Natürlich ist Union politisch nicht neutral, sondern demokratischen und humanistischen Grundwerten verpflichtet

Die Spieler haben noch frei und müssen erst am Dienstag wieder zum Training antreten. Das ist Zeit, mal ein bisschen durchzuschnaufen, den wunderschönen SommerHerbsttag zu genießen. Allerdings noch ohne Eis von Benjamin Köhler. Denn dessen Eis-Café in der East Side Mall eröffnet erst am 31. Oktober. Aber ein paar Bilder gibt es jetzt schon.

Der Sonntag eignet sich auch wunderbar, (noch) einmal für Sebastian Polter beim Tor des Monats abzustimmen. Für Union hat er noch einmal probiert, den Ball so zu treffen wie beim 2:0 gegen Kiel. Ein Best of der Fails gibt es hier:

Der Kurier betrachtet die Anzahl der späten Tore von Union (11/14) und zählt nach, dass Grischa Prömel der Spätschütze vom Dienst ist.

Und sonst so?

Bei der gestrigen Demonstration für eine offene Gesellschaft hatte sich auch ein Fußballblock unter dem Motto “In den Farben getrennt, in der Sache vereint” gebildet. Und das gab auch gute Bilder. Ich weiß, dass nicht alle das gut finden, wenn Vereinsfarben auf Demonstrationen getragen werden und ich kann das auch nachvollziehen, wenn es um spezielle Interessen geht. Da der Sinn der Demonstration aber aus meiner Sicht aber dem Geist des Vereinszwecks in der Satzung entspricht, der da lautet: “Er ist in seinem Handeln demokratischen und humanistischen Grundwerten verpflichtet”, finde ich es nicht nur okay, sondern auch wichtig, Flagge zu zeigen. Gerade weil es Union als Verein selbst in dem Fall nicht getan hat.

Und ich finde, dass man diesen Satz aus der Satzung “Der Verein ist politisch und religiös neutral” gerne präzisieren könnte, indem man schreibt: “Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral.” Denn politisch neutral wird Union nie sein. Das hat der Klub mehrfach deutlich gemacht. Sei es bei Sicherheitsdiskussionen, die Polizeigewerkschafter und Innenpolitiker führen, oder bei Nothilfe wie der Zurverfügungstellen des ursprünglichen Fanhauses als Flüchtlingsunterkunft, bei der Finanzierung des Fanprojekts oder bei der Integration von Geflüchteten durch Vermittlung von Arbeit und Ausbildungsplätzen. Das sind alles konkrete Taten, die aus einer politischen Haltung herauskommen, sich aber nicht zwangsläufig einer Partei zuordnen lassen.

Ich wäre gerne beim Stadiongespräch des Wirtschaftsrats mit dem Thema “Politik und Fußball? Fußball und Politik? Was sagt uns der Zustand des deutschen Fußballs über den Zustand von Politik und Gesellschaft in Deutschland?” am Mittwoch dabei gewesen und wünsche mir, dass das Thema mal etwas breiter bei Union diskutiert wird. Denn aus meiner Sicht ist es absolut okay, verschiedene politische Ansichten zu haben. Die Basis sollte aber immer die gleiche sein. Die Toleranz der Position der Gegenseite und das, was Union in der Satzung eben demokratische und humanistische Grundwerte nennt.

Hertha will den bisherigen Investor KKR auszahlen. Das war ein guter Deal für KKR, wie Capital in einem Bericht aufzeigt. Für den Anteil von 9,7% am Verein zahlte der Finanzinvestor damals 18 Millionen Euro und bekommt jetzt 27,8 Millionen zurück. Außerdem wird das Darlehen über 33 Millionen Euro zurückgezahlt. Hertha hatte sich vor etwa vier Jahren mit dem Geld die Vermarktungs- und Marketingrechte zurückgeholt. Insgesamt dürfte der Deal für beide Seiten ein Gewinn gewesen sein, auch wenn der Klub nun Geldgeber sucht, um KKR auszubezahlen. Warum macht Hertha das jetzt? Eine gängige These, die ich auch für plausibel halte, lautet: Hertha will alle Anteile am Klub halten, um ein größeres Paket an einen Investor im Zuge des Stadionbaus zu verkaufen. Das schreibt unter anderem die Bild.

