Ein guter erster Eindruck

Insofern es bei der ersten Pressekonferenz eines Trainern darum geht, die neue Person als Mensch vorzustellen, hat sich Urs Fischer gestern gut präsentiert. Unions neuer Trainer präsentierte sich verbindlich, ruhig und selbstbewusst.

Was die Wahl von Fischer für die strategische Ausrichtung von Union bedeutet, haben wir schon im Text von gestern Nachmittag aus dem Stadion erörtert.

Die zweiten Reaktionen der Berliner Medien sind ebenfalls grundsätzlich positiv:

Auffällig ist jedenfalls an der Personalie Urs Fischer, dass sie einige Parallelen zu Jens Keller vor zwei Jahren aufweist: Beide haben bereits auf einem höheren Niveau als Union gearbeitet, bei beiden gab es aber in der Zwischenzeit auch eine Phase der Vereinslosigkeit, die dazu beigetragen haben dürfte, sie für Union erreichbar zu machen. Beide hatten lange (Abwehr-)Spielerkarrieren – etwas, das Union scheinbar durchaus wichtig war, zumindest hat Oliver Ruhnert die über 500 Spiele, die Fischer für Zürich und St. Gallen gemacht hat, gestern mehrfach erwähnt. Und beide haben Namen, die sich allzu gut für mehr oder weniger unterhaltsame Wortspiele eignen (vielleicht sind wir damit nach gestern nachmittag auch schon durch? Nicht? Hm.):

Und wie Jens Keller wurde Urs Fischer nicht im Vorfeld der Bekanntgabe als Kandidat gehandelt – jedenfalls nicht, bis gestern morgen Matze Koch meldete, er sei es den Union am Mittag vorstellen wird.

Um Schlüsse darüber zu ziehen, wie der neue Trainer seine Mannschaft auf- und einstellen wird, schaut man natürlich auf seine vorherigen Stationen. Da hat Urs Fischer bei seinen bisherigen Vereinen bevorzugt offensiven Fußball mit mehr Fokus auf druckvollem Angriffsspiel als auf kontrolliertem Aufbau spielen lassen (was nicht heißen soll, dass es dabei keinen Kombinationsfußball gegeben hätte, denn das zu sagen wäre falsch).

fischer

Urs Fischer bei seiner Vorstellung; Photo: Matthias Koch

Aber schon die Beispiele von Jens Keller und Sascha Lewandowski bei Union zeigen, dass stilistische Eigenheiten in der Vergangenheit nicht immer solche in der Zukunft gut voraus sagen. Für Fischer gilt das respektive seiner Zeit in Basel umso mehr, da er sich dort in der besonderen Lage befand, den in der Liga mit Abstand besten, international dagegen oft individuell deutlich schwächeren Kader zur Verfügung zu haben. Beides wird für Union in der zweiten Liga ungefähr nie der Fall sein. Es bleibt also (Überraschung!) abzuwarten, was Fischer aus dem Spielermaterial macht, das ihm in der neuen Saison zur Verfügung stehen wird.

Überhaupt, dieses Spielermaterial: Da Union nun die Schritte 1 bis 3 in der Planung der neuen Saison abgeschlossen hat, wird man sich darauf einstellen können, in nächster Zeit auch Meldungen über Neuverpflichtungen und Vertragsverlängerungen zu hören.

Verwirrend

Auf einen etwas verwirrenden Sachverhalt sind die ersten Unioner gestern schon aufmerksam geworden: Es gibt nicht nur einen Urs Fischer (der einigermaßen große Bekanntheit genießt). Denn neben – oder in den Listings der Suchmaschine der Wahl vielleicht auch vor – Unions neuem Trainer findet sich der Schweizer Künstler Urs Fischer. Dessen Installationen sehen zum Beispiel so aus:

lampbear

Lamp/Bear von Urs Fischer. Nein, nicht der Urs Fischer; Photo: CC-by-SA Kenneth C. Zirkel

Mehr von seiner Kunst findet man auf Fischers Webseite.

Fußball …

… gespielt wird am Wochenende bei Union übrigens auch noch. Die B-Junioren spielen in ihrem letzten Saisonspiel in Wolfsburg – sie werden die Saison als 11. von 14 Mannschaften in der Nord/Nordost Staffel beenden.

Und in der Frauenabteilung gibt es noch ein Heimspiel gegen Magdeburg (am Sonntag um 14 Uhr) in der Aufstiegsrunde zur zweiten Liga, die aber schon gegen beide Teams entschieden ist.

9 Gedanken zu „Ein guter erster Eindruck

  1. Hat er denn in Thun und Zürich genauso spielen lassen wie in Basel? Das wären Vereine, die sicherlich keinen überlegenen Kader hatten, sodass hier der Vergleich mit Union eher passt.

  2. Ich wünschte mir, es fände sich ein Synonym für Spielermaterial, das weniger Baustoff klingt.

  3. Was ist denn mit druckvollem Angriffsfußball gemeint?
    Als Taktiklaie wusste ich bisher nicht, dass sich druckvoller Angriffsfußball und kontrollierter Aufbau ausschließen,also verstehe ich den Begriff wohl falsch.

  4. Fischer angelt Komplimente

    oder gleich

    Urs fishing for compliments

  5. Wie er sagte, hatte er die zweite Liga gerade letzte Saison im Blick und komplett blind wird er hier nicht unterschrieben haben. So wird er sich ja den Kader schon mal etwas genauer betrachtet haben. Da bewirkt seine Aussage, dass man derzeit einen spannenden Kader hätte (sicher auch in Verbindung mit den schon feststehenden Abgängen) eine gewisse Erwartungshaltung bei mir. Bzw bin ich gespannt, wie er ihn gestalten wird.

    Auch finde ich seine Herkunft sehr gut. Er hatte vorher nichts mit Union zu tun. So kann gerade er als außenstehender etwas Ruhe reinbringen. Und er und Ruhnert haben wohl komplett unterschiedliche Kontakte. Das wäre für spannende Spielerverpflichtungen sicher nicht unvorteilhaft.

  6. @DoMay Was ich damit meine, ist ob man einen stärkeren Fokus auf sichere Ballzirkulation und kontrolliertes Besetzen von Räumen richtet, oder darauf, nach Ballgewinnen schnell Optionen zum Spiel nach vorn zu suchen, die dann mit mehr Tempo, aber nicht so ausführlich vorbereitet durchgespielt werden. Beides schließt sich also nicht wirklich aus, aber aber es ist schon schwer und selten, beides im selben Maß umzusetzen

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