicht vergönnt ist. Sie pflegen guten Umgang untereinander. Das können sie, weil sie alle im selben Boot sitzen. Ihr jährliches Kickerturnier ist Sinnbild für Fankultur, wie ich sie mir wünsche. Vielleicht gibt es so etwas nur in Ausnahmesituationen. Ich bin dankbar für diesen Film, der eine Fußballwelt aufmacht, die ich bis dahin nicht kannte. Auch wenn er ein paar Längen hat: Für alle, die an Fankultur interessiert sind, lohnt sich der Besuch.

Den Trailer könnt ihr bei youtube sehen. Der Film wird am Montag, 21.3.2016 um 19:45 noch einmal im Kino Babylon gezeigt.

Cristian Fiél: Herzfußball

Es war Liebe” heißt das Filmporträt über Cristian Fiél, das gestern bei 11mm seine Berlin-Premiere feierte. Cristian Fiél wurde in Aachen, Berlin und Dresden gleichermaßen große Wertschätzung entgegen gebracht, die weit über die Zeit hinaus reichte, in der er jeweils bei den Vereinen gespielt hat. Das gelingt nicht vielen Spielern. Wer sich den Film ansieht, versteht, warum Fielo einer ist, auf den sich alle verständigen können. Ich habe ausgewachsene, bärtige Männer weinen sehen, als er 2015 sein Karriereende als Spieler bekannt gab.

Die Filmemacher Henry Buschmann, Jan Franke und Steffen Kuttner sind das Team hinter DynamoTV, den Vereinskanal von Dynamo Dresden. Es sollte eine Art Abschiedsgeschenk für einen großen Spieler ihres Vereins werden. Statt dessen ist es ein abendfüllender Dokumentarfilm geworden, der genau wie Cristian Fiél selbst über die Vereinsgrenzen hinaus großartig ist. Obwohl aus Dresdner Sicht erzählt, weil die Geschichte des Films sich unvermeidlich um das letzte Spiel für Dynamo rankt, kommen die anderen Spielstationen weder zu kurz noch schlecht weg. Nicht einmal Bochum.

“Herzfußball” hat Unions Pressesprecher Christian Arbeit über Fiéls Spielweise gesagt. Es ist wahrscheinlich der treffendste Begriff dafür. “Die Emotionen der Leute, das ist das Geilste was es gibt” beschreibt Fiél selbst, was ihn angetrieben hat. “Das Leben als Profifußballer ist einfach das schönste, was man sich vorstellen kann.” Lauter Superlative. Er hat den einen Beruf gefunden, der für ihn der richtige ist, der ihn beflügelt hat. Zuletzt eben in Dresden. “Ich bin hier, um aufzusteigen. Ich hab keinen Bock auf diese Dritte Liga. Und der liebe Gott hat gesagt: Arbeite hart, und du kriegst es.” Die Mischung aus Talent, Fleiß, Selbstvertrauen und Zuversicht zeichnet ihn bis heute aus. Gerade arbeitet er daran, Trainer zu werden. Er hat fest vor, es auch dabei weit zu bringen.

In der Kinovorstellung bei 11mm sind neben ihm noch Plätze frei. “Sitzt doch nicht alleine da am Rand, kommt doch her!” winkt er Christoph Gabler von der Festivalleitung und mich heran. Ein Herthaner und eine Unionerin sitzen wir da und denken: Was´n guter Typ, ey! Das denken wir beide nicht oft. Schon gar nicht über denselben Spieler.

Den Trailer zum Film findet ihr bei youtube, den ganzen Film könnt ihr im Fanshop von Dynamo Dresden kaufen. Dass ich das mal empfehlen würde, habe ich mir bis heute auch nicht vorstellen können.

11mm und die drei Vizeweltmeister.

