Der Saisonauftakt gegen Aue hatte alles, was Union ausmacht: Wiedersehen, Trauer und pure Freude

“Es gibt nichts Schöneres als das erste Spiel nach der Sommerpause”, sagte gestern eine Freundin, als wir ungefähr eine Stunde vor Anpfiff des Spiels gegen Aue schon auf der Tribüne standen. Und sie hatte recht, denn das ist der einzige Spieltag, in den alle ohne Ballast hineingehen. Die Hoffnungen gehen noch steil, und es wurden noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Das einzige ist die Ungewissheit. Als Union noch nicht die Haupttribüne hatte und die Wege der sportlich Verantwortlichen noch etwas sichtbarer waren als heute, saß Nico Schäfer vor dem ersten Spiel mal rauchend auf der Treppe des Mannschaftscontainers. Nicht weil er kein Zutrauen in die neuen Spieler hatte, sondern weil er nicht wusste, ob das alles so gut passt wie es sich in der Vorbereitung anfühlt. Denn mit dem ersten Spieltag ist das alles weg. Jeder Eindruck aus der Vorbereitung zählt nicht mehr.

Trainer Urs Fischer vor Anpfiff, Foto: Stefanie Fiebrig

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Ein halbwegs versöhnlicher Abschluss einer verkorksten, katastrophalen Saison

Natürlich konnten die letzten beiden Siege die Saison nicht retten, sondern nur das Schlimmste verhindern. Und es ist nicht, als hätte man nicht auch gestern in Dresden gesehen, dass die Mannschaft sportliche Baustellen hat. Aber trotzdem hilft ein 1-0 in Dresden, mit einem etwas besserer Gefühl in die Sommerpause und die Aufarbeitung der Saison zu gehen. Diese Aufarbeitung darf deswegen aber natürlich nicht weniger stringent ausfallen.

Update von 15:30 Uhr: Diese Aufarbeitung hat im ersten Schritt ergeben, dass André Hofschneider nicht über das Saisonende hinaus Trainer sein wird, Lutz Munack in Zukunft nicht mehr für die Profiabteilung, sondern das Nachwuchsleistungszentrum und den Amateurfußball zuständig ist und die Position von Helmut Schulte als ‘Leiter der Lizenzspielerabteilung’ neu besetzt wird.

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Das ist der Geist, den die Mannschaft jetzt braucht

Wer Gerüchte will, wird aktuell gut bei Sport1 bedient. Ob und welche Substanz das hat, muss jeder für sich entscheiden. Mir ist ehrlich gesagt egal, ob Torsten Lieberknecht sein Kind im Kindergarten abmeldet oder nicht. Und für einen sich abzeichnenden Trainerwechsel ist das bestenfalls ein Indiz, aber kein Beleg.

Dass bei Union nicht tatenlos gewartet wird, bis die Saison beendet ist, dürfte allen klar sein. Aber was tatsächlich beschlossen und unternommen wird, ist aktuell nicht bekannt und bestätigt.

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Warum eigentlich pfeifen?

Morgen wird Marvin Friedrich sein erstes Pflichtspiel für Union machen. Was mich dabei irritiert ist die Bezeichnung “Friedrich der Große”, die in den Berliner Medien auftaucht (wie heute in der Morgenpost und gestern im Kurier). Denn ob der Verteidiger neben diesem einen Spiel noch weitere machen wird, wissen wir überhaupt noch nicht. Und dann ist “Friedrich der Große” für meinen Geschmack vielleicht auch die falsche Bezeichnung. Bei uns zu Hause fällt der Name nur, wenn der Jungunioner sich in den Kopf setzt, mal wieder nach Potsdam fahren zu wollen, um Kartoffeln auf das Grab des alten Fritz zu legen. Ich wünsche Marvin Friedrich für morgen also ein gutes Debüt mit einem Sieg für Union und dass er bei seinem richtigen Namen genannt wird, so wie das die BZ heute macht.

