Baustellen aufmachen, die keine sind

Auf der Mitgliederversammlung verkündete Präsident Dirk Zingler nicht nur erfreuliche Dinge, wie den positiven Bilanzabschluss mit über 400.000 € Gewinn. Er kündigte auch eine Verstärkung der Mannschaft an. Dies solle bereits im Winter geschehen mit Blick nicht nur auf die Rückrunde sondern auch die nächste Saison.
Nun wird der Trainer von der B.Z. wie folgt zitiert:

Neuhaus: „Wir haben eine Menge Gegentore kassiert, da muss man hinten schon überlegen.“ Gesucht werden laut Neuhaus „ein bis zwei Innenverteidiger und ein Torwart“.

Auch die Bild schreibt von Neuhaus ähnliches:

„Nach so vielen Gegentoren muss man sich Gedanken machen.“ […] „Wir wollen Bundesligaspieler holen, die bezahlbar sind.“

Zwei verschiedene Reporter bringen das gleiche Thema. Und von Uwe Neuhaus wird man nicht behaupten können, dass ihm vor der Presse etwas herausrutscht, was er nicht sagen wollte. Er wird es also bewusst ausgesprochen haben. Nur was will uns der Trainer damit sagen?

Michael Kranz zieht auf seinem Blog “Union-Spion” bei der BZ jedenfalls folgende Schlüsse:

  • Union will die 1. Bundesliga angreifen
  • Glinker verliert seinen Status der Unantastbarkeit und könnte sich bald auf der Bank wiederfinden
  • Neuhaus möchte Druck auf seine Spieler aufbauen

Nichts dagegen, eine sich bietende Chance zu nutzen, aber wie kann ein Verein, der sich gerade strukturell wieder auf den Profifußball einstellt, auch nur ansatzweise mit einem Aufstieg liebäugeln. Das macht auch das Präsidium nicht. Am Saisonziel “Klassenerhalt” wurde nicht gerüttelt. Spricht man über dieses Wort “Durchmarsch”, kommt einem doch schnell das Stichwort Ulm in den Sinn. Der Prototyp eines Vereins, der schnell nach oben kommt und, weil er nicht organisch gewachsen ist, ebenso schnell wieder nach unten rauscht.

Union hat momentan einen Etat von etwas mehr als 11 Millionen Euro. Ganz oben in der 2. Liga tummeln sich Verein mit 21 Millionen Euro Jahresetat. Und so schön es ist, dass der 1. FC Wundervoll mit dem viertniedrigsten Etat sich momentan auf dem viertbesten Platz befindet, so unrealistisch ist es, dass man bestimmte Entwicklungen einfach überspringen könnte. So sprach Präsident Zingler auch während seines Vortrags auf der Mitgliederversammlung davon, dass der Gesamtetat ständig weiter erhöht werden müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Zur Antastbarkeit von Jan Glinker. Es gibt derzeit keinen ernsthaften Konkurrenten auf der Torhüterposition bei Union, der einen gesunden Jan Glinker verdrängen könnte. Daran gibt es nichts zu deuteln. Der nominell zweite Torhüter Carsten Busch spielt in der zweiten Mannschaft und ist bereits 29 Jahre alt. Überzeugt hat dieser bei seinen Einsätzen bisher nicht. Christoph Haker als Nummer drei ist gerade 18 Jahre alt und vielleicht zu jung als Nummer zwei. Aber wieso eigentlich nicht? Wozu jemanden als Ersatz verpflichten, wenn es auf der Position nicht brennt. Und das im Winter, wo Spieler unnötig teuer sind. Das vermag auch Michael Kranz in seinem heutigen Artikel “Darum sucht Union einen neuen Keeper” nicht erklären. Seine Argumente sprechen nicht für ein Torhüterproblem. Nicht einmal im entferntesten.

Den Druck auf die Mannschaft erhöhen. Das mag vielleicht sein. Aber wozu über die Medien? In einem Umfeld, wo sich der Verein so bemüht, seine Spieler von den Medien abzuschirmen, um deren Konzentration hochzuhalten.

Der Blick auf die wirtschaftliche Situation von Union ist ein positiver Ausblick in die Zukunft. Mehr noch nicht. Aber das ist eine enorme Leistung, wenn man sich die vergangenen Jahre vor Augen hält. Große Sprünge auf dem Transfermarkt sind damit trotzdem nicht zu machen. Schon gar nicht drei Spieler im Winter auf Positionen, wo es nicht brennt. Vielleicht hat die sportliche Leitung bereits einen Spieler nicht nur im Blick sondern bereits an der Angel, der bereits im Winter verfügbar sein könnte. Das wäre eine einfache Erklärung. Und alles andere nur eine Nebelbombe.