Togo.

Eine gelungene filmische Gratwanderung vollzog der Eröffnungsfilm “Togo” des diesjähren Fußballfilmfestivals 11mm. Die beiden schweizerischen Regisseure beobachteten in ihrer Dokumentation die Menschen in Lomé, während die togolesische Mannschaft sich auf die WM 2006 vorbereitete und ihre Gruppenspiele bestritt. Dabei begleiteten sie einen arbeitslosen Journalisten, einen Geschäftsmann, der extra für die WM ein Lokal aufgemacht hat, und Fans, die teils vergeblich vor dem deutschen Konsulat auf Visa für den Besuch der Gruppenspiele warteten.

Eine Gratwanderung, weil die Kulisse und Improvisation im armen Viertel am Stadtrand geeignet ist, bestimmte europäische Afrikaklischees zu bedienen. Dem entzieht sich der Film, indem er auf eine Kommentierung aus dem Off verzichtet und die Akteure selbst sprechen lässt. So bekommt der Zuschauer einen unmittelbaren Eindruck von der Stimmung im Land nach den politischen Unruhen 2005 und der erstmaligen Qualifikation für eine Weltmeisterschaft: Hoffnung, Übermut, Enttäuschung, Wut, Resignation. Für ständige Lacher sorgen Voodoomänner, die vor jedem Spiel das Orakel befragen, einen Sieg der Togolesen vorhersagen und danach mit aberwitzigen Ausreden erklären, warum dann doch alles anders gekommen ist.

Der Film wird noch einmal am Mittwoch, dem 17. März 2010 um 20.30 Uhr im Kino Babylon gezeigt (Eintritt: 6,50 €). Die DVD kann direkt bei den Regisseuren bestellt werden.

Nach der Premiere stand uns Otto Pfister, der damalige Trainer der togolesischen Mannschaft für ein kurzes Interview zur Verfügung:

Im Film haben Sie die Stimmung in Togo gesehen, während Sie mit der Mannschaft hier waren. Haben Sie vorher damit gerechnet, dass es so hoch hergehen würde?

Ich habe das gewusst. Und das belastet einen natürlich auch. Zum Beispiel das mit der Mama Togo habe ich gewusst, weil ich immer auf dem Kontinent lebe, wenn  ich ein Engagement habe. Es gibt Trainer, wie den, der vor mir Kamerun trainiert hat. Die wohnen hier und gehen nur zum Spiel herunter. Das mache ich nicht. Ich habe eine Schwäche für diese Länder und ich wohne dort. Ich weiß, was dort los ist. Für die ist Fußball heilig. Das ist nicht wie hier in Berlin heute. Wenn da ein Spiel ist wie Hertha BSC gegen Nürnberg in einer solch großen Stadt. Dann sind alle im Stadion. Der Rest sitzt vor dem Fernseher oder am Radio. Da ist keiner auf der Straße. Das ist eine Religion. Und das ist schwer hier zu vermitteln.

Dazu kommt noch die Selbstüberschätzung. Sie meinen, sie treten an mit einer Infrastruktur, die Sie im Film sehen konnten. Und die Erwartung ist dann so, das sei jetzt überall genau so wie zu Hause. – Allerdings war das mit der Nationalmannschaft nicht ganz richtig dargestellt. Ich war ja mit den Jungs vier Wochen hier in Europa im Trainingslager in normalen Sportschulen. Wenn man dann sieht, dass es nicht läuft, gibt man auf. Als es dann losging mit dem Geld, haben die Spieler gestreikt. Ich habe gekündigt, als Adebayour zu mir kam und sagte: ‘Trainer, wir trainieren heute nicht. Wir haben noch keinen Pfennig Geld gesehen.’ Das war der Grund. Ich habe mit dem Präsidenten gesprochen und gesagt: ‘Sie entziehen mir die Arbeitsgrundlage. Zahlen Sie den Spielern das Geld, damit sie zum Training kommen.’ Dann ist die FIFA in Vorschuß getreten. Aber uns haben die zwei Tage gefehlt. Sonst wäre die Mannschaft auch in der Lage gewesen, die zweite Runde zu erreichen.

Waren Sie wieder aufgeregt, als Sie die Szenen der Spiele jetzt noch einmal gesehen haben? Wie haben Sie manche Schiedsrichterentscheidungen jetzt noch einmal wahrgenommen?

Wenn der Schiedsrichter vom Spiel gegen die Schweiz Englisch verstanden hätte, wäre ich für das, was ich ihm in der Halbzeit gesagt habe, von der FIFA für ein Jahr gesperrt worden. Einmal wird Adebayour heruntergerissen und einmal lässt Patrick Müller im Strafraum das Bein stehen. Aber das ist halt so.

Haben es afrikanische Mannschaften bei einem solch großen Turnier besonders schwer mit den Schiedsrichtern?

Ja. Aber dazu möchte ich mich lieber nicht äußern. Das ist kein einfaches Thema.