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“Wir haben Sieg nicht verdient mit der Leistung, die wir gebracht haben”

Ehrlich gesagt beschäftigte uns gestern hier im Harz der Sturm zunächst mehr als das Spiel von Union in Duisburg. Irgendwann sorgte ein Stromausfall im gesamten Ort dafür, dass hier gar nichts mehr ging. Doch gegen 12 Uhr kamen der Strom und kurze Zeit später auch der Mobilfunk wieder zurück.

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Wie polizeiliche Betretungsverbote für Fußballfans das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit erschüttern

Gestern war die Haupttribüne gut gefüllt, weil die HTW ihre Immatrikulationsfeier im Stadion durchführte. Ich finde das vor allem gut, weil es zwei regional starke Magneten wie die Hochschule für Technik und Wirtschaft und den 1. FC Union miteinander verknüpft. Und es sah gut aus. Hier der Beitrag der Abendschau vom RBB:

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Bei Union brennt der … äh Papierkorb

Da Union erst am Sonntag spielt, fehlen so ein bisschen die Geschichten. Spieltagspressekonferenz ist erst morgen und da Union den DFB-Pokal immer boykottiert so früh verlässt, fehlen die besonderen Flutlichtspiele unter der Woche im Februar/März. Ich habe sehr, sehr neidisch gestern nach Bielefeld und Offenbach geschaut. Das sind sportliche Momente, die das kollektive Fangedächtnis prägen können. Ich sage nur Daniel Ernemann und Viertelfinale.

Um euch den fehlenden Nachrichtendruck zu demonstrieren, werfe ich eine Meldung aus dem Kurier-Newsticker hier hinein

Vor der Haupttribüne an der Alten Försterei brannte ein Abfall-Eimer wegen einer Zigaretten-Kippe. Aber bevor etwas schlimmeres passierte, löschte Unions Medienbeauftragter Matthias Marek den Behälter mit einer Tasse voll Wasser.

Letztlich sind die weiterhin vorherrschenden Themen die Kadergröße (zu klein) und die Gegentore (zu früh). Der Kurier schaut sich jetzt die Gesamtzahl der kassierten Treffer an und findet, dass der Zeitpunkt gar nicht so entscheidend in der Diskussion sei. 37 Gegentore seien einfach viel zu viele. Kaum vorstellbar, dass Union in dieser Saison mal dreckig 1:0 gewinnen könnte. Und diese Vermutung wird bestätigt, wenn ihr euch alle Punktspielergebnisse von Union anseht. Kein einziges Mal 1:0. Was nicht heißt, dass die Mannschaft nicht knapp gewinnen kann. Aber sie muss dann eben immer mindestens zwei Tore schießen. Der Arbeitsaufwand für die Angreifer ist einfach sehr hoch. Das sagten Spieler auch nach der Partie in Leipzig. Und ihr kennt den Spruch: Offense gewinnt Spiele, Defense gewinnt Titel.

Foto: Koch

Nicht helfen im Angriff darf Sören Brandy, der wegen seiner Schulterverletzung nächste Woche Montag operiert wird. Ich bin sehr glücklich, in der Bild/BZ zu lesen, dass ihm danach seine zweijährige Tochter beim Anziehen helfen kann. Ganz im Ernst: Wenigstens hat er damit etwas Ablenkung während der Reha. Nicht das schlechteste.

Und wer sich wie ich fragt, wann Mario Eggimann außer mit Motivationsbotschaften auf Facebook dem Team auch auf dem Platz helfen kann, der sollte diese Nachricht zur Kenntnis nehmen: Der Verteidiger knickte mit dem linken Sprunggelenk im Training um und musste in die Kabine humpeln. Gute Besserung.

Die Alte Försterei ist auch als Lernort eine gute Location, wie die gestrige Aktion im Rahmen der Reihe “Zeig Rassismus die Rote Karte” gezeigt hat. Dabei war auch die Staatsbeauftragte für Integration, Aydan Özoguz:

 

Etwas weiter weg aus Köpenick: Unions ehemaliger Torhüter Jan Glinker hat sich in Magdeburg ein Hobby zugelegt. Er fotografiert. Seine Bilder findet ihr auf einer extra Seite bei Facebook.