Union around the world

Heute mal London:

Und Kreta:

6 Gedanken zu „Natürlich ist Union politisch nicht neutral, sondern demokratischen und humanistischen Grundwerten verpflichtet

  1. Schade das Köhler dieses unnötige Bauwerk der Mediaspree unterstützt und somit die anhaltende gentrifizierung, welche Berlin seit fast 15 Jahren plagt, voran schreiten lässt. In dem Kiez gibt es genügend kleine Eisläden.
    Die East Side Mall (alleine der Name ist schon eine Beleidigung, betrachtet man die daneben stehende East side Gallery und wofür diese steht) ist unnötig und sinnfrei.

    Vom S warschauerstr. Sind es keine 10 min bis zum Alexa oder Ringcenter. Völlige fehlplanung der Stadt und ein riesiger Fremdkörper in dem Viertel, welches aus kleinen Cafés, Bars, Restaurants, eisläden und Läden besteht und gerade von diesem Flair lebt.

  2. Ich verstehe den Unterschied zwischen „parteipolitisch“ und „politisch“ neutral nicht. Die von Dir aufgezeigten Beispiele zeugen m.E. von gesellschaftlichem, sozialen Engegement und nicht von einer (bestimmten) „politischen Haltung“. Ich halte die von Dir vorgeschlagene Einschränkung deshalb für wenig überzeugend.

  3. Wenn wir schon bei semantischen Wortspielchen sind: Wo genau hört denn gesellschaftliches Engagement auf und wo beginnt politische Arbeit? Wer steckt denn die Claims ab, bis wohin ich mich “politisch interessiert” nennen kann und ab wann ich der “Poitik raus aus den Stadien” Fraktion sauer aufstoße? Was ist eigentlich “unpolitisch”? Was ist die Baseline, auf die sich alle Mitglieder eines “politisch neutralen” aber “humanistischen Werten verpflichteten” Vereins einigen können?

    Und wenn wir schon dabei sind: Könnten das nicht eventuell flexible Definitionen sein, die sich je nach Zustand der Gesellschaft, in der wir uns bewegen, ändern können? Oder meißeln wir das einmal für 100 Jahre in Stein und dürfen uns dann nicht mehr aus diesem Korsett bewegen ohne von den “Unpolitischen” angeraunzt zu werden?

    Eventuell wäre ein halbwegs passender Vergleich von “parteipolitisch” und “politisch” ja die Überlegung, was Menschen, die an den christlichen Gott glauben, sich aber in keiner Kirche organisieren, von Christen unterscheidet, die in organisierter Religion in einer der christlichen Kirchen ihr Zuhause gefunden haben. Letztenendes kann man mit genug sprachlicher Flexibilität jegliches gesellschaftliches Engagement in den bösen bösen Bereich der “Politik”(tm) rücken und somit aus dem Vereinsleben verbannen – die Hilfe für Flüchtlinge ebenso wie das Einstehen für Fanrechte auf Auswärtsfahrten. Alles ist politisch, wenn man es dazu macht.

    Es ist eine für mich müßige Diskussion um Worte und Bedeutungen, die in meinen Augen absolut niemandem hilft und nichts bewirkt ausser, dass sich alle Beteiligten in ewigen Deutungskonflikten verlieren und erfolgreich von den eigentlichen Inhalten abgelenkt werden, was nebenbei auch eine sehr effektive Taktik ist, Debatten zu zerstören. Nicht umsonst ist der entsprechende Teil unserer Satzung so allgemein und “unpolitisch” wie möglich gefasst – die Arbeit ausserhalb der 90 Minuten Fußball muss sich darin wiederfinden können und im Rahmen des Vereinsverständnisses leben können. Das funktioniert aber nicht, wenn alle drei Meter irgendjemand kommt und dieses Verständnis, was er mit der Mitgliedschaft in einem Verein, der diese Satzung hat, akzeptiert hat, in Frage stellt.

    So schade es ist, wir leben in einer Zeit, in der humanistische und linke Werte unter ständigem Rechtfertigungsdruck leben. Wenn wir uns als Vereinsmitglieder einer Satzung verschreiben, die klar die Arbeit für humanistische Werte beinhaltet, dann sollten wir uns das nicht unnötig durch Abarbeiten in vermeintlichen Graubereichen schwieriger machen als es ohnehin schon ist.

    Wer die Teilnahme an einer Demo gegen Rassismus und für Solidarität in Vereinsfarben vordergründig allein wegen des Tragens eben dieser Farben hinterfragt, der sollte in meinen Augen nochmal die Satzung seines Vereins lesen und ggf. mal überlegen, welche Aspekte es wert sind, dass wir alle damit Zeit verschwenden, sie zu disktutieren und welche nicht.

  4. @Robert: 👍👍👍 – nur die Wörter “und linke” müssten gestrichen werden. 😉

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