Lars Dietz, die 3-in-1-Verpflichtung für die Defensive

Während ich die letzten Tage über zwei bis maximal drei mögliche Verpflichtungen im Winter nachgedacht habe für die Innenverteidigung, die rechte Außenverteidigerposition für den Fall des Abgangs von Atsuto Uchida und vielleicht noch für die Sechserposition im defensiven Mittelfeld, sagte sich Union wohl: Wir können auch einen Spieler holen, der alle drei Positionen bespielen kann. Das ist Lars Dietz (20) vom Regionalligisten Borussia Dortmund II, der die Rückennummer 4 und einen Vertrag bis 2021 bekommen soll, wenn alle Formalitäten geklärt sind (Vereinsmitteilung).

😜 Can't wait to be back playing ☝️

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Hier die Medienberichte zum Trainingsauftakt und zur anstehenden Verpflichtung von Lars Dietz:

Für all diejenigen, die diese Verpflichtung damit kommentieren, dass sich daran die zukünftigen Ansprüche von Union ablesen lassen, möchte ich die Verpflichtung von Marcel Hartel im Sommer in Erinnerung rufen. Auch er spielte effektiv nur Regionalliga und hatte null Perspektive im Bundesligakader der Kölner. Das allein macht einen Spieler und dessen möglichen Wert für Union also nicht sofort schlechter.

Interessant finde ich das Denken, mit einem Allrounder hier auf mögliche Defizite hinter den Stammspielern auf ähnlichen Positionen reagieren zu wollen. Atsuto Uchida beispielsweise war hinter Christopher Trimmel nicht einsetzbar, als er gebraucht wurde. Deswegen ist sein Wechsel nach Japan für beide Seiten nachvollziehbar. In der Innenverteidigung wurde Christoph Schösswendter selbst dann nicht eingesetzt, als die Not wirklich groß war. Und auf der Sechserposition gab es eigentlich so etwas wie einen Stammspieler gar nicht. Felix Kroos hat dort am häufigsten gespielt. Es machte aber nicht den Eindruck, als könnte er dort am meisten aus seinen Fähigkeiten für sich und das Team herausholen.

Was ist aber eigentlich die persönliche Perspektive von Lars Dietz? Für den 20-Jährigen dürfte es vor allem darum gehen, den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Und wenn das über den eigentlich nicht unbedingt karrierefördernden Begriff des “Allrounders” geht, wird ihm das auch recht sein. Vielleicht holt er sich ein paar Tipps von Michael Parensen ab, der vor neun Jahren auch aus der Regionalliga zu Union kam (von Köln II und zuvor auch Dortmund II) und sich vom linken Offensivspieler zum vielseitig einsetzbaren Allrounder in der Defensive entwickelte. Klar ist aber auch, dass sich damit die Innenverteidigung vor allem auf der linken Position nicht sprunghaft verbessern und viel davon abhängen wird, wie sehr Fabian Schönheim in Zukunft von Verletzungen verschont bleibt.

Es kann sein, dass es noch Abgänge gibt, aber dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Mit Spielern, die in zukünftigen Planungen keine Rolle mehr spielen, sei gesprochen wurden und es würden noch ein, zwei Gespräche in dieser Woche geführt, wird Sportgeschäftsführer Lutz Munack beim RBB zitiert.

Abgesehen davon können es aber durchaus spannende Wochen werden bei Union. Die Hierarchie im Team ist nicht in Stein gemeißelt. Sowohl was die Kapitänsfrage (aktuell Felix Kroos) als auch die Torhüterposition (Jakob Busk fehlte gestern krankheitsbedingt beim Training) betrifft. Und jenseits von den Personalien interessiert mich, ob André Hofschneider es gelingt, in der kurzen Zeit bis ersten Pflicht spiel, dem Team eine neue Idee für das Spiel mitzugeben.

Und sonst so?

Ich wollte euch die ganze Zeit schon dieses Interview mit DFB-Scout Urs Siegenthaler aus der Morgenpost ans Herz legen. Darin fand ich zwei Aspekte ganz interessant. Zum einen kritisierte er die viele Heurmreiserei, die Spieler bei permanenten englischen Wochen erschöpfen würde. Das ist aus Unionsicht nicht so dringend, sondern eher ein Thema für Spitzenspieler, die im Europapokal und in der Nationalmannschaft zum Einsatz kommen.  Auch interessant fand ich den Fokus auf die Außenverteidiger und ihre Funktion für den Spielaufbau:

Screenshot: Morgenpost

Bei Union setzen beide nominellen Außenverteidiger (Trimmel und Pedersen) dort starke Akzente und sowohl Marcel Hartel, Steven Skrzybski als auch Felix Kroos als Sechser lassen sich viel auf die Seiten fallen.

Wer sich wie ich beim Drei-Fragezeichen-Kids-Buch “Bundesliga-Alarm” mal gefragt hat, warum da Union nicht, aber Heidenheim und Paderborn auftauchen, bekommt darauf eine Antwort vom Autoren Boris Pfeiffer:

Und falls sich jemand fragt: Was macht eigentlich Sreto Ristic? Der ist aktuell Co-Trainer in Chemnitz und leitet nach der Entlassung von Horst Steffen vorübergehend das Mannschaftstraining (Mitteilung des Chemnitzer FC)

2 Gedanken zu „Lars Dietz, die 3-in-1-Verpflichtung für die Defensive

  1. Teigl wurde heute in BS vorgestellt mit einer komisch laufenden Leih-Zeit.

    Wenn noch Themen fehlen sollten, könnte man mal den Blick in Richtung Karlsruhe richten (siehe Stadion) und in Bielefeld vorbeigucken (Finanzen). Hier scheinen nicht alle Sachen rosig zu laufen.

    Unter deinen genannten Punkten sehe ich bei Dietz auch eine Entlastung bzw. keine große Belastung für die Payroll bei Union.

  2. Schade, dass es mit Uschi nicht geklappt hat. Hätte den gern mal in Topform gesehen, da hätte Trimbo bestimmt mehr Druck verspürt, als ihn Allrounder Dietz ausüben kann. Aber generell natürlich sinnvoll, auf einen jungen Spieler mit vermutlich geringem Gehalt zu setzen – zumindest wenn er irgendwann so einschlägt wie Hartel.

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