Simon Hedlunds Generalprobe in Kiel

Union hat viele Baustellen zur Zeit. Vieles ist unklar. Die Zukunft des Trainers beispielsweise. Die Liga ebenso, in der Union in der nächsten Saison spielen wird. Und der Zustand, in dem sich die Mannschaft befindet, ist für uns von außen betrachtet auch unklar. Manche Fragen gehen im Alltag unter, wenn es vor allem um das jeweils letzte Punktspiel oder die nächste Partie geht. Die Länderspielpause gibt den Berliner Medien die Chance, sonst eher nachrangige Themen zu behandeln. So hatte sich die BZ am Sonntag mit Dennis Daube beschäftigt, der von André Hofschneider etwas überraschend im Regensburg-Spiel als bester Spieler auf dem Platz hervorgehoben wurde. Im Artikel geht es darum, dass er sich noch Hoffnung auf mehr Spiele macht. Verständlich mit Blick auf seinen im Sommer auslaufenden Vertrag. Ich habe mich vor allem über diese Stelle gewundert:

Im Dezember sortierte Union ihn quasi aus, jetzt ist er überraschend nah an der Startelf. Daube: “Mir wurde gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit auf Einsatzminuten nicht so groß sein wird. Für mich war es schwierig, damit umzugehen.”

Das ist aus heutiger Sicht zumindest unglücklich. Einerseits mag das ehrlich sein. Aber sollte man als Verein auf Spieler angewiesen sein, die keine Zukunft mehr im Verein haben, so ist das mindestens ein Risiko. Erst recht jetzt, wenn es darum geht, sicherzustellen, dass die Klasse gehalten wird. Ich weiß, dass ich das jetzt mit dem Wissen um eine Tabellenkonstellation schreibe, an die niemand ernsthaft in der Winterpause gedacht hat. Aber das macht die Situation nicht ungeschehen.

Etwas anders stellt sich die Lage bei Jakob Busk dar, der natürlich nicht damit zufrieden ist, erneut in der Rückrunde die Bank drücken zu müssen (Kurier). Aber sein Vertrag läuft noch bis 2020. Die Schwierigkeit besteht eher darin, dass es weder für Mesenhöler noch für Busk eigentlich klar ist, warum mal der eine oder mal der andere spielt. Keiner ist signifikant besser/schlechter als der andere. Ich gehe stark davon aus, dass einer der beiden Torhüter für sich im Sommer eine Entscheidung treffen wird. So ähnlich wie das auf der rechten Außenverteidigerposition mal mit Benjamin Kessel und Christopher Trimmel der Fall war. Da war auch jeweils einer der beiden zu gut für die Bank.

Das Insta-Game von Jakob Busk ist jedenfalls seit des Verlustes seines Stammplatzes nicht mehr so stark. Sein letztes gepostetes Foto ist nämlich das hier:

Auf wen wir heute beim Testspiel von Union in Kiel (Anpfiff 14.30 Uhr) besonders achten sollten, ist Simon Hedlund.

Simon Hedlund; Foto: Matze Koch

Bild/BZ schreiben, dass der Angreifer gleich zwei Verletzungen hatte. Von der am Syndesmoseband (Fuß) wussten wir, von der Knieverletzung (Innenband) allerdings nicht. Ich hoffe einerseits, dass Simon Hedlund Union in dieser Saison noch helfen kann. Aber andererseits natürlich auch, dass er gesund bleibt.Auch hier ist die Frage, wie sehr ein Spieler an seine Leistungsgrenze gehen kann oder wird, wenn er in ständig in seinen Körper hineinhorcht, ob alles in Ordnung ist.

Und sonst so?

Roberto Puncec wird heiraten. Und Romantiker der er ist, hat er den Antrag in Venedig gemacht. Ich kann mich mit dem Bomberjacken-Revival nicht abfinden. Aber geschadet hat die Jacke Puncecs Mission nicht, insofern ist alles fein. Naja, außer dass ich seinen Weggang von Union immer noch bedauere.

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Noch einmal zur Sportpolitik: Dass mit der Abstimmung über 50+1 bei der DFL-Mitgliederversammlung nicht Schluss ist, war klar. Und das erste mediale Feuer gibt nun Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern ab, der im Kicker (Auszüge hier online) einem Klub wie dem FC St. Pauli die Berechtigung abspricht, sich überhaupt so zu Wort zu melden, wie es Andreas Rettig als Klubvertreter vergangene Woche getan hat, als der Antrag zur Abstimmung über 50+1 eingebracht wurde.

Wir können unsere Phantasie nun etwas spielen lassen, was das alles bedeutet. Ob sich die DFL vielleicht aufspaltet und sich endgültig teilt zwischen Bundesliga und Zweiter Liga, ob sich der FC Bayern aus dem deutschen Klubfußball verabschiedet oder ob die Geldverteilung zwischen Erster und Zweiter Liga in Zukunft noch einmal debattiert wird. Wie sagte Dirk Zingler im Interview vergangene Woche: “Solidarität fordern ist einfach, sie aber zu leben, ist eine große Herausforderung. Da möchte ich gar nicht in der Situation von Bayern, Dortmund oder anderen sein. Diese Vereine könnten sich sicher selbst vermarkten und würden ähnlich viel für sich selbst generieren, ohne etwas nach Köpenick überweisen zu müssen. Uns steht als Nehmer nicht zu, noch mehr von denjenigen zu fordern, die ohnehin schon sehr solidarisch sind.” Das fand ich sehr realistisch. Und in dem Sinne bin ich gespannt, wie sich die Diskussion um 50+1 weiter entwickeln wird.

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