Spitzenhöschen

Gestern Abend im Prenzlauer Berg. Erwachsene Männer sitzen vor einer Bar. Kommt einer dazu: “Schaut mal, was ich ausgedruckt habe!” Er reicht eine groß ausgedruckte Tabelle der zweiten Bundesliga nach den Sonntagsspielen herum. Es wird vorgelesen:

1.Platz 1. FC Union Berlin

2. Platz FC St. Pauli

3. Platz 1. FC Kaiserslautern

“Kann so bleiben oder?”

“Ich habe schon vor Wochen gesagt, dass ich Wetten annehme, dass Union Ende August ganz oben stehen wird. Wir haben doch Ende August oder?”

“Die Lauterer sind mit dem dritten Platz nicht zufrieden gewesen. Aber ich habe ihnen gesagt, dass Sie in der Relegation Mainz weghauen. Das fanden die gut.”

“Kannst Du mir die Tabelle geben? Ich möchte die an die Klotür kleben.”

“Wir sind erster! Spitzenhöschen, Spitzenhöschen, hey, hey!”

Erwachsene Männer.

Von Tuschi, Stuffi und Göhli

Das ist also der professionelle Fußball, den die DFL meint. Wir müssen Kneipen unseres Vertrauens anrufen und sie bitten, doch schon 18 h die Pforten zu öffnen. Weil wir spielen.

Eine dunkle Höhle im Prenzlauer Berg, aus der Rufe auf die Straße dringen. Rufe der Verzweiflung, ob schönster Nichttore in Halbzeit eins. Großfressige Sprüche, die sich der Nichthörbarkeit des Oberhausener Anhangs widmeten. Lachen, als der Reporter von Sky anbiedernd erst von Tuschi, dann von Stuffi und letztlich von Göhli spricht. Erleichterter Jubel, als Mosquera einen Steilpass von Benyamina endlich verwertet. Verwunderung, ob der mannschaftlichen Geschlossenheit und Abgeklärtheit, mit der die Tore zwei und drei folgten. Schlußendlich macht sich Größenwahn breit, als es aus der Höhle schallt: “Zweite Liga, nie mehr, nie mehr!”

Wir sind gerne wieder da.