Wenn Rückenschmerzen die gute Nachricht sind

Die gute Nachricht gestern war, dass Sebastian Polter keine inneren Verletzungen, sondern nur eine – schmerzhafte – Rückenprellung. Die schlechte ist vielleicht, dass es, wenn Polter Polter bleiben soll, nicht offensichtlich ist, wie solche Situationen nicht wieder vorkommen werden.

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Viele Chancen und Ursachenforschung

Ich beeile mich, denn in drei Stunden ist ja schon Anpfiff in Duisburg. Was bietet die Partie heute? Eventuell eine weitere Chance für Christopher Quiring (Morgenpost). Ich kann mir das durchaus vorstellen, auch wenn das vielleicht heißt, dass Christopher Trimmel deshalb erneut auf der Bank Platz nehmen muss. Und sie bietet auch die Chance für Dennis Daube, sich richtig zu zeigen (Bild/BZ). Da bin ich sehr gespannt. Der Kurier hat vor dem Duisburg-Spiel noch mit Benjamin Kessel gesprochen.

😎 #berlin

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Es ist eine Seuchensaison!

Fangen wir mit der für alle Beteiligten sicherlich guten Nachricht an: Norbert Düwel und der 1. FC Union Berlin haben sich im Streit um eine Abfindung außergerichtlich geeinigt. Das bestätigte gestern nicht nur das Landesarbeitsgericht, sondern auch der Verein in einer knappen Mitteilung. Details gibt es wie immer nicht, aber es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass zwischen 80.000 Euro (vertraglich fixierte Abfindung, auf die Union pochte und die sie auch zahlten) und 450.000 Euro (Abfindung, die Düwel für entgangenes Gehalt und Prämien forderte) viel Raum für eine gütliche Einigung war.

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Sascha Lewandowski schickt alle Spieler zum Arzt

Auch wenn es erst am 6. Januar mit dem richtigen Training in der Wintervorbereitung los geht, dürfen die Profis heute schon ran. Denn für Montag und Dienstag hat Trainer Sascha Lewandowski einen umfangreichen Medizincheck zusätzlich zum üblichen Laktattest angesetzt. In Bild/BZ steht, dass das neun Untersuchungen bei acht verschiedenen Ärzten beinhaltet und sich der Trainer davon erhofft, präventiv besser tätig werden zu können. Damit liegt Lewandowski im Trend, Verletzungen im Profifußball vor deren Auftauchen schon vorhersagen zu können und im Zweifelsfall vorher eingreifen zu können, indem beispielsweise die Belastung reduziert wird. Der Nebeneffekt ist natürlich der Hauptaspekt für Trainer und Verein: Spieler werden leistungsfähiger und Verletzungsausfälle minimiert.


Foto: Matze Koch

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Das böse Wort mit K

Eines der Heimspiele, bei denen ich bis heute bereue, dass ich es verpasst habe, fand heute vor genau 10 Jahren im Stadion an der Alten Försterei statt. Union, frisch in die Oberliga abgestiegen, musste am 21.8.2005 gegen den BFC ran und obwohl wir in verschiedensten Podcasts diese alte Feindschaft als “nicht mehr relevant” angemerkt haben, spiele ich heute dann doch mal den ewig Gestrigen und erinnere mich gerne an das Ergebnis dieses Spiels.

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Der Kader ist zu klein. Und zu müde. Und zu klein.

Wenn Union so etwas wie eine Religion wäre und Norbert Düwel der Prediger (oder irgend etwas anderes; ich bin in Kirchenfragen nicht besonders sicher), dann wären die Kollegen Sportjournalisten so etwas wie der Chor. Und immer wenn der Pfarrer Trainer anhebt und sagt “Der Kader” schallt es von rechts “Er ist zu klein”, um gleich von links ergänzt zu werden “Und zu müde.” Und immer wieder. Ich stelle mir das schön dramatisch vor.

So dramatisch ist es dann aber natürlich in der Wirklichkeit nicht. Fangen wir bei der Fraktion “Der Kader ist zu klein” an. Die teilt sich in den Glashalbvoll-Flügel (Bild/BZ), die sieht, wie Steven Skrzybski nach Jahren im Wartestand und mit den Labels “Eigengewächs” und “Talent” versehen, sich in die Startelf spielt und Tore schießt. Sonst war es jedes Jahr dasselbe: Es ist Frühling, die Unionstürmer schwächeln oder sind verletzt und statt die Chance ergreifen zu können, verletzt sich auch Skrzybski (ich klopfe auf Holz).

Die Glashalbleer-Fraktion wird von der Berliner Zeitung vertreten, die das Montagstraining so schildert: “Nur vier Feldspieler haben sich eingefunden; sie spurten unter Aufsicht des Assistenztrainers im Dreieck.” Nun liegt der Rest nicht im Krankenhaus Köpenick, aber der Kader ist tatsächlich etwas kleiner. Allerdings spielten die Winterabgänge (Özbek, Nemec, Dausch) sportlich keine Rolle, so dass es nicht fair wäre, sie jetzt aufzuzählen. Bleiben Köhler (Krebs), Thiel (Schulterverletzung) und Brandy (Schulter, aber was eigentlich genau?), die ausfallen. Drei Spieler, die getrost zur Top-14 des Kaders gezählt werden können und müssen.

