Was für ein entspannter Nachmittag war dieses 2:2 zwischen dem 1. FC Union und dem Hamburger SV im Neuruppiner Volksparkstadion. Das dachte ich für einen Moment am Samstagabend. Doch dann fielen mir sofort zwei Personen ein, die zumindest teilweise einen unentspannten Eindruck machten. Die eine war Unions Cheftrainerin Marie-Louise Eta und die andere HSV-Verteidigerin Magou Doucoure.
Dabei war die Atmosphäre in der Sportanlage äußerst chillig. Das begann beim Einlass, bei man sein Rad noch mitnehmen konnte, um es auf dem Stadiongelände anzuschließen. Und das setzte sich bei den Ständen für Getränke und Essen fort. Am Stadion erinnerten noch viele Schilder daran, dass vor 2 Jahren bei der Männer-EM das kroatische Team in Neuruppin sein Quartier aufgeschlagen hatte.
Pizza im Stadion
Vielleicht ein Hot Take für jemanden wie mich, der Stehplätze und Fußball pur verteidigt: Pizza im Stadion hat schon etwas. Ich weiß, dass das im Stehen nicht gut funktioniert. Aber ich hatte keine Ahnung, wie sehr mir das gefällt: Auf dem Sitz auf einer schattigen Tribüne Pizza essen und dabei darüber reden, was im Spiel gerade gut aussieht und was nicht.
Das lag aber vielleicht auch daran, dass wir uns vor Anpfiff noch für eine kleine 50-km-Fahrradrunde durch die Kyritz-Ruppiner Heide entschieden und dabei die Rechnung ohne den märkischen Zuckersand gemacht hatten.

Aber zurück zum Spiel, das in drei Mal 40 Minuten aufgeteilt war und Spielerinnen aus- und wieder eingewechselt werden konnten. Da sich das Team von Maie-Louise Eta aktuell in Neuruppin im Trainingslager befindet, war klar, dass es um Ausprobieren ging und wir noch nicht erwarten konnten, schon einen Vorgeschmack auf die Startelf für den Bundesliga-Auftakt gegen den FC Bayern zu erhalten.
Deshalb hier ein paar Stichpunkte:
- Lisa Heiseler im Sturmzentrum wirkte auf mich irgendwie verloren. Für lange Bälle war sie aufgrund ihrer Größe im Vergleich zu Innenverteidigerinnen ein Mismatch. Und die Unterstützung durch ihre Sturmkolleginnen Nele Bauereisen und Sophie Weidauer war übersichtlich. Das war vor allem im ersten Drittel zu sehen, in dem Union recht passiv auftrat. Ich möchte allerdings den Pfostentreffer von Heisi nicht unter den Tisch fallen fallen lassen.
- Sammy Steuerwald trug die Kapitänsbinde, als Lisa Heiseler nicht mehr auf dem Platz stand. Nach Steuerwald übernahm Anna Weiß das Amt auf dem Platz.

- Apropos Steuerwald. Sie leistete sich einige Schnitzer, die wir so von ihr aus der vergangenen Saison nicht kannten. Dem Treffer von Andrea Svibkova zum 1:0 für den HSV ging beispielsweise solch ein Patzer voraus.
- Nadine Böhi wirkte sicherer im Tor als Nelly Smolarczyk. Aber das kann auch etwas Voreingenommenheit von mir sein, da Smolarczy mit 1,70 m Körpergröße anders auf dem Feld wirkt als Böhi mit 1,78 Meter. Außerdem stand Smolarczyk im ersten Drittel im Kasten, als das Pressing des HSV einigen Eindruck bei Union hinterließ.
- Wie gut sieht eigentlich das schwarze Torhüter-Trikot aus?
- Tomke Schneider ist zurück. Und wie! Wenn ich nicht schon mit Tomke-Schneider-Trikot auf der Tribüne gesessen hätte, dann hätte ich mir nach diesen ultra-dynamischen Läufen über die linke Seite garantiert eins geholt. Das Durchbrechen von Schneider über linksaußen war ein Element im ersten Drittel, das offensiv für Union funktionierte. Später spielte sie Innenverteidigung, wo diese Stärke logischerweise nicht so zum Tragen kam.

