Viel Regen, ein wenig Randale und ein Wechsel im Tor

Ausschlafen. Ins Stadion gehen. Und danach hier etwas über das Spiel gegen die Queens Park Rangers schreiben. So sah mein Plan gestern aus. Zumindest das mit dem Ausschlafen und ins Stadion gehen hat geklappt. Die kurze Pause ohne Fußball und die selbstgewählte Fußballabstinenz (ich habe weder Confed-Cup, noch Telekom-Cup, noch irgendeine U-EM oder anderen Fußball gesehen) haben mir wieder Lust auf das Spiel gemacht. Außerdem war ich neugierig, wie Jens Keller sein Team zusammenstellt. Letzten Endes hätte er mir dafür aber auch nur ein Foto der Mannschaftsaufstellung schicken können, denn aufgrund des pünktlich mit Spielbeginn einsetzenden Unwetters wurde die Partie abgesagt. Die Anzeigetafel zickte im Starkregen schon etwas vor dem Pfiff des Schiedsrichters, der die Mannschaften zu ihrer eigenen Sicherheit in die Kabinen schickte.

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Torsten Mattuschka und die Suche nach dem richtigen Zeitpunkt

Fahren wir mal etwas weiter nach Süden. Stop, nicht ganz so weit. Südbrandenburg reicht. In Cottbus hat Torsten Mattuschka seinen Anschlussvertrag mit dem Verein aufgelöst (offizielle Cottbuser Mitteilung). Damit entlastet er den in die Regionalliga abgestiegenen Klub finanziell, steht aber damit weiter vor der Frage, was er eigentlich jetzt machen will. Die BZ schreibt, dass Oberliga-Aufsteiger Altglienicke an einer Verpflichtung interessiert sei.

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Faktensuche und offene Fragen

Und ich hatte noch prognostiziert, dass wir das Torwart-Thema jeden Tag bis zum Spiel über uns ergehen lassen müssen. Das war wohl nichts. Meine seherischen Fähigkeiten sind damit wohl ungefähr genauso gut wie Norbert Düwels glückliches Händchen bei der Keeperwahl.

Das Thema sind stattdessen die Ausschreitungen beim Regionalliga-Spiel Union II gegen den BFC Dynamo im und um das Stadion. Zunächst die Zahlen: 8.192 Zuschauer sahen die Viertliga-Partie, die von gut 300 Polizisten und zusätzlich auch von Ordnern geschützt wurde. Es gab laut Polizei 175 Festnahmen, die nicht unterschieden werden nach Fanfarben oder Ort der Festnahme, obwohl das bei der Aufarbeitung der Vorfälle durchaus helfen würde. 112 Beamte wurden verletzt, davon mussten laut Polizei zwei ambulant behandelt werden. Eine Aussage über Art und Schwere der Verletzungen gibt es auch nicht.

Was passierte im Stadion?

Ich sehe zwei verschiedene Sachverhalte: Die Ausschreitungen im Stadion und dann die Scharmützel außerhalb. Es geht nicht um die Bewertung der einzelnen Fangruppen, sondern nur um die Frage, ob Union als Verein etwas daran hätte ändern können. Entscheidend dafür ist die Zahl derjenigen Union-Fans, die von der Waldseite auf die Haupttribüne stürmten und dort die BFC-Anhänger zu vertreiben. Einen versuchten Sturm des Gästeblocks können wir sicher ausschließen. Die Polizei nennt 300 Union-Fans, die auf die Haupttribüne rannten:

Screenshot 2015-03-17 06.37.51Foto: Screenshot der PM der Berliner Polizei

Union dagegen beziffert die Zahl derjenigen auf 30:

Screenshot 2015-03-17 06.56.14

Es fehlt leider eine Totale aus dem Stadion, aber hier auf dem Bild kann ich keine 300 Unionfans beobachten, die auf die Haupttribüne strömten. Gemeint sind die vorwiegend in schwarz gekleideten Anhänger, die unten an den Sitzen entlang laufen:

Union II - BFC Dynamo 2014/15
Foto: Matze Koch

Diese Unionfans wurden von Ordnern aufgehalten. Das belegen Fotos:

Union II - BFC Dynamo 2014/15
Foto: Matze Koch

Erst danach kam es zum Polizei-Einsatz jeweils vor dem Gästeblock und an der Waldseite. Und vor und nach dem Spiel kam es zu wohl teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Fangruppen und der Polizei.