Ihr kennt das schon. An einem Donnerstag Mitte März gehe ich ins Kino rein und erst fünf Tage später wieder raus. Dieses Jahr begleite ich mein Lieblingsfilmfest 11mm ganz offiziell als Fotografin. Es ist die Schnittmenge aus Fußballspielern, Fußballfilmen und Fußballpublikum, die diese Veranstaltung immer wieder reizvoll macht. Gestern haben mit Horst-Dieter Höttges, Max Lorenz und Siggi Held drei Vizeweltmeister von 1966 mit Erstaunen gesehen, dass sich eine Menge Menschen dafür interessiert, was sie über das Turnier zu berichten haben. Bei “Goal! The World Cup“, dem Eröffnungsfilm des Festivals, saßen sie in ihren Kinosesseln, stießen sich an “Hast du das gesehen!”, schimpften über Fouls, freuten sich über Tore und sahen sich selbst beim jung sein zu. Für diese Momente gehe ich zu 11mm. Ich freu mich sehr auf die nächsten Tage!

1.FC Union Berlin vs. TSV 1860 München 3:0

Jakob Busk. Ich brauch´ manchmal länger. Aber ich bin seit heute mit hadern fertig. Ein Torwart wie ein Feldspieler. Unfassbar gut. Außerdem sollte keine Mannschaft jemals darauf verzichten, einen Micha Parensen zu haben. Backup sein ist undankbar. So erwachsen, diese Rolle anzunehmen, werden die wenigsten Spieler. So gut, das nahtlos spielen können, bleiben nicht viele. Ich bin froh über jeden Spieltag, an dem Michael Parensen bei dieser Mannschaft ist.

Zum Geburtstag: Mehr Musik!

Fußball und Musik gehören zusammen, nicht nur bei Union. Dennoch scheint der 1.FC Union Berlin ein besonderer Quell der Inspiration für Musiker zu sein. Kürzlich erschien die Union-Doppel-CD „Unsre Liebe – Unser Stolz“ im John-Silver-Verlag. Lieder von, für und mit Fans. Martin Miersch, der das Projekt maßgeblich betreut hat, erzählt, wie sie zustande kam.

Union-CD

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Gefühltes Unentschieden.

Neuer Trainer und neue Wettersorte, dafür aber Greuther Fürth – ganz so, als würde die Saison 2015/16 eben erst beginnen. Und obwohl das Spiel spätestens nach dem Ausgleich irgendwie kaputt gegangen ist, bin ich gespannt auf das, was Sascha Lewandowski mit dieser Mannschaft zu erreichen imstande ist. Ich kann mir vieles vorstellen. Aber ich hab ja auch Phantasie.

Ein Zahnrad in dem ganzen Getriebe

Dieser Text über Sven Weinel, Betreuer und Fahrer des Mannschaftsbusses des 1. FC Union, erschien zuerst im September 2011 im Köpenicker Magazin Maulbeerblatt.

Beim Einsteigen in den Mannschaftsbus des 1.FC Union fällt zuerst ein Schild ins Auge. „Den Bus bitte nicht mit Fußballschuhen betreten“ – auf Deutsch, Französisch, Portugiesisch. Halten sich die Jungs daran? Ja, sagt Sven Weinel. Er hat nicht nur den Zettel dort hingehängt. Er fährt den Mannschaftsbus, wäscht und tankt ihn, achtet darauf, dass die gesamte Technik an Bord in Ordnung ist, bringt ihn in die Werkstatt, bepackt ihn für die Auswärtsfahrten und sorgt sich darum, wo er ihn dort nachts sicher abstellen kann. Wenn er nicht für Union unterwegs ist, arbeitet er als Taxifahrer.

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Foto: Stefanie Fiebrig

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„Immer, wenn ich mein Heft bei Dir kaufe, gewinnt Union“

Dieser Text über Leni und Judith, Verkäuferinnen des Stadionhefts des 1. FC Union, erschien zuerst im Juni 2011 im Köpenicker Magazin Maulbeerblatt.

Leni und Judith trifft man an Heimspieltagen des 1. FC Union Berlin lange vor Spielbeginn am ehemaligen Fanshop in der Hämmerlingstraße. Seit der Oberligasaison verkaufen die beiden die Programmhefte fürs Stadion. Sie sind Teil eines Teams aus insgesamt 14 Leuten von der Druckerei VierC und freiwilligen Helfern aus Fankreisen. Feierabend ist, wenn das letzte Heft weg ist oder der Anpfiff ertönt.

Foto: Stefanie Fiebrig

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