Burger für den Masseaufbau

Die Diagnose bei Sören Brandys Verletzung an der linken Schulter war schwierig. Deshalb gab es erst gestern eine genaue Mitteilung: Der Offensivspieler kann die aus persönlicher Sicht ohnehin schon unglückliche Saison 2014/15 abhaken. Die vordere Begrenzung des linken Schultergelenks ist verletzt und wird operiert. Maxi Thiel plagt sich an der rechten Schulter mit exakt derselben Verletzung. Steckt man beide zusammen, hätte Norbert Düwel einen komplett einsatzfähigen Spieler. Der andere müsste allerdings gefüttert werden, da er die Arme nicht bewegen kann. Artikel zur Verletzung garniert mit Worten wie “bitter” gibt es bei Bild/BZKurier und Morgenpost.

Fantreffen mit Eroll Zejnullahu und Fabian Schönheim

Foto: unveu.de

Sehr witzig war dagegen das Fantreffen, bei dem Eroll Zejnullahu ungeahnte Entertainmentqualitäten bewies. Der Offensivspieler war gleichzeitig extrem schlagfertig und schüchtern.

Für mich persönlich interessant ist, dass sowohl Fabian Schönheim (Vertrag bis 2019) als auch Eroll Zejnullahu (Vertrag bis 2018) langfristig an Union gebunden sind. Damit verbunden sind Erwartungen an die Spieler, um die herum wahrscheinlich die Mannschaft in drei vier Jahren aufgebaut sein wird. Umgekehrt sind damit auch Erwartungen an den 1. FC Union verbunden. Der Glaube, dass mehr möglich ist, als diese Saison und auch mehr Kapazität im Klub drin steckt, als nur ab und zu an den vorderen Plätzen zu schnuppern, aber nie aktiv im Kampf um Aufstiegsplätze mitzumischen. Ich persönlich bin sehr gespannt darauf, wie sich Union für die nächste Saison aufstellt, wenn diese Übergangssspielzeit vorüber ist und wie Saisonziele verkündet und gelebt werden. Nicht nur von der Mannschaft, sondern auch vom gesamten Verein. Den Fans, den Mitgliedern, den Mitarbeitern. Es werden spannende Zeiten.

Foto: unveu.de

Typisierungsaktion im Kampf gegen den Krebs

Nicht nur Zeichen setzen, sondern auch selbst aktiv werden. Wegen dieser Eigenschaft schätze ich den 1. FC Union und fühle mich dort so wohl. Nach den beiden Schicksalsschlägen für Benjamin Köhler und Lisa Görsdorf wird beim nächsten Heimspiel am Sonntag gegen Kaiserslautern von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei eine Typisierungsaktion für den Kampf gegen Leukämie durchgeführt. Das ist nicht die Krebsvariante, an der die beiden Unionspieler erkrankt sind, aber eine sehr niedrigschwellige Möglichkeit für jeden, etwas persönlich für den Kampf gegen Krebs zu tun. Die Bild berichtet auch über diese Aktion.

Update von 19:38 Uhr: In den Artikel war ein Post von Facebook eingebettet, der allerdings gelöscht wurde und deshalb nicht mehr sichtbar ist. Deswegen wirkt die Überschrift unpassend.

Der Kader ist zu klein. Und zu müde. Und zu klein.

Wenn Union so etwas wie eine Religion wäre und Norbert Düwel der Prediger (oder irgend etwas anderes; ich bin in Kirchenfragen nicht besonders sicher), dann wären die Kollegen Sportjournalisten so etwas wie der Chor. Und immer wenn der Pfarrer Trainer anhebt und sagt “Der Kader” schallt es von rechts “Er ist zu klein”, um gleich von links ergänzt zu werden “Und zu müde.” Und immer wieder. Ich stelle mir das schön dramatisch vor.