Foto: unveu.de

Aber das heißt nicht, dass der Kader zu klein ist. Es heißt meiner Meinung nach, dass Union schlicht Pech hatte, dass die Kalkulation an der Sollbruchstelle (Defensives Mittelfeld/Linke Verteidigerposition) nicht aufgegangen ist. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Wie viel Geld war der Verein willens, im Winter auszugeben und wie war die Angebotslage? Ich vermute, dass das auf der Linksverteidigerposition (dort war Michael Parensen vorgesehen, der jetzt durch Benjamin Köhlers Krebserkrankung im defensiven Mittelfeld aushilft) schlicht kein Spieler zu dem von Union präferierten Preis vorhanden war und sich der Verein deswegen entschlossen hat, auf den Sommer 2015 zu warten. Denn für welche Ziele hätte Union mehr Geld ausgeben sollen? Aufstieg? Unerreichbar. Klassenerhalt? Dafür ist der Kader gut genug. DFB-Pokal? Europa-Cup?

Kommen wir zur anderen Hälfte des Chors. “Der Kader ist müde.” 17 Mal ist Union in dieser Saison schon in Rückstand geraten. Offensichtlich ist die Mannschaft nicht wach, wenn sie auf den Platz geht. Vielleicht sollte Düwel mal zu Jürgen Klinsmann ins Ansprache-Bootcamp gehen. Oder vielleicht zu diesen Hilfsmitteln greifen.

Foto: Sebastian Fiebrig

Auch hier sind Bild/BZ auf der motivierenden Seite. Denn Rückstände in den ersten fünf Minuten gab es erst drei mal in dieser Saison. Und es sind noch elf Partien, um sich an diesem Punkt zu verbessern. Analytisch ist das jetzt nicht gerade Champions-League, aber das war Jürgen Klinsmanns Capitano-Ansprache auch nicht. Und sie hat funktioniert.

Auch die Morgenpost singt im Chor gegen die Müdigkeit und findet als positives Zeichen, dass Union immerhin den Willen habe, Spiele auch umzubiegen. Das ist acht Mal gelungen (Unentschieden oder sogar noch Sieg). Doch auch hier erfahren wir nicht die Gründe für die Rückstände. Wo ist die Spielverlagerung, wenn ich sie mal brauche? In Leipzig war es meiner TV-Ansicht nach eine Mischung aus frühem Pressing durch Rasenballsport und aufgerückten oder nicht ihre Position haltenden Außenverteidigern. Da hätte ich gerne etwas mehr Analyse. Aber vielleicht hat ja der eine oder andere Leser Expertise und bekommt das ohne den Satz “Wir müssen die individuellen Fehler abstellen” hin.

Teve122 – Fick Dich, sieglose Serie!

Fünfter Spieltag, fünftes Spiel ohne Sieg. Dieses Mal zur Abwechslung mit dem entscheidenden Gegentor in letzter Sekunde. Ratlosigkeit macht sich breit. Und die Verletzungsseuche. Neuzugang Felipe Gallegos bricht sich beim Auslaufen im Wald den Fuß (WTF?), der konstant engagiert spielende Marc Pfertzel hat jetzt eine Oberschenkelzerrung. Von Michael Parensen (Haarriss im Wadenbein), Patrick Zoundi (Muskelfaserriss) und Björn Kopplin (Schambeinentzündung) schweigen wir mal lieber. Fehlt nur noch, dass sich beide Torhüter gleichzeitig verletzen. Oh, wait...


Foto: Koch

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Neuhaus ließ in Ingolstadt ein 4141 spielen. Warum eigentlich?Welche Taktik passt eigentlich außer 442 zur aktuellen Union-MannschaftUnion verliert in Ingolstadt, aber nicht weil das Team so viel schlechter warWas fehlt? Abgeklärtheit, Zweikampfhärte, ein ErfolgserlebnisDer Präsident war beim Training. Ein Zeichen für... nichts. Uwe sitzt fest im Sattel. Ein Sieg wäre trotzdem nicht übelWoanders: Die DFL feuert einen Kriminologen aus ihrem wissenschaftlichen Beirat, weil er in der Sportbild eine ganze Breitseite kritischer Bemerkungen gegen den DFB abfeuertWozu braucht es unabhängige Wissenschaftler bei DFL und DFB, wenn diese keine abweichende Meinung haben dürfen?23 Jahre nach der Hillsborough-Katastrophe mit 96 Toten entschuldigt sich Englands Premier bei den Opfern und den AngehörigenRund 25 000 Dokumente wurden dazu veröffentlich Download beim Guardian.

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Teuer erkauft.

