Ein großer Schritt Richtung Comeback für Raffael Korte

Raffael Korte ist zurück! Das ist vielleicht das, was wir aus dem 4:0 gestern gegen den BAK mitnehmen können. Wobei das vielleicht etwas zu überhöht ist. Der rechte Offensivspieler, der seit Ligastart in diesem Kalenderjahr wegen eines Kreuzbandrisses ausfiel, hat sein erstes Testspiel bestritten. Das ist ein großer Schritt auf dem Weg zurück nach der Verletzung.

Raffael Korte beim Test gegen den BAK, Foto: Matze Koch

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BAK 07 vs. 1.FC Union Berlin 1:2

Von Testspielen in der Sommerpause erwarte ich, dass die Sonne scheint und die Getränke kühl sind. Ich gehe hin, um mir die neuen Spieler anzusehen. Neu heißt für mich auch: Nachwuchsspieler. Die sehe ich sonst selten. Und mit ansehen meine ich ansehen: Ich kann nach einer Halbzeit unmöglich sagen, was das für welche sind oder was Norbert Düwel sich für die kommende Saison so vorstellt. Ich gewöhne mich an Namen und Zahlen und manchmal an Bewegungsmuster. Ich glaube, ich werde Christopher Trimmel und Toni Leistner mögen. Ich freue mich sehr über Eroll Zejnullahu. Ich bestaune den kompakten Abdallah Gomaa, der mich ein bißchen an Chinedu Ede erinnert und eine extrem lässige Art hat, ein Fußballtrikot zu tragen. Endlich wieder auf der richtigen Seite des Rasens steht schließlich auch Sebastian Bönig als Co-Trainer. Ich sag nur: Schwarze Schuhe! Guter Mann. Der einzige, der mir noch fehlt, ist der Typ, der die Tore schießt.

Oberliga is pain in the ass.

Das hatte sich Trainer Bahman Foroutan im Jahnsportpark sicher ganz anders vorgestellt. Der Trainer saß in der Pressekonferenz nach dam Achtelfinalspiel zwischen BFC Dynamo und BAK wie immer mit seiner Schiebermütze, eingerahmt von BFC-Pressesprecher Martin Richter und BFC-Coach Heiko Bonan. Der große Raum in der Haupttribüne war sicher für andere Oberliga-Verhältnisse gestaltet worden. Für eine erstklassige Oberliga. Jetzt ist sie nur noch fünftklassig und es waren nur die gekommen, die es wirklich interessiert hatte: Fußballwoche, TVB und Berliner Kurier. Der Einfachheit halber blieben deshalb an den allen anderen Tischen die Stühle auf den Tischen.

Aber nicht das störte Foroutan. Seine Mannschaft, der Berliner AK, ist souveräner Tabellenführer. Nur eine Niederlage in 21 Spielen und dabei nur sechs Gegentore sind ein klares Zeichen. Trotzdem verlor der BAK das Pokalspiel 2:1 nach Verlängerung. Doppelt bitter für die Moabiter: Das Gegentor zum Ausgleich fiel erst in der 92. Minute. In der Verlängerung kam der BFC erst in der 119. Minute zum Siegtreffer. Aber Foroutan, der kurz von 1983-84 die iranische Nationalmannschaft betreute, funkelte kurz mit den Augen und sagte dann: “Mir war klar, wer dieses Spiel gewinnt, wird Pokalsieger. BFC, herzlichen Glückwunsch zum Pokalsieg. Vielleicht bekommt ihr in der ersten Runde des DFB-Pokals Bayern München.”

Den Trainer wird die Niederlage nicht so schmerzen wie den Manager vom BAK. Wer im DFB-Pokal startet, bekommt ungefähr 120.000 € als sichere Einnahme. Nichts, was ein Bundesligist merken würde. Aber für einen Oberligisten kann das schon einen Großteil des Etats ausmachen. “Normalerweise gewinnen wir immer mit einem Tor”, haderte Foroutan dann doch kurz. Seine Augen funkelten. Aber ich musste wegen Verletzungen unseren Innenverteidiger und linken Verteidiger herausnehmen. Da war klar, dass wir noch ein Tor bekommen würden.”

