Schuldig!

Am Montag reichte es Trainer Uwe Neuhaus irgendwann. Wochenlang wurde der Coach vom 1. FC Union nach dem Zustand des Rasens und den Auswirkungen auf das Spiel befragt. Auch nach dem mageren 0:0 gegen Aufstiegskandidaten FC Augsburg wurde das Restgrün im Stadion an der Alten Försterei zum Schuldigen auserkoren. Kein Passspiel möglich. Ballannahmen Glückssache. Als Indikator der Auswirkungen des Rasens auf das Fußballspiel taugt das Gesicht von Santi Kolk nach seiner Auswechslung. Es muss für ihn eine Beleidigung seiner fußballerischen Fähigkeiten gewesen sein, auf diesem Untergrund spielen zu müssen.

Aber jetzt würde alles wieder gut. Montag. Der Rasen wird abgetragen. Jetzt ist das Thema durch und bei Union kann der Spaß wieder einziehen. Weit gefehlt. Denn kaum werden die Reste des Stadionrasens am Trainingsplatz vorbeigetragen, soll sich der Trainer zur nächsten medialen Baustelle äußern. Union ist 325 Minuten ohne Torerfolg. Wäre Uwe Neuhaus eine Cartoon-Figur, hätten sich die Augäpfel nach hinten gerollt. Die Fragen kommen holzgeschnitzt daher: “Wann schießt ein Stürmer das nächste Tor?” Damit ist Uwe Neuhaus nicht aus der Reserve zu locken: “Wer weiß, vielleicht trifft auch ein Mittelfeldspieler…” – “Welche Übungen kann man als Trainer nun machen?” – “Torschüsse üben.” Erst als die Frage kommt, ob das vielleicht Kopfsache sei, platzt Uwe Neuhaus der Kragen. “Es ist doch egal, was ich hier sage. Die Geschichte steht doch schon fest. Erst war es der Rasen, jetzt kommt die Kopfsache. Warten sie doch erst einmal ab.”

Und dann erklärt Neuhaus, wie schwierig es sei, sich bei den bisherigen Bodenverhältnissen Chancen zu erspielen. Er bringt das Beispiel von Aue, die zu Hause aus den gleichen Gründen vor allem aus Standardsituationen zum Torerfolg kämen. Deshalb das Hauptaugenmerk erst einmal auf die Defensive. Zwar hat Union in den letzten vier Spielen nur ein Tor geschossen, aber eben auch nur eines hinnehmen müssen. Die ganze Zeit fahren weiter LKWs oder Traktoren mit Anhängern am Trainingsgelände vorbei. Für den Trainer ist die Sache mit dem Rasenwechsel erledigt. Schuldig und weg. Ob die Balance zwischen Defensive und Offensive intakt ist, wird man frühestens gegen Bielefeld sehen können.

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