Vom kuscheligen Platz auf der Couch, am Tresen oder auch von den Zuschauerrängen sagen sich solche Sätze ganz leicht, wenn die Ergebnisse mal nicht stimmen. Die Spieler müssten Gras fressen. Und jetzt müsse dorthin gegangen werden, wo es weh tue.

Beim 2:0 des 1. FC Union Berlin über den MSV Duisburg musste der medial schon mit dem perfekten Moment seiner Entlassung konfrontierte Trainer Uwe Neuhaus drei Mal gezwungenermaßen auswechseln. Und die Zuschauer bekamen plastisch illustriert, was sich auch hinter der Phrase “Gras fressen” verbergen kann.

Ahmed Madouni

Der neue Abwehrchef blieb kurz vor Ende der ersten Hälfte nach einem Zusammenprall mit dem eigenen Torhüter liegen. Neben dem Tor von Jan Glinker wurde er behandelt. Duisburgs Angriffe ließen in der Zeit Erinnerungen an das Spiel in Osnabrück wach werden. Dort kassierte Union ein Gegentor, als der Innenverteidiger Göhlert außerhalb des Platzes behandelt wurde. Dann das Zeichen zur Bank. Wechsel. Wie im Heimspiel gegen Hertha, als Rauw verletzt vom Platz musste, kam Göhlert kalt ins Team. Madouni ging mit schmerzverzerrtem Blick und Eisbeutel auf der Schulter zur Kabine.

Nach der Pressekonferenz verblüffte Trainer Neuhaus die Journalisten mit einer kleinen Ausführung über die verschiedenen Grade einer Schultereckgelenksprengung. Niemand wusste etwas mit seinen Begriffen Tossy 1, Tossy 2 und Tossy 3 anzufangen. Aber ganz sicher wird diese Woche bei den Nachfragen nach der Diagnose von Madouni von Seiten der Journalisten mit der Rockwood-Einteilung gekontert.

Michael Parensen

Frisch von einer mehr als langwierigen Verletzung im linken Knie genesen, zeigte Parensen im Spiel gegen Hertha und Osnabrück wie wichtig er für das Aufbauspiel von Union ist. Er ging auch gegen Duisburg keinem Zweikampf aus dem Weg. Bei einem Zusammenprall in der zweiten Halbzeit mit Duisburgs Julian Koch, der erst gar nicht so schlimm aussah, blieb Parensen liegen. Koch fiel beim Zusammenprall auf das lädierte linke Knie des Unioners.

Wieder das Handzeichen für eine Auswechslung. Von den Rängen kamen Anfeuerungsrufe und es berührte wohl alle im Stadion als der weinende Michael Parensen auf einer Trage aus dem Stadion getragen wurde. Fast alle Mitspieler versuchten ihn auf dem Weg aus dem Stadion zu trösten und gute Besserung zu wünschen. Aber auch dieser Bruch wurde von der Mannschaft bewältigt.

Der Moment der Auswechslung von Michael Parensen im Stadion
[audio:http://www.textilvergehen.de/audio/2010_09_26_union_duisburg_auswechslung_parensen.mp3]

Halil Savran

Erst im Nachhinein erklärte Uwe Neuhaus, dass auch seine dritte Auswechslung nicht freiwillig erfolgte. Savran wurde von Wadenkrämpfen geplagt und musste in der 71. Minute durch Mosquera ersetzt werden. Für Uwe Neuhaus war das Spiel gegen Duisburg damit eine Partie, in der er nicht durch Einwechslungen eigene Impulse setzen konnte.

Santi Kolk

Der Abgang des Holländers passt nicht ganz in diese Kategorie, da er selbst verschuldet war. Allerdings passt er doch wieder hinein, denn er schwächt Union im nächsten Auswärtsspiel bei 1860 und zwingt Uwe Neuhaus neben den beiden Umstellungen für die verletzten Parensen und Madouni zu einem dritten Personalwechsel.

Kolk erhielt zwei Minuten vor Schluss nach einem kurzen Gefecht mit einem Duisburger Spieler vom Schiedsrichter die gelbe Karte. Noch während der Referee ihm die Karte zeigte applaudierte der Holländer und machte eine Handbewegung, die wohl dem Duisburger Spieler signalisieren sollte, dieser hätte sich vorher fallengelassen. Ob die Gesten dem Schiedsrichter oder dem Gegenspieler galten, war unwichtig, denn Kolk erhielt prompt die gelb-rote Karte.

Der Holländer gab sich danach zerknirscht, erkärte allerdings, er hätte nicht gewusst, dass man in Deutschland für Händeklatschen eine gelbe Karte erhalten würde. Kapitän Mattuschka, der beim Schiedsrichter nach eigenen Angaben noch “Fingerspitzengefühl” gefordert hatte, stellte Kolk allerdings auf Nachfrage keinen Rabatt für die Strafe für die Mannschaftskasse in Aussicht, denn das wüsste dieser bestimmt, dass es für solche Aktionen Gelb gibt.

Bilder: Stefanie Lamm