Sich vermarkten lassen

Die Einladung zur Pressekonferenz von Präsident Dirk Zingler und geladenen aber nicht näher benannten Gästen hätte auch die Checkliste des Vereins sein können. Auf dem Zettel mit den zu erledigenden Dingen steht: “Der Bau der Haupttribüne, die Weiterentwicklung der Infrastruktur der Sportanlage An der Alten Försterei und die schrittweise Erhöhung des Etats mit dem Ziel, den Verein dauerhaft im DFL-Bereich zu etablieren.” Da der Präsident dem Verkauf von Vermarktungsrechten auf der letzten Mitgliederversammlung eine eindeutige Absage erteilt hatte, blieb nur etwas übrig, was man als Unioner bereits kennt: Bauen.

Groß war die Überraschung, als Dirk Zingler die UFA SPORTS GmbH als exklusiven Vermarktungspartner des 1. FC Wundervoll vorstellte. Der Vertrag wird bis 2020 laufen. Zunächst kamen Erinnerungen hoch an die Vorstellung einer strategischen Partnerschaft mit einer Firma, der der Verein mittlerweile nur noch vor Gericht begegnet. Danach Gedanken an Hertha BSC, der sich für eine Vorauszahlung sämtliche Vermarktungsrechte bis 2018 von Sportfive hat abkaufen lassen.

Die Verbindung zu Hertha bestätigt Robert Müller von Vultejus, Managing Director von UFA Sports, als er kurz die Geschichte der Firma erläutert. Vom ehemaligen Präsidenten von Hertha BSC, Bernd Schiphorst, wurde 1988 die UFA Film und Fernsehen GmbH als hunderprozentige Tochter der Bertlesmann Gruppe gegründet, die seit 1994 im Bereich der Sportrechtevermarktung tätig ist. Erster Verein, der sich der Gesamtvermarktung der UFA hingab, war Hertha. Die Firma konvertierte zu Sportfive und wechselte in den letzten Jahren mehrfach den Besitzer. Müller von Vultejus und Philip Cordes, der ebenfalls auf der Pressekonferenz anwesend war, verließen 2007 mit einigen Mitarbeitern Sportfive und gründeten 2008 mit dem erneuten Gesellschafter Bertelsmann Gruppe die UFA Sports GmbH, die mit mittlerweile 25 Mitarbeitern an vier verschiedenen Standorten aktiv ist.

Präsident Zingler steht weiterhin zu seinem Statement gegen eine Zentralvermarktung und will vielmehr mit der Vermarktungspartnerschaft “die Basis dafür legen, dass wir uns dauerhaft im DFL-Bereich etablieren.” Die Frage, die sich die Vereinsführung gestellt habe, sei gewesen, ob man die Wachstumsziele selbst aus dem Verein heraus schaffen kann oder dafür externe Hilfe in Anspruch nimmt. Seit mehreren Monaten seien Gespräche mit verschiedenen Vermarktern geführt worden. Diese seien nicht immer einfach verlaufen, da der Verein seine eigenen Vorstellungen nicht aufgeben wollte. Die eigenen Vorstellungen sind konkret zu benennen: Kein Gesamtverkauf von Vermarktungsrechten, Unveräußerlichkeit des Stadionnamens oder Einflußnahme auf Gestaltung des Stadionheftes. UFA Sports hat sich, wie das auf Marketingdeutsch heißt, zu diesen Vorstellungen bekannt.

Während der Fragen durch die Pressevertreter ging Präsident Dirk Zingler auch auf die Frage nach dem Neubau der Haupttribüne ein. Er hoffe, dass die Gespräche über die Finanzierung in den nächsten Monaten abgeschlossen werden würden. UFA Sports sei daran nicht beteiligt. Sollte die Finanzierung nicht zustande kommen, werde man sich eventuell mit dem Vermarkter zusammensetzen, um eine andere Finanzierung zu realisieren. Alle diese Aussagen sind zwar Balsam auf der Seele der rot-weißen Anhänger, aber wenig konkret. Und vor allem hilft der Seelenbalsam nicht, den Etat nennenswert zu erhöhen.

