Angebot und Nachfrage

Diese beiden Anzeigen, die sich in der aktuellen Fußballwoche bei den Ergebnissen und Neuigkeiten der Kreisliga B finden, bieten die Chance, inne zu halten. Naheliegend, dass sich beide Inserenten zusammentun könnten. Aber in welcher Situation stecken beide? Und was sagen sie uns?
Zunächst der Verein, der sich in Nordberlin verortet, was alles nördlich von Mitte sein kann. Vielleicht Prenzlauer Berg oder doch weit in Pankow oder Reinickendorf? Vielleicht gibt sich damit auch der Nordberliner SC zu erkennen? Man wünscht sich mit dieser regionalen Einordnung einen Trainer, der in der Nähe lebt. Einen Trainer, der weiß, wie das Umfeld im Bezirk aussieht, in dem sich seine Spieler bewegen. Außerdem soll es ein neuer Trainer sein. Der Verein öffnet sich der modernen Trainingslehre. Aber die Regularien müssen gewahrt bleiben. Eine entsprechende Fußballehrerlizenz ist vorzuweisen. Da bereits jetzt schon für die kommende Saison gesucht wird, trifft der zu verpflichtende Trainer auf ein vorausschauend arbeitendes Umfeld. Der bisherige Trainer setzt sich vielleicht wie per Handschlag abgesprochen zur Ruhe.
Im Gegensatz zu dieser ruhigen Anzeige wirkt das Inserat des Trainers auf Vereinssuche laut. Der Leser kann ihn sich buchstäblich vorstellen, wie er an der Seitenlinie wütet und die Wasserflasche zu Boden wirft. Er brüllt die Spieler an, die er als unfähig schimpft und spricht dem Vereinsvorstand, der ihm diese Spieler vorgesetzt hat, jeglichen Sachverstand ab. Wahrscheinlich hat er sich gesagt: “Denen werde ich es zeigen!” Die Forderung “mit realistischen Zielen” zeigt, dass die Wut noch nicht verraucht ist. Vielleicht wurde er gerade entlassen, weil ein Saisonziel nicht mehr zu erreichen war. Der Schlag mit der Faust auf dem Tisch ist das Ausrufezeichen am Ende der Bedingung. Ein Mann der klaren Worte, der nicht lange herumredet und deshalb auf Chiffre verzichtet und Mobiltelefon und E-Mail direkt angibt. Ein Verein, der Zucht und Ordnung als Saisonziel ausgibt, der meint, die eigene Mannschaft sei ein Sauhaufen, der bekommt sicher einen hervorragenden Trainer.

9 Gedanken zu „Angebot und Nachfrage

  1. Bravo @Sebastian; abenteuerliches Möglichkeitsdenken, gut spekuliert- realphantstisch. Der akurate Journalist in dir feiert Ausschreitungen.
    Also nochmal- Bravo

    Übrigens war ich am Sonntag extram sauer auf den Trainer unseren Vereins. Erst läßt er zu Hause eine Taktik spielen, die in Cottbus nötig gewesen wäre mit ner Viererkette, der Doppelsechs, einem Stürmer und keinem Zweikampf in der gegnerische Hälfte. Dann hat er auch noch Recht damit, da er einen ungefährdeten Sieg einfährt. Ich hätte lieber verloren, damit ich durchmeckern kann. Bielefeld wollte zwar gerne spielen, aber nicht beißen oder fighten und so lief die Nummer wie geschmiert.
    War schön für den Klassenerhalt, schön fürs Stadion aber nicht gut für die noch sensiblere Fanseele. Gebhard, den er in Cottbus erst in der 81 Min. von seiner aussichtslosen Position hinten links erlöste, durfte nun vor heimischem Publikum bis kurz vorm Schluß traben, stretchen und traben am Spielfeldrand.
    Vielleicht, das Marco Gebhard kein Problem damit hatte, ich aber wollte ihn in seinem letzten Heimspiel noch einmal vor dieser Kulisse eingewechselt sehen. Meine Nachbarn wollten das auch und alle waren sich sicher, daß der letzte Wechsel für ihn reserviert war. Leider hatten wir die Rechnung ohne Uwe Neuhaus gemacht, der es wohl witzig fand, in die partymäßige Schlußphase Mosquera-Superstar hineinzuwerfen, damit der sein Minutenkonto aufbessern kann.

    Vielleicht, daß ein Leipziger Vorortverein mal einen Trainer mit Lizenz sucht…..