Foroutan weiß, dass das Problem seiner Mannschaft woanders liegt. Der Coach des BAK muss wissen, dass er eine Art van Gaal der Oberliga ist. “Wir sind schon aufgestiegen”, sagte er lächelnd. Wissend, dass nur ein zweiter Verein in der Oberliga überhaupt einen Lizenzantrag für die Regionalliga gestellt hat. Der BAK besitzt technische Fähigkeiten und ein sicheres Passpiel, das bis zur dritten Liga selten zu sehen ist. Ein frühes Führungstor des BAK, wie im Pokalspiel in der 4. Minute, reicht zum Sieg. Im Normalfall. Dann sieht der Gegner den Ball nur noch aus der Entfernung. Auch der BFC lief lange nur den Pässen hinterher. Am aktivsten war noch dessen Trainer Bonan, der wie alle ehemaligen Profis, die auf einem bestimmten Niveau spielten, bei jedem versprungenen Ball ausflippte.

Das Problem der Spielweise des BAK wird klar, wenn etwas unvorgesehenes passiert. Ein Gegentreffer zum Beispiel. Die Mannschaft hat sich durch das Spiel “Tod durch Ballbesitz” bereits in eine solche Trance gespielt, dass sie einfach nicht mehr daraus aufwacht. So geschehen beim Ausgleich des BFC in der 92. Minute. So sehr die Fans des BFC berechtigt über diesen Erfolg jubelten. Aber Olaf Seier, Trainer vom sechstklassigen SV Empor Berlin, wird nichts gesehen haben, was ihn sonderlich beunruhigen musste. Entspannt trank er sein Bier auf der Tribüne und zog an seiner Zigarette. Denn die Oberliga ist der direkte Nachbar der Berlin-Liga. Vom BFC Dynamo und dem BAK ist es also nur ein kleiner Schritt zu Empor Berlin, Eintracht Mahlsdorf oder Lichtenberg 47.

Zweimal Berlin, bitte!

Kommentar

Manchmal hat man die Wahl:

Das Leipziger Zentralstadion, das seit kurzem nicht mehr so heißt, sondern anders. Der Hallesche FC gegen den 1. FC Union Berlin.

Das Poststadion in Moabit. Auch so eines, das man eigentlich unter Naturschutz stellen möchte, sehen doch seine Stehplätze im oberen Bereich dem Großen Tropenhaus nicht ganz unähnlich. Berliner Athletik-Klub 07 gegen den FSV Mainz 05.

Ersteres versprach, die interessantere Partie zu sein, letzteres der reizvollere Austragungsort.

Poststadion Gegengerade

“Ach, nehm´ ick do´zweema Berlin – bleib ick hier, und Union jewinnt in Leipzich.” Das war, was ich wunschdachte. Ich denke ja im Heimatdialekt. Darüberhinaus: Möchte man bei einem Spiel zu Gast sein, dessen gastgebender Verein selbst keinen Gedanken an die Organisation verschwendet und das gesamte Sicherheitskonzept vertrauensvoll in die Hände der Polizei legt? Jan Glinker hätte darauf vermutlich eine klare Antwort.

Berlin also. Und siehe da – versehentlich war es auch das bessere der beiden Pokalspiele.

Zu beschützen gab es hier höchstens die Polizei, und möglicher Weise den BAK-Trainer. Vor seinen eigenen Leuten nämlich. “Trainer, ist gut jetzt, mach mal ganz ruhig” rief ihm denn auch besorgt sein Torwart zu und dirigierte dann seinerseits die Mannschaft.

Der Rest war Fußball. Und so gehört das auch.