Die auf zehn Jahre für alle Ligen und unabhängig vom weiteren Stadionausbau angelegte Vermarktungspartnerschaft wird so aussehen, dass die bisher in der Vermarktung tätigen Mitarbeiter der Geschäftsstelle sowie Mitarbeiter von UFA Sports gemeinsam als Firma für den Verein tätig sein werden. Der Sitz wird im Forsthaus in Köpenick sein. Der Vorteil der kurzen Wege liegt auf der Hand und ist eine interessante Strategie für einen Vermarkter, der passend zum Verein Sponsoren akquirieren möchte. Geld soll entsprechend der Tätigkeit als Dienstleister für den Verein mit Provisionen verdient werden, über deren Höhe sich allerdings ausgeschwiegen wurde. Präsident Dirk Zingler betonte auf Nachfrage, ob bereits Geld geflossen sei: “Es wurden keine Rechte verkauft oder auf zukünftige Erträge Einnahmen generiert.” Wie das Commitment von UFA Sports zum 1. FC Union, welches die beiden Vertreter des Vermarkters betonten, genauer aussieht, blieb im Unklaren. Den Verantwortlichen des Vereins ging es vielmehr darum, den Grund der Partnerschaft als den konkreten Inhalt zu vermitteln. So glaubt Zingler, mit UFA Sports schneller und vor allem überregional wachsen zu können. Schaut man sich im Stadion um und liest sich die einzelnen Werbebanden durch, fällt auf, was die Vereinsverantwortlichen umtreibt, wenn sie sagen, dass sie regional gut verwurzelt sind. Es sind die fehlenden überregionalen Sponsoren. Und genau dort wird UFA Sports wohl auch als erstes ansetzen.

Eine Sicherung vor der Verselbständigung der Vermarktung wurde eingebaut, indem die Vermarktungshoheit weiterhin beim Verein bleiben soll. Das bedeutet, dass die jeweiligen Verträge mit zukünftigen Partnern vom Verein unterzeichnet werden und dieser diese Verträge bzw. die darin aufgeführten Preise und Dienstleistungen auch ablehnen kann. Ob der vom Präsidenten angestrebte Transfer von Know-How von der Vermarktungsfirma in den Verein hinein stattfinden wird, wenn alle mit dem Thema befassten Mitarbeiter nicht mehr beim Verein angestellt sind, wird sich zeigen.

Für die Anhänger wird sich mit Sicherheit bis auf einige Werbebanden zunächst gar nicht soviel ändern. Im Gegensatz zur Präsentation der ISP im letzten Jahr wurde dieses Mal viel Wert darauf gelegt, zu vermitteln, worum es geht und was nicht betroffen sein wird. Außerdem wurde ein Partner gesucht, der durch Seriosität und Erfahrung glänzt. Zwar ist die UFA Sports ein junges Unternehmen, dass gerade einmal 18 Monate existiert, doch haben sie bereits Erfolge vorzuweisen. Eine ähnliche Vermarktungspartnerschaft wie jetzt mit dem 1. FC Wundervoll wurde vorher mit dem FC St. Pauli beschlossen. Dort sitzen ebenfalls die Vermarkter direkt vor Ort. Außerdem vermarktet die Firma bis 2011 die Medien- und Fernsehrechte der deutschen U21, besitzt eine Vermarktungspartnerschaft mit dem Deutschen Basketballbund und vermarktet die slowakische Fußballnationalmannschaft.

Mit der jetzt endgültigen Absage an ein schnelles Wachstum des Vereins durch fremde Mittel wird es sicherlich einfacher werden, die Anhänger des Vereins auf der Gratwanderung zwischen Kommerz und Tradition mitzunehmen. Was die Partnerschaft aber tatsächlich in Zahlen für den Verein bringt, wird man erst später bewerten können.

der Bau der Haupttribüne, die Weiterentwicklung der Infrastruktur der Sportanlage An der Alten Försterei und die schrittweise Erhöhung des Etats mit dem Ziel, den Verein dauerhaft im DFL-Bereich zu etablieren.