  2. Gebhardt hat aber diese Woche nicht viel trainiert und wurde deswegen – denke ich mal – nicht eingewechselt. Man darf dann auch nicht andere Spieler vergessen, die sich – alles Spekulation – die Einwechslung oder den Platz in der Mannschaft durch ein gutes Training in der Situation einfach mehr verdient haben. Wie will man denn diesen Spielern erklären, dass sie obwohl sie eine gute Woche hatten jetzt aber nicht spielen können, weil Gebbi ein letztes Mal eingewechselt wird?

    Am Ende der Saison gibts ein schönes Abschlussspiel und ich wette, da wird auch Gebbi spielen.

    Ich kann unseren Trainer verstehen und finde seinen Weg absolut richtig.

  3. @Milan
    Von der Grundausrichtung war das m.E. das selbe System wie in Cottbus, nämlich 4-2-3-1.
    Und dass die Jungs sich nach der frühen Führung weit zurückzogen und sich weitgehend auf’s (schlechte) Kontern verlegten, muss man nicht toll finden, ist aber nicht völlig unplausibel. Bei einem 0:2-Rückstand nach 12 Minuten wie in Cottbus wäre es aber sicher kein probates Mittel gewesen.
    Und klar hätte Neuhaus Gebhardt statt Mosquera bringen können, da gebe ich Dir recht.
    @Sebastian
    Sehr schöner Quatsch :)

  4. Hallo @Keano Ich bin leicht zugegeben Laie, was taktische Aufstellungen betrifft und Fußball überhaupt und ich bin daher extrem unsicher, wenn du mir sagst, in Cottbus wurde ein 4-2-3-1 gespielt.
    Am Fernseher ist das wirklich nicht so gut zu sehen, weshalb ich immer nervös bin beim Fernsehgucken, zumal die Kameraregie sich oft in spannenden Phasen gerne als Porträtfotograf auszeichnet.
    Auf dem Bildschirm habe ich jedenfalls keine Viererkette in Cottbus gesehen, dafür Benjamina, Mosquera- Superstar und Sahin im Sturm;
    wer auch immer sich dabei hinter den Spitzen angeboten hat.
    Erst, als wir weit hinten lagen, hat Uwe Neuhaus zwei Stürmer rausgenommen und dafür den torgefährlichen Ede gebracht und Brunnemann mit seinem Wollen. Gebhard hüpfte ziemlich oft durch den Strafraum, da weder Stuff noch Rauw wußte, wann wo eine Glocke schlägt und Peitz keinen Schimmer hatte, wann Mouhani greift und umgekehrt. Eine planlosere und unterbesetztere Abwehr als in Cottbus hab ich die ganze Saison nicht gesehen, und was das Schlimmste war, es gab keine Korrektur.
    Gebhard durfte bis zur 81. Minute sich zum Obst machen , dafür sich aber gegen Bielefeld bis zur 85.Minute warm machen.. Mit dem Superstar war der dritte Wechsel erledigt und
    @Sohle- ich hätte auch nicht gewußt, wie ich Mosquera seine Nichtberücksichtigung erklären könnte. Ich hätte aber auch nicht gewußt, wie ich seine Aufstellung in den letzten hundert Spielen rechtfertige.
    Gegen Bielefeld haben wir beim Stand von 0:0 vor heimischen Publikum einen auf Juventus Turin gemacht, eine Taktik, die nach dem Glückstor von Brunnemann aus dem Nichts ein wenig gerechtfertigt war und nach dem 2:0 halbwegs erlaubt. Dannach lief das Spiel außer Konkurrenz und ich bin auf das allerglücklichste abgehoben, als mein gerade noch rechtzeitig eingewechselter Lieblingsspieler Dogan den besseren Tusche machte.

    Falls jemand fragt, ob ich mich auch mal freuen kann; Ja, kann ich.

  5. @Milan

    Mosquera spielt ja nicht schlecht, sein Training wird gut sein. Ich denke so rechtfertigt UN das Mosquera spielt. Warum alle auf ihm rumhacken, kann ich echt nicht verstehen. In der Hinrunde war er super, in der Rückrunde ist er scheisse. Ich denke man muss sich da einfach mal die gesamte Mannschaft anschauen. Es wurde viel verändert. Wir hatten Verletzte. In der Hinrunde haben wir deutlich über unserem Niveau gespielt. In der Rückrunde hat die ganze Mannschaft nicht mehr bei 100% spielen können. Es kam sicherlich hier und da noch Pech dazu. Genauso bei Mosquera.