So dramatisch ist es dann aber natürlich in der Wirklichkeit nicht. Fangen wir bei der Fraktion “Der Kader ist zu klein” an. Die teilt sich in den Glashalbvoll-Flügel (Bild/BZ), die sieht, wie Steven Skrzybski nach Jahren im Wartestand und mit den Labels “Eigengewächs” und “Talent” versehen, sich in die Startelf spielt und Tore schießt. Sonst war es jedes Jahr dasselbe: Es ist Frühling, die Unionstürmer schwächeln oder sind verletzt und statt die Chance ergreifen zu können, verletzt sich auch Skrzybski (ich klopfe auf Holz).

Die Glashalbleer-Fraktion wird von der Berliner Zeitung vertreten, die das Montagstraining so schildert: “Nur vier Feldspieler haben sich eingefunden; sie spurten unter Aufsicht des Assistenztrainers im Dreieck.” Nun liegt der Rest nicht im Krankenhaus Köpenick, aber der Kader ist tatsächlich etwas kleiner. Allerdings spielten die Winterabgänge (Özbek, Nemec, Dausch) sportlich keine Rolle, so dass es nicht fair wäre, sie jetzt aufzuzählen. Bleiben Köhler (Krebs), Thiel (Schulterverletzung) und Brandy (Schulter, aber was eigentlich genau?), die ausfallen. Drei Spieler, die getrost zur Top-14 des Kaders gezählt werden können und müssen.

Foto: unveu.de

Aber das heißt nicht, dass der Kader zu klein ist. Es heißt meiner Meinung nach, dass Union schlicht Pech hatte, dass die Kalkulation an der Sollbruchstelle (Defensives Mittelfeld/Linke Verteidigerposition) nicht aufgegangen ist. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Wie viel Geld war der Verein willens, im Winter auszugeben und wie war die Angebotslage? Ich vermute, dass das auf der Linksverteidigerposition (dort war Michael Parensen vorgesehen, der jetzt durch Benjamin Köhlers Krebserkrankung im defensiven Mittelfeld aushilft) schlicht kein Spieler zu dem von Union präferierten Preis vorhanden war und sich der Verein deswegen entschlossen hat, auf den Sommer 2015 zu warten. Denn für welche Ziele hätte Union mehr Geld ausgeben sollen? Aufstieg? Unerreichbar. Klassenerhalt? Dafür ist der Kader gut genug. DFB-Pokal? Europa-Cup?

Kommen wir zur anderen Hälfte des Chors. “Der Kader ist müde.” 17 Mal ist Union in dieser Saison schon in Rückstand geraten. Offensichtlich ist die Mannschaft nicht wach, wenn sie auf den Platz geht. Vielleicht sollte Düwel mal zu Jürgen Klinsmann ins Ansprache-Bootcamp gehen. Oder vielleicht zu diesen Hilfsmitteln greifen.

Foto: Sebastian Fiebrig

Auch hier sind Bild/BZ auf der motivierenden Seite. Denn Rückstände in den ersten fünf Minuten gab es erst drei mal in dieser Saison. Und es sind noch elf Partien, um sich an diesem Punkt zu verbessern. Analytisch ist das jetzt nicht gerade Champions-League, aber das war Jürgen Klinsmanns Capitano-Ansprache auch nicht. Und sie hat funktioniert.

Auch die Morgenpost singt im Chor gegen die Müdigkeit und findet als positives Zeichen, dass Union immerhin den Willen habe, Spiele auch umzubiegen. Das ist acht Mal gelungen (Unentschieden oder sogar noch Sieg). Doch auch hier erfahren wir nicht die Gründe für die Rückstände. Wo ist die Spielverlagerung, wenn ich sie mal brauche? In Leipzig war es meiner TV-Ansicht nach eine Mischung aus frühem Pressing durch Rasenballsport und aufgerückten oder nicht ihre Position haltenden Außenverteidigern. Da hätte ich gerne etwas mehr Analyse. Aber vielleicht hat ja der eine oder andere Leser Expertise und bekommt das ohne den Satz “Wir müssen die individuellen Fehler abstellen” hin.