Sie konnten zueinander nicht kommen

Eigentlich sollte hier nur der Kommentar von MalerMario stehen. Denn mehr als sein “Zwei Monate später…” gibt es eigentlich nicht dazu zu sagen. Nach vielen Ungereimtheiten hat sich der Verein vom “Hauptsponsor” ISP getrennt. Als Grund für die Trennung werden “falsche Angaben des Vertragspartners beim Zustandekommen des Vertrages” genannt. Dagegen gibt es nicht viel zu sagen. Was damit gemeint ist, bleibt allerdings unklar. Ist damit die Unklarheit über die Registrierung der ISP bei der Handelskammer von Dubai oder Adschman gemeint? Ist es die Herkunft der Gelder? Oder tatsächlich die Vergangenheit des ISP-Aufsichtsratschefs Jürgen Czilinsky als Hauptmann im Dienste des Ministeriums für Staatssicherheit?

Letzten Endes kann es fast egal sein, was den Ausschlag gegeben hat, denn Bauchschmerzen hatten sehr viele bereits bei der Bekanntgabe des Vertrages mit der ISP. Dafür stellen sich andere Fragen, die heute auf der Pressekonferenz nicht beantwortet wurden. Es wurde bereits eine Rate von einer Million Euro gezahlt. Wieviel dieser Summe muss zurückgezahlt werden und wurde diese Summe bereits ernsthaft verplant? Dazu gab es keinen Kommentar. In der Pressemitteilung ist lediglich die Rede davon, dass der laufende Spielbetrieb nicht beinflusst werde, “da die im Lizenzierungsverfahren eingereichte Etatplanung den ISP-Vertrag nicht beinhaltete”. Das beruhigt die in Lizenzfragen arg gebeutelte Unionseele. Es bleibt trotzdem zu hoffen, dass man einen normalen Hauptsponsor als “Backup” in der Tasche hat. Es darf auch gerne ein normaler Baumarkt sein.

Imagetransfer

Christoph Biermann von SpiegelOnline hat mit seinem gestrigen Artikel hohe Wellen geschlagen. An dieser Stelle soll es aber gar nicht direkt um die Tätigkeit des ISP-Chef Jürgen Czilinsky für das Ministerium für Staatssicherheit gehen. Für deren Bewertung gibt es einfach noch zu wenig Informationen.

Bereits jetzt lässt sich aber betrachten, wie der Verein mit dem Sponsor verknüpft wird. In der Pressemitteilung bei der Vorstellung der ISP als Sponsor war von Imagetransfer die Rede:  “Um zum Imagegewinn und Imagetransfer der Unternehmensgruppe rund um die ISP beizutragen, hätte es also keinen besseren Standort als Berlin für den Start der ISP-Tätigkeiten geben können.” Nun ist es normal, dass eine Firma sich erhofft, dass durch Sponsoring ihre Marke positiv aufgeladen wird. Im Falle der ISP ist allerdings bis jetzt noch unklar, was die Marke sein soll.

Ein Blick in die Presse am Tag eins nach dem Artikel von Biermann macht dann deutlich, dass Imagetransfer auch andersherum und dazu noch negativ funktionieren kann:

– Beim Berliner Kurier ist völlig sauber vom Unionsponsor die Rede: “Der Boss war ein Stasi-Hauptmann” Der Kurier hat im Osten seine Stammleserschaft, die ihm unsaubere Überschriften à la “Stasiskandal bei Union” sehr übel nehmen würde.

– Auch die B.Z. (neuer Medienpartner des Vereins) trennt sauber Sponsor von Verein: “Union-Schock: ISP-Boss Czilinsky war Stasi-Offizier”

– Aber schon in der Berliner Morgenpost klappt es mit der Sprache nicht mehr so: “Sponsor-Chef von Union soll für Stasi gespitzelt haben”

– Völlig merkwürdig und obskur dann diese Überschrift: “Ex-Stasi-Offizier sponsert Fußball-Zweitligisten Union Berlin”, die von einer Nachrichtenagentur verfasst wurde.

Sichtbar wird aber schon durch diese wenigen Beispiele, dass Union mehr oder minder offen im Text oder im Bewusstsein des Lesers mit der Undurchsichtigkeit seines Sponsors verknüpft wird. Es hat Jahre harter Arbeit des jetzigen Präsidiums gebraucht, damit der Verein wieder als seriöser Partner wahrgenommen wird. Und die Aktion des Stadionbaus hat dem Verein landesweit eine positive Ausstrahlung gegeben, die durch keine Kampagne zu schaffen gewesen wäre. Es braucht nur wenig, um das alles wieder einzureißen.