Interessant ist, dass bis auf den Tagesspiegel und den Kurier alle anderen Berliner Medien ungeprüft die Angaben der Polizei übernehmen, nach der 300 Unionfans die Haupttribüne gestürmt hätten (BZ/Bild, Morgenpost, Berliner Zeitung). Hier zeigt sich eine Schwierigkeit in der Polizei-Berichterstattung, in der die Kontakte zu Beamten, die Information weitergeben (wie gestern der unveröffentlichte Polizeibericht an die Polizeireporter der Berliner Zeitung und der Bild/BZ), vielleicht wichtiger sind als das Zwei-Quellen-Prinzip im Journalismus, nach der für eine Behauptung mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen aufzutun sind. Wenn die sich widersprechen, muss man es so machen wie der Tagesspiegel:

Neben den Stehplatzrängen der Union-Ultras auf der Waldseite hatten sich zehn Minuten vor dem Abpfiff rund 40 teilweise vermummte Personen – die Polizei sprach von 300 – versammelt und mit ihrem Sturmlauf in Richtung des hinteren Teils der Haupttribüne für Unruhe gesorgt.

Anwesenheit im Stadion ist bei der Überprüfung der Zahlen vielleicht hilfreich, aber nicht notwendig gewesen. Es gibt genug Bild und Filmmaterial von den Vorfällen.

Viele Fragen bleiben offen

Anhand der dargestellten Fakten bleiben tatsächlich ein paar Fragen offen, die ich nicht beantworten kann. War der Polizei-Einsatz im Stadion überhaupt notwendig? Ich vermute ja, um ein Aufeinandertreffen der beiden Fanblöcke zu vermeiden. Hier spielen sicherlich die Vorkommnisse vor dem Spiel eine Rolle bei der Entscheidung der Einsatzleitung, im Stadion aktiv zu werden. Ob der Einsatz in dem Ausmaß gerechtfertigt war, wäre die nächste Frage.

Mich würde die Rolle einzelner Gruppen bei den Vorfällen außerhalb des Stadions interessieren. Die Berliner Zeitung erwähnt mit Berufung auf die Polizei die Hells Angels als aktiv an Auseinandersetzungen beteiligt. Auf Unionseite würde mich interessieren, welche Gruppen dort aktiv waren. Dann wüsste ich tatsächlich gerne, wo Festnahmen stattgefunden haben und zu welcher Vereinsseite die Leute sich zugehörig fühlen. Und wie groß die Überschneidungen zwischen den angezeigten Personen und denen in der landeseigenen Gewalttäter-Sport-Datei sind. Zum Thema Prävention: Gab es Gefährdeansprachen vor dem Spiel und wenn ja, was haben sie konkret gebracht? Gleiches gilt für die Verletzungen der Polizisten. An meiner persönlichen Einschätzung “Das war große Scheiße.” wird das nichts ändern, aber für die ernsthafte Aufarbeitung der Vorfälle und Vorbeugung bei für zukünftige Veranstaltungen wäre das sinnvoll.

Wir hatten gestern Abend im Podcast eine längere und sehr lebhafte Diskussion über den Sinn und Unsinn, auf eigene Faust BFC-Fans aus dem Heimbereich zu werfen, und über den Umgang mit dem BFC an sich.

Sportlich tut sich nichts berichtenswertes. Der Kurier hat mit Sören Brandy telefoniert.

Teve220 – Straftraining ist Stammtisch-Globuli

Das war ein schlimmes Union-Wochenende: Freitag 0:5 in Darmstadt verloren und mit einer Roten Karte den Torwart dazu. Am Sonntag verliert die Zweite Mannschaft 0:1 gegen den BFC und es gibt einen größeren Polizei-Einsatz im eigenen Stadion. Danke an David für das Einsprechen des Intros. Das ist ganz groß!

Foto: Matze Koch

On Air:

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Begrüßung

00:02:12

Das 0:5 in Darmstadt

00:03:19

Das Torwart-Thema muss gelöst werden

00:15:33

Outro

01:31:20

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Gleichbleibend.

Die Sonne scheint über dem Plattenbau an diesem 2. August. Das Sportforum Hohenschönhausen hat schon glanzvollere Zeiten erlebt. Auf einem Nebenplatz testet der frühere DDR-Serienmeister BFC Dynamo für die neue Oberliga-Saison. Mit Trainer Heiko Bonan und dem ehemaligen Union-Stürmer Shergo Biran soll die Qualifikation für die neue Regionalliga klappen. Der Gegner ist an diesem Dienstag Grün-Weiß Lübben.

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Klischee, Klischee.

Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt im Berliner Olympiastadion gegen die türkische Auswahl 3:0. Die Quintessenz des Spiels wurde an der Strandpromenade von Ahlbeck auf Usedom wie folgt zusammengefasst.

Ein Mann in den 50ern: “Gib mir mal die Zeitung, ich möchte noch einmal die Tore lesen.”

Seine Frau: “Welche Tore?”

“Die von gestern Abend. Das 3:0.”

Die Frau offensichtlich desinteressiert: “Ach Fußball!”

Der Mann liest die Agenturmeldung im Hotelblatt, als seine Frau ihn unterbricht: “Und? Gab’s Randale?”