    Genhardt geht letzte Woche z.T. nicht zum Training, weil er den Trainerschein angefangen hat. Der Trainer wechselt ihn nicht ein. Dafür dann Mosquera, weil eben dieser “Superstar” die ganze Woche mittrainiert hat. Verstehe die Problematik nicht. Wenn UN Gebhardt bringt, dann ist das unfair gegenüber allen anderen, die letzte Woche voll ins Training gegangen sind und sich auf das Spiel gegen Bielefeld vorbereitet haben.

  6. Sohle es geht nicht darum ob der alte Mann die vollen Trainingseinheiten absolviert hat oder nicht, ob er dabei auf seinen Händen läuft oder am Mittelkreis ein Schläfchen hält. Er ist aussortiert und weg.
    Es geht darum, dass beim letzten Heimspiel der Saison vor 17k Zuschauern der Mann gefeiert worden wäre, ohne dessen Flanken und Einsatz wir nicht da ständen wo wir stehen. Der bis zum Schluss seine Knochen hingehalten hat in Brandenburg ohne zu zucken, einen der sich in unsere Herzen gespielt hat.
    Jeder in der Mannschaft hätte seine Einwechslung verstanden. Ich glaube nicht, dass man einem Dogan, Stuff oder wie sie alle heißen es auch nur im mindesten hätte erklären müssen.
    Ich bin ganz fest von einer Einwechslung in den letzten Minuten ausgegangen und wenn ich auch nur geahnt hätte, dass dem nicht so ist, dann hätte ich spätestens nach dem 2:0 mit Marco Gebhard Gesängen angefangen und ich wäre nicht der einzige gewesen.

    Warum ihn Uwe Neuhaus nicht eingewechselt hat kann man nur spekulieren, deshalb lasse ich das. Unmöglich finde ich es, egal welche Gründe man ins Feld führen mag.

  7. Hi @Milan
    Ich bin doch genauso Laie wie Du.
    Du hast natürlich recht, dass man im Fernsehen alles im Stadion gut sieht, nur das Spiel nicht. Mir sah es in Cottbus von der Grundintention her durchaus nach ‘ner Viererkette aus, nur haben beide Außenverteidiger ihre Positionen kaum gehalten, warum auch immer. Auch glaube ich, dass Sahin und Benyamina eher auf einer Höhe mit Tusche als mit Mosquera agieren sollten. Ist aber natürlich alles ‘ne Interpretationsfrage (der Zuschauer und der Spieler) und die Zahlenkombinationen bilden die Komplexität eines Spiels kaum ab.
    Ansonsten sprichst Du mir mit “Ich hätte aber auch nicht gewußt, wie ich seine Aufstellung in den letzten hundert Spielen rechtfertige.” aus dem Herzen.

  8. @Keano- ist schon richtig, auch in Cottbus war es eine Viererkette hinten, rechts war ja Bemben. Davor war die Doppelsechs und nominell waren es drei Stürmer auswärts. Ob nun Sahin und Benjamina Außenbahnen beackern und später Ede und Brunnemann heißen , ob nun Peitz offensiv agiert, die Nummer ist in die Hose gegangen und sowas ist prinzipiell erlaubt.
    Kann ja alles mal schief gehen.
    Wir haben in der Rückrunde ja sogar Spiele gewonnen, auch wenn Koblenz zu Hause einme harte Nuß war und viel Glück dazu gehörte. Oberhausen haben wir auch weggehauen und gegen Pauli hatten wir endlich mal eine Mannschaft mit nem schlechten Tag. Das war die Rückrunde im Wesentlichen, Bielefeld war schon außer Konkurrenz, daß das gut ging, macht mich nicht optimistischer.
    @Sohle- Daß Mosquera in der Hinrunde Super war, habe ich so auch in einigen Medien und von einigen Fans im Forum gelesen, ich jedenfalls habe das nicht so gesehen. Was soll auch sein, als er noch getroffen hat, war das auch selten. Die 7 Tore hätte Biran an seiner Stelle allerhöchstwahrscheinlich auch gemacht. Auch vor Union war er nie ein Knipser, mehr als symphatisch war er noch nirgends. er wurde gnadenlos als Testballon verbrannt und ich befürchte, daß es so weiter geht. Dafür habe ich absolut kein Verständnis und ich prangere das an.
    Andererseits, wenn Mosquera die ersten 10 Spiele der neuen Saison weiter gesetzt ist, dann haben wir schnell einen neuen Trainer.

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