Krise? Welche Krise?

Sportliche Krisen eines Vereins werden im Fußball, und dem Zirkus um ihn herum, im Allgemeinen zu früh und vor allem zu undifferenziert ausgerufen. Union hat nun keins der letzten vier Spiele gewonnen und qualifiziert sich so – gemessen an den internen und externen Ansprüchen – langsam für Zuschreibungen einer Ergebniskrise. Dass bei den verschiedenen Unentschieden und der Niederlage in Düsseldorf die Leistungen aber sowohl innerhalb als auch zwischen den Spielen recht stark schwankten, und auch unterschiedliche Ausrichtungen zu beobachten waren, macht es schwierig, dieser Ergebnis- auch eine Formkrise zuzuordnen.


Das Spiel in Sandhausen ist da ganz praktisch, um Unions Situation einzuordnen. Ein Sieg würde die Tabellensituation vielleicht schon deutlich verbessern, und Sandhausen wird eine Herausforderung stellen, anhand derer es leichter fallen könnte, Union in diesem Moment sportlich einzuordnen.

Toni Leistner wird dabei nicht helfen können. Wie der Kurier meldet, fällt der Abwehrchef für das Spiel aus – in der Pressekonferenz hatte sich Jens Keller diesbezüglich noch unsicher gezeigt. Angesichts des Fehlens von Marc Torrejón heißt das, dass Christoph Schößwendter eine erneute Chance bekommt. Leistner dagegen entwickelt langsam ein kleine persönliche Verletzungskrise.

Wie Keller sonst noch rotiert, bleibt abzuwarten – die Berliner Medien spekulieren über Felix Kroos als Kandidaten.

Dabei, zu verstehen worin diese Herausforderung genau bestehen wird, profitiere ich von der Expertise von Marius Kaltwasser, der sich in seinem Blog 1916Taktik näher mit den Nordbadenern beschäftigt. Unter Trainer Kenan Kocak hat Sandhausen neben einem phasenweise aggressivem Pressing mittlerweile auch besseres Ballbesitzspiel entwickelt, in dem es vor allem diagonale Pässe der Außenspieler auf die (ziemlich beweglichen) Spitzen fokussiert.

View this post on Instagram

Auf dem Weg nach Sandhausen 🙋🏻‍♂️🛫

A post shared by Steven Skrzybski (@steven.skrzybski.22) on

Es wird spannend sein zu sehen, ob Union den Aufwärtstrend im Pressing bestätigen und noch effektiver als gegen Braunschweig Konter verhindern kann. Gelingt das im Angriffsdrittel noch nicht, kommt auf die Außenverteidiger eine interessante Aufgabe zu, die angesprochenen Diagonalpässe in Sandhausens Angriffsspiel zu verhindern oder abzufangen.

Andersherum stellen Unions Außen mit ihrer tiefen Positionierung Sandhausens Defensive vor die Entscheidung, sie in den Räumen, in denen sie sich anbieten, frei zu lassen und dort in Unterzahl zu geraten; oder Hedlund und Skrzybski (oder Gogia?) zu verfolgen, damit aber Räume auf dem Flügel zu öffnen, die Pedersen und Trimmel (oder Uchida?) nutzen könnten.

Eine ausführliche Vorschau von Marius und mir gibt es auf Eiserne Ketten, in der wir unter anderem auf die Frage eingehen, wie Union sein Mittelfeld besetzen wird und wie Sandhausen auf FKK oder Kroos-Kreilach-Hartel reagieren könnte.

Vom Ausgang des Spiels in Sandhausen hängt aber nicht nur Unions Lage ab, sondern auch, wie die Stimmung am Mittwoch Abend sein wird, wenn Jens Keller und Felix Kroos bei „Talk unterm Turm“ (in den Rathauspassagen am Alexanderplatz Rathausstraße 5) mit dem Sportmoderator Dirk Thiele über Union reden. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, sie beginnt um 17.30.

Einmal Unioner, Immer Unioner

Bei Sandhausen gibt es mit dem ausgeliehenen Eroll Zejnullahu einen Spieler, wo das besonders gilt; und mit Markus Karl einen, der vielleicht eine Ausnahme darstellt.

Eroll hatte bisher eine durchwachsene Zeit in Sandhausen, neben einigen ordentlichen bis guten Spielen haben einige kleinere Verletzungen seine Einsatzzeiten begrenzt. Zuletzt stand er deshalb zweimal nicht im Kader, daran wird sich wohl auch für das Spiel heute nichts ändern.

Noch schlimmere Verletzungsprobleme hat Raffael Korte im nahen Mannheim. Der Offensivspieler hat sich vor zwei Wochen erneut das Kreuzband gerissen und fällt deshalb für den Regionalligisten Waldhof Mannheim lange aus.

Auch im Verein

Während die U19 in der A-Jugend Bundesliga am Wochenende mit einem 0-0 gegen Braunschweig ihren ersten Punkt holte, verlor die U17 nach 0-3 Halbzeitrückstand letztlich 2-3 gegen Holstein Kiel. Wer sich die Tore aus diesem Spiel anschauen will, kann das hier ab Minute 6:34 tun.

Außerdem neu im Nachwuchsleistungszentrum (ganz ohne Welle der Empörung): eine Kooperation mit dem chinesischen Verein Nantong Zhiyun F.C., dessen erste Mannschaft in der dritten chinesischen Liga spielt. Die Kooperation, die bei einem Besuch chinesischer Vertreter in Berlin in der vergangenen Woche geplant und vereinbart wurde, umfasst nach Angaben des Vereins vor allem den Austausch von Wissen in der Nachwuchsförderung.

Die Union Frauen gewannen dagegen mit 7-1 in Rostock. Das ist aber nicht die einzige gute Nachricht aus der Frauenabteilung: Das DFB-Pokal Zweitrundenspiel gegen den deutschen Meister VfL Wolfsburg findet im Stadion An der Alten Försterei statt – am Sonntag, dem 8.10. um 14 Uhr. Die Karten dazu werden 3,50 Euro, ermäßigt 2,50, kosten, Kinder bis 12 haben freien Eintritt.

Und sonst so

Die Wiedergutmachungsaktion für Tine von der Waldseitentoilette ist wohl ganz gut gelaufen:

tine

Screenshot: Facebook

Nutzer von neueren iOS-Versionen wurden von ihrem Betriebssystem seit einer Weile darauf hingewiesen, dass die Union App veraltet sei. Wie der Entwickler der App auf Nachfrage mitgeteilt hat, wird es kein Update der App mit einer 64bit Version geben. Union sei der Aufwand dafür vorerst zu groß, man wolle sich lieber auf die Fertigstellung einer neuen Version der Webseite konzentrieren, die die Funktionen der App ersetzt.

2 Gedanken zu „Krise? Welche Krise?

  1. Neue Webseite? Das wäre auch mal angebracht. State of the art ist Union aktuell zumindest nicht. Vielleicht gefällt mir die neue Version dann auch wieder besser. Gibt es schon einen Launch-Termin?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.