Was Keven Schlotterbeck von Neven Subotic lernt

Ich lasse die Champions League seit einiger Zeit links liegen. Nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern weil ich etwas gelangweilt davon bin, dass die immer gleichen Klubs aufeinander treffen und eine Paarung wie Bayern gegen Arsenal gefühlt häufiger vorkommt als die von Schalke gegen Dortmund. Und die Reform mit mehr festen Startplätzen für geldkräftige Verbände hat das aus meiner Sicht noch verschärft. Selbst zur Gegnerbeobachtung habe ich gestern Abend nicht geschaut. Dabei hat Leverkusen bei der 1:2-Niederlage gezeigt (Kicker-Spielbericht), dass sie nicht nur durch Dortmund verwundbar sind, sondern sich durch Abwehrschnitzer auch gegen Lokomotive Moskau in Bedrängnis bringen. Ich bin gespannt, ob Urs Fischers Herangehensweise ähnlich wie gegen Dortmund sein wird. Er könnte (aber wird es sicher nicht) heute um 12.30 Uhr auf der Pressekonferenz verraten (live auf AFTV).

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Dirk Zingler, der neue Sponsor und der Fußball-Klassenkampf

Unions Präsident Dirk Zingler hat Kurier und Berliner Zeitung ein Interview gegeben, in dem er über die Wahl von Aroundtown als neuem Hauptsponsor des 1. FC Union, die Idee des Derby am 9. November und Unions Perspektive in der Bundesliga spricht. Die Sponsorwahl rechtfertigt er dabei einerseits damit, dass auch in der sozialen Konfliktsituation um das Thema Wohnraum Unternehmen differenziert zu beurteilen seien, und andererseits damit, dass Union schon seit langem eine Beziehung zu den handelnden Personen bei Aroundtown habe.

Zingler

Dirk Zingler fomuliert Unions Position in dem Interview ziemlich deutlich. Foto: Stefanie Fiebrig

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Felix Kroos bleibt bei Union, aber wohl auch bei seiner Rolle

Aus der Perspektive der vergangenen Saison gesehen kommt es vielleicht ein bisschen überraschend, dass Felix Kroos auch in der kommenden Saison beim 1. FC Union spielen wird. Schließlich stand Kroos in der Aufstiegssaison nur in ziemlich genau der Hälfte der Minuten auf dem Platz, und das fast nie, weil er nicht zur Verfügung gestanden hätte.

Kroos

Felix Kroos feiert emotional den Aufstieg, Photo: Matthias Koch

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Neuer Union-Sponsor: Geht es jetzt den Eisernen Kubikelfen an die Pfunde?

Union hat heute morgen seinen neuen Brustsponsor vorgestellt. Zum Trainingsauftakt Ende Juni wird Layenberger auf den neuen Trikots zu sehen sein. Der Vertrag gilt für Bundesliga, Zweite Liga und 3. Liga (offizielle Meldung von Union). “Alle drei Ligen sind verhandelt”, sagte Harald Layenberger bei der Vorstellung auf die Frage zu höheren Zahlungen bei einem möglichen Aufstieg.

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Herthas neue Bescheidenheit.

Es gibt diese Veranstaltungen, bei denen schon vorher klar ist, was passieren wird. Wenn ein Verein wie Hertha BSC die Verlängerung mit seinem Hauptsponsor verkündet, werden beide Seiten vor vielen klickenden Kameras betonen, welch wichtigen Partner sie haben. Doch sie verlief anders und der millionenschwere Top-Manager Rüdiger Grube sprach von Demut und zitierte aus seiner Hochzeitsanzeige.

Bei der Vorstellung des Engagements begründete Grube den erneuten Vertrag: “Das ist wie in einer Ehe. Wir stehen auch in schlechten Zeiten und hoffen gemeinsam auf bessere. Wir wollen den Aufstieg von Hertha und die Etablierung in der Bundesliga.” Beim ersten Vertrag zwischen Dieter Hoeneß und Hartmut Mehdorn war das Ziel noch Champions League. Herthas Präsident fasste sich in einfache Worte: “Ich möchte einfach nur Danke sagen. Für Hertha ist das eine schwierige Situation, in der das Bekenntnis viel wert ist.”