- Inaktivität/Passivität: Marie-Louise Eta war etwas ungehalten in den ersten 20 Minuten bis zur Trinkpause, weil ihre Mannschaft sich kaum spielerisch aus dem HSV-Pressing befreite und so seltsam passiv wirkte. Das dürfte das Gegenteil von dem gewesen sein, wie sie sich Unions Spiel vorstellt. Auch später in der Partie animierte sie Angreiferinnen, bei gegnerischen Ballbesitz nicht einfach vorne zu warten, sondern die Wege in die eigene Hälfte mitzugehen, so dass höchstens eine Spielerin an der Mittellinie positioniert ist und die andere einen Raum abdeckt, in den der Gegner sonst verlagern kann.

- Es ist ein absoluter Traum, Lia Kamber beim Fußballspielen zuzusehen. Noch bevor sie in den Ballbesitz kommt, weiß sie schon, was sie mit dem Spielgerät anfangen will. Dieses Niveau mit 20 Jahren … Und dank Hans-Martin, der auf der Tribüne neben mir saß, kann ich leider nicht mehr nicht sehen, dass ihre Laufhaltung nahezu identisch zu der von Grischa Prömel ist.

- Ich möchte es zum jetzigen Zeitpunkt nicht überbewerten, aber es ist schon bemerkenswert, dass 9 Spielerinnen aktuell nicht einsatzfähig sind. Der Verein listete vor der Partie auf: Anna Aehling, Cara Bösl, Hannah Eurlings, Korina Janež, Lisanne Gräwe, Mariann Noack, Dina Orschmann, Tanja Pawollek und Judith Steinert.
- HSV-Verteidigerin Magou Doucoure wurde kurz nach Anpfiff gefoult und blieb länger liegen. Später im zweiten Drittel langte sie mehrmals hin und war aus meiner Perspektive emotional etwas drüber. Im Pflichtspiel hätte es vielleicht eine Karte gegeben, aber der Schiedsrichter sprach nach einigen Aktionen intensiver mit ihr und löste die Situation so auf.
- Naika Reissner kommt es entgegen, wenn sie nicht als Schienenspielerin die komplette Außenbahn abdecken muss. Tolle Vorarbeit vor dem 2:1 durch Halverkamps, als sie mit der Verlagerung des Balls vom rechten Fuß auf den linken genug Abstand zur Gegenspielerin schaffte, um dann die Flanke schlagen zu können. Als sie im Spiel einmal weggerutscht/umgeknickt ist, hatte ich allerdings kurz einen Schreck bekommen.

- Apropos Schiedsrichter: Mir war nicht klar, dass dieses Runterzählen bei Einwürfen auch nach der WM bleibt. Jedenfalls hatte der Referee das im Testspiel mehrfach angewendet und bei jedem Team mindestens einmal deshalb das Einwurfrecht gewechselt, als es ihm zu lange dauerte. Bisschen merkwürdig bei einem Test mit 120 Minuten …
Ich bin auf jeden Fall für mehr Tests in Brandenburg, wenn die Umgebung so stimmt wie in Neuruppin. Das war schon außergewöhnlich gut. Trotz aller Abstriche, die man bei solch einem Spiel im Trainingslager machen muss, glaube ich aber, dass Platz 5 als Ziel schon sehr ambitioniert ist.
Mehr zum Spiel findet ihr hier:
Zum Anschlag auf den CSD in Berlin
Mir ging die Nachricht vom Anschlag auf den CSD am Abend sehr nahe. Es gibt keine einfachen Worte nach solch einer schrecklichen Tat. Viel Kraft allen Betroffenen und Angehörigen. Ich wünsche mir für den CSD im nächsten Jahr, dass wir uns die positiven Momente des CSD im Herzen bewahren und die Angst niemals gewinnen wird.

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Genau so war’s.
Vielleicht könnte man dazu wiederum so eine Art Sprachaufnahme erstellen!?!
😁