Sebastian Polter und die Frage nach sinnvollen Fouls

Der für mich spannendste Text des Tages steht heute in der Bild. Dort wird Sebastian Polter wie folgt zitiert:

Wir müssen abgewichster sein, den Ball häufiger auf die Tribüne schlagen, ein Foul mehr ziehen, mal länger liegen bleiben.

Er fordert damit im Prinzip das, was Ingolstadt durchaus vorgemacht hat. Jede Unterbrechung bringt in gewissen Phasen den Gegner aus den Konzept, lässt ihn nicht in den Spielfluss kommen und gibt der eigenen Mannschaft die Möglichkeit, sich zu sortieren.

poltiFoto: Tobi/unveu.de

Ich mochte das Liegenbleiben der Ingolstädter nicht. Es ist auch nicht die Spielweise, die ich von Union sehen möchte. Aber meiner Meinung nach fordert Polter vor allem ein clevereres Verhalten. Die Bild sieht Union bereits jetzt als unfairstes Team der Zweiten Liga und führt als Argument die Zahl der Verwarnungen und Platzverweise an (64 Mal Gelb und sechs Mal Gelb-Rot oder glatt Rot).

Das greift für mich zu kurz. Erstens ist es eine Frage, wo Fouls gespielt wird. Im gegnerischen Drittel gibt es durch die Regelauslegung kaum Verwarnungen für Fouls, weil sie selten als taktisch ausgelegt werden. Kommt das Foul 20 Meter weiter rings um die Mittellinie sieht das schon anders aus.

Aber trotzdem hat die Bild recht: Union gehört zu den Mannschaften mit den meisten Fouls (aktuell 553). Mehr haben nur Nürnberg und Leipzig gezogen. Die Teams auf den Aufstiegsplätzen kommen mit weniger gepfiffenen Unsportlichkeiten aus: Ingolstadt 477, Kaiserslautern 508, Karlsruhe 506.

Ich sehe aber Polters Ansage vor allem in die Richtung, dass die Spielkontrolle auch mal mit Unterbrechungen behalten werden kann und das Spieltempo selbst bestimmt werden kann. Cleverness halt. Polter gehört übrigens zu den Spielern, die die meisten Fouls verüben (72, gleichauf mit Poulsen aus Leipzig und Stiefler aus Sandhausen).

 

Der Wirbel um die abgehängte Israel-Fahne beruhigt sich

Spätestens mit der offiziellen Stellungnahme des FC Ingolstadt nach der Entschuldigung des Berliner Polizei-Präsidenten hat sich die Aufregung sehr gelegt. Am Sonntag hatte der Einsatzleiter beim Ingolstadtspiel unter dem Hinweis “Gefahrenabwehr” verlangt, dass Union als Veranstalter ein Israel-Fahne am Gästeblock entfernen soll.

Fragen stellen muss sich jetzt vor allem die Polizei nach ihrer Fähigkeit, Situationen korrekt einzuschätzen und mit möglichen Handlungsanweisungen (die Sprache war von einer “Berliner Linie”) in Einklang zu bringen. Bis jetzt sieht die Darstellung der Polizei aber eher danach aus, als sei es eine bedauerliche Einzelfallentscheidung des Einsatzleiters gewesen. Ich prophezeie mal, dass wir nicht mehr an Aufklärung aus den Reihen der Polizei bekommen werden.

Zu diesem Thema auch: Der israelische Botschafter meldet sich zu Wort (Bild) und auch Tagesspiegel und Kurier vermelden den Vorfall.

Union zahlt für Regionalliga-Derby

Für die Ausschreitungen beim Viertliga-Derby zwischen Union und dem BFC hat das Sportgericht des NOFV Geldstrafen ausgesprochen. Union muss 2.500 Euro zahlen und der BFC 3.500 Euro. In der Strafe für den BFC Dynamo ist Abbrennen von Pyro beim Spiel gegen Babelsberg enthalten.

Ich weine nach dem Abmelden der U23 vom Spielbetrieb der Regionalliga und vor allem dem NOFV als Veranstalter keine Träne nach. Aber wer diese Liga liebt, der wird auch diesen Text vom Vice Magazine lieben: Fear and Loathing in der Regionalliga-Nordost.

Meistgeklickter Link

Gestern hat hier der BZ-Text am meisten interessiert: Aufregung um Israel-Fahne in der Alten Försterei 

Der Podcast ist wieder da

Nach vier Wochen Sendepause sind wir wieder da. In Teve222 – Terodde ist nach Bochum, weil er nicht ins Berghain kam reden wir über das 2:2 gegen Ingolstadt, Jopeks möglichen Durchbruch nach einer Seuchensaison für ihn, die Lizenzbedingungen (nein, wir haben auch keine Ahnung), die bisherigen Verpflichtungen für die neue Saison und die abgehängte Israel-Fahne.