Und so war weniger der für Herthas momentanen Stand sehr gute Vertrag das Thema der Veranstaltung sondern Bescheidenheit. Der Bahnchef betonte immer wieder, wie sehr er Herthas Präsidenten schätze. Auch weil sie sich beide von unten hochgearbeitet hätten. Beide sprächen die gleiche Sprache. Es entstand der Eindruck, dass diese Männerfreundschaft überhaupt erst die Grundlage des Vertrages ist. Ganz nebenbei bestätigte Rüdiger Grube das Gerücht, dass Herthas Präsident Hertha auch mit eigenem Geld unterstützt: “Er ist da mit seinem persönlichen Vermögen reingegangen. Wo gibt es das noch?”

Im Nachgespräch antwortete der Bahnchef auf die Zweitligaexistenz von Hertha angesprochen: “Ich habe gelernt, dass Demut etwas sehr wichtiges ist. Dass man auch mal runtergeht und merkt, wie es dort ist. Dann weiß man den Erfolg viel mehr zu schätzen.” Bescheidenheit. Demut. Zwei Worte, die Fußballfans bisher nicht zwangsläufig mit Hertha in Verbindung brachten. Doch das ist Grubes Thema, und er spielt diese Melodie gerne. “Wissen sie was in meiner Hochzeitsanzeige stand?” fragte er einen Reporter direkt. “Ein Motto, dass ich allen jungen Menschen ans Herz legen möchte: Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher sein wollen.”

Imagetransfer

Christoph Biermann von SpiegelOnline hat mit seinem gestrigen Artikel hohe Wellen geschlagen. An dieser Stelle soll es aber gar nicht direkt um die Tätigkeit des ISP-Chef Jürgen Czilinsky für das Ministerium für Staatssicherheit gehen. Für deren Bewertung gibt es einfach noch zu wenig Informationen.

Bereits jetzt lässt sich aber betrachten, wie der Verein mit dem Sponsor verknüpft wird. In der Pressemitteilung bei der Vorstellung der ISP als Sponsor war von Imagetransfer die Rede:  “Um zum Imagegewinn und Imagetransfer der Unternehmensgruppe rund um die ISP beizutragen, hätte es also keinen besseren Standort als Berlin für den Start der ISP-Tätigkeiten geben können.” Nun ist es normal, dass eine Firma sich erhofft, dass durch Sponsoring ihre Marke positiv aufgeladen wird. Im Falle der ISP ist allerdings bis jetzt noch unklar, was die Marke sein soll.

Ein Blick in die Presse am Tag eins nach dem Artikel von Biermann macht dann deutlich, dass Imagetransfer auch andersherum und dazu noch negativ funktionieren kann:

– Beim Berliner Kurier ist völlig sauber vom Unionsponsor die Rede: “Der Boss war ein Stasi-Hauptmann” Der Kurier hat im Osten seine Stammleserschaft, die ihm unsaubere Überschriften à la “Stasiskandal bei Union” sehr übel nehmen würde.

– Auch die B.Z. (neuer Medienpartner des Vereins) trennt sauber Sponsor von Verein: “Union-Schock: ISP-Boss Czilinsky war Stasi-Offizier”

– Aber schon in der Berliner Morgenpost klappt es mit der Sprache nicht mehr so: “Sponsor-Chef von Union soll für Stasi gespitzelt haben”

– Völlig merkwürdig und obskur dann diese Überschrift: “Ex-Stasi-Offizier sponsert Fußball-Zweitligisten Union Berlin”, die von einer Nachrichtenagentur verfasst wurde.

Sichtbar wird aber schon durch diese wenigen Beispiele, dass Union mehr oder minder offen im Text oder im Bewusstsein des Lesers mit der Undurchsichtigkeit seines Sponsors verknüpft wird. Es hat Jahre harter Arbeit des jetzigen Präsidiums gebraucht, damit der Verein wieder als seriöser Partner wahrgenommen wird. Und die Aktion des Stadionbaus hat dem Verein landesweit eine positive Ausstrahlung gegeben, die durch keine Kampagne zu schaffen gewesen wäre. Es braucht nur wenig, um das alles wieder einzureißen.